Sprengel Osnabrück, KK Bramsche | Patrozinium: Petrus | KO: Keine Kirchenordnung

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Orts- und Kirchengeschichte

Auf dem Merschland westlich der Quakenbrücker Altstadt siedelten sich seit der zweiten Hälfte des 19. Jh. zunächst einige Industriebetriebe an. Den Bau von Wohnhäusern trieb der 1896 gegründete Spar- und Bauverein voran, der aus dem Evangelischen Arbeiterverein hervorgegangen war. Der 1928 angelegte Flughafen wurde in der NS-Zeit zu einem Militärflughafen ausgebaut (Fliegerhorst Quakenbrück). Nach Ende des Zweiten Weltkriegs waren hier bis 1947 polnische Truppen stationiert. Nach deren Abzug wurden die Kasernengebäude umgenutzt und mit dem Bau neuer Wohnsiedlungen entwickelte sich westlich der Bahnlinie Oldenburg–Osnabrück die Neustadt Quakenbrück. Zunächst siedelten sich hier in erster Linie Geflüchtete und Vertriebene an, in den 1960er und 1970er Jahren viele Gastarbeiter aus Griechenland, Portugal und der Türkei sowie in den 1990er Jahren Spätaussiedler aus Russland.1 Größter Arbeitgeber der Stadt Quakenbrück ist das Christliche Krankenhaus in der Neustadt. Im Jahr 2006 lebten etwa 4.000 Menschen in der Neustadt.

Kirche, um 1970

Kirche, um 1970

Zunächst war die Quakenbrücker Sylvestergemeinde auch für das Gebiet der Neustadt zuständig. Zusammen mit dem Diakonissenmutterhaus Bethanien aus Lötzen (Ostpreußen), das 1950 in einem ehemaligen Kasernengebäude eine neue Heimat in Quakenbrück gefunden hatte, suchte der KV seit Ende der 1950er Jahre nach Möglichkeiten, Räume für die Gemeindearbeit in dem neuen Stadtteil einzurichten. Die Planungen konzentrierten sich anfangs darauf, ein Kasernengebäude zur Kirche umzubauen. Die KG erwarb 1964 das Haus 30 neben dem Mutterhaus Bethanien, verwarf die Umbaupläne jedoch später.2 Stattdessen wurde nun ein Neubau in den Blick genommen, der gleichzeitig auch der Anstaltsgemeinde Bethanien als Kirche dienen sollte.3
Die Grundsteinlegung feierte die Gemeinde am 29. Oktober 1965, die Einweihung am 1. Advent 1966. Bereits zum 1. Januar 1966 hatte sich für das Gebiet der Neustadt die Petrusgemeinde Quakenbrück gegründet. Von der Sylvestergemeinde übernahm sie die 1953 eingerichtete zweite Pfarrstelle.4 Die Entwürfe für den modernen Kirchenbau der jungen Gemeinde hatte der Osnabrücker Architekt Werner Johannsen gezeichnet. Die äußere „kubistische Form mit runder Laterne“ wird im Innern aufgenommen: Die tragenden Säulen der Laterne sind kreisförmig angeordnet und „Innerhalb des Kreises wurden die Stühle aufgestellt, um diese vielgestaltige Gemeinde zu einer Einheit zusammenzuschließen“, wie der Architekt formulierte.5 Das Thema der Vielgestaltigkeit der Gemeinde kehrt auch in der Chronik anlässlich ihres 40jährigen Bestehens wieder: Angesichts der heterogenen Bevölkerung „kann eine Kirchengemeinde in der Neustadt gar nicht anders als eine diakonisch-missionarische Kirche gedacht werden, die es immer wieder und aufs Neue wagt, auf das Meer hinauszufahren“.6
In den 70er Jahren stellte die Petrusgemeinde ihre Kirche einmal monatlich für Gottesdienste der griechisch-orthodoxen Gemeinde zur Verfügung.7 Spannungen zwischen Pfarramt und Kirchenvorstehern führten 1975 dazu, dass der gesamte Kirchenvorstand zurücktrat. In seinen Visitationsberichten hob der Bramscher Sup. wiederholt die „vielfältige Arbeit in Gemeindekreisen“ hervor.8 Im Jahr 2004 löste sich die Anstaltsgemeinde Bethanien auf und ihre Gemeindeglieder schlossen sich der Petrusgemeinde an.9 Seit 2007 unterstützt die „Petrus Stiftung Quakenbrück“ das kirchliche Leben der Gemeinde und von 2012 bis 2014 trug die Stiftung zur Finanzierung der Pfarrstelle bei. Angesichts sinkender Gemeindegliederzahlen ist der Stellenumfang mittlerweile auf die Hälfte reduziert.
Zusammen mit weiteren KG der Region gehört die Petrusgemeinde zu den Trägerinnen des Christlichen Krankenhauses Quakenbrück (Mitgliedsgemeinde einer Beteiligungsgesellschaft).

Umfang

Neustadt Quakenbrück (Gebiet westlich der Bahnlinie Oldenburg–Osnabrück). Seit 2004 auch die Gemeindeglieder der aufgehobenen Anstaltsgemeinde Bethanien.10

Aufsichtsbezirk

Mit Gründung der Kirchengemeinde zum KK Bramsche.

Kirchenbau
Kirche, Blick zum Altar, um 1970

Kirche, Blick zum Altar, um 1970

Fast quadratischer Bau mit halbrunder Apsis nach Süden und flachem Verbindungstrakt zum Turm an Nordseite (Kapellenraum, Sakristei, Abstellraum), erbaut 1965-66 (Architekt: Werner Johannsen, Osnabrück). Flachdach, darauf Rotunde mit umlaufendem Fensterband und sehr flachem Kegeldach; Wände innen und außen mit rötlichen Ziegeln verblendet; Apsis aus Betonwabensteinen mit farbigem Glas; fünf kleine Rechteckfenster nach Westen; leicht vorspringender Eingangsbereich mit zweiflügeliger Bronzetür am Westende der Nordseite. Im Innern sechs schlanke Betonsäulen (tragen Rotunde); Sichtbetondecke, Decke der Rotunde holzverschalt; Nordempore. Dachsanierung 1978.

Fenster

Apsis besteht aus farbiger Fensterwand mit 132 Scheiben (Glasmaler Heinz Lilienthal, Bremen); fünf kleine Buntglasfenster mit Szenen der Passionsgeschichte in Westwand (Glasmaler Heinz Lilienthal, Bremen).

Turm

Fast freistehender Turm an Nordostecke vor der Kirche mit verkupfertem, vierseitigem Zeltdach, bekrönt mit Kugel, Kreuz und Wetterhahn. Turm im unteren Teil mit rötlichen Ziegeln verblendet, im oberen Teil kupferverkleidet; Glockengeschoss mit je vier hochrechteckigen Schallfenstern; Uhrziffernblätter an allen Seiten. 1996-97 umfassend saniert (Kupferverkleidung im oberen Teil angebracht; zuvor offenes Glockengeschoss mit Einfassung aus Betonformsteinen).

Ausstattung

Auf rundem Podest schlichter Altar aus zwei Steinblöcken (Würzburger Muschelkalk). – Modernes Altarkreuz (Bronze, Heinz Heiber, Nürnberg). – Schlichtes Taufbecken mit Bronzegestell (Bronze, Heinz Heiber, Nürnberg). – Leicht erhöhte Kanzel, Kanzelkorb aus drei Steinplatten (Würzburger Muschelkalk). – Wandteppich mit Darstellung des wunderbaren Fischfangs, Luk 5,1-11 (Handweberei Huhs, Ganderkesee), an Wand rechts der Apsis. – Drei Bronzetafeln mit biblischen Szenen (Abrahams Gastfreundschaft, Arche Noah, Flucht nach Ägypten), Reproduktionen, Originale an Bronzetüren von San Zeno Maggiore in Verona, erworben 2002, an Wand links der Apsis. – „Kreuzbild von Quakenbrück“ (2005, Wladislaw Safronow, Augsburg).

Orgel

Kleinorgel der Firma Führer (Wilhelmshaven), gebaut 1957, 5 I/aP, mechanische Traktur, Schleifladen.

Geläut

Eine LG, a’, Inschrift: „Si devs nobiscvm qvis contra nos. Iesvs nazarenus rex ivdeorvm“, Wenn Gott mit uns ist, wer ist gegen uns. Jesus aus Nazareth, König der Juden, sowie: „Pan bog nadziea moia vvktorfm ia vffam anno domini 1604“, Der Herrgott ist meine Zuversicht auf den ich vertraue. Im Jahr des Herrn 1604, Bilder: Engelskopf, laufende Hasen zwischen den Worten, Kruzifix, Reiter, Drache, St. Georg mit Drachen (Bronze, Gj. 1604, Michael Dormann, Elbing), Patenglocke aus Rotwalde (heute Rydzewo), Kr. Lötzen in Ostpreußen; 1954-66 in behelfsmäßigem Glockenstuhl gegenüber Mutterhaus Bethanien, Quakenbrück.11

Weitere kirchliche Gebäude

Pfarrhaus (Bj. 1964/65). – Gemeindehaus mit Wohnungen (Bj. etwa 1938), 1963/64 erworben, ursprünglich als Kirche vorgesehen, 1967 zu Gemeindehaus umgebaut; Umbau und Sanierung 2000/01, seitdem „Dietrich-Bonhoeffer-Haus“.

Friedhof

Kirchlicher Friedhof der Sylvestergemeinde.

Landeskirchliches Archiv Hannover (LkAH)

L 5f Nr. 125 (LSuptur. Osnabrück).

Literatur

A: Weichsler, Hdb. Sprengel Osnabrück, S. 63-64.
B: Ernst und Heiko Bockstiegel: Die St.-Petrus-Kirche in Quakenbrück. Chronik zum 40-jährigen Jubiläum, Quakenbrück 2006.

GND

1214596851, Sankt-Petrus-Kirche (Quakenbrück)


Fußnoten

  1. Bockstiegel, S. 7.
  2. LkAH, B 2 G 9/Quakenbrück, Sylvester Bd. II, Bl. 85a-85i, 242-244, 262 (Umbaupläne und Kauf).
  3. Text des Vertrags zwischen beiden Gemeinden bei Bockstiegel, S. 9 ff.
  4. KABl. 1966, S. 6 f.
  5. LkAH, L 5f, Nr. 874 (Festausgabe des Gemeindeblatts für die ev.-luth. Kirchengemeinden Quakenbrück, Dezember 1966, darin: Werner Johannsen: Entwurf).
  6. Bockstiegel, S. 39.
  7. LkAH, L 5f, Nr. 125 (Visitation 1976).
  8. Etwa LkAH, L 5f, Nr. 125 (Visitation 1976 und 1982, dort Zitat) sowie ebd. Nr. 126 (Visitation 1988).
  9. KABl. 2004, S. 220 f.
  10. KABl. 2004, S. 220 f.
  11. Poettgen, Glockengießer, S. 11.