Frühere Gemeinde | KapG der KG Burgdorf | Sprengel Hannover, KK Burgdorf | Patrozinium: – | KO: Lüneburger KO von 1643

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Orts- und Kirchengeschichte

Erstmals schriftlich erwähnt ist der Ort 1321 in einem Güterverzeichnis des Hildesheimer Michaelisklosters, bereits in der heute üblichen Schreibweise Otze.1 Neben St. Michael hatte auch das Kloster Wienhausen Besitz in Otze und als Lehen der Bf. von Hildesheim besaßen die Herren von Escherde (in männlicher Linie um 1440 ausgestorben), dann die Herren von Bortfeld und von Hahnensee (in männlicher Linie ausgestorben 1688 bzw. 1641) und dann die Herren von Brabeck Land in dem Dorf.2 Otze bildete mit neun weiteren Freibauerndörfern die „Grafschaft über dem Moore“, die über eine eigene Niedergerichtsbarkeit (Freiengericht) verfügte und später in der Grafschaft Burgwedel aufging. Etwa 1443 kam das Dorf zum Amt Burgdorf des welfischen Teilfsm. Lüneburg. Von 1810 bis 1813 war Otze Teil des Kantons Burgdorf im Distrikt Celle des Departements Aller im Kgr. Westphalen. Danach gehörte es wieder zum Amt Burgdorf, nun im Kgr. Hannover und wurde nach der Annexion Hannovers 1866 preußisch. Seit 1885 war Otze Teil des neuen Lkr. Burgdorf, 1974 wurde es Ortsteil von Burgdorf, Lkr. (2001: Region) Hannover. Das Bauerndorf Otze erhielt 1896 einen Bahnhof und die Erdölfunde in der Umgebung trugen etwa seit Anfang des 20. Jh. zum Wachstum des Ortes bei. 1821 zählte Otze gut 300 Einwohner; 1905 gut 560 und 1925 etwa 775. Mit dem Zuzug von Flüchtlingen hatte sich die Bevölkerung 1947 auf rund 1.800 erhöht, sank nach der Umgliederung Ehlershausens nach Ramlingen auf gut 1.600 (1970) und lag 2016 bei knapp 1.800.

Kapelle, Ansicht von Südosten, Foto: P. Greve, Jöllenbeck (?), um 1988

Kapelle, Ansicht von Südosten, Foto: P. Greve, Jöllenbeck (?), um 1988

Ältestes Zeugnis der Kirchengeschichte in Otze ist die Kapelle, deren frühester Teil (Chor) vermutlich aus dem 13. Jh. stammt. Möglicherweise hatte das Gebäude ursprünglich einen achteckigen Grundriss, es wurde Mitte des 15. Jh. nach Westen hin erweitert. Bemerkenswert ist die mittelalterliche, bemalte Holzdecke mit ihren Mustern und den karrikaturenhaft anmutenden Köpfen. Bereits Anfang des 15. Jh., etwa 1405, ließ die Gemeinde den noch heute neben der Kapelle stehenden hölzernen Glockenturm errichten, in dem eine Glocke von 1461 hängt und eine von 1763. Kirchlich gehörte das Dorf vor und nach der Reformation zum Kirchspiel Burgdorf. Das Lüneburger Pfründenregister von 1534 listet die Capelle tho Otze an entsprechender Stelle auf3, ebenso die Protokolle der Kirchenvisitation von 1543.4 Zunächst gehörte der im 19. Jh. zwischen Otze und Ramlingen entstandenen Ort Ehlershausen teilweise zur KapG Otze, er kam jedoch in Anpassung an die politische Gebietsaufteilung 1968 ganz an die KapG Ramlingen.5 Der Inhaber der 1952 errichteten dritten Pfarrstelle der KG Burgdorf war für die KapG Otze und Ramlingen zuständig.6 Zum 1. Januar 1969 löste sich die KapG Otze auf, ihre Gemeindeglieder schlossen sich mit denen der ebenfalls aufgehobenen KapG Ramlingen zur neuen Martin-Luther-KG Ehlershausen zusammen.7

Kapellenbau

Kleiner Backsteinsaalbau mit dreiseitigem Chorschluss, Natursteinsockel und über Chor abgewalmtem Satteldach. Zwei Bauphasen erkennbar: Chor mit spitzbogigen Fenstern wohl im 13. oder 14. Jh. erbaut, die Kapelle hatte möglicherweise zunächst einen regelmäßigen, achteckigen Grundriss; in einer zweiten Phase um 1460 dann Erweiterung nach Westen (Schiff mit flachbogigen Fenstern).8 Flachbogige Eichentür in spitzbogiger Nische an Nordwand. Im Innern flache Holzdecke, prächtig bemalt (Wellenranken, Köpfe) und mit Maßwerkschnitzereien verziert, schon im älteren Bau vorhanden und bei Erweiterung im 15. Jh. fortgesetzt;9 an den Wänden mehrere gotische Weihekreuze. Renovierung 1927/28 (u. a. neues Dach, neues Gestühl, Totenkronen abgenommen, einige seit 1973 im Bomann-Museum Celle). Restaurierung 1973 (u. a. Weihekreuze an den Wänden freigelegt).

Turm

Freistehender, holzverschalter Glockenturm (Glockenstapel) mit Pyramidendach, erbaut etwa 1405; statische Sicherung der Konstruktion um 1748 (Datierungen nach dendrochronologischer Untersuchung, April 2017). Dacherneuerungen 1928 und 1964. Neue Verschalung 1963. Turmkreuz (1980).

Kapelle, Blick zum Altar, Foto: P. Greve, Jöllenbeck (?), um 1988

Kapelle, Blick zum Altar, Foto: P. Greve, Jöllenbeck (?), um 1988

Ausstattung

Kleiner Flügelaltar mit geschnitzter Marienkrönung im Mittelschrein, Seitenflügel leer (zweite Hälfte 15. Jh.). – Kanzel (17. Jh.) – Mittleres Chorfenster dreiteilig: oben Kreuzigung vor blauem Wolkengrund mit Mond und Sonne (15. Jh.), in den beiden unteren Teilen Glasmalereien mit den Aposteln Petrus und Paulus.

Orgel

Elektronisches Positiv der Firma Ahlborn (1996).

Geläut

Zwei LG, I: c’’, Inschriften u. a.: „Lobet den Herrn mit hellen Cymbeln. Lobet ihn mit wohlklingenden Cymbeln“ und „Singet Gott! Lobsinget seinem Nahmen. Machet Bahn dem der da sanft herfäret Er heisset Herr! und freuet euch vor ihm“, (Bronze, Gj. 1763, Johann Meyer, Celle); II: cis’’, Inschriften u. a.: „Us God gewe siner sele rad behrend Klinghe de mi gaten had“ und „Maria bin ik geheten de van Ocese hebben mit laten geten Nikolaus anno dom MCCCCLXI“, (Bronze, Gj. 1461, Behrend Klinge), 1941 zu Kriegszwecken abgegeben, blieb erhalten, 1947 zurück in Otze.

Friedhof

Kommunaler Friedhof, FKap (Bj. 1973).

Landeskirchliches Archiv Hannover (LkAH)

D 52 (EphA Burgdorf); S 11a Nr. 7058 (Findbuch PfA).

Literatur

A: Aust/Benne u. a., Kirchen, Klöster, Kapellen, S. 120 f.; Dehio, Bremen/Niedersachsen, S. 1083 f.; Krumm, Denkmaltopographie Region Hannover, S. 102; Ohainski/Udolph, Ortsnamen Hannover, S. 356 f.; Sommer, Kapellen Burgdorf, S. 54; Wolff, KD Kr. Burgdorf und Fallingbostel, S. 78 f.
B: Herbert Kopmann: Otze. Chronik unseres Ortes, Burgdorf 1985; Herbert Kopmann: Die Kapelle zu Otze, Regensburg o. J.; Reinhard Scheelje und Heinz Neumann: Geschichte der Stadt Burgdorf und ihrer Ortsteile von den Anfängen bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts, Burgdorf 1992, bes. S. 294-296.

GND

7857946-6, Evangelische Kapelle (Otze).


Fußnoten

  1. UB HS Hildesheim IV, Nr. 638. Die bei Wolff, KD Kr. Burgdorf und Fallingbostel, S. 78 genannten weiteren Belege beziehen sich nach Ohainski/Udolph, Ortsnamen Hannover, S. 356 f. mehrheitlich auf Oetzen, Kr. Uelzen.
  2. Scheelje/Neumann, S. 295; Kopmann, S. 20 f.; Boetticher, Lehnregister Bortfeld Hahnensee, S. 51, 60 und 87.
  3. Salfeld, Pfründenregister, S. 85.
  4. Kayser, Kirchenvisitationen, S. 483.
  5. KABl. 1968, S. 4.
  6. KABl. 1952, S. 102.
  7. KABl. 1969, S. 5 f.
  8. Grundrissrekonstruktion: Kopmann, S. 290.
  9. Sommer, S. 54.