Sprengel Stade, KK Rotenburg | Patrozinium: kein mittelalterliches Patrozinium bekannt1 | KO: Keine Kirchenordnung

Orts- und Kirchengeschichte

Im Chronicon episcoporum Verdensium (Chronik der Verdener Bischöfe), angelegt um 1331, ist nachzulesen, dass Bf. Rudolf I. von Verden (amt. 1189–1205) das castrum Rodenborch hatte errichten lassen.2 Nach Gründung der Burg entstand in ihrer Nachbarschaft die gleichnamige Siedlung.3 Die Burg entwickelte sich zum zweiten Zentrum des Bistums Verden und zur Residenz der Verdener Bischöfe; sie war umkämpft und wechselte im Lauf ihrer Geschichte mehrfach den Besitzer (auch durch Verpfändung).4 Schriftlich ist Rotenburg 1226 belegt (Heinricus sacerdos in Rodenburg), 1229 stellte der Verdener Bischof eine Urkunde in Rodenborg aus und 1253 in castro Rodenborch.5 Die Burg war seit etwa der ersten Hälfte des 15. Jh. Sitz der Vogtei bzw. des Amtes Rotenburg im Hochstift Verden, zu dem auch der gleichnamige Ort gehörte. Der Flecken Rotenburg ist 1338 als oppidum belegt, 1401 als dat wicbelde und 1403 als stedeken.6 Im gleichen Jahr bestätigte Bf. Konrad III. von Verden (amt. 1399–1407) Privilegien des wicbelde to Rodenborch, 1427 auch der Verdener Bf. Johannes III. von Asel (amt. 1426–1470).7 Im 15./16. Jh. bestanden nebeneinander Burg, Flecken und Vorstadt. 1547 eroberten Truppen des Gf. Albrecht von Mansfeld die Burg und brannten den Flecken Rotenburg nieder. Während des Dreißigjährigen Krieges (1618–1648) wurde Rotenburg mehrfach eingenommen und war seit 1631 schwedisch besetzt. Nach Ende des Krieges wurde das Hochstift Verden säkularisiert und blieb zusammen mit dem ebenfalls säkularisierten Erzstift Bremen unter schwedische Herrschaft (vereinigte Herzogtümer Bremen-Verden). Im Großen Nordischen Krieg (1700–1721) besetzte Dänemark 1712 die beiden Territorien und 1715 konnte das welfische Kfsm. Braunschweig-Lüneburg (Kurhannover) Bremen und Verden erwerben (1719 von Schweden gegen weitere Zahlung anerkannt). Die Erweiterung der Festung Rotenburg nach 1648 führte dazu, dass der Flecken Rotenburg sich nach Osten verlagerte; seit Mitte des 18. Jh. verfiel die Festung (1845 schließlich Wälle abgetragen und Gräben verfüllt).8 In französischer Zeit zählte Rotenburg 1810 kurzzeitig zum Kgr. Westphalen und war dann bis 1813 Hauptort des gleichnamigen Kantons im Arrondissement Bremen des Departements der Wesermündung im Kaiserreich Frankreich. Danach war Rotenburg, nun im Kgr. Hannover, wieder Sitz des gleichnamigen Amtes. Nach der Annexion des Kgr. Hannover wurde Rotenburg 1866 preußisch und war seit 1885 Sitz des neuen Lkr. Rotenburg/Hann. (1977 mit Lkr. Bremervörde fusioniert zum neuen Lkr. Rotenburg (Wümme) ). 1929 erhielt der Flecken Stadtrechte und 1974 wurden Borchel, Mulmshorn, Unterstedt sowie Waffensen eingemeindet. Seit 1873 besitzt Rotenburg einen Bahnhof (Strecke Bremen–Rotenburg–Hamburg). Mit Blick auf die soziale Zusammensetzung gab der Sup. 1941 an: „Beamte und Kaufleute, Gewerbetreibende und neuerdings durch den Flugplatz eine große Zahl von Arbeitern.“9 Im Jahr 1813 lebten knapp 1.000 Menschen in Rotenburg, 1855 gut 2.180 und 2019 rund 20.475 (Kernstadt, ohne Eingemeindungen).

Kirche, Ansicht von Süden, 2020, Foto: Wolfram Kändler, CC BY-SA 3.0 de

Kirche, Ansicht von Süden, 2020, Foto: Wolfram Kändler, CC BY-SA 3.0 de

Zeitgenössische Quellen über die Gründung der Kirche in Rotenburg sind nicht überliefert. In einem Bericht von etwa 1630/31 heißt es: „Die kirche zue Rotenburg ist durch Bischof Rudolphum anno Christi 1192 in die ehre … erbauwet“ (es ist eine Lücke gelassen für das Patrozinium, dass seinerzeit anscheinend schon nicht mehr bekannt war).10 Indirekt ist die Existenz einer Kirche möglicherweise für 1226 belegt: In diesem Jahr trat Heinricus sacerdos in Rodenburg (Heinrich Priester in Rotenburg) als Zeuge in einem Schiedsgerichtsverfahren zwischen dem Ebf. von Bremen und dem Bf. von Verden über die kirchlichen Verhältnisse in Ottersberg und Otterstedt auf.11 Allerdings kann Heinricus auch Priester an der Burgkapelle gewesen sein. Direkt erwähnt ist die Kirche in der Datumszeile einer Urkunde aus dem Jahr 1338: Datum et actum Rodenborch, in cymiterio ecclesie parrochialis ibidem (gegeben und geschehen zu Rotenburg, auf dem Friedhof der dortigen Pfarrkirche).12 Zum Kirchspiel gehörten auch die vier sogenannten Wasserdörfer Hassel, Hastedt, Hemsbünde und Worth. Neben dem 1226 genannten Heinrich lassen sich in den Zeugenlisten bischöflicher Urkunden weitere Rotenburger Geistliche finden: 1246 Wilhelmus sacerdus de Rodenburg, 1253 Heinricus plebanus de Rodenborch und 1388 Johannes Lubberti, Pfarrer in Rodenborch (rector ecclesiae).13 Die in den Vatikanischen Archiven verwahrten Quellen gewähren weitere, schlaglichtartige Einblicke in die Geschichte der Rotenburger Kirche: Im Dezember 1390 bemühte sich Nicolaus Wezel um die Pfarrpfründe in Rotenburg, da der bisherige Inhaber Arnoldus Strepehaveren an die Pfarrkirche in Marschacht gewechselt war.14 In der ersten Hälfte des 15. Jh. hatte Dethmarus de Rode das Rotenburger Pfarramt inne; 1419 wollte der ritterbürtige Johannes Schonenbeke seine Nachfolge antreten (da Rode auch Dekan an der Jacobikirche in Drebber sei) und 1422 meldete der Hildesheimer Kleriker Johannes Drosten Interesse an der Pfründe an (da Rode gestorben sei).15 Es ist davon auszugehen, dass jene Kleriker, die das Pfarramt in Rotenburg inne hatten, den Pfarrdienst nicht selbst versahen, sondern einen Vikar damit beauftragten. Besonders naheliegend ist dies bei dem von 1445 bis 1459 nachgewiesenen dominus Ruthgerus de Novimagio rector parrochialis ecclesie in Rodenborg, der auch als Prokurator des Verdener Bf. Johannes III. von Asel (amt. 1426–1470) und der Stadt Lüneburg unterwegs war.16 Möglicherweis seit Anfang des 15. Jh. bestand eine Marienbruderschaft in Rotenburg (fraternitas Beatae Mariae virginis), die vielleicht auf Initiative von Bf. Johannes III. entstanden war.17 Derartige Laienbruderschaften beteten für das Seelenheil ihrer verstorbenen Mitglieder, organisierten Seelenmessen und nahmen an Fronleichnamprozessionen teil. Neben der Pfarrkirche existierte in Rotenburg eine bischöfliche Burgkapelle, die 1355 belegt ist, als Bf. Daniel von Verden (amt. 1342–1364) eine Urkunde ausstellte in capella castri Rodenborch.18 Bf. Johannes III. ließ diese Kapelle um 1450 erneuern oder neu errichten. Die mittelalterliche Pfarrkirche Rotenburgs wurde im Schmalkaldischen Krieg zerstört, als Mansfelder Truppen Burg und Flecken 1547/48 eroberten und besetzten. Sie wurde danach „von holtz und steinen“ neu errichtet; 1562 lieferte die Marienbruderschaft Holz für die Decke der Kirche.19 Das Register der Marienbruderschaft nennt auch den vermutlich letzten altgläubigen Pfarrer von Rotenburg: „Her Carsten den Kaerk Heren“, der das Pfarramt wohl mindestens von 1556 bis 1566 inne hatte.20

Kirche, Ansicht von Südosten, Teilansicht

Kirche, Ansicht von Südosten, Teilansicht

Die Reformation setzte sich im Hochstift Verden erst spät und nur allmählich durch.21 Der Verdener (und Bremer) Bf. Christoph von Braunschweig-Lüneburg (amt. 1502–1558) bekämpfte die luth. Lehre.22 Sein Bruder und Nachfolger in beiden Bistümern, Bf. Georg (amt. 1558–1566), duldete den neuen Glauben, hatte einen ev. Kanzler, berief vermutlich auch einen ev. Hofprediger und bestimmte im Jahr 1564 zusammen mit dem Verdener Domkapitel den Protestanten Eberhard von Holle zu seinem Nachfolger. Seinerzeit gehörten das Abendmahl in beiderlei Gestalt und die Priesterehe „im Stifte Verden schon zu rechtem Gebrauche“, wie das Domkapitel formulierte; gleichzeitig verlangte es von Holle jedoch eine päpstliche Bestätigung.23 In Zusammenarbeit mit dem Domkapitel förderte und festigte Bf. Eberhard von Holle (amt. 1566/67–1586) die luth. Lehre. Vermutlich kurz nach der Visitation von 1570 erhielt das Hochstift Verden eine ev. Kirchenordnung (nicht erhalten).24 Die erste gedruckte Kirchenordnung erließ schließlich Bf. Philipp Sigismund (amt. 1586–1623) im Jahr 1606.25 Für Rotenburg gewährt das Register der Marienbruderschaft kleine Einblicke in das Reformationsgeschehen.26 Seit 1542 sind hier keine Stiftungen oder Spenden mehr verzeichnet, was für ein sich wandelndes Frömmigkeitsverständnis spricht.27 1564 ließen die Rotenburger anscheinend die Heiligenbilder vor den Stadttoren entfernen.28 1566 ist ein Klingelbeutel (büdell) in der Kirche belegt.29 Als erster ev. Geistlicher in Rotenburg gilt P. Johann Macke (amt. 1566/67), der ab 1567 gleichzeitig Sup. für die Pfarrkirchen im Amt Rotenburg war.30 Genaue Amtszeiten sind für die Rotenburger Pastoren des 16. Jh. nicht überliefert. Auf P. Macke folgte anscheinend P. Johannes Gentis (amt. 1573, 1579), der um 1577/80 die Konkordienformel unterzeichnete; an der Schloßkapelle ist P. Magister Adrian Schröder (amt. 1573) belegt.31 1601 hatte P. Andreas Fiedler das Rotenburger Pfarramt inne.32 Mit P. Johannes Dammann (amt. 1611–1614) beginnt die Reihe der Pastoren, deren Amtszeit bekannt ist.
In die langjährige Amtszeit von P. Ernst Stahl (amt. 1614–1658), der gleichzeitig auch Sup. im Amt Rotenburg war, fielen der Dreißigjährige Krieg (1618–1648), die Gegenreformation im Hochstift Verden und insgesamt drei Kirchenneubauten. 1621 ließ der Rat des Fleckens eine neue Kirche „fürm Schloß“ errichten, da die alte baufällig war; den Schiefer für das Dach brachte Kirchenjurat Gabriel Wortmann von zwei Harzreisen mit (Januar/Februar und August/September 1621); 1623 erhielt das Gotteshaus eine Orgel.33 Die neue Kirche nahm 1626 bei Angriffen kaiserlicher Truppen unter Tilly Schaden; allerdings finden sich im Rechnungsbuch der Kirche keine größeren Ausgaben für Reparaturen und das Gebäude konnte anscheinend weiterhin für Gottesdienste genutzt werden.34 Während des Dreißigjährigen Krieges (1618–1648) regierte mit Bf. Franz Wilhelm von Wartenberg (amt. 1630–1631) kurzzeitig wieder ein kath. Bf. im Hochstift Verden und der luth. P. Stahl musste Rotenburg verlassen. Er wurde durch einen kath. Pater ersetzt, der für die Rotenburger Kirche u. a. ein Holzkreuz und eine steinerne Taufe neu anschaffen ließ.35 Nachdem schwedische Truppen das Hochstift eingenommen hatten, konnte P. Stahl um 1631/32 zurückkehren. Ab 1636/37 sammelte die Gemeinde Rotenburg für den Bau einer neuen Kirche, die 1639/40 errichtet wurde. 1642 bekam das Gotteshaus anscheinend einen neuen Altar und eine neue Kanzel (im Lagerbuch von 1801 sind Altar und Kanzel verzeichnet, die jeweils die eingeschnitzte Jahreszahl 1642 trugen).36 Schon 1648 musste die Kirche abgebrochen werden, da sie der Festungserweiterung im Weg stand.37 Die neue Kirche entstand am Standort des heutigen Baus. Einen Turm ließ die Gemeinde erst 1679/80 errichten; in der Zwischenzeit hätten die Glocken, wie es 1685 heißt „bloß auffn Kirchhofe und zwischen den beumen gehangen“.38 Der Neubau der Kirche hätte „ein ahnsehnliches gekostet“ und der Turmbau sei „dem armen Flecken schwer gefallen“.39
Gleichzeitig mit P. Stahl und seinem Nachfolger P. Henning Schröder (amt. 1658–1676), der als Propst der Propstei Rotenburg vorstand, amtierte im Flecken Rotenburg noch ein zweiter Geistlicher: Der Nachmittagsprediger P. Justus Eberhard Wolff (amt. 1651–1671); 1661 ist P. Wolff auch als Garnisonsprediger genannt.40 Das älteste erhaltene Kirchenbuch Rotenburgs legte P. Joannes Theodorus Hornmeyer (amt. 1676–1706) im Jahre 1681 an; ältere Aufzeichnungen seien im Nordischen Krieg (1674–1679) abhanden gekommen.41 Den bis heute erhaltenen Kirchturm ließ die Gemeinde Rotenburg 1752 erbauen.

Kirche, Blick zur Orgel, nach 1965, vor 1982

Kirche, Blick zur Orgel, nach 1965, vor 1982

Mit Einrichtung der Insp. Rotenburg erhielt der Pastor Rotenburgs 1826/27 erneut die Aufsicht über die Geistlichen im Amt Rotenburg. Zur Unterstützung des Pastors und Superintendenten waren Hilfsgeistliche in Rotenburg tätig, die in der Regel schnell wechselten (ständige Kollaboratur seit 1907).42 Mitte des 19. Jh. begannen die Vorbereitung für den Neubau des Kirchenschiffs: 1851 wurde ein Kirchen-Neubau-Comitée gegründet.43 1856 schrieb die Gemeinde einen Architektenwettbewerb. Der Neubau sollte massiv sein, ein Gewölbe erhalten und Platz für etwa 950 Menschen bieten; der vorhandene Kirchturm sollte in das neue Gotteshaus einbezogen werden. Insgesamt 15 Entwürfe erreichten die KG. Den ersten Preis erhielt Wilhelm Edmund Koritzky, Maurermeister aus Görlitz; der Bauauftrag jedoch ging an den zweitplatzierten Ernst Klingenberg aus Bremen. Das alte Kirchenschiff wurde abgebrochen und für die Bauzeit bezog die Gemeinde eine Fachwerknotkirche. Am 15. Mai 1860 konnte der Grundstein für den Neubau gelegt werden und am 29. Juni 1862 feierte die Gemeinde die Einweihung. Bei Konstruktion und Gestaltung des neugotischen Backsteinbaus hatte sich Architekt Klingenberg anscheinend an Karl Friedrich Schinkels Friedrichswerderschen Kirche in Berlin orientiert.44
Sup. Adolf Kottmeier (amt. 1874–1897) gründete 1878 den „Verein für Epileptische“ in Rotenburg, der zwei Jahre später das „Asyl für Epileptische“ eröffnete. Aus dieser Einrichtung gingen die Rotenburger Anstalten hervor. Während der NS-Zeit hatte Sup. Walter Stalmann (amt. 1932–1958) Pfarramt und Suptur in Rotenburg inne. Er gehörte kirchenpolitisch, ebenso wie die Hilfsgeistlichen P. coll. Friedrich Wilhelm Heinrich Dierking (amt. 1937–1938) und P. coll. Meyer (amt. 1938–1940) der Hannoverschen Bekenntnisgemeinschaft an, wie es in den rückblickenden Antworten zum „Fragebogen zur Geschichte der Landeskirchen von 1933 bis Kriegsende“ heißt.45 Der 1933 neu gewählte, zehnköpfige KV „bestand zu 50 % aus Deutschen Christen oder vielleicht solchen, die von der Partei dazu bestimmt waren“. Eine DC-Ortsgemeinde gründete sich in Rotenburg nicht.
In den Wochen vor Pfingsten 1945 diente die Rotenburger Stadtkirche kurzzeitig als Auffanglager für befreite russische und polnische Kriegsgefangene.46 Die Zahl der Gemeindeglieder stieg in der Nachkriegszeit schnell an, lag 1952 bei etwa 14.000 und damit rund dreimal höher als 1936.47 1947 hatte das Landeskirchenamt die schon 1939 beantragte zweite Pfarrstelle eingerichtet, die als erster P. Gerhard Seebo (amt. 1948–1950) übernahm.48 1955 folgte die dritte Pfarrstelle.49 1961 beantragte der KV eine vierte Pfarrstelle, nicht zuletzt, da neben der Versorgung der Stadtgemeinde „noch die Betreuung der Garnison Rotenburg-Luhne, die z. Zt. ca 800 bis 900 evgl. Soldaten zählt und noch ständig wächst“ hinzukomme.50 1973 schließlich errichtete das Landeskirchenamt die gewünschte Stelle. Zu diesem Zeitpunkt existierten bereits drei ev.-luth. Gemeinden in Rotenburg: Zum 1. Januar 1965 hatte sich die Michaelskirchengemeinde Rotenburg gegründet, die den südlichen Teil der Stadt umfasst. 1966 folgte die formale Gründung der Anstaltsgemeinde Zum guten Hirten für die Rotenburger Anstalten, die faktisch bereits seit mehreren Jahrzehnten weitgehend unabhängig von der Stadtgemeinde existierte. Und 1987 gründete sich schließlich im Nordosten Rotenburgs die ev.-luth. Auferstehungsgemeinde.51 In der zweiten Hälfte des 20. Jh. wurde auch die konfessionelle Landschaft Rotenburgs vielgestaltiger: 1958 bezog die ev. Immanuel-Gemeinde ihr Kirchengebäude (1973 erweitert), die seit 1976 zur SELK gehört. Die kath. Gemeinde wuchs besonders seit der Eröffnung des Flugplatzes in Luhne und zählte 1941 etwa 400 Gemeindeglieder; 1971 weihte die Gemeinde die Corpus-Christi-Kirche ein.52 Die bapt. Gemeinde errichtete 1984 die Kreuzkirche.
Die Statdtkirchengemeinde Rotenburg unterhält seit den 1950er Jahren im Rahmen der Partnerschaft zwischen den Landeskirchen Sachsens und Hannovers Kontakte zur Kirchgemeinde Neukirch in der Lausitz.53 Die Landeskirchliche Gemeinschaft innerhalb der KG Rotenburg besaß in den 1950er und 1960er Jahren einen eigenen Prediger und einen eigenen Gemeindesaal; in den Unterlagen zur Visitation der KG heißt es jedoch 1966: „Die meisten Glieder der Gemeinschaft besuchen unsere Gottesdienste und sind z. T. im Kirchenchor.“54 Hinsichtlich des theologischen Profils der Gemeinde notierte der LSup. 1977, Rotenburg sei nicht wie viele Nachbargemeinden „durch die Erweckung bestimmt […] sondern mehr von bremischem Denken beeinflußt“.55
Diakonische Arbeit hat in der KG Rotenburg eine lange Tradition, die bis zurück zur Gründung des „Vereins zur Pflege Epileptischer“ im Jahre 1878 reicht. Auf die 1892 gegründete „Herberge zur Heimat“ geht letztlich auch das 1977 eröffnete Matthias-Claudius-Altenheim zurück. Nach Ende des Zweiten Weltkriegs übernahm die KG die Gemeindeschwesternstation der NSV, die 1981 in der Diakonie-Sozialstation der vier Gemeinden Stadtkirche, Michael, Sottrum und Ahausen aufging.56 Vom Diakonissen-Mutterhaus Rotenburg ging 1963 die Trägerschaft des 1905 eröffneten Kindergartens auf die KG Rotenburg über. Da das vorhandene Gebäude unzureichend war, begann der KV mit der Planung zweier neuer Kindergärten im Mühlenende (seit 1965 Michaelgemeinde, eröffnet 1966/67) und Hinter dem Loh (eröffnet 1973, seit 1987 Auferstehungsgemeinde).57
Seit 2004 kooperiert die Stadtkirchengemeinde im Bereich der Jugendarbeit mit ihren Tochtergemeinden Michael und Auferstehung. Im Jahr 2006 gründeten die drei Gemeinden die Stiftung „Kirche für Rotenburg“; Stiftungszweck ist die „Förderung des kirchlichen Lebens und der diakonischen Arbeit der Stifter-Kirchengemeinden“.58 Mit der Gründung des „Ev.-luth. Kirchengemeindeverbands Rotenburg (Wümme)“ im Jahre 2010 intensivierten die Rotenburger Gemeinden ihre Kooperation. Der Verband bildete die Grundlage einer verlässlichen und verbindlichen Zusammenarbeit, um gemeinsam kirchengemeindliche Aufgaben zu erfüllen; die drei Gemeinden kooperieren inhaltlich, personell und finanzielle (u. a. gemeinsame Pfarrstellenbesetzung).59

Pfarrstellen

I: vorref., 1827–2004 und 2013–2018 mit Suptur. für Insp./KK Rotenburg verbunden. – II: (1907) 1947.60 – III: 1955–1987 (übergegangen auf Auferstehungsgemeinde). 1987 (neu aus IV).61 – IV: 1973–1987 (umgewandelt in III).62

Umfang

Rotenburg sowie die Orte Borchel, Hassel, Hastedt, Hemsbünde und Worth; Siedlung Luhne. 1964 Gebiet südlich der Wiedau bzw. Wümme zur neuen Michaelsgemeinde Rotenburg. Gebiet der Rotenburger Anstalten zur neuen Anstaltsgemeinde Zum guten Hirten (Rotenburg, Zum guten Hirten). 1987 nordöstliches Gemeindegebiet Hinter der Lohe zur neuen Auferstehungsgemeinde.

Aufsichtsbezirk

Bischöfliche Eigenkirche.63 – 1567 Spezial-Superintendentur für das Amt Rotenburg (wechselnde Suptur.-Sitze). Seit 1659 Propstei Rotenburg innerhalb der Insp. für die Ämter Verden und Rotenburg, 1676/81 Propstei aufgehoben; Rotenburg kam zur Insp. Verden. 1827 zur neuen Insp. Rotenburg (1924: KK).
1567 richtete Bf. Eberhard von Holle (amt. 1566–1586) eine Spezialinspektion für die Pfarrgemeinden im Amt Rotenburg ein; das Amt des Sup. hatte anfangs und erneut von 1614 bis 1658 der Rotenburger Pfarrer inne. Von 1659 bis 1676/81 bestand die Propstei Rotenburg als kirchlicher Aufsichtsbezirk innerhalb der Insp. für die Ämter Verden und Rotenburg. 1827 wurde Rotenburg Sitz der neuen Insp. Rotenburg, zu der neben Rotenburg selbst die Gemeinden Ahausen, Brockel, Kirchwalsede, Neuenkirchen, Scheeßel, Schneverdingen, Sottrum, Visselhövede und Wolterdingen zählten. 1855 kam die neugegründete Gemeinde Fintel hinzu, in der zweiten Hälfte des 20. Jh. die neuen KG Heber (1961), die neuen Rotenburger KG Michael (1965) und Auferstehung (1987), die neue KG Horstedt (1989) und die Markusgemeinde in Schneverdingen (1994). Wolterdingen wechselte 1974 zum KK Soltau. Von 2004 bis 2013 war die Pfarrstelle des Sup. in der Michaelsgemeinde angesiedelt; seit 2018 hat der Sup. des KK Rotenburg ein Kirchenkreispfarramt inne ohne Stellenanteil in einem Gemeindepfarramt.

Patronat

Der Landesherr (bis 1871).

Kirchenbau
Innenraum, Blick zum Altar, 2020, Foto: Wolfram Kändler, CC BY-SA 3.0 de

Innenraum, Blick zum Altar, 2020, Foto: Wolfram Kändler, CC BY-SA 3.0 de

Neugotische Hallenkirche mit niedrigerem, eingezogenem Polygonalchor, erbaut 1860–62 (Architekt: Ernst Klingenberg, Bremen).64 Verkupfertes Satteldach, nach Osten abgewalmtes Dach über dem Chor. Backsteinmauerwerk; Treppengiebel nach Osten; Längsseiten mit Strebepfeilern und backsteinernem Trauffries, je fünf spitzbogige Fenster mit vierbahnigem Sandsteinmaßwerk, im östlichen und westlichen Halbjoch jeweils Nebeneingänge und kleine Spitzbogenfenster; am Chor Spitzbogenfenster mit vierbahnigem Sandsteinmaßwerk, im Sockelbereich spitzbogige Blendnischen. Im Innern Netzgewölbe in Schiff und Chor; spitzer Triumphbogen zwischen Chor und Schiff; längs des Mittelschiffs spitzbogige Arkaden (im Wechsel: ein Pfeiler, zwei gusseiserne Säulen), darüber Emporen mit querstehenden Spitztonnengewölben, Deckengewölbe von Mittel- und Nebenschiffen getragen von gusseisernen Säulen; Westempore tritt segmentbogig vor (Chorempore); zweite, zurückgesetzte Westempore (ursprünglich Orgelempore). 1929/30 Neugestaltung Innenraum (u. a. untere Westempore eingebaut, Mittelgang angelegt, Neuausmalung).65 1932/33 Fialen an Ecken entfernt, ebenso fialenartige Verlängerung der Strebepfeiler; Neudeckung Dach (Kupfer). Oktober 1943 Kupferdach zu Rüstungszwecken abgeliefert, Schieferdeckung erst im Mai 1944 vollendet.66 1962 Neugestaltung Innenraum. 2000 und 2002 Innenrenovierung (Wiederherstellung Farbfassung 1862). 2004/05 Außensanierung.

Fenster

Fünf ornamental gestaltete Buntglasfenster im Altarraum (nach dem Vorbild der 1944/45 beschädigten Originalfenster 1958/59 ergänzt von Heinz Lilienthal, Bremen).

Turm

Barocker Westturm, erbaut 1752 (Maurermeister Christian Götze, Voigtland).67 Weiß verputztes Feldsteinmauerwerk; kupfergedeckter, geschwungener Turmhelm mit vierseitigem Ansatz und achteckig ausgezogener Spitze, bekrönt mit Kugel und Wetterfahne; dreiteilige Dachgauben; rundbogiges Portal nach Westen, im Glockengeschoss nach Norden, Süden und Westen gekuppelte, flachbogige Schallöffnungen, darüber Uhrziffernblätter; in den übrigen Geschossen je ein kleines Flachbogenfenster nach Norden, Süden und Westen. 1863 Turmuhr (Firma Mannhardt, München). 1927/88 Kupferdeckung. nach 1945 neue Turmuhr (J. F. Weule, Bockenem). 1994 Turmsanierung. 2012 Sanierung Turmsockel.

Vorgängerbauten

Erste Kirche angeblich 1192 errichtet, 1547 zerstört (Schmalkaldischer Krieg).68 Wohl 1548 Neubau einer Kirche „von holtz und steinen“ (ausgemauertes Fachwerk), war um 1620 baufällig.69 1620/21 Kirche „von grundt uf repariret“ (Baurechnungen erhalten), im Innern zwei Emporen; Gebäude 1626 schwer beschädigt (Dreißigjähriger Krieg und Sturm). 1639/40 Kirchenneubau (Fachwerk, Ausfachung wohl mit Reisiggeflecht, Baurechnung erhalten), KGb 1648 bei Erweiterung der Festung nach Osten abgebrochen.70 1648 Neubau am heutigen Standort, rechteckiger Fachwerkbau (Ziegelausfachung) mit nach Osten abgewalmtem Satteldach, im Innern flache Decke; 1669/70 Fachwerkturm errichtet, um 1670 Turmuhr angeschafft (Lagerbuch 1801: „die Thurm Uhr ist zwar als, doch aber noch in ziemlich guten Stande. Sie schläget keine Viertel noch halbe sondern nur gantze Stunden.“, der Hammer schlug an die große LG).71 1690 Neuausmalung der Kirche. 1722 Kirchturm saniert. 1752 neuer Turm errichtet (bis heute erhalten). 1765 Renovierung. 1860 Kirchenschiff abgebrochen.

Gefallenendenkmal, Gemälde von Rudolf Schäfer, 2020, Foto: Wolfram Kändler, CC BY-SA 3.0 de

Gefallenendenkmal, Gemälde von Rudolf Schäfer, 2020, Foto: Wolfram Kändler, CC BY-SA 3.0 de

Ausstattung

Blockaltar mit schlankem, neugotischem Retabel (1862, Entwurf: Ernst Klingenberg, Bremen), Tabernakelform: Wimperg, Fialen, dachreiterartige Spitze mit Kreuzblume; im Hauptfeld Kreuzigungsgemälde (1862, W. Bergmann, Kopie eines Gemäldes von Oeltzen, Hannover), Altar gestiftet von P. Joachim Ernst Kerstens (amt. 1857–1874).72 – Schlichter, hölzerner Altartisch vor Altarraum (2006, Entwurf: Andreas Martin, Rotenburg). – Pokalförmiger Taufstein (dat. 1582, Sandstein, Schaft 19. Jh.), runder, gebauchter Schaft, verziert mit Akanthusblättern, etwa halkugelförmiges Becken, im Boden des Beckens Wappen des Verdener Bf. Eberhard von Holle (amt. 1566–1586).73 – Schlichte, neugotische Holzkanzel, seit 1986 in Rotenburg, ursprünglich aus Papenburg. – Vier Relieftafeln aus Eichenholz (um 1642), wohl ursprünglich an der Kanzel der Vorgängerkirche angebracht, 1860 verkauft, 2007 zurückerworben; die Reliefs zeigen biblische Geschichten (Erschaffung Adam und Eva, Jakobs Traum, Lot und seine Töchter, Geburt Jesu).74 – In der Turmhalle: Grabstein des Ehepaares Otto Kampe († 1609) und Maria Gese von Broke. – In der Turmhalle: Gemälde „Anbetung des erhöhten Christus (1955, Rudolf Schäfer, Rotenburg), Inschrift: „Niemand hat größere Liebe, denn die, daß er sein Leben lässet für seine Freunde Ev. Joh. 15,13“ und „Unseren gefallenen und vermißten Brüdern zu dankbarem Gedenken“.75 – Außen am Chor: Grabstein für Hans Heidenreich Gieseken († 1623). – Ehemalige Ausstattung: Neugotische Kanzel mit mächtigem Schalldeckel (1862, Entwurf: Ernst Klingenberg, Bremen), Kanzel gestiftet von P. Joachim Ernst Kerstens (amt. 1857–1874); Schalldeckel 1930 entfernt, Kanzel 1962 entfernt und durch eine moderne ersetzt, 1986 entfernt.76

Orgel, 1962 [vor der Neugestaltung des Innenraumes (1962)] (Orgelprospekt: Zustand 1962)

Orgel, 1962 [vor der Neugestaltung des Innenraumes (1962)] (Orgelprospekt: Zustand 1962)

Orgel

1621 aus der alten Kirche das „alte Positiv“ übernommen.77 1623 Sammlung für Orgelneubau, Positiv verkauft.78 Orgelneubau wohl um 1625 (Kosten: gut 426 Reichstaler). In der 1648 erbauten Kirche war 1685 ein „altes, abgängiges Positiv“ vorhanden.79 1685 Orgelgehäuse und weitere Orgelreste aus der Rotenburger Schlosskapelle übernommen (Spieltisch, Windlade, Windbälge), Orgel ursprünglich erbaut 1608 von Hans Scherer (Orgelwerk) und Ludwig Münstermann (Gehäuse); Bau eines neuen Orgelwerks im Münstermannschen Gehäuse, 1687 ausgeführt von Henrich Corthumb (Bremen), 13 II/P, mechanische Traktur, Schleifladen80 (altes Positiv an Corthumb abgegeben); Instrument 1766 von Marcus Hinrich Petersen (Bederkesa) repariert, Zustand 1801: 14 ½ II/P (laut Lagerbuch)81; 1815/16 Reparatur durchgeführt von Peter Tappe (Verden). Orgel bei Abbruch der Fachwerkkirche 1860 abgebaut, Prospekt im Focke-Museum Bremen.82 Neue Orgel erbaut 1866, P. Furtwängler (Elze), 25 II/P (HW, OW), mechanische Traktur, Schleifladen; aufgestellt auf der oberen Westempore (Opus 76), neugotisches Orgelgehäuse gefertigt von Ernst Rinck (Rotenburg).83 1945 Orgel „weithin zerstört“ während Kirche als „Auffangstelle für Russen und Polen“ diente.84 1946 Kriegsschäden beseitigt, Paul Ott (Göttingen), Instrument 1963 nicht mehr spielbar (neue Heizung).85 1963–67 in zwei Bauabschnitten Instandsetzung und Erweiterung, ausgeführt von Hermann Hillebrand (Altwarmbüchen), 34 III/P (HW, OW, RP), mechanische Traktur, Schleifladen; Prospekt von 1866 erhalten. 1973 Instandsetzung, ausgeführt von Hermann Hillebrand (Altwarmbüchen). 1982/83 Neubau des Orgelwerks, ausgeführt von Johannes Klais (Bonn), 36 II/P, mechanische Traktur, Schleifladen, aufgestellt auf der unteren Westempore; Orgelgehäuse von 1865/66 verändert erhalten, unter Denkmalschutz. – 1962/63 Orgelpositiv angeschafft (als Interimsinstrument), erbaut von Hermann Hillebrand (Altwarmbüchen), 5 I/–, mechanische Traktur, Schleiflade, 1965 an Michaelsgemeinde weitergegeben. Truhenorgel, 1983 erbaut von Emil Hammer (Arnum), 3 I/–, mechanische Traktur, Schleiflade (Opus 1848)86, im Altarraum aufgestellt; 1988 verkauft an die kath. KG St. Godehard Bremen. 1990 neue Truhenorgel erworben, 3 I/–, mechanische Traktur, Schleiflade, erbaut von der Krummhörner Orgelwerkstatt Inh. Regina Stegmann (Greetsiel).87

Alte Glocke von 1951, 2020, Foto: Wolfram Kändler, CC BY-SA 3.0 de

Alte Glocke von 1951, 2020, Foto: Wolfram Kändler, CC BY-SA 3.0 de

Geläut

Vier LG, I: f’ (Bronze, Gj. 1955, Firma Rincker, Sinn), 2005 erworben, 2006 aufgehängt, vorher in Thomaskirche Hannover-Oberricklingen; II: as’ (Bronze, Gj. 1955, Firma Rincker, Sinn), 2005 erworben, 2006 aufgehängt, vorher in Thomaskirche Hannover-Oberricklingen; III: b’ (Bronze, Gj. 2006, Firma Rincker, Sinn), Inschrift: „Gott spricht: Ich lasse dich nicht fallen und verlasse dich nicht. Jahreslosung. Josua 1,5“, gestiftet von Familie Köster; IV: c’’ (Bronze, Gj. 1379), Inschrift: „mergriete is miene name. min luut si gode bequame. ghemaect in jaer m ccc en lxxix“, diente 1863 bis 1925 als SG.88 Zwei SG, I: c’’, Marienglocke, (Bronze, Gj. wohl erste Hälfte 15. Jh.), Inschrift: „jhesus. maria. jasper mengher baltasar. helf moder ghodes amen“ (Caspar, Melchior, Balthasar), Bilder: ein kleines und ein großes Madonnenrelief, seit 1925 SG; II: ces’’’ (Eisen, Gj. etwa 1863, Bochum). – Früherer Bestand: Eine große LG (Bronze), um 1640 zu einer neuen Glocke umgegossen, wiederum umgegossen zu einer neuen LG (Bronze, Gj. 1652. Claudius Gage, Bremen), Inschrift: „M[eister] C[laudi] G[age]“ und „Avcta et reparata svb illvstri ac generosissimo d[omi]no Johanne Christophoro Königsmarck comite in Westerwisch et Stegholm d[omi]no in Rotenbvrg et Newhavs satrapa d[omi]no Thoma de gerstenberg qvaestore d[omi]no Petro Papa MDCLII“ (Vergrößert und wiederhergestellt unter dem erlauchten und großmütigsten Herrn Johann Christoph Königsmark, Graf in Westerwik und Stegholm, Herr in Rotenburg und Neuhaus, dem Drosten Herrn Thomas von Gerstenberg, dem Amtmann Herrn Peter Papst. 1652), Glocke (bereits gerissen) im Ersten Weltkrieg zu Rüstungszwecken abgeliefert. Zwei neue LG angeschafft, I: fis’, Inschrift: „Jesus Christus gestern und heute und derselbe auch in Ewigkeit! Hebr. 13 V. 8 – Ersatz für die dem Kriege zum Opfer gefallene Glocke von 1652, gestiftet von der Gemeinde. 1925“; II: ais Inschrift: „Land, Land, höre des Herrn Wort“ (beide Bronze, Gj. 1925) angeschafft, diese im Zweiten Weltkrieg zu Rüstungszwecken abgeliefert. Drei LG, I: f’, Inschrift: „Ick roop de T, ick künnʼ de Ewigkeit, ick moahn tonʼ Freeden. Chrissenvolk: Weesʼ bereit! 1951“, Gießerzeichen J. F. Weule Bockenem 1951; II: as’, Inschrift: „1652–1914–18. 1925–1939–45. Zum Frieden geboren, im Kriege verloren waren die Schwestern mein. Im stählern Gewande hört mich nun im Lande und betet: Laßt Frieden sein“; III: b’, Inschrift: „Land, Land, Land, höre des Herrn Wort“ (alle Eisen, Gj. 1951, Firma Weule, Bockenem), 2005/06 abgenommen, große Glocke vor der Kirche aufgestellt.

Weitere kirchliche Gebäude

Superintendentur/Pfarrhaus I (Bj. 1836). – Pfarrhaus II (Bj. 1900). – Gemeindehaus (Bj. 1955–57, Architekt: Heinz Gericke, Walsrode).

Friedhof

Ein Friedhof ist erstmals 1338 belegt als eine Urkunde ausgestellt wurde in cymiterio opidi Rodenborch.89 Friedhof rund um die Stadtkirche genutzt von 1648 bis 1879, 1964 eingeebnet. Neuer Friedhof an der Lindenstraße, angelegt 1879, bis 1973 in kirchlicher Verwaltung, seitdem städtisch; FKap, daneben Glockenträger mit einer Glocke, g’’ (Bronze, Gj. 1958, Firma Rincker, Sinn). Waldfriedhof an der Freudenthalstraße, angelegt um 1948/50, bis 1973 in kirchlicher Verwaltung, seitdem städtisch; FKap (Bj. 2020), daneben Glockenträger mit einer Glocke, f’’ (Bronze, Gj. 1966, Firma Rincker, Sinn). Kommunaler Friedhof in Borchel.

Liste der Pastoren (bis 1940)

1560 Carsten Vagetstorp. – 1567 Johann Macke. – 1573 Johannes Gens. – 1611–1615 Johann Dammann. – 1614– 1658 Ernst Stahl. – 1658–1676 Magister Henning Schröder. – 1676–1706 Johannes Theodorus Hornmeyer. – 1707–1712 Johann Friedrich von Stade. – 1713– 1749 Karl Albrecht Lappenberg. – 1750–1758 Paul Gottfried Winkelmann. – 1758–1764 Lorentz Gerhard Bergst. – 1765– 1776 Christian Ludwig Plate. – 1776–1797 Heinrich Christian Klee. – 1799–1817 Johann Nikolaus Witte. – 1818–1853 Johann Hermann Kedenburg. – 1854– 1856 Georg Heinrich Ferdinand Baring. – 1857–1874 Joachim Ernst Kerstens. – 1874–1897 Adolf Wilhelm August Kottmeier. – 1897–1904 Adam Bodo Karl Ludwig Wolff. – 1904–1913 Wilhelm August Theodor Dieckmann. – 1913–1925 August Georg Theodor Tielemann. – 1925–1932 Johann Anton Jodokus Feltrup. – 1932–1958 Walter Theodor Alwin Stalmann.
Angaben nach: Meyer, Pastoren II, S. 326-327

Landeskirchliches Archiv Hannover (LkAH)

A 5 Nr. 778–782 (Spec. Landeskons.); A 6 Nr. 7187–7194 (Pfarrbestallungsakten); A 8 Nr. 374 (CB); A 12 g Nr. 12 (GSuptur. Stade); D 61 (EphA Rotenburg); Kons. Stade A 2 Nr. 1308–1322 (Akten des Konsistoriums in Stade); Kons. Stade A 6 Nr. 7187–7194 (Akten des Konsistoriums in Stade); Kons. Stade A 8 Rot (Akten des Konsistoriums in Stade); Kons. Stade A 9 Nr. 2563–2565, 2741–2742 (Akten des Konsistoriums in Stade); L 5g Nr. 282, 284, 899 (LSuptur. Stade); S 09 rep Nr. 1964 (Presseausschnittsammlung); S 11a, Nr. 7619 (Findbuch PfA).

Literatur & Links

A: Asmus, Verdener Akten, S. 40–41; Dehio, Bremen/Niedersachsen, S. 1147–1148; Heyken, Kirchen II, S. 50–61, mit Abb. 1–7; Meyer, Pastoren II, S. 326–327; Paravicini, Residenzen Bd. I,2, S. 496–498; Poser, Schäfer, S. 190–191, 319; Siebern/Wallmann/Meyer, KD Kr. Verden, Rotenburg, Zeven, S. 154–163; Topp/Pape, Tappe, S. 32.
B: Gerhard Chrzanowski (Red.): Stadtkirche Rotenburg 1192 – 1862 – 2012. Festschrift zum 150. Jahrestag der Errichtung des Kirchenschiffs, Rotenburg 2012; Wilhelm Haltenhoff: Stadtkirche Rotenburg. 1192 – 1862 – 1987. Festschrift zum 125. Jahrestag der Errichtung des Kirchenschiffs, Rotenburg 1987; Enno Heyken: Rotenburg. Kirche, Burg und Bürger (= Rotenburger Schriften Sonderheft 7), Rotenburg/Hann. 1966; Hermann Hinck: Die Stadtkirche Rotenburg und die Neugotik, in: Rotenburger Schriften 95 (2015), S. 89–104; Dietmar Kohlrausch: 800 Jahre Rotenburg (Wümme). Von der bischöflichen Residenz zur modernen Kreisstadt, Rotenburg 1994; Dietmar Kreß (Red.): Die Orgeln in der Stadtkirche Rotenburg. Festschrift anläßlich ihrer Einweihung 1983, Rotenburg 1983; Marie Tielemann (Bearb.): 1403–1567. Register der Rotenburger Marienbruderschaft nebst einem Anhang von Urkunden des genannten Zeitraumes, Bremen 1964.
Internet: Bildindex der Kunst & Architektur: Kirche, Orgelprospekt Münstermann.

GND

7857952-1, Evangelische Kirche (Rotenburg, Wümme)

Weitere Bilder

Fußnoten

  1. Heyken, S. 106, vermutet St. Margaretha, da der Name auf der ältesten Lg genannt ist, da der angebliche Kirchengründer Bf. Rudolf „ein Vorkämpfer des Kreuzzuggedankens“ gewesen sei und die Verehrung der hl. Margaretha „in Deutschland durch die Kreuzzüge sehr volkstümlich geworden sei und da die hl. Margaretha „als Schutzheilige und Fürsprecherin bei der Rodung des Waldes verehrt wurde“.
  2. Vogtherr, Chronicon, S. 102 f. Die Chronik ist später um weitere Bischofsbiographien ergänzt worden, vgl. ebd., S. 12 ff. Zu möglichen Bedeutungen des Namens vgl. Heyken, S. 6 ff.
  3. Zu Rotenburgs Anfängen und Geschichte vgl. Kohlrausch, S. 15 ff.; Heyken, S. 32 ff.
  4. Paravicini, Residenzen, Bd. I,2, S. 496 ff. Vgl. dort auch zur Baugeschichte der Burg; Siebern/Wallmann/Meyer, KD Kr. Verden, Rotenburg, Zeven, S. 154 ff.
  5. UB Verden I, 286.3; ebd., Nr. 306; ebd., Nr. 440. Kohlrausch, S: 20, bezeichnet die Nennung Rotenburgs in der Urkunde von 1229 als Ersterwähnung.
  6. UB Verden II, Nr. 480; ebd., III, Nr. 424; ebd., Nr. 463.
  7. UB Verden III, Nr. 466; ebd. IV,1, Nr. 33. Zur Ratsverfassung vgl. Heyken, S. 36 ff.
  8. Kohlrausch, S. 79 ff. und S. 61; Heyken, S. 46 ff.
  9. LkAH, L 5g, Nr. 284 (Visitation 1941).
  10. Asmus, Verdener Akten, S. 40. Die Quelle, die historische Notizen über Kirchen im Hochstift Verden und Verzeichnisse ihrer Einkünfte enthält, entstand, als Bf. Franz Wilhelm von Wartenberg (amt. 1630–1631) während des Dreißigjährigen Krieges kurzzeitig die Herrschaft in Verden übernahm und versuchte, das Bistum zu rekatholisieren, vgl. ebd., S. 29 ff. Zur Geschichte der Kirche in Rotenburg vgl. Heyken, S. 104 ff., der für Rotenburg P. Ernst Stahl (amt. 1614–1658) als den „Chronisten von 1631“ identifiziert, ebd., S. 121 mit Anm. 14.
  11. UB Verden I, Nr. 286.3.
  12. UB Verden II, Nr. 484.
  13. UB Verden I, Nr. 396; ebd., Nr. 440; ebd., III, Nr. 111.
  14. RG Online, RG II 06096, http://rg-online.dhi-roma.it/RG/2/6096, 05.11.2020.
  15. RG Online, RG IV 09159, http://rg-online.dhi-roma.it/RG/4/9159, 05.11.2020; RG Online, RG IV 07167, http://rg-online.dhi-roma.it/RG/4/7167, 05.11.2020.
  16. UB Verden IV,1, Nr. 580 (Zitat), 614, 646; ebd. IV,2, Nr. 910, 1115 und 1119; vgl. auch RG Online, RG V 08194, http://rg-online.dhi-roma.it/RG/5/8194, 05.11.2020.
  17. Thielemann, S. 6 ff. Die Bruderschaft wird im 17. Jh. als Kalandsbruderschaft erwähnt, aber „vieles spricht gegen die Behauptung“, dass es sich um einen Kaland gehandelt hat, vgl. ebd., S. 7. Vgl. auch Kohlrausch, S. 51 ff.
  18. UB Verden II, Nr. 736.
  19. Asmus, Verdener Akten, S. 40; Thielemann, S. 11, Anm. 32.
  20. Thielemann, S. 124; Heyken, S. 116 mit Anm. 26. Bei Meyer, Pastoren II, S. 326, wird P. Carsten Vagetstorp (amt. 1560) al erster ev. Pastor geführt.
  21. Vgl. zum Folgenden: Jarecki, Reformation, S. 81 ff., sowie die Beiträge von Hans Otte, Matthias Nistal und Thomas Vogtherr in Dannenberg/Otte, Reformation.
  22. Zu Bf. Christoph vgl. den Beitrag von Matthias Nistal in Dannenberg/Otte, Reformation, S. 39 ff.
  23. Zit. bei Jarecki, Reformation, S. 94. Zu Holle vgl. den Beitrag von Thomas Vogtherr in Dannenberg/Otte, Reformation, S. 53 ff. Die päpstliche Bestätigung konnte Holle nicht beibringen.
  24. Bei der Visitation wurden nicht die einzelnen Gemeinden besucht; vielmehr fand für das jeweilige Amt eine Predigerversammlung in Rotenburg (Wümme) und eine in Verden statt, vgl. Jarecki, Reformation, S. 99 f.
  25. Sehling, Kirchenordnungen 16. Jh. Bd. 7,1, S. 145 ff: „Kirchenordnung, wie es mit christlicher lehr und ceremonien, verreichung der h[eiligen], hoch[wirdigen] sacramenten und andern kirchensachen im stift Verden hinfort durch Gottes gnad und beystand ordentlich gehalten werden soll“.
  26. Zum Folgenden: Thielemann, S. 8.
  27. Thielemann, S. 8: „Man hatte von Luther gelernt, daß man sich nicht durch gute Werke die Seligkeit erwerben könne.“
  28. Thielemann, S. 125: „…den steyn wech makede de büten den werder daer…“. Vgl. auch ebd., S. 8.
  29. Thielemann, S. 134.
  30. Heyken, S. 116.
  31. Dannenberg/Schulze, Geschichte III, S. 71. Der Grabstein von P. Gentis befindet sich in Neuenkirchen, vgl. Heyken, S. 116.
  32. Heyken, S. 116.
  33. Zit. bei Heyken, S. 118; ausführlich zum Neubau: Heyken, S. 117. Heykens Darstellung basiert auf den erhaltenen Baurechnungen.
  34. Heyken, S. 123.
  35. Heyken, S. 124.
  36. LkAH, A 8 Nr. 374 (Lagerbuch, S. 17 und S. 19); Heyken, S. 129.
  37. Vgl. die Übersichtspläne bei Kohlrausch, S. 61; zum Kirchenbau Heyken, S. 130 f.
  38. Zit. bei Kohlrausch, S. 76.
  39. Zit. bei Kohlrausch, S. 76.
  40. Heyken, S. 153.
  41. Heyken, S. 147.
  42. Haltenhoff, S. 23; KABl. 1907, S. 78.
  43. Heyken, S. 170. Ausführlich zum Neubau: ebd., S. 167 ff.; Heyken, Kirchen II, S. 51 ff.; vgl. auch Hinck, S. 97 ff.
  44. Heyken wies als erster auf die Ähnlichkeit der beiden Kirchenbauten hin und ist sich der Vorbildwirkung Schinkels sicher: Klingenberg habe „die Rotenburger Kirche in der Konstruktion und in der Gestaltung der Werderschen Kirche geradezu nachgebaut“, Heyken, Kirchen II, S. 58.
  45. LkAH, S 1 H III Nr. 713, Bl. 9. Dort auch das folgende Zitat.
  46. Heyken, S. 179; LkAH, B 2 G 9/Rotenburg, Bd. 1, Bl. 28; LkAH, B 2 G 9 B, Nr. 553, Bl. 241.
  47. LkAH, B 2 G 9/Rotenburg, Bd. 1, Bl. 70.
  48. KABl. 1947, S. 26; LkAH, L 5g, Nr. 899 (Schreiben des LSup. für Verden-Hoya an LKA Hannover, 14.06.1939).
  49. KABl. 1955, S. 10.
  50. LkAH, L 5g, Nr. 899 (Schreiben des KV Rotenburg an den KKV Rotenburg, 24.03.1961).
  51. KABl. 1987, S. 125.
  52. LkAH, L 5g, Nr. 284 (Visitationen 1941 und 1974); Heyken, Kirchen II, S. 67 f.
  53. Allgemein: Cordes, Gemeindepartnerschaften, S. 38 ff.
  54. LkAH, L 5g, Nr. 284 (Visitation 1966).
  55. LkAH, L 5g, Nr. 282 (Visitation 1977).
  56. LkAH, L 5g, Nr. 284 (Visitationen 1941 und 1947); Haltenhoff, S. 26.
  57. LkAH, B 2 G 9/Rotenburg, Bd. 1, Bl. 47 f.
  58. Satzung, § 2 (http://www.stiftung-kirche-fuer-rotenburg.de/satzung.php, 04.11.2020).
  59. KABl. 2010, S. 76 ff.
  60. KABl. 1907, S. 78; KABl. 1947, S. 26.
  61. KABl. 1955, S. 10; KABl. 1987, S. 125.
  62. KABl. 1973, S. 112; KABl. 1987, S. 125.
  63. Heyken, S. 92 f.; Kohlrausch, S. 51. Zum Folgenden: Heyken. S. 92 ff.
  64. Zur Baugeschichte vgl. Heyken, S. 167 ff.
  65. Heyken, S. 178 f.; Chorempore laut Chrzanowski, [S. 16] und Kreß, S. 15, schon 1927 eingebaut.
  66. LkAH, B 2 G 9/Rotenburg, Bd. 1, Bl. 5 und 8 ff.
  67. Zur Baugeschichte vgl. Heyken, S. 159 ff.
  68. Zum Folgenden: Heyken, S. 104 ff., zum Standort ebd., S. 131. Heyken benennt die einzelnen Kirchenbauten als „Bischofskirche“ (1192–1548, S. 104), „Reformationskirche“ (1548–1620, S. 114), „erste evangelische Kirche (1620–1639, S. 117), „Kriegskirche“ (1639–1648, S. 126) und „Friedenskirche“ (1648–1860, S. 131).
  69. Asmus, Verdener Akten, S. 40, dort auch das folgende Zitat.
  70. Heyken, S. 117 ff.
  71. Kohlrausch, S. 76; vgl. auch Heyken, Abb. 26 und Abb. 35. LkAH, A 8 Nr. 374 (Lagerbuch, S. 55 und S. 45).
  72. Heyken, Kirchen II, S. 59. Dehio, Bremen/Niedersachsen, S. 1148: „W. Bergmann“.
  73. Mathies, Taufbecken, S. 145.
  74. Heyken, S. 144 f. und Abb. 29–32; Chrzanowski, [S. 21].
  75. Poser, Schäfer, S. 190 f. und S. 319 (Abb.).
  76. Kanzel von 1962 abgebildet bei Heyken, Abb. 37.
  77. Zit. bei Heyken, S. 122.
  78. Sammelbuch erhalten, vgl. Heyken, S. 122; zum Folgenden ebd., S. 121 f.
  79. Heyken, S. 141.
  80. Disposition bei Heyken, S. 142; vgl. auch Topp/Pape, Tappe, S. 32.
  81. LkAH, A 8 Nr. 374 (Lagerbuch, S. 20 ff.).
  82. Chrzanowski, [S. 16].
  83. Pape/Schloetmann, Hammer, S. 88.
  84. LkAH, B 2 G 9/Rotenburg, Bd. 1, Bl. 26.
  85. LkAH, B 2 G 9 B, Nr. 553, Bl. 35 f.
  86. Pape/Schloetmann, Hammer, S. 190.
  87. Siehe: https://www.orgel-information.de/Orgeln/r/rk-ro/Rotenburg_Stadtkirche.html, 02.12.2020.
  88. Heyken, S. 107 und S. 177.
  89. UB Verden II, Nr. 480.