Frühere Gemeinde | Sprengel Hildesheim-Göttingen, KK Peine | Patrozinium: – | KO: Calenberger KO von 1569

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Orts- und Kirchengeschichte

Das Dorf ist heute Ortsteil der Gemeinde Lengede. Im Register der Einnahmen und Ausgaben des Hildesheimer Domdekans Johann, das 1277 beginnt, wird Klein Lafferde als parvo Lafferde erstmals sicher genannt.1 Bei älteren Erwähnungen ist die Unterscheidung zwischen Klein Lafferde und Groß Lafferde schwierig.2 Der Ort gehörte zum häufig verpfändeten Amt Peine des Hochstifts Hildesheim (1523: Kleines Stift), die Gerichtsbarkeit teilten sich die Bf. von Hildesheim und die braunschweigischen Herzöge (Halbgericht). Im Jahre 1785 zerstörte ein Ortsbrand rund die Hälfte aller Häuser in Klein Lafferde. Mit dem Reichsdeputationshauptschluss fiel der Ort 1803 an Preußen, von 1807 bis 1813 war er Teil des Kantons Lafferde im Distrikt Braunschweig des Departements Oker im Kgr. Westphalen. Seit 1815 gehörte Klein Lafferde wieder zum Amt Peine, nun im Kgr. Hannover. Zwei Jahrzehnte nach der Annexion Hannovers durch Preußen (1866) wurde 1885 der Lkr. Peine eingerichtet. Im Jahre 1967 schlossen sich Klein Lafferde und Groß Lafferde zur Samtgemeinde Lafferde zusammen, die Ortschaften trennten sich jedoch wieder: Groß Lafferde kam 1971 nach Lahstedt und Klein Lafferde wurde 1972 nach Lengede eingemeindet. Klein Lafferde war lange ein landwirtschaftlich geprägtes Dorf, das noch 1910 „von der Industrie wenig berührt“3 war. Heute lässt sich der Ort als Wohnsiedlung charakterisieren.

Kirche, Ansicht von Nordwesten

Kirche, Ansicht von Nordwesten

Der Turm der heutigen Kirche stammt im Kern aus dem 12. Jahrhundert und ist damit ältestes Zeugnis der kirchlichen Geschichte des Dorfes. Mit Hermann Dusterdal ist 1411 der erste Name eines Geistlichen in minore Lafferde überliefert.4 In Folge der Hildesheimer Stiftsfehde (1519-1523) musste Bf. Johannes IV. das Amt Peine 1526 an die Stadt Hildesheim verpfänden. Als der Schmalkaldische Bund 1542 den braunschweigischen Hzg. Heinrich den Jüngeren verdrängt hatte und der Rat der Stadt Hildesheim unter dem Schutz des Bundes das prot. Bekenntnis annahm, wurde damit auch Klein Lafferde luth. Als erster nachweislich luth. Pfarrer wirkte der vorher kath. P. Heinrich Thiele (amt. 1543-1563) in Klein Lafferde. Von 1556 bis 1603 war das Amt Peine im Pfandbesitz des Hzg. Adolf von Schleswig, der 1561 eine Kirchenordnunge in baiden gerichten, Steurwoldt und Peine erließ.5 1603 löste der Hildesheimer Bf. das Amt ein und stimmte dabei der Bedingung zu, den Lutheranern ihre freie Religionsausübung zu lassen. Klein Lafferde war also ein luth. Dorf unter einem kath. Landesherrn, im 16. und 17. Jh. beanspruchte Braunschweig-Wolfenbüttel allerdings die geistliche Jurisdiktion über die luth. Gemeinden im Amt Peine.6 Bereits 1604 kam es bei der Neubesetzung der Pfarrstelle zu Schwierigkeiten mit dem Bf. Der Archidiakon von Stöckheim hatte als Patron den Kandidaten der Gemeinde, P. Caspar Bauermeister (amt. 1604-1617, Sohn des gleichnamigen Vorgängers), bestätigt, der Bf. verfügte jedoch, dass dieser sich nicht in Peine prüfen und ordinieren lassen dürfe. Der Hildesheimer Bf. erkannte den dortigen Sup. nicht an. Die Gemeinde erreichte die Einsetzung ihres Pfarrers schließlich, indem sie den stiftshildesheimischen Kanzler bestach.7 In Bauermeisters Amtszeit fällt der älteste Beleg für eine Schule in Klein Lafferde – er datiert auf das Jahr 1614 und findet sich im ältesten Rechnungsbuch der Gemeinde, das 1558 einsetzt.8 Trotz seiner anderslautenden Zusage war der Hildesheimer Bf. seit den 1620er Jahren bemüht, das Amt Peine zu rekatholisieren und 1628 wurde der luth. P. Georg Burdorf (amt. 1618-1666) aus Klein Lafferde vertrieben. Er konnte erst zurückkehren, nachdem Hzg. Friedrich Ulrich von Braunschweig-Wolfenbüttel 1633 die Stadt Peine hatte erobern lassen und damit die gegenreformatorischen Versuche des Bf. beendete. 1652 wurde P. Burdorf zum Sup. in Klein Lafferde erhoben, die Suptur. bestand jedoch nur kurz.9
Schon in der ersten Hälfte des 19. Jh. sollte die Gemeinde Klein Lafferde mit Lengede verbunden werden, bekam jedoch 1839 mit P. Karl Stalmann (amt. bis 1884) wieder einen eigenen Pfarrer. Unter P. Stalmann wurde 1874 das Schiff der alten Kirche abgerissen und der neoromanische Neubau errichtet (1874-1876). 1922/23 ließ die KG ein neues Pfarrhaus bauen, die Pfarrstelle war im 20. Jahrhundert jedoch wiederholt lange vakant. Anfang der 1930er Jahre versorgte P. i. R. Richard Lübbers (amt. 1932-1936) Klein Lafferde, der ebenso wie der 1933 gewählte KV den DC nahe stand. Nach Ende des Zweiten Weltkriegs unterbrach der Ostgeistliche P. Gottfried Schmidt (amt. 1948-1954) die Vakanzzeit. Zum 1. Januar 1974 endete die Eigenständigkeit der KG und Klein Lafferde wurde nach Lengede eingegliedert, wobei die zweite Pfarrstelle der neuen KG ihren Sitz in Klein Lafferde bekam.10

Umfang

Das Dorf Klein Lafferde.

Aufsichtsbezirk

Um 1500 Archidiakonat Lengede der Diözese Hildesheim. – Seit 1561 Insp. Peine, zeitweise ohne Sup. 1652 war Klein Lafferde kurzzeitig Sitz eines Sup., später unterstand der Ort dem Geistlichen Ministerium des Amtes Peine, dem jeweils ein Pastor des Bezirks, der Senior, vorstand11, erst nach Aufhebung des Hochstifts Hildesheim (1803) wurde die Insp. Peine wieder eingerichtet. Seit 1853 saß der Sup. der Insp. Peine wieder in Peine. 1924 KK Peine. 1. Oktober 1965 aus dem KK Peine in den KK Ölsburg (vormals Groß Solschen) umgegliedert.12

Patronat

Bis 1803 der Archidiakon von Stöckheim, dann der Landesherr (bis 1871).

Kirchenbau

Neuromanischer Sandsteinbau mit kreuzförmigem Grundriss und apsidialem Chorschluss, erbaut 1874 bis 1876 (Architekt Otto Goetze, Hannover); große Rundbogenfenster, in den Giebeln des Querhauses Rundfenster, flache Strebpfeiler. Im Innern Kreuzgratgewölbe, im Chor Tonnengewölbe, das in Apsiskalotte übergeht; umlaufende Steinempore, Gestühl ohne Mittelgang. 1934 Renovierung (Ausmalung übertüncht). 1961/62 Renovierung, 1978 Dachsanierung Kirchenschiff, 1986 Dachsanierung Chorraum, 1984-1987 Außensanierung, 1997-1999 statische Sicherung (die Kirche war 1992/93 wegen Rissen in Mauern, Gewölben und Fußboden gesperrt). Ursprüngliche Ausmalung 1998 restauriert.

Turm

Quadratischer Westturm, erbaut um 1200, gekuppelte, rundbogige Schallarkaden mit Teilungssäulen (an Nordseite entfernt). 1818/19 Wiederherstellung und Bau eines neuen, verschieferten Turmhelms (Echter-Spitzhelm: flacher, quadratischer Ansatz, achteckig ausgezogene Spitze mit Uhrgaube und Auslegestuhl für Schlagglocke nach Norden, Turmknauf, Wetterfahne). 1874-76 optische Angleichung des Turms an das neue Kirchenschiff (teilweise Verblendung mit Sandsteinplatten). 1974 neue Schieferdeckung, 2001/02 Sanierung des Mauerwerks und der Verblendung.

Vorgängerbau

Massive Kapelle mit Rundbogentür, im Innern Balkendecke.13

Ausstattung

Neuromanische Ausstattung vollständig erhalten: Steinaltar mit steinernem Aufsatz, Steinkruzifix und seitlichen Schranken; hölzerne Kanzel an Südecke des Chores; Taufstein zentral vor dem Chorraum. – Epitaph für P. Caspar Bauermeister (amt. 1578-1603) mit Kreuzigungsszene (1603).

Kirche, Orgel, vermutlich 1978

Kirche, Orgel, vermutlich 1978

Orgel

Neubau 1875/76 Richter (Braunschweig) 19 II/P mechanische Traktur, Schleifladen. Mehrere Reparaturen und Veränderungen. 1917 ersetzte Firma Faber und Greve (Salzhemmendorf) die Zinnpfeifen des Prospekts durch Zinkpfeifen. 1944 Gutachten über Ausbau mehrerer Reg., seinerzeit 18 II/P.14 Umgestaltung mit Dispositionsänderung 1954 durch Firma Weißenborn (Braunschweig) und 1963 durch Firma Schmidt & Thiemann (Hannover), 19 II/P, mechanische Traktur, Schleifladen.

Geläut

Zwei LG, I: e’ (Eisen, Gj. 1951, Firma Weule, Bockenem); II: g’ (Bronze, Gj. 1783, Johann Heinrich Wicke, Braunschweig). SG a’’ (Bronze, Gj. 1862, Bartels, Hildesheim). – Früherer Bestand: eine LG (Bronze, Gj. 1787, Johann Heinrich Wicke, Braunschweig), 1942 zu Kriegszwecken abgegeben.

Weitere kirchliche Gebäude

Pfarrhaus (Bj. 1922/23, zweigeschossiger massiver Putzbau mit Krüppelwalmdach).

Friedhof

Alter Friedhof rings um die Kirche eingeebnet. Neuer kirchlicher Friedhof südlich des Ortes seit 1910. FKap (Bj. 1967, gemeinsame Finanzierung des Baus durch politische Gemeinde und KG).

Landeskirchliches Archiv Hannover (LkAH)

A 1 Nr. 6719-6727 (Pfarroffizialsachen); A 6 Nr. 4523-4525 (Pfarrbestallungsakten); A 9 Nr. 1339-1341 (Visitationen); D 97 (EphA Peine); S 11a Nr. 7216 (Findbuch PfA).

Literatur

A: Ahrens, KK Ölsburg, S. 7-26 und 63-66; Boetticher, Ortsverzeichnis Lkr. Peine, S. 134-136; Dehio, Bremen/Niedersachsen, S. 804; Dürr, Politische Kultur; Jürgens u. a., KD Kr. Peine, S. 99-101; Meyer, Pastoren II, S. 26 f.; Mithoff, Kunstdenkmale III, S. 191. Pape, Orgeln Kr. Peine, S. 31 ff.
B: Otto Meier, Ein altes Bild: Geschichte einer Kirche [in Klein Lafferde]. Nur eine Zeichnung blieb übrig. – Im 12. Jahrhundert erbaut. – in: Der Heimatspiegel 7 (1966), S. 3-4.


Fußnoten

  1. UB HS Hildesheim III, Nr. 484.
  2. Boetticher, Ortsverzeichnis Lkr. Peine, S. 134.
  3. LkAH, A 9 1341, Visitation 1910.
  4. RG Online, RG III 00980, http://rg-online.dhi-roma.it/RG/3/980 (21.04.2017).
  5. Sehling, Kirchenordnungen 16. Jh. Bd. 7,2,1, S. 769 ff.
  6. Bertram, Bistum Hildesheim II, S. 304.
  7. Dürr, Politische Kultur, S. 236 ff.
  8. Ahrens, KK Ölsburg, S. 64.
  9. Evangelischer Kirchenstaat, S. 5.
  10. KABl. 1974, S. 23.
  11. Meyer-Roscher, Streiflichter, S. 123.
  12. KABl. 1965, S. 258.
  13. Mithoff, Kunstdenkmale III, S. 191.
  14. LkAH, B 2 G 9 B/Kl. Lafferde, Bl. 2 f.