Sprengel Osnabrück, KK Osnabrück | Patrozinium: Bonnus | KO: Osnabrücker KO von 1652

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Orts- und Kirchengeschichte
Bonnuskirche, Ansicht von Südosten

Bonnuskirche, Ansicht von Südosten

Das Gemeindegebiet umfasst die westlichen Gebiete der Osnabrücker Stadtteile Wüste und Weststadt, für das zuvor teilweise die Katharinengemeinde und teilweise die Mariengemeinde zuständig gewesen war. Beide Gemeinden beteiligten sich an den Planungen zum Bau der Bonnuskirche auf der seinerzeit noch recht dünn besiedelten Illoshöhe.1 Mit Blick auf die neu zu gründende KG erhielt die Katharinengemeinde 1961 eine vierte Pfarrstelle, die P. Rudolf Fischer (amt. 1961-1967) übernahm.2 Als sich die Bonnusgemeinde zum 1. Januar 1962 gründete, besaß sie weder Kirche noch Pfarr- oder Gemeindehaus.3 Zum Gottesdienst versammelte sich die Gemeinde in einer Schule, der Pastor lebte in einer angemieteten Wohnung. Die wesentliche Entscheidung über den Kirchenbau war jedoch bereits gefallen: Im September 1961 hatte sich der Gutachterausschuss unter den vier eingereichten Entwürfen einstimmig für die Zeltkirche mit dem freistehenden, nadelspitzen Pyramidenturm des Architekten Otto Andersen entschieden.4 Am 30. September 1962 feierte die Gemeinde die Grundsteinlegung, am 16. August 1964 weihte Lbf. Hanns Lilje die Bonnuskirche ein.

Bonnus, Blick von Süden

Bonnuskirche, Blick von Süden, 2014, Foto: Boris Schlörb, CC BY-SA 3.0 de

Im Anschluss an die Visitation 1981 nannte der Sup. des KK Osnabrück die Bonnusgemeinde „keine schweigende, sondern eine Zeugnis gebende und darum lebende Gemeinde“.5 Aktiv beteiligte sich die KG an der seit 1981 gepflegten Kirchenkreispartnerschaft zwischen Osnabrück und Umfolozi (Südafrika): u. a. reiste eine Jugendgruppe 1989 nach Hlabisa und half dort beim Bau einer Kirche. Schon seit Gründung der KG zählte die diakonische Arbeit zu den Schwerpunkten des Gemeindelebens; für die 1970er Jahre ist u. a. die Zusammenarbeit mit dem Verein für Heilpädagogische Hilfe zu nennen und die „Griechenbetreuung“ (Gastarbeiter) im Gemeindehaus.6 Im Jahr 1995 eröffnete das Diakonische Werk in unmittelbarer Nachbarschaft der Kirche das Altenpflege- und Seniorenzentrum „Hermann-Bonnus-­Haus“. 2005 erhielt die Bonnusgemeinde das Siegel „Diakonische Gemeinde“.
Seit 2007 unterstützt der „Förderverein Bonnus e. V.“ das kirchliche Leben in der KG. Die kleine Taufkapelle an der Nordwestecke der denkmalgeschützten Kirche richtete die Gemeinde 2014 als „Kapelle der Stille“ ein, als Ort der Ruhe und der Achtsamkeit. Zum 1. Juli 2017 verließ die Bonnusgemeinde den Gesamtverband Osnabrück.7

Umfang

Westliche Teile der Osnabrücker Stadtteile Weststadt und Wüste.

Aufsichtsbezirk

Mit Gründung der Kirchengemeinde 1962 zum KK Osnabrück.

Kirchenbau
Bonnuskirche, Altarraum

Blick in den Altarraum, 2020, Foto: Thomas Herzberg, CC BY-SA 3.0 de

Zeltartiger Bau mit rechteckigem Schiff und dreieckigem Altarraum, errichtet 1962-64 (Architekt: Otto Andersen, Meldorf). Kirche nach Westen ausgerichtet, an Nordwestecke kurzer Verbindungsgang zu runder Taufkapelle. Verkupfertes, bis zum Boden herabgezogenes Satteldach, Altarraum mit Oberlicht, auf den Dachflächen jeweils fünf Dreiecksgauben mit Fenstern; Taufkapelle mit Flachdach und Oberlicht. Haupteingang der Kirche nach Osten. Im Innern holzverkleidete Zeltdecke; dreieckiger Altarraum nach Westen; Ostempore, darunter Eingangsbereich.

Fenster

Buntglasfenster im Gang zur Taufkapelle.

Turm

Östlich vor der Kirche freistehender, 50 Meter hoher Turm in Form einer schmalen, vierseitigen Spitzpyramide auf niedrigem Sockel, bekrönt mit Würfel und Kreuz. Kupfergedecktes Stahlgerüst, horizontales Schallöffnungsband im Glockengeschoss.

Kirche und Turm stehen unter Denkmalschutz.

Ausstattung

Hauptstücke nach Entwürfen von Otto Andersen (Meldorf): Schlichter Altartisch (Eisengerüst mit Mensa aus Sellinger Muschelkalk). – Niedrige Kanzel aus Sellinger Muschelkalk. – Taufstein in der Mitte der Taufkapelle (Eisengerüst mit runder Platte aus Sellinger Muschelkalk). – Bronzeplastik „Hängender Christus“ an Altarwand (1964, Ursula Querner, Hamburg), Kruzifix ohne Kreuz.

Bonnuskirche, Taufkapelle

Gang zur Taufkapelle, 2020, Foto: Thomas Herzberg, CC BY-SA 3.0 de

Orgel

Kleines Orgelpositiv, erbaut von Detlef Kleuker (Flensburg), 3 I/–. Orgelneubau 1979, ausgeführt von Firma Lother Simon (Muddenhagen-Borgentreich), 16 II/P, mechanische Traktur, Schleifladen.

Geläut

Vier LG, I: fis’, Inschrift: „Jesus Christus spricht: Ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende“; II: gis’, Bet- und Sterbeglocke, Inschrift: „Fürchte dich nicht, glaube nur“; III: a’, Trauglocke, Inschrift: „Gott ist Liebe. Und wer in der Liebe bleibt, der bleibt in Gott und Gott in ihm“; IV: h’, Taufglocke, Inschrift: „Seid fröhlich in Hoffnung“ (alle Bronze, Gj. 1964, Firma Rincker, Sinn).

Weitere kirchliche Gebäude

Gemeindezentrum mit Pfarrwohnung, Küsterwohnung, Gemeindehelferinnenwohnung und Gemeindehaustrakt (Bj. 1969/70).

Friedhof

Kein kircheneigener Friedhof. Im Gemeindegebiet liegt der städtische Heger Friedhof, größter Friedhof Osnabrücks.

Landeskirchliches Archiv Hannover (LkAH)

E 9 Nr. 644-647 (Amt für Bau- und Kunstpflege); L 5f Nr. 305, 927 (LSuptur. Osnabrück).

Literatur

A: Frenzel & Kuhl, Architekturführer S. 108; Poppe-Marquard, Kirchenchronik, S. 160-163; Weichsler, Hdb. Sprengel Osnabrück, S. 14.
B: Wir – die Bonnusgemeinde. Alle sind herzlich eingeladen, am 20. Kirchweihfest mitzufeiern! [hrsg. von der Ev.-luth. Bonnus-Kirchengemeinde Osnabrück], Osnabrück 1994.

Weitere Bilder
Film zum Kirchenbau


Fußnoten

  1. Poppe-Marquard, Kirchenchronik, S. 160.
  2. KABl. 1961, S. 11.
  3. KABl. 1962, S. 4.
  4. LkAH, B 2 G 9/Osnabrück, Bonnus Bd. I, Bl. 14a-d.
  5. LkAH, L 5f, Nr. 305 (Visitation 1981).
  6. LkAH, L 5f, Nr. 305 (Visitation 1975).
  7. KABl. 2017, S. 178 f.