Sprengel Hildesheim-Göttingen, KK Göttingen-Münden, Amtsbereich Göttingen | Patrozinium: Christophorus1 | KO: Calenberger KO von 1569
Orts- und Kirchengeschichte
Urkundlich ist der Ort erstmals 1103 als Reinehusen belegt.2 Die Gf. von Reinhausen, die im 10./11. Jh. Grafschaftsrechte im Leinegau besaßen, hatten hier ihrem Stammsitz.3 Vermutlich vor 1086 richteten sie auf ihrer bisherigen Burg ein Kanonikerstift ein, dass im frühen 12. Jh. in ein Benediktinerkloster umgewandelt wurde. Territorial zählten Kloster und Dorf seit der Dreiteilung des welfischen Teilfsm. Braunschweig-Wolfenbüttel um 1291 zum neuen Teilfsm. Göttingen.4 Die Niedergerichtsbarkeit lag beim Kloster selbst (in der ersten Hälfte des 12. Jh. widerruflich der Familie von Bodenhausen übertragen).5 Nachdem die Göttinger Linie der Welfen mit Hzg. Otto Cocles († 1463) in männlicher Linie ausgestorben war, wurde das Territorium 1495 bzw. 1512 Teil des Fsm. Calenberg-Göttingen („Kernlande Hannover“, 1692: Kfsm. Braunschweig-Lüneburg bzw. Kurhannover). Nach Auflösung des Klosters im 16. Jh. war wurde der Ort Sitz des kleinen (Kloster-)Amts Reinhausen. Eine erste Ortsansicht ist aus der Mitte des 17. Jh. überliefert (Merian-Stich; eine ältere, eher stilisierte Ansicht findet sich auf einer Karte von 1595).6 In französischer Zeit gehörte Reinhausen von 1807 bis 1813/14 zum Kgr. Westphalen (Kanton Bremke, Distrikt Göttingen, Leine-Departement). Seit 1815 war das ehemalige Kloster, nun im Kgr. Hannover, wieder Sitz des Amtes Reinhausen. Mit der Annexion des Kgr. Hannover fiel Reinhausen 1866 an das Kgr. Preußen. Bei Einführung der Kreisverfassung 1885 kam der Ort zum Lkr. Göttingen (neugebildet 1973 und 2016). 1973 wurde Reinhausen Teil der neuen Gemeinde Gleichen. Über die Zusammensetzung der Gemeinde schrieb der Ortspastor 1961: „Sehr buntes Bild. Fast alle ländlichen und städtischen Berufe sind vertreten.“7 Um 1810 lebten knapp 550 Menschen in Reinhausen und 2024 gut 1550.
Reinhard, der erste Abt des Benediktinerkonvents Reinhausen, schrieb Mitte des 12. Jh. einen kurzen Bericht über die Gründung seines Klosters nieder.8 Spätestens 1087 hatten die Geschwister Mathilde, Konrad, Heinrich und Udo von Reinhausen auf ihrer Burg ein Kollegiatstift gegründet. Ein Kirchengebäude existierte zu diesem Zeitpunkt bereits. Diese Burgkapelle wurde „durch bauliche Veränderungen der neuen Funktion als Klosterkirche angepasst“.9 Archäologische Untersuchungen lassen eine dreischiffige Pfeilerbasilika mit Querschiff und Quadratchor vermuten, sowie möglicherweise einen Westturm. Die Kirche war dem Märtyrer Christophorus geweiht (beato Christoforo martiri).10 Im ersten Jahrzehnt des 12. Jh. betrieb Mathildes Sohn Hermann von Winzenburg die Umwandlung des Stifts in ein Benediktinerkloster. Als erster Abt ist Reinhard belegt, der bis 1156 amtierte. 1148 erhielt das Kloster die Pfarrrechte in Reinhausen.11 Seit 1226 war der gesamte ehemalige Burgberg in klösterlichem Besitz. Ab 1233 lag die Schutzherrschaft über das Kloster bei den welfischen Hzg. zu Braunschweig-Lüneburg. Eine Ablassurkunde aus dem Jahr 1290 belegt die Existenz von drei Altären in der Klosterkirche.12 In der ersten Hälfte des 15. Jh. zählte Reinhausen zu den Gründungsklöstern der Bursfelder Kongregation. Das inschriftlich auf 1498 datierte Retabel am heutigen Altar weihte der Mainzer Weihbischof und Titularbischof von Sidon Johannes Bonemilch, (amt. 1497–1510) im Jahr 1499; alle, die vor der neuen „Tafel“ fünf Pater Noster und fünf Ave Maria beteten, erhielten einen Ablass von 40 Tagen.13
Hzgn. Elisabeth zu Braunschweig-Lüneburg († 1558) führte die luth. Lehre im Fsm. Calenberg-Göttingen ein: 1542 setzte sie die von Antonius Corvinus verfasste Kirchenordnung in Kraft und 1542/43 ließ sie die Gemeinden, Stifte und Klöster des Fürstentums visitieren.14 Im Jahr 1545 übernahm ihr nunmehr volljähriger Sohn als Hzg. Erich II. die Regierungsgeschäfte und wechselte 1547 zum kath. Glauben. Die Calenbergischen Stände widersetzten sich jedoch seinen Rekatholisierungsbestrebungen und konnten 1553/55 die Beibehaltung der luth. Lehre in den Kirchspielen des Fürstentums sicherstellen. Nach dem Tod Erichs II. fiel das Fsm. Calenberg-Göttingen 1584 an Braunschweig-Wolfenbüttel und Hzg. Julius († 1589) führte seine 1569 aufgestellte ev. KO auch hier ein.15 1588 ließ er die Gemeinden visitieren.
Die Visitatoren Hzgn. Elisabeths besuchten das Kloster Reinhausen Anfang Dezember 1542. Sie lasen Abt Johann Dutken (amt. 1534–1549) und seinem Konvent die neue Klosterordnung vor. Nach anfänglicher Weigerung erklärten Mönche und Abt schließlich, dass sie Hzgn. Elisabeth „wenns je nicht anders sein konne, gehorsam leisten und solche ordnung annehmen und halten wollen“.16 Die Visitatoren schätzten Abt Dutken als „zimlich gelerdt“ ein und übertrugen ihm vorläufig die Pfarrstelle Reinhausen. Allerdings fühlte er sich „in der Evangelischen sache noch selbs etwas ungeschickt und ungegründt“ und hatte „auf die Evangelische weise nie die Sacrament gereicht oder von anderen reichen sehen“. Er bat um „einen anderen predicanten, von dem ers lerne“. Die Visitatoren willigten ein und trugen ihm überdies auf, „von des Closters gütern eine deutsche Biblia, ein postillen, Locos communes Philippi, die Augspurgische Confession und Apologia und ander nützliche bücher zukaufe und sich vleissiglich auß denselbigen des rechten grundes unser Christlichen religion zuerkunden“.17 Da „ein zimlich anzahl volcks“ in Reinhausen lebte, hielten die Visitatoren abschließend fest, solle und wolle Abt Dutken „allen moglichen vleiß fürwenden und fürwenden lassen, das man die Deutsche lieder, psalmen und gesenge dem volke einbilden und vleissiglich singen lerne“. Zudem solle er den Katechismus unterrichten. Die Verwaltung der Klostergüter übernahm 1542 ein Amtmann, die ehemalige Klosterkirche wurde fiskalisches Eigentum (bis 1955). 1564 lebte mit Jakob Pheffer noch ein Mönch in Reinhausen.18
Im Jahr 1588 hatten Dorf und Kloster Reinhausen keinen eigenen Pfarrer mehr. P. Valentin Hunolt (amt. 1576–1627) aus Diemarden versah die Gemeinde mit. Da das ehemalige Kloster verschuldet war, beschloss die Wolfenbütteler Regierung, diese Konstellation beizubehalten „bis es aus den Schulden käme“.19 Die pfarramtliche Verbindung besteht noch heute. Pfarrsitz war bis hinein in die zweite Hälfte des 20. Jh. in Diemarden. Gottesdienste fanden sonntags jeweils in beiden Kirchen statt.
Umbauarbeiten in der ersten Hälfte des 18. Jh. gaben der ehemaligen Klosterkirche Reinhausen weitgehend ihr heutiges Aussehen: das Querhaus sowie die Kapelle an der Nordseite des Chors verschwanden und die Kirche erhielt große, rundbogige Sprossenfenster.
Während der NS-Zeit hatten nacheinander P. Hermann Heinrich Friedrich Aulbert (amt. 1926–1936) und P. Theodor Bruno Georg Wilhelm Hoppe (amt. 1937– 1947) das verbundene Pfarramt Diemarden-Reinhausen inne. Nach den Angaben im „Fragebogen zur Geschichte der Landeskirche von 1933 bis Kriegsende“ gehörte P. Hoppe kirchenpolitisch seit 1933 zur Hannoverschen Bekenntnisgemeinschaft.20 Der 1933 neu gewählte KV bestand aus dem NSDAP Ortsgruppenleiter sowie drei weiteren Männern, die „als politisch gemässigt und als kirchlich durchaus tragbar anzusprechen sind“. Der KV wurde später abgesetzt, da „die Kirchenvorsteher nicht gewillt waren, den Klingelbeutel zu tragen“.21
Aufgrund des Zuzugs Geflüchteter nach Ende des Zweiten Weltkriegs stieg die Zahl der Gemeindeglieder in Diemarden und Reinhausen von rund 1.110 im Jahr 1939 auf etwa 1.950 im Jahr 1949 an (in Reinhausen: 1060).22 Einen in der Nachkriegszeit eröffneten Kindergarten musste die Gemeinde mangels Raum 1955 wieder schließen. Die Neueröffnung in neuen Räumlichkeiten folgte im April 1961.23 Zusammen mit der Einrichtung eines Gemeindesaals und der Gründung eines Posaunenchors sah LSup. Lothar Stark (amt. 1958–1977) darin „einen wesentlichen Fortschritt in dem Aufbau dieser Gemeinde und eine gute Voraussetzung für die weitere kirchliche Arbeit“.24
Im Herbst 1961 verlegten die beiden Gemeinden den Pfarrsitz von Diemarden nach Reinhausen; der Ort sei „erheblich grösser als Diemarden und an Bedeutung wie Einwohnerzahl ständig wachsend“ schrieb P. Günther Heinze (amt. 1947–1972).25 Im Rahmen der Partnerschaft zwischen der hannoverschen und der sächsischen Landeskirche knüpften die KG Diemarden und Reinhausen Kontakte zur Kirchgemeinde Frankenberg/Sachsen (nordöstlich von Karl-Marx-Stadt bzw. Chemnitz).26
Um die Kirchengemeinde beim Erhalt der ehemaligen Klosterkirche zu unterstützen, gründete sich 2011 der „Kirch-Bauverein St. Christophorus Reinhausen e. V.“. Bezugnehmend auf eine gefälschte, angeblich 1112 vom Mainzer Ebf. Adalbert I. (amt. 1111–1137) ausgestellte Bestätigungsurkunde der Reinhäuser Klostergründung hatte die KG Reinhausen 1912 eine 800-Jahrfeier ausgerichtet.27 Auf Initiative des Kirch-Bauvereins folgte 2014 die 1.000-Jahrfeier („1000 Jahre Kirche auf dem Kirchberg“). Sie bezog sich nicht auf eine konkrete Jahreszahl, sondern auf die Existenz einer Kapelle in der etwa im 10. Jh. angelegten Burg Reinhausen.
Die Trägerschaft des gemeindeeigenen Kindergartens ging 2012 auf den neugegründeten „Ev.-luth. Kindertagesstättenverband Region Gleichen“, über (2016 umbenannt in „Ev.-luth. Kindertagesstättenverband Göttinger Land“, 2026 aufgegangen im „Ev.-luth. Kindertagesstättenverband Göttingen-Münden“).28 Zusammen mit ihren Nachbargemeinden gründete die KG Reinhausen 2020 den „Ev.-luth. KGV Region Gleichen“.29 Sie zählte 2024 etwa 630 Gemeindeglieder. Seit 2025 gehört sie zum „Ev.-luth. KGV Region Gleichen/Göttingen-Süd“.30 Gleichzeitig wurde die pfarramtliche Verbindung von Reinhausen und Diemarden um die Kreuzweg-KG Gleichen erweitert.
Umfang
Bettenrode und Reinhausen.
Aufsichtsbezirk
Archidiakonat Nörten (sedes Geismar) der Erzdiözese Mainz.31 – 1588 zur Insp. Dransfeld, seit Verlegung des Superintendentursitzes 1636/37 Insp. Göttingen (Sitz an St. Johannis in Göttingen), bei deren Teilung 1796/97 zur neuen Insp. Göttingen Zweyter Teil. 1924 zum KK Göttingen II, 1937 zum KK Göttingen-Süd.32 Ab 1. Januar 2001 KK Göttingen.33 Seit 1. Januar 2023 KK Göttingen-Münden, Amtsbereich Göttingen.34
Patronat
1142/46 Gf. Hermann II. von Winzenburg († 1152). 1148 Kloster Reinhausen. Seit der Reformation der Landesherr (bis 1871).
Kirchenbau
Dreischiffiger Bau mit etwa quadratischem Chor und Sakristeianbau an der Nordseite des Chors, älteste Teile wohl vor Gründung des Stifts (spätestens 1087). Satteldach über den Langhausschiffen, nach Westen walmartig mit dem Satteldach des Verbindungsgeschosses zwischen den Türmen verbunden, Chordach nach Osten abgewalmt (ziegelgedeckt). Quadermauerwerk. Nach Süden drei große, rundbogige Sprossenfenster, nach Osten eins, nach Norden zwei. Nach Süden rundbogiges Hauptportal, darüber Fenstergruppe mit drei Spitzbogenfenstern mit Dreipassbögen, nach Norden rundbogiger Nebeneingang, darüber ein Rundbogenfenster. Im Innern flache Decken, hohe rundbogige Pfeilerarkaden zwischen Haupt- und Nebenschiffen, Westempore. Mauritiuskapelle über dem Südportal. Ausmalungsreste (15. Jh., im 20. Jh. freigelegt): Im südlichen Seitenschiff Christophoruszyklus, auf der Empore Gebet Jesu am Ölberg und Auferstehungsszene, in der Mauritiuskapelle Christophorus, vier Brustbilder (vielleicht Kirchenväter), Fragment einer weiblichen Heiligen (vielleicht Rest einer Beweinungsszene).35 Baugeschichte: Vorgängerbau (Burgkapelle) Ende des 11./Anfang des 12. Jh. umgestaltet wahrscheinlich zu einer dreischiffigen Pfeilerbasilika mit kreuzförmigem Grundriss.36 Zwischen 1156 und 1290 Seitenschiffe verbreitert, Südportal angelegt, Doppelturm im Westen errichtet. Um 1290 Mauritiuskapelle über dem Südeingang errichtet. Vor 1394 Kapelle an Nordseite des Chors vollendet.37 Erste Hälfte 15. Jh. Ausmalung. Vor 1654 Umbau zur Hallenkirche, Seitenschiffwände erhöht, gemeinsames Satteldach Mittel- und Seitenschiffen; Dachreiter über Chor errichtet. Um 1733/34 Umbau, u. a. Kreuzarme verkürzt, große Rundbogenfenster gebrochen, flache Decken eingezogen, Kapelle an der Nordseite des Chors abgebrochen.38 1885–93 Instandsetzung, u. a. Dachgauben entfernt, absatzlose Dachdeckung. 1955 Kirchengebäude wird Eigentum der KG (Loccumer Vertrag). 1963–67 Sanierung, u. a. Raum unterhalb der Empore abgetrennt, Sakristei an Nordseite des Chors errichtet.
Grablege
Die Kapelle nördlich des Chors diente als Begräbniskapelle der Familie von Uslar-Gleichen; abgerissen in der ersten Hälfte des 18. Jh.39
Turm
Riegelartige Doppelturmfassade im Westen, erbaut nach 1156, um 1170.40 Walmdächer über den Türmen, Satteldach über dem Verbindungsgeschoss. Quadermauerwerk. In den Glockengeschossen an jeder Seite gekuppelte Schallfenster (Biforien) mit Rundbögen und Teilungssäulchen mit Würfelkapitellen; nach Westen an den Türmen je eine Rundbogennische mit rundbogigen, gekuppelten Öffnungen mit Teilungssäulchen, darunter Rundbogenfenster, darunter Rundbogenfenster, Südturm zudem mit Rechteckportal; Zwischenbau mit zwei großen, rundbogigen Sprossenfenstern oben und zwei kleinen Rundbogenfenstern unten. Kapellenraum in der Turmhalle. Um 1290 Turmuntergeschosse eingewölbt. 1885–93 Instandsetzung. 1990/91 Renovierung Westfassade.
Ausstattung
Schlichter Blockaltar, Stipes aus Sandsteinquadern, Sandsteinplatte als Mensa. – Dreiflügeliges Altarretabel mit farbig gefassten Schnitzfiguren und Gemälden (1498, Gemälde vom „unter starkem Einfluß des Hans von Geismar stehenden Meister der Reinhausener Aposteln“41; geschnitzte Heiligenfiguren wohl von Bartold Kastrop, Göttingen; Kreuzigungsgruppe jünger), im Mittelschrein barockes Kruzifix mit Maria und Johannes (1885), links und rechts übereinander jeweils zwei Figuren (Katharina, Magdalena, Barbara, Cyriacus), außerdem vier Engel; auf den Innenseiten der Flügel vier Gemälde (Mariä Verkündigung, Geburt Christi, Heimsuchung, Anbetung der Könige); auf den Außenseiten der Flügel in zweireihiger Anordnung zwölf Apostel (Petrus, Andreas, Jacobus maior, Johannes, Thomas, Jacobus minor, Bartholomäus, Philippus, Matthäus, Simon, Judas Thaddäus, Matthias); in der Predella zwei Wappen; Altarretabel im 18. Jh. durch Kanzelaltar ersetzt, Heiligenfiguren des Mittelschreins und Gemälde der Flügel in die Kanzelaltarwand eingefügt; 1885/87 Kanzelaltarwand entfernt und Flügelretabel wieder zusammengefügt, zwei Figuren nachgeschnitzt; 1996 Restaurierung; im Mittelschrein befand sich ursprünglich „sicherlich eine geschnitzte Mariendarstellung“.42 – Leicht erhöhte Kanzel (20. Jh.), polygonaler Kanzelkorb, Steinsockel; ursprünglich mit Schalldeckel. – Schlichte Steintaufe (20. Jh.), abgerundeter Quader mit eingezogenem Fuß. – Achtseitige, pokalförmige Taufe (19. Jh.?). – Hölzernes Triumphkreuz (15. Jh.). – Schrein eines ehemaligen Flügelaltars (1507, wohl Hildesheimer Epihaniusmeister43), Holz, farbig gefasst; sogenannter Jodokusschrein; drei Figuren: Bartholomäus, Jodokus und Blasius, Inschrift u. a.: „Dvsent vnde vif hvndert sevent“; bis 1885/87 war der Schrein an der barocken Kanzelaltarwand oberhalb des Schalldeckels angebracht; ein Flügel des Altars (mit vier Gemälden) befindet sich in der Landesgalerie Hannover, der zweite ist verloren.44 – Steinernes Tympanon (romanisch), Löwen mit menschlichem Gesicht sowie maskenhafter Kopf, darüber Kreuz auf Halbkugel; wohl ursprünglich über dem Südportal, jetzt eingemauert in die Ostwand des Chors. – Steinerne Christophorusskulptur (romanisch). – Steinrelief (gotisch), Kreuztragung. – Steinerner Tabernakelaufsatz (letztes Viertel 13. Jh.). – Gusseiserne Grabplatte für Christoph Wolff von Gudenberg († 1569), ganzfiguriges Porträt des Verstorbenen.45 – Gusseiserne Grabplatte für Melchior von Uslar († 1574) und seine Ehefrau Margarethe von Ohle († 1607), Kreuzigungsrelief, flankiert von ganzfigurigen Porträts der Eheleute; Grabplatte gegossen von Konrad Scharf (Hütte Schwalefeld).46 – Steinerne Grabplatte für Amtmann Veit Andreas Hornhardt († 1706), ganzfiguriges Porträt des Verstorbenen, schlecht erhalten. – Hölzernes Epitaph für Maria Magdalena von Busch († 1735), mit Inschrift.
Orgel
1841 erhielt die Kirche Reinhausen eine gebrauchte Orgel aus der Schlosskirche Osterode. Sie war dort vor 1670 unter Verwendung von Material einer älteren Orgel (1533) aus Pöhlde erbaut worden, Orgelbauer unbekannt; 1778 umgebaut und erweitert, 1841 bei Anschaffung einer neuen Orgel nach Reinhausen verschenkt, dort aufgestellt und umgebaut von Johann Christoph Ahlbrecht (Elliehausen), II/P, u. a. neues Gehäuse.47 1896/97 Balgreparatur, Friedrich Krell (Duderstadt). Zinnerne Prospektpfeifen im Ersten Weltkrieg zu Rüstungszwecken abgegeben (1917). Zustand 1929: 21 II/P. 1935 Reparatur und später Umbau, Paul Ott (Göttingen), 19 II/P, mechanische Traktur, Schleifladen. Um 1967 Instrument abgebaut. 1967 Orgelneubau, Rudolf Janke (Bovenden), 16 II/P, mechanische Traktur, Schleifladen (Opus 37). 2007 Reparatur, Elmar Krawinkel (Trendelburg), 16 II/P, mechanische Traktur, Schleifladen. – Truhenorgel in der Winterkirche, erbaut 1982, Alfred Führer (Wilhelmshaven), 3 I/–, mechanische Trktur, Schleifladen (Opus 871).
Geläut
Im Südturm zwei LG, I: fis’ (Bronze, Gj. 1890, Firma Radler, Hildesheim), Inschriften: „Jesus Christus gestern und heute und derselbe auch in Ewigkeit. Ebr. 13,8“ und „Gegossen von J. J. Radler u. Soehne in Hildesheim 1890“; II: a’ (Bronze, Gj. 1585, Ambrosius Rofman, Danzig), Inschrift: „Durchs Fevwr bin ich geflossen mit Gottes Hilf hat mich Rofman gegossen 1585“, Glocke etwa seit 1948 in Reinhausen, Patenglocke aus Stare Miasto (ehemals Altstadt, Kr. Mohrungen, Ostpreußen).48 Im Nordturm zwei SG, I: h’’; II: e’’’ (beide Eisen, Gj. 1948, J. F. Weule, Bockenem).
Weitere kirchliche Gebäude
Pfarrhaus (Bj. 1963). – Kindergarten (Bj. 1899, 1961 als Kindergarten eingerichtet).
Friedhof
Kirchlicher Friedhof südlich und östlich der Kirche, FKap.
Landeskirchliches Archiv Hannover (LkAH)
A 1 Nr. 2157–2159 (Pfarroffizialsachen); A 5 Nr. 293, 296 (Spec. Landeskons.); A 9 Nr. 443
, 444
, 1892
(Visitationen); B 2 G 9 Nr. 2566–2569 (Baupflege und Bauwesen); B 2 G 9 B Nr. 538 (Orgel- und Glockenwesen); S 09 rep Nr. 1998 (Presseausschnittsammlung); LkAH S 11a, Nr. 7388 (Findbuch PfA); S 11a Nr. 8140 (Findbuch EphA).
Literatur & Links
A: Bielefeld, Orgeln im Umland, S. 178–184; Casemir/Ohainski/Udolph, Ortsnamen Lkr. Göttingen, S. 328–329; Dehio, Bremen/Niedersachsen, S. 1112–1113; Dolle, Klosterbuch III, S. 1290–1298; Eichenberg, KK Göttingen-Süd, S. 34–35; Grote/van der Ploeg/Kellner, Wandmalerei, Katalogband, Nr. 98; Lücke, Burgen und Gutshöfe, S. 161–170; Lufen, Denkmaltopographie Altkr. Duderstadt, S. 275–281; Mithoff, Kunstdenkmale II, S. 180–182.
B: Trauregister aus Kirchenbüchern Südniedersachsens 1801–1850. Teil 17: Göttingen Ost. Benniehausen, Diemarden, Gelliehausen, Groß Lengden, Klein Lengden, Reinhausen, Wöllmarshausen, hrsg. von der Genealogisch-Heraldischen Gesellschaft Göttingen, Norderstedt 2020; Urkundenbuch des Klosters Reinhausen, bearb. von Manfred Hamann (= Göttingen-Grubenhagener Urkundenbuch, 3. Abt.; = Veröffentlichungen der Historischen Kommission für Niedersachsen und Bremen 37,14), Hannover 1991; Ulfrid Müller: Die Klosterkirche in Reinhausen (= Große Baudenkmäler 257) München 1971; Ulfrid Müller: Die Klosterkirche in Reinhausen. Untersuchungen zu Baugeschichte, in: Niederdeutsche Beiträge zur Kunstgeschichte 9 (1970), S. 9–44; Gerhard Streich: Die klösterliche Gebetsgemeinschaft zu Reinhausen um 1226, in: Maueranker und Stier: Plesse/Plessen. Tausend Jahre eines norddeutschen Adelsgeschlechts, hrsg. von Christian von Plessen, 2 Bde., Schwerin 2015, Bd. I, S. 114–117; Tobias Ulbrich: Zur Geschichte der Klosterkirche Reinhausen, Göttingen 1993.
Internet: Bildindex der Kunst & Architektur: Kirche und Ausstattung; Denkmalatlas Niedersachsen: Kirche; Wikipedia: St. Christophorus (Reinhausen).
GND
4638444-3, Stiftskirche Reinhausen (Gleichen, Göttingen).
Website der Kirchengemeinde (14.10.2025)
Fußnoten
- Hennecke/Krumwiede, Kirchen- und Altarpatrozinien I, S. 165, und II, S. 81.
- UB HS Hildesheim I, Nr. 158; UB Reinhausen, Nr. 1. Eine vermeintlich ältere Nennung aus dem Jahr 1097 Heinrico comite de Reinehuson stammt aus einer im 12. Jh. gefälschten Urkunde. Für weitere Nennungen und zum Ortsnamen vgl. Casemir/Ohainski/Udolph, Ortsnamen Lkr. Göttingen, S. 328 f.
- Zur Burg Reinhausen vgl. EBIDAT, Artikel Reinhausen.
- Insgesamt: Pischke, Landesteilungen, bes. S. 45 ff., S. 75 ff. und S. 180 ff.
- Dolle, Klosterbuch III, S. 1293; UB Reinhausen, Nr. 11; Ulbrich, S. 55 f.
- Digitalisat. 1595: NLA HA Kartensammlung Nr. 21 d/50 pg (mit Digitalisat).
- LkAH, L 5c, unverz., Reinhausen, Visitation 1961.
- UB Reinhausen, Nr. 11. Siehe auch geschichtsquellen.de/werk/4159, 15.10.2025. Zum Kloster vgl. Streich, Gebetsgemeinschaft, S. 114 f.; Dolle, Klosterbuch III, S. 1290 ff. Siehe auch Niedersächsische Klosterkarte, Art. Reinhausen.
- Ulbrich, S. 3. Zur Baugeschichte vgl. ebd., S. 2 ff. sowie Müller, Untersuchungen, S. 30 ff. Die Angaben bei Müller zu Hermann von Reinhausen, Sohn von Elli, sind nicht korrekt, vgl. Ulbrich, S. 50 f.
- UB Reinhausen, Nr. 9.
- UB Reinhausen, Nr. 9.
- UB Reinhausen, Nr. 80. Vgl. zu weiteren Altären: Dolle, Klosterbuch III, S. 1296 f.
- UB Reinhausen, Nr. 406.
- Sehling, Kirchenordnungen 16. Jh. Bd. 6,1, S. 708 ff.; Butt, S. 47 ff.
- Sehling, Kirchenordnungen 16. Jh. Bd. 6,1, S. 83 ff.
- Kayser, Kirchenvisitationen, S. 295 f.
- Alle Zitate: Kayser, Kirchenvisitationen, S. 297.
- Dolle, Klosterbuch III, S. 1292.
- Kayser, General-Kirchenvisitation I, S. 167, Anm. 1.
- LkAH, S 1 H III, Nr. 414, Bl. 7. Allgemein zum Fragebogen vgl. Kück, Ausgefüllt, S. 341 ff.
- LkAH, S 1 H III, Nr. 414, Bl. 7.
- LkAH, S 1 H III, Nr. 414, Bl. 7; LkAH, L 5c, unverz., Reinhausen, Visitation 1949.
- LkAH, L 5c, unverz., Reinhausen, Visitationen 1949, 1955 und 1961.
- LkAH, L 5c, unverz., Reinhausen, Visitation 1961.
- KABl. 1961, S. 169. LkAH, L 5c, unverz., Reinhausen, Visitation 1961.
- LkAH, L 5c, unverz., Reinhausen, Visitation 1989. Allgemein: Cordes, Gemeindepartnerschaften, S. 38 ff.
- UB Eichsfeld I, Nr. 46; UB Reinhausen, Nr. 3 („Fälschung nach echter Vorlage“).
- KABl. 2012, S. 15 ff.; KABl. 2016, S. 72; KABl. 2025, S. 275.
- KABl. 2020, S. 129 ff. Der KGV umfasste die KG Diemarden, Apostel KG Gleichen, Kreuzweg-KG Gleichen, Groß Lengden und Klein Lengden (2024 fusioniert zur KG Lengder Burg) sowie KG Reinhausen.
- KABl. 2025, S. 75 ff. Folgende KG gehören zum KGV Region Gleichen/Göttingen-Süd: KG Diemarden, Apostel KG Gleichen, Kreuzweg-KG Gleichen, Kreuz-KG Göttingen, Stephanus-KG Göttingen-Geismar, St. Martins-KG Göttingen-Geismar, KG Lengder Burg und KG Reinhausen.
- Bruns, Archidiakonat Nörten, S. 168.
- KABl. 1924, S. 86; KABl. 1937, S. 135.
- KABl. 2000, S. 150 f.
- KABl. 2022, S. 189 ff.
- Grote/van der Ploeg/Kellner, Wandmalerei, Katalogband, Nr. 98. DI 66, Lkr. Göttingen, Nr. 49 (Sabine Wehking), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di066g012k0004905.
- Zur Baugeschichte: Müller, Untersuchungen, S. 30 ff.; Ulbrich, S. 2 ff. Ulbrich verwendet die Bezeichnung „ursprünglicher Bau“ für den „Zustand der Kirche nach ihrer Umwidmung zur Klosterkirche am Beginn des 12. Jhs.“ (ebd., S. 4).
- Müller Untersuchungen, S. 39, datiert den Bau der Kapelle irrtümlich auf 1322. Der bei ihm als Indiz angeführte Gewölbeschlussstein trägt jedoch die Jahreszahl 1522 (nicht 1322) und gehört vermutlich nicht zur erstmals 1394 genannten Kapelle, vgl. DI 66, Lkr. Göttingen, Nr. 130 (Sabine Wehking), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di066g012k0013004.
- Ulbrich, S. 18. Müller, Untersuchungen, S. 41, datiert die Arbeiten auf etwa 1710.
- Müller, Klosterkirche, S. 7.
- Müller, Untersuchungen, S. 35 f.: „nach 1156“; Dehio, Bremen/Niedersachsen, S. 1113, Lufen, Denkmaltopographie Altkr. Duderstadt, S. 277: „um 1170“.
- Dehio, Bremen/Niedersachsen, S. 1113.
- Müller, Klosterkirche, S. 9 f.; DI 66, Lkr. Göttingen, Nr. 82 (Sabine Wehking), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di066g012k0008203.
- Dehio, Bremen/Niedersachsen, S. 1113.
- Müller, Klosterkirche, S. 9; DI 66, Lkr. Göttingen, Nr. 114 (Sabine Wehking), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di066g012k0011400.
- DI 66, Lkr. Göttingen, Nr. 177 (Sabine Wehking), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di066g012k0017707.
- DI 66, Lkr. Göttingen, Nr. 184 (Sabine Wehking), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di066g012k0018402.
- LkAH, B 2 G 9 B, Nr. 538, Bl. 52; Bielefeld, Orgeln im Umland, S. 178 ff.
- Poettgen, Glockengießer, S. 51; DI 66, Lkr. Göttingen, Nr. 206 (Sabine Wehking), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di066g012k0020603.