Sprengel Hannover, KK Burgdorf | Patrozinium: Matthäus (1958) | KO: Lüneburger KO von 1643

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Orts- und Kirchengeschichte

Der Ort wird erstmals in einer Urkunde aus dem Jahr 1147 als Lereht erwähnt.1 Darin bestätigte Bf. Bernhard von Hildesheim die Rechte des Hildesheimer Bartholomäusstiftes, dem der Zehnt in Lehrte zustand. Die Herren von Escherde hatten in Lerethe Besitz, den sie 1294 dem Moritzstift in Hildesheim übergaben.2 Lehrte gehörte im 13. Jh. zur Großen Grafschaft (später das Große Freie), die als Lehen der Bf. von Hildesheim im Besitz der Grafen von Roden war, welche sie Mitte des 13. Jh. an die Welfen verkauften. In der Folgezeit kam es wiederholt zu Konflikten zwischen den Hildesheimer Bf. und den welfischen Hzg. Letztere erkannten schließlich die bischöfliche Lehnshoheit an, es war ihnen jedoch auch gelungen, ihre eigene Position zu stärken. Spätestens im 15. Jh. entstand südlich des Dorfkerns die Hagensiedlung, die im Salbuch des Bf. von Hildesheim gesondert aufgeführt wird (1453/54).3 1512 kam das Große Freie an das welfische Teilfsm. Lüneburg. Mit dem Ende der Hildesheimer Stiftsfehde (1519-1523) schwand der hildesheimische Einfluss völlig und die Welfenhzg. konnten ihre Landesherrschaft über die Dörfer des Großen Freien langfristig festigen. Im 17. Jh. ging das Große Freie in der Amtsvogtei Ilten des Fsm. Lüneburg auf, die Bezeichnung erscheint erstmals 1667.4 Von 1810 bis 1813 war der Ort Teil des Kantons Ilten im Distrikt Hannover des Departements Aller im Kgr. Westphalen. Danach gehörte Lehrte wieder zur Amtsvogtei (1852: Amt) Ilten, nun im Kgr. Hannover. 1859 ging das Amt Ilten im Amt Burgdorf auf und mit der Annexion Hannovers wurde Lehrte 1866 preußisch. Der Ort kam 1885 zum neuen Lkr. Burgdorf und erhielt 1898 Stadtrechte. Seit Auflösung des Lkr. 1974 gehört Lehrte zum Lkr. (2001: Region) Hannover. Die 1841 konzipierten Eisenbahnverbindungen Hannover–Peine (1843) und Hildesheim–Celle (1845) machten das alte Bauerndorf zum Kreuzungspunkt, der sich zu einem der wichtigsten Eisenbahnknoten des Kaiserreichs entwickelte (1871 Verbindung nach Berlin. Lehrter Bahnhof).5 Der Bahnhof lag nördlich des alten Dorfes und die Industrieansiedlungen in seiner Umgebung führten zu einem raschen Anstieg der Einwohnerzahl. Im Jahre 1540 hatte sie bei etwa 250 gelegen, 1813 bei gut 650, 1848 bei 800 und 1852 bereits bei gut 1.250. Als Lehrte 1898 Stadtrechte erhielt, lebten hier über 5.000 Menschen, 1956 mehr als 20.000 und 2016 knapp 23.500 (ohne Ortsteile).

Nikolauskirche (alte Kirche), Ansicht von Südosten, 1951

Nikolauskirche (alte Kirche), Ansicht von Südosten, 1951

Kirchlich gehörte Lehrte im Mittelalter zunächst zu Steinwedel. Eine eigene Kirche lässt sich erstmals 1302 nachweisen, als Bf. Siegfried von Hildesheim das Patronatsrecht des Hildesheimer Michaelisklosters über die ecclesie in leerthen anerkannte.6 Ein halbes Jh. später schied die Gemeinde aus dem Ksp. Steinwedel aus und Bf. Heinrich von Hildesheim erhob die capella in Lerethe zur Pfarrkirche.7 Bf. Gerhard wiederholte 1366 auf Bitten Hzg. Wilhelms II von Braunschweig-Lüneburg diese Ablösung.8 Mit der Eigenständigkeit ging vermutlich auch ein Wechsel der Archidiakonatszugehörigkeit einher: Steinwedel war Teil des Archidiakonats Sievershausen, Lehrte erscheint in späteren Verzeichnissen beim Archidiakonat Lühnde.9 Namen vorref. Geistlicher des Ortes sind nicht bekannt.
Ernst der Bekenner, seit 1521 Fs. von Lüneburg, betrieb seit 1527 die Einführung der Reformation in seinem Fsm. (Landtag in Scharnebeck). Das in diesem Jahr gedruckte Artikelbuch diente dabei, obwohl die Landstände es abgelehnt hatten, als Leitfaden.10 Die Pfarren des Fsm. ließ Ernst bis 1543 planmäßig visitieren, 1564 erschien die erste KO für das Fsm. Lüneburg.11 Im Großen Freien und in Lehrte setzte sich der neue Glaube etwa in den frühen 1530er Jahren durch. Der 1534 im Lüneburger Pfründenregister genannte P. Hermannus Zcegemeiger (amt. um 1534-etwa 1577), gleichzeitig auch Vikar in Ilten, war vermutlich der erste Geistliche des Ortes, der sich zum Protestantismus bekannte.12 In den Protokollen zur Kirchenvisitation 1543, an der Hzg. Ernst in Lehrte anscheinend selbst teilnahm, wird er als mediocriter doctus, also mittelmäßig gelehrt, bezeichnet.13 Das Michaeliskloster nahm sein Patronatsrecht auch nach der Reformation noch wahr und machte 1582 einen Vorschlag zur Wiederbesetzung der Pfarrstelle.14 Das Pfarrvermögen war eher bescheiden15 und P. Heinrich Bock (amt. 1604-1623) notierte zudem, dass „viel unvermüghende Leute“16 im Dorf wohnten. Nach Einschätzung P. Levin David Gottlieb Geises (amt. 1799-1808) gehörte die Lehrter Pfarre auch im frühen 19. Jh. zu den ärmsten des Landes.17

Matthäuskirche, Ansicht von Nordwesten, um 1950

Matthäuskirche, Ansicht von Nordwesten, um 1950

Um 1575 hatte die Gemeinde ein Pfarrwitwenhaus bauen lassen18 und als P. Bock 1604 nach Lehrte kam, war der feste – also steinerne – Turm der Kirche fast fertiggestellt.19 Um den noch fehlenden Turmhelm zu errichten, gab schließlich die Gemeinde Haimar noch Geld.20 Das nach dem Dreißigjährigen Krieg gebaute Pfarrhaus brannte 1690 ab. Unter P. Ludolf August Erhardt (amt. 1808-1823) ließ die Gemeinde 1815 die Kirche renovieren und dabei vermutlich größere Fenster brechen. Die steigende Einwohnerzahl seit Mitte des 19. Jh. machte die Kirche mit ihren knapp 270 Sitzplätzen, die zudem größtenteils feste Besitzer hatten, schnell zu klein. Bereits 1855 lag ein Entwurf von Konsistorialbaumeister Conrad Wilhelm Hase (1818-1902) für einen Neubau unter Beibehaltung des alten Kirchturms vor, der mit kleineren Änderungen dann in Hilter verwirklicht wurde. Auch ein zweiter Plan Hases zur Vergrößerung der Nikolauskirche kam nicht zur Ausführung (1871). Nach langen Auseinandersetzungen innerhalb der KG über Bauplatz und Baukosten fiel schließlich die Entscheidung für einen Neubau auf halbem Weg zwischen Bahnhof und altem Dorfkern. Die Grundsteinlegung feierte die Gemeinde 1873, die Einweihung 1876. Zum Kauf der Orgel erhielt die KG ein Geldgeschenk Ks. Wilhelms I.21 Um die Matthäuskirche entwickelte sich das neue Ortszentrum. Die alte Nikolauskirche diente seit 1882 als Schule, ihre Glocken und Orgel verkaufte die KG. Auch die katholische Gemeinde Lehrtes wuchs in der zweiten Hälfte des 19. Jh. stark an, weihte 1895 die St. Bernward Kirche ein und bekam im gleichen Jahr einen eigenen Priester. Bis dahin war der Bolzumer Pfarrer für Lehrte zuständig gewesen, der dort die Messen seit 1886 zunächst in einem Gasthaus und dann in der neuen kath. Schule (1890) gefeiert hatte.
Im Juli 1901 errichtete das Konsistorium eine zweite Pfarrstelle in Lehrte (zunächst ständige Pfarrkollaboratur).22 Im Ersten Weltkrieg gelang es der KG, die Abgabe der Kirchenglocken zu verhindert.23 Bei der Kirchenwahl 1933 erlangten die DC fünf der sieben Sitze im Lehrter Kirchenvorstand, zwei DC Vertreter schieden später wieder aus.24 P. Georg Ungewitter (amt. 1930-1956), stand der BK nahe, sein Kollege P. Hans Gerhard (amt. 1936-1949) war als Sprengel-Obmann der BK aktiv; der Emeritus P. Ernst Stöckmann (amt. 1917-1930) hingegen hielt mehrfach Vorträge bei DC-Veranstaltungen in der Gemeinde.25 In den Visitationsakten 1937 findet sich die übliche Klage: „Die Jugendarbeit ist durch die Zeitumstände sehr beschwert.“26 Rückblickend urteilte P. Gerhard jedoch, der Kirchenkampf habe sich in der Gemeinde „günstig ausgewirkt“.27 Nach Ende des Zweiten Weltkrieges setzte sich das Wachstum der Stadt über den Flüchtlingszustrom hinaus fort. Das Landeskirchenamt reagierte 1950 zunächst mit der Einrichtung einer dritten Pfarrstelle28 und 1958 dann mit der Aufteilung Lehrtes in zwei KG. Die Gebiete südlich der Bahnlinie Hannover–Braunschweig verblieben bei der ursprünglichen Gemeinde, die nun den Namen Matthäus erhielt; die Gebiete nördlich der genannten Bahnlinie kamen zur neuen Markus-Gemeinde (Lehrte, Markus), die auch die 1950 gegründete Pfarrstelle übernahm.29
Eng mit der Matthäus KG verbunden ist das 1958 gegründete Rosemarie-Nieschlag-Haus, das sich in Trägerschaft des Vereins „Evangelisches Alters- und Pflegeheim e. V.“ befindet. Die 2005 errichtete „Rosemarie und Brigitte Nieschlag-Stiftung“ dient ebenfalls der Unterstützung des ev. Seniorenheims. Die Matthäusgemeinde zählt auch zum Unterstützerkreis der 1946 gegründeten Bahnhofsmission Lehrte. Anfang der 1960er Jahre erhielt die KG die Nikolauskirche, die an die Stadt verpachtet war und als Schule genutzt wurde, zurück. Nach Sanierung und Umbau feierte die Gemeinde 1968 den ersten GD in der alten Dorfkirche seit 1876. Im Juli 1994 gründete sich der „Verein zur Erhaltung und Erneuerung der Nikolauskirche e. V. Lehrte“. 1966 eröffnete der Matthäus-Kindergarten, im Juni 2016 übernahm der KK Burgdorf die Trägerschaft.

Matthäuskirche, Blick zur Orgel, nach 1974, vor 1980

Matthäuskirche, Blick zur Orgel, nach 1974, vor 1980

Angesichts hoher Sanierungskosten und der zunehmenden Randlage – neue Wohngebiete waren im Westen Lehrtes geplant – sprach sich der KV im November 1970 für den Abriss der Matthäuskirche aus, wenn gleichzeitig ein neues Gemeindezentrum errichtet würde.30 Ein architekturhistorisches Gutachten nannte die Kirche jedoch „ein Bauwerk des Historismus von internationalem Rang“31 und nannte lediglich den Abbruch des Turms vertretbar, da Conrad Wilhelm Hase seinerzeit auch einen Entwurf ohne Turm gezeichnet hatte. Der niedersächsische Landeskonservator betonte allerdings, auch der Turm sei „wesentlicher Teil“ des Gebäudes. Die Entscheidung fiel schließlich für den Erhalt der Kirche, die KG ließ 1975 den Turm sanieren und 1980 bis 1982 den Innenraum. Im Jahre 2007 gründete sich die „Matthäus-Stiftung Lehrte“, deren Ziel es ist, das Gemeindeleben zu unterstützen. 2009 fiel eine der drei Pfarrstellen der Gemeinde weg.

Pfarrstellen

I: vorref. II: 1901-2009;32 wieder ab 2009; III: 1950-1958 (dann I Lehrte, Markus); wieder 1969-200933 (dann II).

Umfang

Das Dorf bzw. die Stadt Lehrte, seit 1958 nur noch das Gebiet südlich der Bahnlinie Hannover–Braunschweig. Seit der Eingemeindung der Orte Köthenwalde und Klein-Aligse nach Lehrte (1904) auch diese (vorher Steinwedel).34

Aufsichtsbezirk

Archidiakonat Lühnde der Diözese Hildesheim.35 – 1543 visitierte Martin Ondermark, GSup. des Fsm. Lüneburg die Gemeinde. 1575 Insp. (1924 KK) Burgdorf.

Patronat

Das Kloster St. Michael in Hildesheim, nach Ende des Dreißigjährigen Krieges der Landesherr (bis 1871).36

Kirchenbau – Matthäuskirche

Neugotische Emporenkirche, Backsteinbau mit kurzem Querhaus und Rechteckchor, erbaut 1874-76 (Architekt: Conrad Wilhelm Hase). Flache Strebepfeiler, Blendarkaden, breite, spitzbogige Maßwerkfenster an Langhaus und Chor. Im Innern dreischiffige Gliederung durch eingestellte, hölzerne Empore auf schlanken Holzstützen; hölzerne Decke mit trapezförmiger Tonne über Mittelschiff, Schablonenmalerei; Chor dreischiffig und gewölbt, ungewöhnlich der imitierte 5/8-Chorschluss im rechteckigen Altarraum. Um 1908 zur statischen Sicherung des Chorgewölbes flache Stützbögen in Spitzbögen der Seitenschiffe eingezogen; Umgestaltung Innenraum 1934 (Orgelempore erweitert, vier Buntglasfenster in Chor und Querhaus von H. Mühlenbein, Hannover: Weihnachts-, Karfreitags-, Oster- und Himmelfahrtsfenster, Neuausmalung, u. a. mit Posaunenengeln im Chorgewölbe, Malermeister Wilhelm Pape, Lehrte); schlichte Neuausmalung 1964 (grau-weiß); 1980-82 Sanierung und Neugestaltung Innenraum (weitgehende Wiederherstellung der ursprünglichen Farbfassung, Gestühl mit Mittelgang, Raum unter der Orgelempore abgetrennt). Außensanierung 2012.

Turm

31 Meter hoher querrechteckiger Westturm mit seitlichen Treppentürmen, im oberen Teil achteckig, achteckiger Turmhelm mit vier Uhrerkern, seit 1926 kupfergedeckt. Turmuhr (Wilhelmshütte, Bockenem). Turmsanierungen 1931, 1975, 1992, 2012.

Ausstattung

Hölzerner Altaraufsatz, Triptychon mit Sämann (Mk 4,1-9), Emmausjüngern (Lk 24,13-3) und Segnung (Off 2,10b) sowie bekrönender Kreuzigungsgruppe (1937, Schnitzer Wache, Warmbrunn im Riesengebirge). – Hölzerne Taufe (1935). – Kanzel (1876, 1964 Schalldeckel entfernt und an Nordseite versetzt). – Ehemaliges Turmkreuz, als Fürbittenleuchter im südlichen Seitenschiff (1926, Entwurf Heinrich Behrens, 1997 restauriert und zu Leuchter umgestaltet von Hilko Schomerus, Burgdorf). – Zwei Grabsteine des 17. Jh. im Turmeingang.

Matthäuskirche, Orgel, nach 1983

Matthäuskirche, Orgel, nach 1983

Orgel

1876/77 Neubau durch Heinrich Schaper (Hildesheim), 23 II/P, mechanische Traktur, Schleifladen. 1917 Ausbau der Prospektpfeifen. 1925 Einbau neuer Prospektpfeifen und Änderung der Disposition durch P. Furtwängler & Hammer (Hannover), 25 II/P, mechanische und pneumatische Traktur, Schleif- und Taschenladen. 1937/38 Neubau durch Emil Hammer Orgelbau (Hannover), 35 III/P, elektrische Traktur, Schleifladen, Pfeifenmaterial zum Teil wiederverwendet, neugotischer Prospekt entfernt, ohne Gehäuse (Opus 1210). Um- und Rückbau 1980-83 durch Schmidt & Mappes (Langenhagen), 22 II/P, mechanische Traktur, Schleifladen, neuer Prospekt, 16 Reg. aus der Schaper-Orgel erhalten. Orgelsanierung 2017.

Geläut

Drei LG, I: e’, Verkündigungsglocke, Inschriften: „O Land, Land, Land höre des Herren Wort“ sowie „Himmel und Erde werden vergehen, meine Worte aber werden nicht vergehen“, Bild: Kirchensiegel; II: gis’, Sendungsglocke, Inschrift: „Des Menschen Herz erdenkt sich seinen Weg, aber der Herr allein lenkt seinen Schritt“, Bild: Kirchensiegel, (beide Bronze, Gj. 2004, Gebrüder Petit & Edelbrock, Gescher in Westfalen); III: h’, Vaterunserglocke, Inschrift: „Vater unser im Himmel, geheiligt werde dein Name“, Bild: Kirchensiegel, (Bronze, Gj. 1989, Firma Rincker, Sinn). – Früherer Bestand: Drei LG (alle Bronze, Gj. 1875, G. A. Jauck, Leipzig), die zwei größeren 1942 zu Kriegszwecken abgegeben, die dritte kleine Lg (c’’) Anfang 1970er Jahre an Nikolauskirche abgegeben. Zwei LG, fis’ und a’ (beide Eisen, Gj. 1948, J. F. Weule, Bockenem) als Ersatz beschafft, 2004 abgenommen und vor der Kirche aufgestellt.

Kirchenbau – Nikolauskirche (Alte Kirche)

Kleine Bruchsteinsaalkirche mit eingezogenem Chor, älteste Mauerteile (Raseneisenstein) vermutlich um 1200. Fenster 1815 oder erst nach 1876 vergrößert. Im Innern flache Decke über Schiff und Chor. Zwischen 1876 und 1882 Umbau zur Schule mit zwei Klassenräumen; zwischen 1962 und 1968 Rückbau zur Kirche; 2006-07 Außensanierung (weiß verputzt).

Turm

Gedrungener Westturm, um 1600 in Kalkstein erneuert, Turmhelm zu Achteck ausgezogen, vier Uhrziffernblätter, Auslegestuhl für Uhrschlagglocke nach Westen. Renovierung 1952. Turmuhr 1604 nachgewiesen37, heutiges Uhrwerk von 1913 (J. F. Weule, Bockenem), 1999 automatisiert.

Ausstattung

Hölzerner Altar und hölzernes Lesepult (2003, Entwurf Friedrich-Wilhelm Behre). – Gußeisernes Kreuz (Ende 19. Jh.). – Steinernes Taufbecken (17. Jh.) mit romanischer Säulenbasis als Fuß. – Mehrere Grabsteine des 17. und 18. Jh., eingelassen in die Außenwand.

Nikolauskirche (alte Kirche), Blick zum Orgel, nach 1975 (Orgel: Zustand 1975)

Nikolauskirche (alte Kirche), Blick zum Orgel, nach 1975

Orgel

1816/17 Wilhelm Meyer (Hannover), 12 Reg., nach 1876 zur Finanzierung der FKap verkauft. 2001 Kauf einer Truhenorgel, Orgelbauer Jürgen Kopp (Ostfriesland), 3 I, mechanische Traktur, Schleifladen.

Geläut

Eine LG c’’ (Bronze, Gj. 1875, G. A. Jauck, Leipzig), Anfang 1970er Jahren von Matthäuskirche übernommen. Eine SG, Inschrift: „Alles hat seine Zeit“ (Bronze, Gj. 2005, Glockengießerei Bachert, Karlsruhe). – Früherer Bestand: Eine LG (Bronze, Gj. 1638, Pawel Vos, Lüneburg) und eine LG (Bronze), 1813 oder 1814 geborsten, dann Neuguss zu einer LG (Bronze, Gj. 1814, H. L. Damm, Hildesheim). Beide LG 1890 an Glockengießerei Radler Hildesheim verkauft.38 Eine SG (Eisen), 2005 verrostet und ersetzt.

Weitere kirchliche Gebäude

Pfarrhaus I (Bj. 2000, neben Kirchenzentrum; Vorgängerbauten an anderer Stelle u. a. 1974 und 1848). Pfarrhaus II (Bj. 1911, Gartenstraße, verkauft). Pfarrhaus III (1971, Köthenwaldstraße). Kindergarten und Gemeindezentrum (Bj. 1965/66, Anbau Gemeindezentrum 1973/74, ab 2015 Sanierung und Umbau). Kirchenzentrum (1999 von Landeskirchlicher Gemeinschaft gekauft und weitgehend umgebaut). Pfarrwitwenhaus (Bj. um 1575, erstmals erwähnt 1603, 1770 niedergebrannt, Neubau 1773, 1866 verkauft, 1966 abgerissen).39

Friedhof

Ursprünglicher Friedhof rund um Nikolauskirche eingeebnet. „Alter Friedhof“ (Friedhof am Opferkamp) 1858 eröffnet, FKap (Bj. 1880er Jahre). „Neuer Friedhof“ (Lehrter Stadtfriedhof) 1927 eröffnet, FKap (Bj. 1920er Jahre, achteckiger Zentralbau mit Eingangshalle sowie pagodenartigem Dach mit Laterne).

Landeskirchliches Archiv Hannover (LkAH)

A 1 Nr. 7050-7064 (Pfarroffizialsachen); A 5 Nr. 134 (Spec. Landeskons.); A 6 Nr. 4880-4892 (Pfarrbestallungsakten); A 9 Nr. 1417-1419 (Visitationen); D 52 (EphA Burgdorf); E 9 Nr. 2351-2354 (Bau- und Kunstpflege); L 5a Nr. 1697 (Visitationen); N 131 Nr. 4 (NL Achim Gercke); PfA Lehrte; S 11a Nr. 7391 (Findbuch PfA).

Literatur

A: Aust/Benne u. a., Kirchen, Klöster, Kapellen, S. 262-266; Dehio, Bremen/Niedersachsen, S. 843 f.; Krumm, Denkmaltopographie Region Hannover, S. 280-293; Meyer, Pastoren II, S. 67 f.; Pape, Schaper, S. 245-249; Ohainski/Udolph, Ortsnamen Hannover, S. 281 ff.; Pape/Schloetmann, Hammer, S. 148; Wolff, KD Kr. Burgdorf und Fallingbostel, S. 70-72.
B: 125 Jahre Matthäuskirche am Markt. Kirchenjubiläum in Lehrte 2001, Lehrte 2000; Karl Backhaus: Generalkirchenvisitation im Großen Freien Anno 1668, in: Unser Kreis. Heimatblätter für den Kreis Burgdorf 16 (1964), Nr. 19-25 (bes. 21: Lehrte); Paul Bode: Urkundliches zur Geschichte der Stadt Lehrte. Von Kirche und Schule, von großen Wäldern und alten Höfen, Lehrte 1954; Paul Bode: Lehrtes Entwicklung vom Bauerndorf zur Stadt. Vom Schicksal eines Bauerndorfs im „Grossen Freien“, Lehrte 1979; Bernd Böhme: Neue Glocken für Matthäus 2004, Lehrte [2004]; Hans-Wilhelm Mölbitz: Glocke der Nikolauskirche in Lehrte, in: Lehrter Land & Leute: Magazin zur Geschichte, Kultur und Heimatkunde 40 (2013), S. 19-21; Hans-Wilhelm Mölbitz: Die Glocken der Matthäuskirche in Lehrte, in: Lehrter Land & Leute 43 (2015), S. 25-28; Gerhard K. Schmidt: Regionalgeschichte als Heimatgeschichte. Lehrte 1667-1898, Hannover 1994; Hans-Wilhelm Mölbitz: 1898-1998. Einhundert Jahre Stadt Lehrte. Vom Dorf im Großen Freien zur Stadt im Landkreis, Lehrte 1998; Margarete Werner: Das Lehrter Pfarrwitwenhaus, in: Jahrbuch für den Kreis Burgdorf 1966, S. 56-59.

GND

16099082-8, Evangelisch-Lutherische Matthäus-Kirchengemeinde (Lehrte); 7685554-5, Matthäuskirche Lehrte.


Fußnoten

  1. UB HS Hildesheim I, Nr. 243.
  2. UB HS Hildesheim III, Nr. 1008.
  3. Krumm, Denkmaltopographie Region Hannover, S. 281.
  4. Werner, Register Amtsvogtei Ilten, S. 1.
  5. Schmidt, S. 145 ff.
  6. Lüntzel, Ältere Diöcese Hildesheim, S. 414, Nr. LVI.
  7. UB HS Hildesheim V, Nr. 455.
  8. UB HS Hildesheim V, Nr. 1177.
  9. Bode, Urkundliches, S. 98.
  10. Sehling, Kirchenordnungen 16. Jh. Bd. 6,1, S. 484 und 492 ff.
  11. Sehling, Kirchenordnungen 16. Jh. Bd. 6,1, S. 533 ff.
  12. Salfeld, Pfründenregister, S. 102.
  13. Kayser, Kirchenvisitationen, S. 486.
  14. Bode, Urkundliches, S. 93.
  15. Bode, Urkundliches, S. 107 f.
  16. Zit. bei Bode, Urkundliches, S. 112.
  17. Bode, Urkundliches, S. 135.
  18. Werner.
  19. Bode, Urkundliches, S. 109, 141 f.
  20. Wolff, KD Kr. Burgdorf und Fallingbostel, S. 71.
  21. LkAH, PfA Lehrte Rep. 511-9 II.
  22. KABl. 1901, S. 40.
  23. Möblitz, S. 26.
  24. Schmidt, 1898-1998, S. 61 ff.
  25. LkAH, S 1 H III Nr. 511, Bl. 41 und 49 ff.
  26. LkAH, L 5d, unverz., Lehrte, Visitation 1937.
  27. LkAH, S 1 H III Nr. 511, Bl. 43.
  28. KABl. 1950, S. 13.
  29. KABl. 1958, S. 96.
  30. LkAH, B 2 G 9/Lehrte-Matthäus Bd. III, Bl. 203.
  31. LkAH, B 2 G 9/Lehrte-Matthäus Bd. III, Bl. 210 ff. LkAH, B 2 G 9/Lehrte-Matthäus Bd. III, Bl. 214.
  32. KABl. 2009, S. 13 f.
  33. KABl. 1969, S. 157; KABl. 2009, S. 13 f.
  34. KABl. 1903, S. 79.
  35. Bode, Urkundliches, S. 98.
  36. Bode, Urkundliches, S. 93.
  37. Bode, Urkundliches, S. 109.
  38. LkAH, PfA Lehrte Rep. 512-2.
  39. Werner.