Sprengel Stade, KK Wesermünde | Patrozinium: Maria1 | KO: Keine Kirchenordnung
Orts- und Kirchengeschichte
Urkundlich ist der Ort erstmals 1247 als Lockstede belegt.2 Das Dorf zählte zum Erzstift Bremen, dem weltlichen Territorium der Bremer Erzbischöfe. Es lag im Gebiet der Vogtei Vörde (später Amt Bremervörde) und gehörte zur Börde Beverstedt.3 Die Gerichtsbarkeit in dieser Region war geteilt und lag teilweise beim Landesherrn, teilweise bei den Burgmannen zu Luneberg.4 Nach Ende des Dreißigjährigen Krieges (1618–1648) war das Gebiet der säkularisierten Hochstifte Bremen und Verden unter schwedischer Herrschaft (vereinigte Herzogtümer Bremen-Verden) geblieben. Im Großen Nordischen Krieg (1700–1721) besetzte Dänemark 1712 die Hzm. Bremen und Verden und 1715 konnte das welfische Kfsm. Braunschweig-Lüneburg (Kurhannover) die beiden Territorien erwerben (1719 von Schweden gegen weitere Zahlung anerkannt). In der ersten Hälfte des 18. Jh. kam die Gerichtsbarkeit in der Börde Beverstedt gänzlich an das adlige Erbgericht Beverstedt (geschlossenes Patrimonialgericht). In französischer Zeit zählte Loxstedt im Jahr 1810 kurzzeitig zum Kgr. Westphalen und dann zum Kaiserreich Frankreich (Département des Bouches du Weser, Arrondissement Bremerlehe, Kanton Bremerlehe, 1811–1814). Ab 1815 war Loxstedt, nun im Kgr. Hannover, erneut Teil des restituierten Erbgerichts Beverstedt; 1851 wurde es aufgehoben und in das Amt Beverstedt umgewandelt. Seit Auflösung des Amtes Beverstedt 1858 zählte Loxstedt zum Amt Lehe. Mit der Annexion des Kgr. Hannover fiel der Ort 1866 an das Kgr. Preußen. Bei Einführung der Kreisverfassung 1885 kam Loxstedt zum Kr. Geestemünde, der 1932 im Lkr. Wesermünde aufging; dieser wiederum ging 1977 im neuen Lkr. Cuxhaven auf. 1974 wurden Bexhövede, Büttel, Donnern, Düring, Fleeste, Holte, Landwürden, Lanhausen, Loxstedt, Nesse, Neuenlande, Stinstedt und Stotel zur Einheitsgemeinde Loxstedt zusammengelegt. Seit 1862 besitzt der Ort einen Bahnhof (Strecke Bremen–Geestemünde bzw. Bremerhaven). Zur Zusammensetzung des Kirchspiels Loxstedt schrieb das Pfarramt 1966: „Der Anteil der Arbeiter und Angestellten an der sozialen Struktur der Gemeinde wächst stark. die Zahl der landwirtschaftlichen Betriebe nimmt ständig ab. Mit Anwachsen des Ortes nimmt auch die Zahl der Geschäftsleute zu. Der Prozentsatz der in Loxstedt wohnenden Akademiker ist gering.“5 Um 1810 lebten rund 460 Menschen in Loxstedt, 1910 etwa 1.130, 1950 gut 2.310 und 2020 ungefähr 5.710 (ohne Eingemeindungen).
Kirchlich gehörte Loxstedt ursprünglich zum Kirchspiel Beverstedt. Angeblich im Jahr 1371 erhielt das Dorf eine eigene Kapelle, deren Bau die Kirchspielleute mitfinanziert hatten.6 Das neue Gotteshaus, geweiht der Jungfrau Maria, war weiterhin Teil der Parochie Beverstedt. Wohl im Jahr 1443 baten die Loxstedter beim Bremer Erzbischof um einen eigenen Geistlichen.7 Der Erzbischof erlaubte dem Pfarrer von Beverstedt daraufhin, einen „stedtigen, geschickten und wahrhaften Capellan“ für Loxstedt anzustellen.8 1451 schließlich löste die nun anscheinend eigenständige Parochie Loxstedt ihre Bauverpflichtungen gegenüber der Mutterkirche in Beverstedt ab; als Vertreter des Kirchspiels Loxstedt nennt die Urkunde „Hermann Focken, Meinerde Hintzen, Claus Carsten, Johann Tüden, Karkszwaren und Kaspellueden tho Lockstede“.9 Auf Beverstedter Seite agierten vier Kirchenjuraten sowie die Luneberger Burgmannen; die Pfarrer der beiden Parochien lässt die Urkunde unerwähnt. Ebenfalls Mitte des 15. Jh. ließ die Gemeinde Loxstedt ihre Kirche vergrößern und die Gewölbe ausmalen („Loxstedter Totentanz“).10 Im Verzeichnis der Stader Antoniusgilde, geführt bis etwa 1525, sind bei Locstede drei Geistliche genannt, jeweils mit Magd bzw. Dienerin: Dom. Conradus plebanus † Grete ancilla, Dom. Johannes Fabri † pleb. Pellicke ancilla und Her. Erpe Lunebrug plebanus, Wemel famula; Jahreszahlen fehlen.11
Im Zeitalter der Reformation regierte mit Ebf. Christoph von Braunschweig-Lüneburg (amt. 1502–1558) zunächst ein entschiedener Gegner der luth. Lehre im Stift Bremen (und gleichzeitig im Stift Verden). Trotzdem fasste der Protestantismus während seiner Regierungszeit Fuß in den Gemeinden des Erzstifts.12 Ebf. Christophs Bruder und Nachfolger in beiden Bistümern, Ebf. Georg (amt. 1558–1566), duldete den neuen Glauben. Der Bremer Ebf. Heinrich III. von Sachsen-Lauenburg (amt. 1567–1585) schließlich war Protestant, verfolgte jedoch eine vorsichtige Kirchenpolitik; zur Einführung einer ev. Kirchenordnung kam es während seiner Amtszeit nicht. Im Erzstift Bremen hat sich, zugespitzt formuliert, „eine allmähliche Reformation“ vollzogen, „die meistens auf Gemeindeebene begann“.13 Einzelheiten zur Entwicklung in Loxstedt sind nicht überliefert. Der erste namentlich bekannte luth. Prediger der Gemeinde war P. Hermann Blome (amt. 1558–1560); lückenlos bekannt ist die Reihe der Loxstedter Pastoren ab 1580.14 Der um 1581/83 genannte Küster Johann Heber war auch gleichzeitig Lehrer („lehret die Kinder“).15 Die Kirchenbücher reichen zurück bis 1715.

Grabplatte für Arp von Düring († 1591) und seine Ehefrau Mette von der Lieth (oberer Teil), vor 1939
Das Patronat über die Kirche war in der zweiten Hälfte des 16. Jh. viergeteilt: 1582 stand es Arp von Düring, Luneberg Bicker, dem Pastor von Beverstedt sowie allen Kirchspielleuten zu. Sollten sich die vier Parteien nicht auf einen Kandidaten einigen können, hatten sie das Recht, jeweils einen eigenen vorzuschlagen. Die letztliche Entscheidung lag in diesem Fall beim Dompropst von Bremen.16 Beginnend mit P. Ernst Mushard (amt. 1580–1630/31) aus Marburg an der Lahn blieb die Pfarre Loxstedt für vier Generationen in der Hand der Familie Mushard, jeweils weitergereicht vom Vater an den Sohn. Auf den genannten ersten P. Mushard folgte P. Luneberg Mushard (amt. 1631–1665), der bereits seit 1624 seinen Vater als P. adj. unterstützt hatte. Nach ihm übernahm P. Johann Christoph Mushard (amt. 1665–1690) das Pfarramt, dem wiederum P. Johann Mushard (amt. 1691–1725) folgte. Nach der Familie Mushard übernahm die Familie Althausen die Pfarre Loxstedt, jedoch nur für zwei Generationen: P. Johann Christoph Althausen (amt. 1727–1751) und sein Sohn P. Christian Andreas Althausen (amt. 1752–1809). Im 1791 aufgestellten Corpus bonorum ist eine Beschreibung der Kirche und ihrer Ausstattung erhalten.17
Der Loxstedter P. Michael Reese (amt. 1838–1862) war Abgeordneter in zweiten der Kammer der Ständeversammlung des Kgr. Hannover; zudem war er einer der sieben Wahlmänner aus dem Gericht Beverstedt, die 1848 die Abgeordneten des Kgr. Hannover für die Frankfurter Nationalversammlung wählten.18 Im Jahr 1859 brannten Pfarrhaus sowie Küsterhaus mit Schule ab. Im Jahr 1910 konnte die Gemeinde ihre Kirche renovieren lassen, überwiegend finanziert aus dem Vermächtnis des in die USA ausgewanderten Gemeindeglieds Lüder Friedrich von Ohlsen († 1906).19 Die bei der Renovierung freigelegten figürlichen Malereien aus der Mitte des 15. Jh. blieben „ohne Überarbeitungen und Ergänzungen“, da das preußische Kultusministerium notwendige Mittel dafür nicht bewilligte.20
Während der NS-Zeit hatten nacheinander P. Gustav Adolf August Brünjes (amt. 1917–1934), P. Johannes Hermann Albers (amt. 1935–1940) und P. Heinrich Hagena (amt. 1941–1950) das Pfarramt Loxstedt inne. Nach den Angaben im „Fragebogen zur Geschichte der Landeskirche von 1933 bis Kriegsende“ gehörten P. Albers und P. Hagena kirchenpolitisch zur Hannoverschen Bekenntnisgemeinschaft.21 Zum 1933 neu gewählten KV ist lediglich erwähnt, dass ein später ausgetretener Kirchenvorsteher zur NSDAP gehörte und der KV sich gut bewährt habe.
Aufgrund des Zuzugs Geflüchteter nach Ende des Zweiten Weltkriegs stieg die Zahl der Gemeindeglieder von 2.500 im Jahr 1939 auf gut 3.560 im Jahr 1950 an.22 Gleichzeitig entstand eine kleine kath. Gemeinde (1966: 250 Gemeindeglieder23). Die ev. Gemeinde eröffnete 1955 einen kirchlichen Kindergarten, der zunächst im Gemeindehaus untergebracht war und 1973 ein eigenes Gebäude erhielt.24
Ab 1955 war Loxstedt Sitz der Superintendentur des KK Wesermünde-Süd. Neben Sup. Paul Gerhard Möller (amt. 1955–1965) war P. Friedel Schütte (amt. 1956–1959) zunächst als Hilfspfarrer und später als Pfarrer der Landeskirche in Loxstedt tätig. Die Gemeinde teilte sich seither in die Pfarrbezirke Ost und West. 1962 errichtete das Landeskirchenamt Hannover eine zweite Pfarrstelle; erster Inhaber war P. Wolfgang Jähnig (amt. 1962–1969, zuvor Gemeindepfarrer).25 1966 zählte die KG Loxstedt gut 4.400 Gemeindeglieder.26
Im Jahr 1966 weihte der Hildesheimer Bf. Heinrich Maria Jansen (amt. 1957–1982) die kath. St.-Johannes-der-Täufer-Kirche in Loxstedt. Erstmals im KK Wesermünde-Süd fand im April 1971 in der ev. St.-Marien-Kirche zwei ökumenische Trauungen statt (erste im Gebiet der Landeskirche: 1970 in Raddestorf); die beiden Loxstedter Gemeinden feierten ökumenische Gottesdienste bei besonderen Anlässen, unterhielten einen ökumenischen Arbeitskreis und luden seit 1973 auch zu anderen gemeinsamen Veranstaltungen ein (gelegentlich Gemeindeabend, jährlicher Altennachmittag).27
In der zweiten Hälfte der 1970er Jahre richtete die KG einen Weltladen ein („Robinson-und-Freitag-Laden“).28 Mit Pn. Renate Fischer (amt. 1981–1983) versah erstmals eine Frau eine Pfarrstelle in Loxstedt (Hilfspfarrerin); erster Pfarrstelleninhaberin war Pn. Hanne Leewe (amt. 1984–1990). Im Rahmen der Partnerschaft zwischen der hannoverschen und der sächsischen Landeskirche unterhielt die KG Loxstedt Kontakte zur Kirchgemeinde Zwönitz im Erzgebirge (1991: „gut gepflegte Partnerschaft“, Jugendaustausch).29 Der Suptur-Sitz des KK Wesermünde-Süd wurde 1993 von Loxstedt nach Beverstedt verlegt. Im Jahr 1995 gründete sich der „Förderverein zur Erhaltung der St.-Marien-Kirche in Loxstedt e. V.“. Ende der 1990er Jahre waren in den verschiedenen Gruppen und Kreisen sowie dem Besuchsdienst, dem KV, den Chören, dem Weltladen und dem jährlichen Glaubensseminar etwa 200 Ehrenamtliche tätig (etwa 4.600 Gemeindeglieder).30
Seit 2024 ist die St.-Marien-KG Loxstedt Teil des „Ev.-luth. KGV Wesermünde Süd-West“, dem überdies die KG Bexhövede, Bramel, Büttel und Stotel angehören.31
Pfarrstellen
I: vorref. – II: 1962.32
Umfang
Loxstedt sowie Dünenfähr, Düring, Friedrich-Wilhelmsdorf, Hohewurt und Nesse.
Aufsichtsbezirk
Archidiakonat des Bremer Dompropsts.33 – Seit der Gründung des Kons. Stade 1651/52 gehörte Loxstedt zur Präpositur Bremervörde. Bei der Neuordnung der Aufsichtsbezirke in den Hzm. Bremen und Verden kam Loxstedt 1827 zur Insp. Beverstedt, bei deren Auflösung 1853 zur Insp. Hagen. Ab 1867 zählte Loxstedt zur neu errichteten Insp. Geestendorf, die 1874 umbenannt wurde in Insp. Wulsdorf (Verlegung des Suptur.-Sitzes). 1924 KK Wesermünde-Wulsdorf, 1934 umbenannt in KK Wesermünde-Geestemünde (Verlegung des Suptur.-Sitzes).34 Nach Aufhebung des KK Wesermünde-Geestemünde kam Loxstedt 1940 zum neuen KK Wesermünde-Süd.35 Seit dessen Fusion mit dem KK Wesermünde-Nord gehört Loxstedt seit 1. Januar 2013 zum KK Wesermünde.36 – Ab 1955 war Loxstedt Sitz der Superintendentur des KK Wesermünde-Süd (vorher gemeinsam verwaltet mit KK Wesermünde-Stadt bzw. Bremerhaven). Bei seiner Gründung umfasste der Kirchenkreis folgende Gemeinden: Altluneberg, Beverstedt, Bexhövede, Bramel, Bramstedt, Büttel, Hagen, Loxstedt, Sandstedt, Stotel, Uthlede, Wersabe und Wulsbüttel.37 1987 kam die neugegründete KG Lunestedt hinzu.38 Zum 1. Mai 1993 verlegte das Landeskirchenamt Hannover den Sitz der Suptur des KK Wesermünde-Süd nach Beverstedt.39
Patronat
1582 war das Patronatsrecht geteilt: Es lag gemeinschaftlich bei den Besitzern des Gutes Düring (Arp von Düring), den Besitzern des Gutes Altluneberg (Luneberg Bicker), dem Pastor von Beverstedt sowie allen Kirchspielleuten (Präsentationsrecht; das Investitionsrecht beim Bremer Dompropst).40 Mitte des 18. Jh. wurde „die Wahl zwar eigentlich von den adlichen Patronis […] verrichtet, der Pastor zu Beverstedt aber, und die Gemeine zu Loxstede muß mit dem gewehlten Subiecto zufrieden seyn, und solche ihre Zufriedenheit schriftlich bezeugen, auch das Präsentationsschreiben mit unterschreiben“.41 Seitdem die Pfarrstelle Loxstedt 1955 mit dem Amt des Superintendenten für den KK Wesermünde-Süd verbunden wurde, ruhte das Präsentationsrecht der Patrone. Das Patronat bestand noch bis 1960.42
Kirchenbau
Saalbau mit polygonalem Ostschluss und polygonalem Sakristeianbau im Osten, erbaut in der zweiten Hälfte des 14. Jh. (angeblich 1371, drei Westjoche) und Mitte des 15. Jh. (Ostjoch und Chor). Satteldach, über dem Chor abgewalmt; Sakristeidach nach Osten abgewalmt; ziegelgedeckt. Backsteinmauerwerk, Trauffries, Stützpfeiler an den Längsseiten und am Chor. Große, leicht spitzbogige Fenster mit Eisensprossenwerk. Im Westen der Nordseite Spitzbogennische mit segmentbogigem Portal, im Bogenfeld Inschrift: „Herr, ich habe lieb die Stätte deines Hauses“, darüber kleines Rechteckfenster; im Osten segmentbogiger Nebeneingang. Im Innern Kreuzrippengewölbe (in den Westjochen Bandrippen, in Ostjoch und Chor Birnstabrippen); Querbalken im Chor, Inschrift: „Kasten Inken Arend Foken Ivraten 1664“; Westempore; Segmentbogennischen in den Wänden. Im Gewölbe mittelalterliche Ausmalung, figürlich und ornamental (Mitte 15. Jh., 1910 freigelegt und restauriert, 1960/61 restauriert, 1998 restauriert43), in den beiden westlichen Jochen Pestzyklus („Pest als Vorbotin des Weltgerichts“, „an solch exponierter Stelle für Nordwestdeutschland einzigartig“44), Tod mit jungem und vornehmen Paar („Loxstedter Totentanz“), Märtyrer Stephan, Märtyrer Sebastian, Christophorus, Weltgericht, Hölle sowie das himmlische Jerusalem; im Ostjoch heilige Sippe, Anbetung der Könige und Hirten, Szenen aus Genesis sowie Kampf Georgs mit dem Drachen. Um 1450 Kirche nach Osten verlängert, Gewölbe ausgemalt. Im 16. Jh. Fenster verändert. 1664–78 hölzerne Zuganker eingezogen (in Schiff und Chor). Etwa Mitte des 19. Jh. Fenster vergrößert und Eisensprossenwerk eingesetzt. 1851 Nordempore bis in den Altar verlängert. 1910 Renovierung, u. a. Gewölbemalerei freigelegt (Wilhelm Sievers, ornamentale Malerei ergänzt und rekonstruiert, figürliche nur freigelegt)45, Sakristeianbau errichtet. Im 20. Jh. Stützpfeiler errichtet. 1958–61 Innenrenovierung, u. a. Nordempore entfernt, hölzerner Zuganker im Schiff entfernt, Rankenmalerei im Chorgewölbe entfernt, Gewölbemalereien restauriert (Restaurator H. Weikert, Bremen). 1998 Innenrenovierung, u. a. Gewölbemalereien restauriert (Restauratoren Horst Icks und Peter Rudolph, Bramsche). 2023 neue Beleuchtung.
- „Heilige Sippe“
- „Loxstedter Totentanz“
- „Christophorus“
Fenster
Figürliches Buntglasfenster nach Süden (1920, Franz Lauterbach, Hannover), Auferstehungsszene; 1992 restauriert.46
Turm
Niedriger, vierseitiger Westturm, erbaut zweite Hälfte 14. Jh. (angeblich 1371).47 Geschwungener Kupferhelm mit geschlossener Laterne, bekrönt mit Kugel und Hahn. Backsteinmauerwerk. Im Glockengeschoss je ein hohes, segmentbogiges Schallfenster nach Norden und Süden, westlich daneben jeweils Uhrziffernblatt. Nach Norden segmentbogiges Portal, links darüber Segmentbogenfenster. 1851 Turmhelm abgebrannt. 1908 Turm erneuert. 1911 Kupferdeckung (vorher Holzschindeln).48 1953/54 Instandsetzung.
Ausstattung
Blockaltar mit gemauertem Stipes und gotischer Mensa aus Sandstein (Reliquiengrube, Weihekreuze); zweistöckiges, architektonisch gestaltetes Retabel (1700, wohl Jakob Helmers, Stade), farbig gefasst, reich verziert, mit gewundenen Säulen, verkröpftem Gebälk, seitlichem Schnitzwerk und Figuren; im Hauptfeld Gemälde mit Kreuzigung (1798, nach Rembrandt), flankiert von je zwei Säulen und Figuren der Evangelisten; vor dem Gebälk Medaillon mit Gemälde „Christus im Garten Gethsemane“ (1798); auf dem Gebälk Engelsfiguren mit Arma Christi; im oberen Feld Gemälde mit Kreuzabnahme; als Bekrönung Figur des auferstandenen Christus mit Siegesfahne, flankiert von zwei Engeln; in der Predella Abendmahlsgemälde (1700), flankiert von zwei Engelsköpfen; an der Rückseite des Altars Inschrift: „1700 ist dieses Altar verfertigt und 1798 haben es die Kirch-Jvraten Hinrich Wohlers und Jakob Hinrich Harms renovieren lassen“; 1901 restauriert; 1959 restauriert. – Schlichte Holzkanzel, farbig gefasst (zweite Hälfte 18. Jh.), polygonaler Kanzelkorb, Wandungen mit Rechteckfüllungen; 2000 restauriert.49 – Holztaufe, farbig gefasst (Ende 18. Jh.), achteckiges Becken mit stilisierten Blättern, vierseitiger Schaft mit vier Blüten, quadratischer Sockel; 2000 restauriert. – Grabplatte für Arp von Düring († 1591) und seine Ehefrau Mette von der Lieth (Angaben zu Alter und Sterbedatum leer gelassen), Relief der Verstorbenen. – Wappentafel der Familien von Düring und von der Lieth (1575, Hochzeit Mette von der Lieth und Arp von Düring). – Inschriftenbalken, angebracht an der Emporenbrüstung: „Anno 1618 Casten Eden Klaes Brvnies beide Ivraten“. – Holzgestühl (laut Inschrift 1768).
Orgel
1769/71 Orgelneubau, ausgeführt von Matthias Schreiber (Glückstadt), unter Verwendung von Pfeifenmaterial der Vorgängerorgel, nach Schreibers Tod 1771 Orgelbau 1785/86 fortgesetzt von Johann Georg Wilhelm Wilhelmy (Stade), 1789/90 vollendet von Johann Wolfgang Witzmann (Nesse), 21 II/P, mechanische Traktur, Schleifladen; außerdem zwei Register vakant.50 1852 Reparaturen und Umbauten, Johann Hinrich Röver (Stade). 1939 Instandsetzung und Umbau, Paul Ott (Göttingen), 23 II/P, mechanische Traktur, Schleifladen. 1969 Orgel nur noch teilweise spielbar, ab Herbst 1971 Leihpositiv genutzt. 1972 Interimsorgel angeschafft, erbaut von Schmidt & Thiemann (Hannover), 6 I/P, mechanische Traktur, Schleifladen. 1979–84 Schreiber-Orgel restauriert, Alfred Führer (Wilhelmshaven), 21 II/P, mechanische Traktur, Schleifladen; außerdem zwei Register vakant; Tonhöhe liegt etwa einen Ganzton über normal. 2015 Renovierung. Denkmalorgel.
Geläut
Zwei LG, I: f’ (Bronze, Gj. 1662, Bronze, Claudi Gage), Inschrift: „Anno Domini 1662 M Claudi Gage me fecit“ (Im Jahr des Herrn 1662 hat Meister Claudi Gage mich gemacht); II: g’ (Bronze, Gj. 1981, Firma Rincker, Sinn). Zwei SG, I: a’’ (Eisen, Gj. 1951, J. F. Weule, Bockenem); II: b’’ (Bronze, Gj. 1904). – Früherer Bestand: 1791 zwei Glocken vorhanden51, jetzige LG I und eine größere, große LG (Bronze, Gj. 1634, F. Racle aus Lothringen), Inschrift etwa: „Anno 1634. Relef Hinrich Ehden, Peter Vagt, Juraten. Luneberg Mushard, Pastor. F. Racle Lotha me fecit“, Glocke 1895 beim Feuerläuten geborsten, umgegossen zu einer neuen großen LG (Bronze, Gj. 1896, Firma Radler, Hildesheim), Inschrift: „Anno 1634. Relef Hinrich Ehden, Peter Vagt, Juraten. Luneberg Mushard, Pastor. F. Racle Lotha me fecit. Umgegossen 1896 von J. J. Radler und Soehne in Hildesheim“, im Ersten Weltkrieg zu Rüstungszwecken abgegeben, nicht eingeschmolzen und seit Herbst 1919 wieder in Loxstedt, im Zweiten Weltkrieg zu Rüstungszwecken abgegeben.52 Eine LG (Eisen, Gj. 1951, J. F. Weule, Bockenem), Inschrift: „Friede sei ihr erst Geläute. Gestiftet von Ioh. Friedr. Haase, New York“ und „J. F. Weule Bockenem 1951“, Glocke 1981 durch jetzige LG II ersetzt (Metall bereits 1976 gekauft) und nördlich der Kirche aufgestellt. Eine SG, wohl a’’ (Bronze, Gj. 1904), Inschrift: „Zum Andenken an G. M. Bohlken in New York. 1904“, im Zweiten Weltkrieg zu Rüstungszwecken abgegeben (1943).53
Weitere kirchliche Gebäude
Pfarrhaus I mit Gemeindehaus (Bj. 1850). – Pfarrhaus II (Bj. 1960/61). – Wohnhaus.
Friedhof
Ehemaliger kirchlicher Friedhof bei der Kirche, einige Grabsteine erhalten (17–19. Jh.). Neuer kirchlicher Friedhof im Süden von Loxstedt (Bahnhofstraße), angelegt 1907, erweitert 1929, FKap (Bj. 1967).
Liste der Pastoren (bis 1940)
1558–1560 Hermann Blome. – Um 1574 Henrik Hollen. – 1580–1630/31 Ernst Mushard. – 1631–1665 Luneberg Mushard (seit 1624 P. adj.). – 1665–1690 Johann Christoph Mushard. – 1691–1725 Johann Mushard. – 1727–1751 Johann Christoph Althausen. – 1752–1809 Christian Andreas Althausen. – 1810–1824 Daniel Philipp Wilhelm Schaumburg. – 1824–1838 August Nikolaus Marquard Seekamp. – 1838–1862 Michael Reese. – 1862–1874 Johann Bernhard Ernst Friedrich Tewes. – 1875–1883 Karl Friedrich Wilhelm Vogeler. – 1885–1906 Heinrich Friedrich Wilhelm Müller. – 1907–1917 Johann Claus Köncke. – 1917–1934 Gustav Adolf August Brünjes. – 1935–1940 Johannes Hermann Albers. – 1941–1950 Heinrich Hagena.
Angaben nach: Meyer, Pastoren II, S. 92
Landeskirchliches Archiv Hannover (LkAH)
A 2 Nr. 948–960 (Pfarroffizialsachen); A 6 Nr. 5105 (Pfarrbestallungsakten); A 8 Nr. 265
(CB); A 9 Nr. 2547
, 2548
, 2566
, 2567
, 2575
, 2689
(Visitationen); B 2 G 9 Nr. 1941–1944 (Baupflege und Bauwesen); B 2 G 9 B Nr. 407–408 (Orgel- und Glockenwesen); B 18 Nr. 102, 196 (Orgelsachverständiger); D 85 (EphA Wesermünde-Süd); E 5 Nr. 694 (Konsistorialbaumeister); L 5g Nr. 224–225, 990 (LSuptur. Stade); S 2 Witt Nr. 04, 14 (Fotosammlung); S 09 rep Nr. 1629 (Presseausschnittsammlung); S 11a Nr. 7926 (Findbuch PfA).
Kirchenbücher
Taufen: ab 1715 (Lücken: 1727–1745, 1727–1745, 1753–1758, 1764)
Trauungen: ab 1715 (Lücken: 1727–1745, 1727–1745, 1753–1758, 1764)
Begräbnisse: ab 1715 (Lücken: 1727–1745, 1727–1745, 1753–1758, 1764)
Kommunikanten: ab 1859 (Lücken: 1887; Zahlenregister: 1715–1779 (Lücken: 1727–1745, 1747–1750, 1753–1758, 1764))
Konfirmationen: ab 1815 (Lücken: 1817–1823, 1825, 1853–1858, 1875)
Literatur & Links
A: 50 Jahre KK Wesermünde-Süd, S. 90–95; Gemeindebuch KK Wesermünde-Süd, S. 7–9; Böker, Denkmaltopographie Lkr. Cuxhaven, S. 229–230; Dehio, Bremen/Niedersachsen, S. 865–866; Grote/van der Ploeg/Kellner, Wandmalerei, Katalogband, Nr. 179; Kiecker/Cappelle, KD Kr. Geestemünde, S. 71–78; Körtge, Kirchenglocken, S. 192; Meyer, Pastoren II, S. 92; Mithoff, Kunstdenkmale V, S. 63; Pratje, Abhandlungen II, S. 168–170 [Digitalisat]; III, S. 31–37 [Digitalisat]; Talkenberger, Quellen, S. 252.
B: Führer durch die St. Marienkirche zu Loxstedt, hrsg. von der Kirchengemeinde Loxstedt, 1983; Ortsfamilienbuch Loxstedt, hrsg. von der Ev.-luth. Kirchengemeinde Loxstedt, Loxstedt, 2008; Dietrich Diederichs-Gottschalk: Der spätmittelalterliche Pestzyklus in der ev.-luth. St.-Marien-Kirche zu Loxstedt, in: Jahrbuch der Männer vom Morgenstern 71 (1992), S. 29–40; Ulrich Euent (Hg.): „Von den Pastoren in Loxstedt“. Handschriftlicher Text in deutscher Schrift von Heinrich Hadel, Plaidt 2012; Heinz Krüger: Einmaliger Schatz in der Loxstedter Kirche. Der mittelalterliche Bilderzyklus in St. Marien wurde restauriert, in: Zwischen Elbe und Weser 19,1 (2000), S. 4–5 [online].
Internet: Bildindex der Kunst & Architektur: Kirche und Ausstattung; Denkmalatlas Niedersachsen: Kirche, Kirche, Kirchhof, Kirchenanlage; Nomine (Norddeutsche Orgelmusikkultur in Niedersachsen und Europa): Orgel; Wikipedia: St. Marien (Loxstedt)
GND
124517813X, Ev.-Luth. Kirchengemeinde St. Marien Loxstedt; 1050437519, Sankt Marien (Loxstedt).
Weitere Bilder
- Kirche
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- Altarretabel
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- Südfenster
Website der Kirchengemeinde (18.02.2024)
Fußnoten
- Hennecke/Krumwiede, Kirchen- und Altarpatrozinien I, S. 45.
- Regesten Ebf. Köln I, Nr. 991; Pratje, Abhandlungen 4, S. 29 [Digitalisat]; Kiecker/Cappelle, KD Kr. Geestemünde, S. 71.
- Zur Börde Beverstedt vgl. Lehe, Herzogtum Bremen, S. 35 ff.
- Lehe, Herzogtum Bremen, S. 37: „Die Burgmannen von Luneberg haben das niedere und hohe Gericht von den Erzbischöfen zu Lehen und halten es in Beverstedt. Jedoch ist es in erzbischöflicher Zeit nur zuständig für die gutsherrlichen Meier, während über die erzbischöflichen Meier die Vörder Beamten richten.“
- LkAH, L 5g, Nr. 224 (Visitation 1966).
- Kiecker/Cappelle, KD Kr. Geestemünde, S. 72; Pratje, Abhandlungen III, S. 31 ff. [Digitalisat].
- Gemeindebuch KK Wesermünde-Süd, S. 7 und Führer, S. 2 [jeweils ohne Beleg] nenne beide als Adressaten „Ebf. Albert von Bremen“, dieser amtierte jedoch 1359 bis 1395. Siehe auch NLA ST Dep. 37 acc. 2009/30 Nr. 49.
- Zit. in Gemeindebuch KK Wesermünde-Süd, S. 7 [ohne Beleg].
- Pratje, Abhandlungen III, S. 84 [Digitalisat].
- Grote/van der Ploeg/Kellner, Wandmalerei, Katalogband, Nr. 179; vgl. auch Diederichs-Gottschalk, S. 29 ff. (mit Abbildungen).
- Krause, Pfarrgeistlichkeit, S. 286 [Digitalisat]. Vgl. auch ebd., S. 283: „Aus der Reihefolge der Plebane ist vielleicht nicht immer auf die richtige Zeitfolge zu schließen, auch sind wohl die Plebane der Nachbarkirchen öfter aufgeführet, ohne daß dieses direct bemerkt wäre.“
- Sehling, Kirchenordnungen 16. Jh. Bd. 7,1, S. 7, resümiert: „beinahe das ganze Erzstift“ wurde lutherisch; Otte ist vorsichtiger und hält fest, es bleibt „für diese Jahre weiterhin schwierig zu beurteilen, ob der einzelne Prediger evangelisch predigte oder altgläubig“, da die Pfarrer – nicht zuletzt mit Blick auf Erhalt der eigenen Pfründe – mitunter „zweideutig“ agierten (Dannenberg/Otte, Reformation, S. 32). Für einen knappen Überblick zur Reformation im Erzstift Bremen vgl. Sehling, Kirchenordnungen 16. Jh. Bd. 7,1, S. 7 ff. sowie die Beiträge in Dannenberg/Otte, Reformation.
- Dannenberg/Otte, Reformation, S. 38.
- Vgl. die Zusammenstellung bei Euent, S. 3 ff.
- Pratje, Abhandlungen II, S. 169 [Digitalisat ].
- Pratje, Abhandlungen III, S. 32. [Digitalisat]; Kiecker/Cappelle, KD Kr. Geestemünde, S. 72.
- LkAH, A 8, Nr. 265 [Digitalisat].
- Euent, S. 7. P. Reese war kein Mitglied der Nationalversammlung, wie irrtümlich angegeben in Gemeindebuch KK Wesermünde-Süd, S. 8, und 50 Jahre KK Wesermünde-Süd, S. 91. Zum Wahlverfahren für die Abgeordneten aus dem Kgr. Hannover vgl. Sammlung der Gesetze, Verordnungen und Ausschreiben für das Königreich Hannover, 1848, S. 101 ff. [Digitalisat].
- Euent, S. 33 ff.
- Lindemeier, Restaurierungsgeschichte, Textband, S. 121 und Katalogband, S. 247.
- LkAH, S 1 H III, Nr. 821, Bl. 14. Allgemein zum Fragebogen vgl. Kück, Ausgefüllt, S. 341 ff.
- LkAH, S 1 H III, Nr. 821, Bl. 14; LkAH, L 5g, Nr. 224 (Visitation 1951).
- LkAH, L 5g, Nr. 224 (Visitation 1966).
- 50 Jahre KK Wesermünde-Süd, S. 93.
- KABl. 1962, S. 6.
- LkAH, L 5g, Nr. 224 (Visitation 1966).
- LkAH, L 5g, Nr. 225 (Visitationen 1973 und 1979).
- 50 Jahre KK Wesermünde-Süd, S. 93.
- LkAH, L 5g, unverz., Loxstedt, Visitation 1991. Allgemein: Cordes, Gemeindepartnerschaften, S. 38 ff.
- LkAH, L 5g, unverz., Loxstedt, Visitation 1997.
- KABl. 2024, S. 223 ff.
- KABl. 1962, S. 6.
- Hodenberg, Stader Copiar, S. 18 [Digitalisat].
- KABl. 1934, S. 148.
- KABl. 1940, S. 54. Vgl. auch 50 Jahre KK Wesermünde-Süd, S. 25 ff.
- KABl. 2012, S. 311 f.
- 50 Jahre KK Wesermünde-Süd, S. 35.
- KABl. 1987, S. 148 f.
- KABl. 1993, S. 104.
- Pratje, Abhandlungen II, S. 169 [Digitalisat].
- Pratje, Abhandlungen III, S. 32 f. [Digitalisat], Zitat S. 33).
- 50 Jahre KK Wesermünde-Süd, S. 90.
- Diederichs-Gottschalk datiert die Ausmalung des Westjochs auf das frühe 15. Jh., die des Ostjochs auf das Ende des 15. Jh., Diederichs-Gottschalk, S. 29 und S. 36.
- Grote/van der Ploeg/Kellner, Wandmalerei, Katalogband, Nr. 179; vgl. auch Diederichs-Gottschalk, S. 29 ff. (mit Abbildungen), und Lindemeier, Restaurierungsgeschichte, Katalogband, S. 244 ff.
- Lindemeier, Restaurierungsgeschichte, Textband, S. 322 f.
- Euent, S. 39.
- Nach Diederichs-Gottschalk, S. 29, stammt der Chor erst aus dem frühen 16. Jh.
- Euent, S. 37.
- LkAH, A 8, Nr. 265: „Die Cantzel ist vor einigen Jahren neu gebauet“ (CB von 1791) [Digitalisat, Aufnahme 6].
- Zu Matthias Schreiber siehe auch knapp Fock, Schnitger, S. 185.
- LkAH, A 8, Nr. 265 [Digitalisat, Aufnahme 8].
- Euent, S. 32; Körtge, Kirchenglocken, S. 192.
- Körtge, Kirchenglocken, S. 192.























