Sprengel Stade, KK Bremerhaven | Patrozinium: Zion (1974), ursprünglich Bartholomäus und Thomas1 | KO: Keine Kirchenordnung

Orts- und Kirchengeschichte

Imsum war der Name des ursprünglichen Kirchorts des gleichnamigen Kirchspiels, das die Dörfer Dingen, Lebstedt (†), Weddewarden und Weddewarderbüttel umfasste; 1954 ging der Name Imsum auf Dingen über. Urkundlich sind Weddewarden, Weddewarderbüttel und Imsum erstmals 1091 als Widewrde, Boutli und Immeshen erwähnt. Die Friesen Diddo, Fresmer, Suitherich, Liudelf, Folcmar, Reynwart, Reymbolt, Gerric, Thiedolf und Fritherich hatten ihre Güter in den genannten Orten sowie in Luppinge der bremischen Kirche übertragen und von Ebf. Liemar (amt. 1072–1101) als Lehen zurückerhalten.2 Die Dörfer gehörten im Mittelalter zur ostfriesischen Landesgemeinde Land Wursten, dem östlichsten Teil der friesischen Seelande. Seit 1525 war das Land Wursten Teil des Erzstifts Bremen, des weltlichen Territoriums der Bremer Erzbischöfe (1517 Frieden von Imsum, Stader Vertrag 1525). Das Kirchspiel Imsum bildete nun eine Vogtei innerhalb der Obervogtei Dorum.3 Nach Ende des Dreißigjährigen Krieges (1618–1648) wurde das Erzstift Bremen säkularisiert und blieb zusammen mit dem ebenfalls säkularisierten Hochstift Verden unter schwedischer Herrschaft (vereinigte Hzm. Bremen-Verden). Im Großen Nordischen Krieg (1700–1721) besetzte Dänemark 1712 die vereinigten Hzm. Bremen-Verden und 1715 konnte das welfische Kfsm. Braunschweig-Lüneburg (Kurhannover) die beiden Territorien erwerben (1719 von Schweden gegen weitere Zahlung anerkannt). Seit 1793 gehörte Imsum zum Vogteigericht Alten Landes Wursten. In französischer Zeit zählte Imsum 1810 zunächst kurzzeitig zum Kgr. Westphalen und dann bis 1813/14 zum Kanton Dorum im Arrondissement Bremerlehe des Departements Wesermündung im Kaiserreich Frankreich. Danach war Imsum, nun im Kgr. Hannover, wieder Teil des Vogteigerichts Alten Landes Wursten, seit 1819 des Vogteigerichts Landes Wursten und seit 1852 des Amtes Dorum. Mit der Annexion des Kgr. Hannover fiel Imsum 1866 an das Kgr. Preußen. Seit Einführung der Kreisverfassung zählte Imsum ab 1885 zum Kr. Lehe (1920: Lkr.), ab 1932 zum Lkr. Wesermünde und seit 1977 zum Lkr. Cuxhaven. Weddewarden wurde 1927 nach Wesermünde (1947: Bremerhaven) und gehört daher seit 1947 zur Freien Hansestadt Bremen. Imsum wurde 1974 nach Langen eingemeindet (1990: Stadt); das 2015 in der Stadt Geestland aufging. Bis 1949 hatte sich das Kirchspiel nach Einschätzung des Sup. des KK Bremerhaven „zu einem Vorort der Stadt Bremerhaven“ entwickelt.4 Zur Sozialstruktur der Gemeinde schrieb der Ortspfarrer 1967: „1/3 Landwirte, 2/3 Arbeiter und Angestellte, einige Gewerbetreibende und Beamte“.5 Um 1812 lebten etwa 450 Menschen in Dingen (233), Imsum (11), Weddewarden (198) und Weddewarderbüttel (4), 1925 knapp 800 und 2017/18 lag die Bevölkerungszahl in Imsum bei 970, in Weddewarden bei 550.

Bartholomäuskirche, Ansicht von Südwesten, vor 1895

Bartholomäuskirche, Ansicht von Südwesten, vor 1895

Eine erste Kirche im Kirchspiel Imsum ist wohl im frühen 11. Jh. errichtet worden, vielleicht auch bereits im 10.6 Eine Flut soll diesen Bau zerstört haben; sie sei „der Sage nach“ im Jahr 1218 wieder errichtet worden, wie ein Historiker in der zweiten Hälfte des 18. Jh. schrieb.7 Eine genaue Datierung des Baus – erhalten ist lediglich der wohl jüngere Turm (Ochsenturm) – ist nicht möglich. Die Kirche war den Heiligen Bartholomäus und Thomas geweiht; sie zählte neben Dorum und Wremen zu den drei Hauptkirchen des Landes Wursten.8 Schriftlich ist erstmals 1312 ein Geistlicher des Kirchspiels belegt: In der Zeugenliste einer Urkunde sind mehrere ecclesiarum rectoribus (Pfarrern), unter ihnen ein Th[eodericus?] de Ymessen.9 Im Jahr 1343 errichtete die Bruderschaft des heiligen Liborius in Weddewarden einen Liborius-Altar in der Imsumer Kirche und statteten die dazugehörige Vikarie mit Land aus.10 Die Urkunde nennt auch den seinerzeitigen Pfarrer: Radolfi rectoris […] ecclesie in ymmessen. Im Jahr 1390 ist auch das kerspele to Ymetzen urkundlich belegt.11 Aus dieser Zeit stammt auch das älteste Ausstattungsstück der Kirche: der bronzene Taufkessel, der die Jahreszahl 1384 trägt (M CCC L XX IIII). 1441 war Johann Stolte Pfarrer in Imsum12; er ist auch noch auf der ältesten Glocke der Kirche aus dem Jahr 1455 genannt: her iohan stolte kerher. 1489 war Iohannes Ludekes kerckher to Imessen.13 Das älteste erhaltene Siegel der Gemeinde zeigt den heiligen Bartholomäus und trägt die Umschrift S[igillum] iuratorum et perrochianoru[m] in Imissen (Siegel der Juraten und Kirchspielleute in Imsum); es stammt vermutlich aus dem 14. oder 15. Jh.14
Im Zeitalter der Reformation regierte mit Ebf. Christoph von Braunschweig-Lüneburg (amt. 1502–1558) zunächst ein entschiedener Gegner der luth. Lehre in den Hochstiften Bremen und Verden. Trotzdem fasste der Protestantismus während seiner Regierungszeit Fuß in den Gemeinden des Erzstifts.15 Ebf. Christophs Bruder und Nachfolger in beiden Bistümern, Ebf. Georg (amt. 1558–1566), duldete den neuen Glauben. Der Bremer Ebf. Heinrich III. von Sachsen-Lauenburg (amt. 1567–1585) schließlich war Protestant, verfolgte jedoch eine vorsichtige Kirchenpolitik; zur Einführung einer ev. Kirchenordnung kam es während seiner Amtszeit nicht. Im Erzstift Bremen hat sich, zugespitzt formuliert, „eine allmähliche Reformation“ vollzogen, „die meistens auf Gemeindeebene begann“.16 Einzelheiten zur Entwicklung in Imsum sind nicht überliefert. Möglicherweise breitete sich die luth. Lehre hier bereits vor 1530 aus, denn laut der Hadeleriologia historica, gedruckt 1722, befahl der Bremer Ebf. Christoph angeblich in diesem Jahr „denen Wurst-Friesen, daß sie die alte Papistische Ceremonien wieder solten einführen; worzu sich aber die Einwohner nicht wolten verstehen“.17 Mitte des 16. Jh. waren mehrere Pfarrstellen im Land Wursten vakant und 1552 baten die Wurster den Archidiakon von Hadeln und Wursten darum, geschickte Prediger einzusetzen. Erster luth. Pastor in Imsum war wahrscheinlich P. Christian Wolbers (amt. 1552–1588), dessen Grabstein sich erhalten hat; das Relief zeigt P. Wolbers im Talar und laut Inschrift hat er 36 Jahre lang in Imsum gewirkt. Neben der Pfarrstelle bestand bis 1686 auch ein Vikariat, möglicherweise hervorgegangen aus der Altarstiftung von 1343. Vermutlich um 1574 verfassten die Pfarrer von Dorum und Cappel eine niederdeutsche Agende für das Land Wursten.18

Zionkirche, Ansicht von Südosten, 1948

Zionkirche, Ansicht von Südosten, 1948

Der Imsumer P. Dietrich Anton Witte (amt. 1694–1742) war seit 1716 Propst des Landes Wursten und arbeitete darüber hinaus auch sprachwissenschaftlich: Er stellte ein wurstfriesisches Wörterbuch zusammen.19 In seiner Amtszeit brannte das Pfarrhaus ab und wurde 1715 neu errichtet.20
In der zweiten Hälfte des 19. Jh. war die mittelalterliche Kirche in Imsum baufällig geworden und mit Blick auf die hohen Reparaturkosten empfahl der Stader Kreisbauinspektor August Schwägermann 1875 einen Neubau. Angesichts des abgelegenen Standorts der Kirche schloss sich der KV dieser Empfehlung an, während sich P. Adolf Georg Friedrich König (amt. 1841–1875) für den Erhalt der alten Kirche einsetzte.21 Nach seinem Tod griff die Gemeinde die Pläne wieder auf; sie verkaufte den alten Pfarrhof und P. Albert Nicolassen (amt. 1876–1900) bezog 1876 das neu errichtete Pfarrhaus am nördlichen Rand von Weddewarden. Im folgenden Jahr begannen dort auch die Arbeiten am Neubau der Kirche; am ersten Advent 1877 konnte die Gemeinde die neue Kirche einweihen. Die alte Kirche hatte die Gemeinde eigentlich ohne Dach dem Verfall überlassen wollen (Ruinenromantik), verkaufte sie jedoch 1881 auf Abbruch. Sie wurde 1895 abgetragen. Erhalten blieb allein der Kirchturm (Ochsenturm), den die KG 1877 an das Tonnen- und Bakenamt Bremen verkauft hatte, da er als Seezeichen diente (seit 1896 wieder im Besitz der KG).22
Während der NS-Zeit hatte P. Gustav Haase (amt. 1927–1941) das Pfarramt Imsum inne; im „Fragebogen zur Geschichte der Landeskirche von 1933 bis Kriegsende“ heißt es zu ihm knapp „rechtsstehend, kein P[artei]g[enosse], kein Deutscher Christ“.23 Von 1941 bis 1947 blieb die Pfarrstelle der kleinen Gemeinde vakant; die alle zwei Wochen stattfindenden Predigtgottesdienste übernahm wiederholt Vikarin Lina Ippensen aus Lehe, über deren Tätigkeit sich der KV Imsum bei der Visitation 1943 dankbar zeigte.24
Mit dem Zuzug Geflüchteter nach Ende des Zweiten Weltkrieges vergrößerte sich die Gemeinde Imsum von rund 850 Gemeindegliedern im Jahr 1943 auf gut 2.000 im Jahr 1949. Die Vakanz endete, als P. Gerhard Burgstaller (amt. 1947–1957) die Pfarrstelle übernahm. Bis etwa 1954 fanden in der Imsumer Kirche mitunter auch kath. Gottesdienste statt; die Zahl der Katholiken im Kirchspiel lag in der Nachkriegszeit bei etwa 170.25 Durch den Bau des Gemeindehauses Anfang der 1970er Jahre verbesserten sich die Voraussetzungen für die Gemeindearbeit in der KG Imsum.
Angesichts sinkender Gemeindegliederzahlen wandelte das LKA Hannover die Pfarrstelle der Gemeinde 2003 in eine halbe Stelle um. Im Februar 2010 gründete sich der Förderverein „Aktive Kirche – Sei dabei!“, der eine wesentliche Rolle im kirchengemeindlichen Leben der Zion-KG spielt. Die halbe Pfarrstelle wurde 2012 aufgehoben; die Gemeinde Imsum ist seither pfarramtlich mit der Lukas-KG in Bremerhaven-Leherheide verbunden.

Pfarrstellen

I: vorref., 2003 in halbe Stelle umgewandelt26, 2012 aufgehoben. – II: Vikariat, 1343–1686.27

Umfang

Dingen (heute Imsum), Imsum, Weddewarden und Weddewarderbüttel. Ursprünglich auch Lebstedt (bei Sturmflut untergegangen).

Aufsichtsbezirk

Archidiakonat Hadeln-Wursten der Diözese Bremen (1420).28 – 1651 zur Präpositur Bederkesa, 1654 zur Propstei des Landes Wursten (Wurster Präpositur). Mit Neuordnung der Aufsichtsbezirke in den Herzogtümern Bremen und Verden ab 1. Januar 1827 Insp. (1924: KK) Land Wursten. 1940 zum KK Wesermünde-Stadt, 1948 umbenannt in KK Bremerhaven.29

Patronat

Anfänglich wohl Gemeindepatronat, wobei der Archidiakon von Hadeln und Wursten die Geistlichen einsetzte.30 Später der Archidiakon von Hadeln und Wursten, dann der Landesherr (bis 1871).

Kirchenbau – Zionkirche

Einschiffiger, neugotischer Backsteinbau mit niedrigerem, fünfseitigem Chor und Anbau an Nordseite des Chors, errichtet 1877 (Entwurf: August Schwägermann, Stade). Satteldach, Walmdach über dem Chor. Strebepfeiler und zweibahnige Spitzbogenfenster mit einfachem Maßwerk an Schiff und den drei östlichen Seiten des Chors, Rundfenster an Nord- und Südseite des Chors. Im Innern Holzdecke mit teilweise offenem Hängesprengwerk im Schiff, Rippengewölbe im Chor, ausgemalt mit Sternenhimmel; spitzer Triumphbogen zwischen Chor und Schiff; Westempore; kielbogiger Durchgang zum Turm. Um 1900 Neuausmalung. 1928 Renovierung. 2012–15 Außen- und Innensanierung (u. a. Sternenhimmel im Chor rekonstruiert, Fenster restauriert).

Fenster

Figürliche Buntglasfenster im Chor (1877, Glasmalerei Dr. Oidtmann & Co., Linnich), der auferstandene Christus mit Maria Magdalena (Joh 20,14–17, Mk 16,9), Apostel Petrus und Paulus, Weihnachtsszene. Ornamentale Buntglasfenster im Schiff (1877, Glasmalerei Dr. Oidtmann & Co., Linnich).

Turm

Reich gestalteter, neugotischer Backsteinturm, erbaut 1877–78 (Carl Pogge, Lehe). Gestufte Strebepfeiler an den Ecken, nach Westen Portal mit Wimperg und Fialen, im Tympanon Inschrift: „Kommt denn es ist alles bereit“, oberhalb des Portals vier schmale, hochrechteckige Fenster, nach Norden und Süden jeweils zwei kleine Spitzbogenfenster, darüber runde Blendnische mit Inschriften (Südseite: „Anno D 1877 in der Wirksamkeit des Hrn Pastor Nicolassen und der Hrn Kirchenvorsteher N Lührs, C Burmester, A Th Jürgens und H V Glahn wurde der Grundstein zu diesem Gotteshause gelegt und der Bau nach glücklicher Vollendung am 1. Adv. e a eingeweiht“, Nordseite: „1 COR III V XI Einen andern Grund kann niemand legen außer dem der gelegt ist welcher ist Iesus Christus“), darüber vier schmale, hochrechteckige Fenster mit Kragsturz; Glockengeschoss mit Giebeln und Eckfialen, nach Norden, Süden und Westen Uhrziffernblätter in den Giebelfeldern, darunter je zwei schlanke, spitzbogige Schallfenster; oberhalb des Glockengeschosses hoher, achtseitiger Aufsatz mit offenen Spitzbogenfenstern und schlankem, kupfergedecktem Turmhelm, bekrönt mit Kugel, Kreuz und Wetterfahne. Turmuhr (1878, Firma J. F. Weule, Bockenem), gestiftet von Friedrich Brinkama, Weddewarden.

Zionkirche, bronzener Taufkessel (1384)

Zionkirche, bronzener Taufkessel (1384)

Ausstattung

Schlichter Blockaltar, neugotisches Retabel, verziert mit Wimperg und Fialen, Altarbild „Jesus im Garten Gethsemane zu seinen schlafenden Jüngern tretend“ (um 1870, Albert Wichmann, Dresden; gestiftet von Tete Brinkama). – Hölzerne Kanzel mit Schalldeckel (1877), an den Wandungen des Kanzelkorbs Gemälde der vier Evangelisten (1877, Hermann Schaper, Hannover), 2017/18 restauriert. – Bronzener Taufkessel (1384), glockenartiger Wulst am Beckenrand mit zwei darüber hinaus ragenden Frauenköpfen, sechs menschliche Trägerfiguren, gestufter Bodenring, an der Wandung spiegelschriftliche Inschrift: „Virgo tvo sacro salvandi s[i]nt pia loti q[vi] fverint lavacro comm[is]svri tibi toti“ (etwa: Fromme Jungfrau, möchten durch deinen heiligen Mittlerdienst gereinigt die erlöst werden, die sich in der Taufe ganz Dir ergeben wollen), dazwischen Medaillons mit Szenen der Heilsgeschichte, darunter Fries mit stilisierten Bäumen und Figuren31: Maria mit Kind, Bischof, gekrönte Maria mit anbetendem Kleriker und Spruchband, vermutlich „Ora pro nobis Sancta Maria“ (Bete für uns heilige Maria), rechts neben Maria eine Figur entfernt, Krieger mit Wappenschild (später hinzugefügt, Inschrift: „Her Dideric Kornepagh“), darunter spiegelschriftliches Inschriftenband: „A[nno] d[omi]n[i] M CCC L XXX IIII i[n] p[ro]f[es]to annvnciacionis b[ea]te marie v[ir]ginis fusu[m] baptister[ium] ist[ud]“ (Im Jahr des Herrn 1384 wurde am Vortag des Festes Mariä Verkündigung diese Taufe gegossen).32 – Reliefschnitzereien aus der altern Kirche (um 1670, wohl Jürgen Heitmann d. J.), ursprünglich an Kanzel und Pastorenstuhl, biblischer Szenen: u. a. Adam und Eva, Kain und Abel, Opferung Isaaks, Verkündigung, Geburt Christi, die heiligen drei Könige, Beschneidung Christi, Kreuzigung Christi; angebracht im Chor und an der Emporentreppe. – Hölzernes, gemaltes Epitaph für Tjede Eibsen († 1712), Inschrift: „Weyl Jfr. Tjede Eibsen des weyl. Tit. Herrn Voigts Bove Eibsen und der weyl. Tit. Fr. Tjede Stöerssen nachgelassene eheleibl Tochter geb. 1695 ges. d. 1712“.

Orgel

1878 Neubau ausgeführt von Firma Gebrüder Peternell (Seligenthal), 14 II/P (HW, OW), mechanische Traktur, Schleifladen. 1960 Neubau, Firma Alfred Führer (Wilhelmshaven), 16 II/P (HW, BW), mechanische Traktur, Schleifladen.

Geläut

Zwei LG, I: e’ (Bronze, Gj. 1964 Firma Rincker, Sinn); II: fis’ (Bronze, Gj. 1455, Hermann Klinghe, Bremen), Inschrift: „Anno d[omi]ni mcccclv maria bin ik gehe heten dat kerspel to imesen let mi gheten. her iohan stolte kerher. s. katerina. help god ut aller not, vi veten nicht vissens ven den dot. kasper melghior balteser. hermen klinghe mi gehe ghoten had god gheve siner sele rad“, Bilder: Maria mit Umschrift „ave mrasi [maria] pie“ und Bartholomäus mit Umschrift „bertolomee“; übernommen aus der ehemaligen Kirche (Ochsenturm). – Früherer Bestand: Eine LG (Bronze, Gj. 1781, Johann Nicolaus Bieber, Hamburg), Inschrift: „Hr. Johann Friedrich Wesselhost Pastor, Kirchenjuraten Johan Menck, Joachim Diederich Klemmerau. Erhalt in reiner Lehr in Seegen unser Land. Gott wende gnedig ab Krieg Wasserfluth und Brand. Me fecit Joh. Nic. Bieber in Hamburg, Anno 1781“, im Zweiten Weltkrieg zu Rüstungszwecken abgegeben.33 Ein Sg (Bronze, Gj. 1877, Firma Bartels, Hildesheim), im Zweiten Weltkrieg zu Rüstungszwecken abgegeben.

Kirchenbau – Bartholomäuskirche

Rechteckiger Feldsteinbau mit Rechteckchor und dreiseitig umbautem Westturm, errichtet wohl Anfang des 13. Jh., 1881 auf Abbruch verkauft, 1895 abgetragen, Turm erhalten.34 Satteldächer, rundbogige Fenster. Im Innern flache Decke im Schiff, Kreuzrippengewölbe im Chor; rundbogiger Triumphbogen zwischen Chor und Schiff.

Glockenturm der Bartholomäuskirche („Ochsenturm“), Ansicht von Südwesten, 1930

Glockenturm der Bartholomäuskirche („Ochsenturm“), Ansicht von Südwesten, 1930

Turm

Ochsenturm. Rechteckiger, ursprünglich dreiseitig umbauter Westturm, erbaut wohl um 1500. Feldstein- und Backsteinmauerwerk, kein Turmhelm. Im ehemaligen Glockengeschoss flachbogige Schallöffnung, teilweise vermauert. 1732 Glockenstuhl erneuert. 1787 Westseite repariert und Eisenanker gesetzt (eiserne Inschrift „Juraten A Sibberns F Eden 1787“). 1877 vom Tonnen- und Bakenamt Bremen erworben (Schifffahrtszeichen), 1896 an die KG zurückgegeben. 1897 vierseitiger Pyramidenhelm, bekrönt mit Kugel, Kreuz und Wetterhahn, abgebrochen und durch flache Aussichtsplattform ersetzt. 1931 Turm erneuert. 1950/51 Turmsanierung. 1990 Instandsetzung (Efeubewuchs entfernt).

Ausstattung

Gemauerter Altar, Altargemälde mit Abendmahlsdarstellung, darüber geschnitzte Kreuzigungsgruppe mit Maria und Johannes; Schnitzfiguren Aaron und Moses. – Kanzel (1672), gestiftet von Egge Eibsen und seiner Ehefrau Tübbecke, Inschrift: „Egge Eibsen hat zusammt seiner lieben Ehe Frauen so Tübbuke ist genannt christlich wollen dahin schauen das von Gottes Segen den reichlich sie bisher verspüret zum Kirch Schmuck und Gottes Ehr diese Kanzel ward geschenket“.35 – Taufe in die neue Kirche übernommen.

Orgel

Aufgestellt an der Nordseite zwischen Schiff und Chor.

Geläut

Zwei LG (Gj. 1455 und 1781), 1877/78 übernommen in die Zionskirche.

Weitere kirchliche Gebäude

Pfarrhaus (Bj. 1972, Vorgängerbau Bj. 1876). – Gemeindehaus (Bj. 1970).

Friedhof

Kirchlicher Friedhof am Standort der ehemaligen Kirche (Ochsenturm), FKap., mehrere historische Grabplatten und -steine, u. a. für P. Christian Wolbers (amt. 1552–1588), mit Relief des Verstorbenen im Talar, Inschrift: „Anno Christi 1588 die 29 Decemb Placide obdor mivit Reverend et doctvs vir D. Cristianvs Wolberti cum scholae biennium ecclesiae hvic 36 annos fideliter docendo praefuisset“.36

Liste der Pastoren (bis 1940)
Glockenturm der Bartholomäuskirche („Ochsenturm“), Ansicht von Südosten, 1930

Glockenturm der Bartholomäuskirche („Ochsenturm“), Ansicht von Südosten, 1930

Pfarrstelle. 1552–1588 Christian Wölbers (Wolberti). – 1615–1632 und weiterhin Oswald Gryne (Grynaeus). – 1663–1669 Joachim Gottschau. – 1670–1680 Magister Theodosius Osterdorff. – 1681–1691 Magister Bernhard Oelrich. – 1692–1693 Georg Andreas Wittkopf. – 1694–1742 Dietrich Anton Witte. – 1742–1750 Paul Gottfried Winkelmann. – 1750–1758 Johann Georg Meyer. – 1758–1759 Johann Heinrich Crusius. – 1760–1771 Bove Ibes. – 1772–1779 Johann Hermann Christoph Polemann. – 1780–1790 Johann Friedrich Wesselhoeft. – 1791–1807 Johann Heinrich Meeden. – 1808–1841 Johann Heinrich Mattfeld. – 1841–1875 Adolf Georg Friedrich König. – 1876–1900 Albert Heinrich Georg Nicolassen. – 1900–1910 Albert Theodor Friedrich Wendebourg. – 1910–1926 Emil Eduard Richard Grebe. – 1927–1941 Gustav Wilhelm Haase.
Vikariat. 1577 Friedrich Dietrich Frese. – 1628 Dietrich von der Lieth. – 1618(?)–1632 Valentin Adam Bocatius. – 1663 Samuel Bocatius. – 1667 Georg Clodius. – 1680 Christian Sethaeus. – 1681–1686 Johann Stolte.
Angaben nach: Meyer, Pastoren I, S. 564

Landeskirchliches Archiv Hannover (LkAH)

A 5 Nr. 963 (Spec. Landeskons.); A 6 Nr. 4167–4173 (Pfarrbestellungsakten); A 8 Nr. 204 (CB); D 63 (EphA Wesermünde-Nord); Kons. Stade, A 2 Nr. 762–775, A 6 Nr. 4167–4171, A 8 Ims, A 9 Nr. 2576–2577, 2663–2664 (Akten des Konsistoriums Stade); L 5g Nr. 202, 749 (LSuptur. Stade); S 09 rep Nr. 1496 (Presseausschnittsammlung); S 11a Nr. 7382 (Findbuch PfA).

Kirchenbücher (vor 1875)

Taufen: ab 1694
Trauungen: ab 1694
Begräbnisse: ab 1694
Konfirmationen: ab 1825
Kommunikanten: ab 1819 (Lücken: 1856–1875; unvollständig: 1855, 1945, 1946; Zahlenregister: 1694–1818)

Literatur & Links

A: Böker, Denkmaltopographie Lkr. Cuxhaven, S. 225; Dehio, Bremen/Niedersachsen, S. 70 und 778; Haiduck, Wursten, S. 51–53, 98–100; Kiecker/Lehe, KD Kr. Lehe, S. 111–119; Pratje, Bremen und Verden VII, S. 320–326; Meyer, Pastoren I, S. 564; Mithoff, Kunstdenkmale V, S. 52–54; Rogge, Kirchen, S. 80–81; Schomburg, Ortsverzeichnis Land Bremen, S. 69; Weiberg, Niederkirchenwesen, S. 112–113.
B: Hermann Haiduck: Ein Kreis mittelalterlicher Erzgußwerke in der Diözese Bremen, in: Jahrbuch der Männer vom Morgenstern 50 (1969), S. 81–106; Reinhard Krahforst & Johann P. Tammen (Hg.): „Wat wy gedan…“ 900 Jahre Weddewarden/Imsum. Zur Geschichte zweier Wurster Marschendörfer. Rückblick & Ausblick, Bremerhaven 1991; Ottmar Struwe: Die nördlichste Kirche im Land Bremen. Die ev.-luth. Zionkirche in Weddewarden-Imsum, in: Denkmalpflege in Bremen 14 (2017), S. 108–117; Georg Werbe: Das Kirchspiel Imsum vor 250 Jahren, in: Jahrbuch der Männer vom Morgenstern 39 (1958), S. 21–44.

Internet: Landesamt für Denkmalpflege Bremen; Bildindex: Bartholomäuskirche (Lithographie), Bartholomäuskirche (Foto), Ochsenturm , Grabstein Christian Wolbers, Taufe, Zionkirche


Fußnoten

  1. Hennecke/Krumwiede, Kirchen- und Altarpatrozinien I, S. 43. Der Name Zionkirche geht vermutlich auf das Evangelium am Tag der Einweihung der neuen Kirche zurück (erster Advent 1877): „Sagt der Tochter Zion: Siehe, dein König kommt zu dir“ (Mt 21,5), vgl. Krahorst & Tammen, S. 160. Anlässlich der Anfertigung eines neuen Siegels beschloss der KV der KG Imsum 1974, den eingebürgerten Namen Zionkirche beizubehalten und nicht zum mittelalterlichen Bartholomäus-Patrozinium zurückzukehren, vgl. LkAH, G 8/Imsum Bd. I, Bl. 94. Das neue Siegel zeigt St. Bartholomäus und trägt die Umschrift „Ev.-luth. Zion-Kirche Imsum“, Abb. bei Leenders, Siegelwesen, S. 258, Abb. 2.
  2. UB Hamburg I, Nr. 120; vgl. auch Krahorst & Tammen, S. 18 ff. (Text der Urkunde, Übersetzung und Erläuterungen). Möglicherweise ist Luppinge auf Lebstedt zu beziehen
  3. Zur Eingliederung des Landes Wursten in das Erzstift Bremen vgl. Krahorst & Tammen, S. 47 ff.
  4. LkAH, L 5g, Nr. 202 (Visitation 1949).
  5. LkAH, L 5g, Nr. 202 (Visitation 1967).
  6. Krahorst & Tammen, S. 31.
  7. Pratje, Bremen und Verden VII, S. 320.
  8. Weiberg, Niederkirchenwesen, S. 112 f.; Krahorst & Tammen, S. 145 ff.
  9. Pratje, Bremen und Verden X, S. 78 f., Nr. III.
  10. Sudendorf, UB IX, S. 24 f., Nr. 5.
  11. Bremisches UB IV, Nr. 120.
  12. UB Neuenwalde, Nr. 146.
  13. UB Neuenwalde, Nr. 167.
  14. LkAH, S 5a Nr, 475 (ältestes Stück der Siegelsammlung); Abb. bei Leenders, Siegelwesen, S. 258, Abb. 1.
  15. Sehling, Kirchenordnungen 16. Jh. Bd. 7,1, S. 7, resümiert: „beinahe das ganze Erzstift“ wurde lutherisch; Otte ist vorsichtiger und hält fest, es bleibt „für diese Jahre weiterhin schwierig zu beurteilen, ob der einzelne Prediger evangelisch predigte oder altgläubig“, da die Pfarrer – nicht zuletzt mit Blick auf Erhalt der eigenen Pfründe – mitunter „zweideutig“ agierten (Dannenberg/Otte, Reformation, S. 32). Für einen knappen Überblick zur Reformation im Erzstift Bremen vgl. Sehling, Kirchenordnungen 16. Jh. Bd. 7,1, S. 7 ff. sowie die Beiträge in Dannenberg/Otte, Reformation.
  16. Dannenberg/Otte, Reformation, S. 38.
  17. Bilkau, Hadeleriologia historica, S. 81. Vgl. auch Scheper, Chronik Hadeln, S. 140; Sehling, Kirchenordnungen 16. Jh., Bd. 7,1, S. 9.
  18. Sehling, Kirchenordnungen 16. Jh. Bd. 7,1, S. 9 f.
  19. Krahorst & Tammen, S. 152.
  20. Pratje, Bremen und Verden VII, S. 322.
  21. Vgl. dazu Krahorst & Tammen, S. 152 f.
  22. Struwe, S. 108.
  23. LkAH, S 1 H III Nr. 813, Bl. 7; allgemein zum Fragebogen: Kück, Ausgefüllt, S. 341 ff.
  24. LkAH, L 5g, Nr. 202 (Visitation 1943).
  25. LkAH, L 5g, Nr. 202 (Visitationen 1949, 1955).
  26. KABl. 2003, S. 16.
  27. Weiberg, Niederkirchenwesen, S. 112 mit Anm. 12; Pratje, Bremen und Verden VII, S. 321 und 323.
  28. Hodenberg, Stader Copiar, S. 54.
  29. KABl. 1948, S. 87.
  30. Pratje, Bremen und Verden VII, S. 321.
  31. Der Fries wurde in die Gußform geritzt, am Taufkessel sind die Umrisse also erhaben.
  32. Ausführlich: Haiduck, Kreis, S. 81 ff.; Haiduck, Wursten, S. 98 ff. Siehe auch Mundt, Erztaufen, S. 32 mit Anm. 67; Weiberg, Niederkirchenwesen, S. 112. Bei Mithoff, Kunstdenkmale V, S. 53, Kiecker/Lehe, KD Kr. Lehe, Tafel 25a, Dehio, Bremen/Niedersachsen, S. 70, jeweils 1284 anstatt 1384.
  33. Kiecker/Lehe, KD Kr. Lehe, S. 117.
  34. Abb.: Kiecker/Lehe, KD Kr. Lehe, Tafel 24 a.
  35. Krahorst & Tammen, S. 149 f.
  36. Kiecker/Lehe, KD Kr. Lehe, S. 115 ff.