Sprengel Lüneburg, KK Gifhorn | Patrozinium: Nikolaus1 | KO: Lüneburger KO von 1643

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Orts- und Kirchengeschichte

Die ersten schriftlichen Erwähnungen Schwülpers finden sich in den Fuldaer Traditionen (Schenkungs- bzw. Güterverzeichnis) und lassen sich auf das 8./9. Jh. datieren: Vielleicht zwischen 780 und 802 übertrugen Odiltag und seine Frau Wentelsvint dem Kloster Fulda verschiedene Güter, u. a. in Suibbore. Wohl in der ersten Hälfte des 9. Jh. schenkte Egibrath dem Kloster Güter in villa Suilbore.2 Möglicherweise sind diese Ortsnennungen jedoch auf das weiter südlich und am anderen Okerufer gelegene Klein Schwülper zu beziehen, das eindeutig erstmals 1166 belegt ist: villa que Svulbere minor vocatur (Dorf, das Klein Schwülper genannt wird).3 Eine lokale Adelsfamilie lässt sich 1219/26 mit Guntherus de Swilbere belegen.4 Groß Schwülper zählte im 13. und 14. Jh. zum Besitz der Familie von Meinersen, die 1338 dat gud, dat dorp to Swlbere vn dat kerkenlen dar svlves an die Hzg. Otto und Wilhelm von Braunschweig und Lüneburg verkaufte.5 1417 war das Dorf im Besitz der Stadt Braunschweig, 1480 belehnte Heinrich I., Hzg. zu Braunschweig und Lüneburg, Cord von Marenholtz mit dat gantze Dorp tho swulber myt dem kargklehne, richte unde ungerichte unde den tegenden buthen und bynnen.6 Das Dorf blieb bis ins 19. Jh. im Besitz dieser Familie (das Gud to Swlbere besaß sie bereits 1340).7 Klein Schwülper und Groß Schwülper gehörten zum Papenteich (nachweislich 1489), der bei der welfischen Landesteilung von 1267/69 an das Teilfsm. Braunschweig gefallen war.8 1389 zählte Groß Schwülper zum Burgfriedensbezirk der Burg Neubrück: vnd de Borchvrede to der Nynebrucge schal wesen vp dem flote vn schal vort ghan wente to swulber. to dem hove to herwerdesse. to wypteshvsen. to hillerdesse. vnd to adenbutle. den kring vmme van enem dorpe to dem anderen, vnd dar en bynnen.9 Die Zugehörigkeit des Papenteichs – und damit auch Schwülpers – wechselte im 14./15. Jh. wiederholt zwischen den welfischen Teilfsm., bevor er 1428 endgültig an Lüneburg kam; das Gebiet bildete hier einen Teil des Amtes Gifhorn. Das welfische Teilfsm. Lüneburg fiel 1705 an das Kfsm. Braunschweig-Lüneburg (Kurhannover). In französischer Zeit gehörte Groß Schwülper von 1810 bis 1813 zum Landkanton Braunschweig gegen Osten im Distrikt Braunschweig des Departements der Oker im Kgr. Westphalen (Klein Schwülper: Kanton Meinersen). Danach waren die Dörfer wieder Teil des Amtes Gifhorn, nun im Kgr. Hannover. Ab 1852 gehörten Groß Schwülper und Klein Schwülper zum kurzlebigen Amt Papenteich zu Gifhorn, das 1859 wieder im Amt Gifhorn aufging. Mit der Annexion Hannovers kamen beide Dörfer 1866 zum Kgr. Preußen. Seit Einführung der Kreisverfassung 1885 gehören Groß Schwülper und Klein Schwülper zum Lkr. Gifhorn, seit 1970 sind beide Orte Teil der Samtgemeinde Papenteich. 1974 wurden Klein Schwülper (mit Rothemühle und Hülperode), Lagesbüttel und Walle nach Groß Schwülper eingemeindet. Bestimmend für die Entwicklung des Ortes ist besonders seit der zweiten Hälfte des 20. Jh. die Nähe zur Großstadt Braunschweig, in der ein wesentlicher Teil der Bevölkerung arbeitet (Stadtrandgemeinde). Im Jahr 1821 lebten gut 460 Menschen in Groß Schwülper und knapp 90 in Klein Schwülper; 1905 rund 660 sowie 250, 1950 fast 1.100 sowie knapp 710 und 2018 etwa 7.300 (mit Eingemeindungen).

Kirche, Ansicht von Südwesten

Kirche, Ansicht von Südwesten

Das älteste Zeugnis der örtlichen Kirchengeschichte ist eine Urkunde aus dem Jahr 1338, die dokumentiert, dass Burchard von Meinersen Dorf und Kirchlehen an Otto und Wilhelm, Hzg. von Braunschweig und Lüneburg, verkauft hatte.10 Mit Johann von Peine ist 1403 und 1418 erstmals ein Geistlicher als perner to swülbere belegt (Pfarrer von Schwülper).11 An weiteren Geistlichen sind in vorref. Zeit belegt: Henricus Mauritius ecclesiastes (1486), Gerhard Richard († 1514) und Dr. Joachim Mellis (ab 1514).12 Dr. Mellis, Priester der Diözese Köln, hatte die Pfarrpfründe am 15. Oktober 1514 von Hzg. Heinrich I., Fs. von Lüneburg, erhalten; den eigentlichen Pfarrdienst ließ Mellis vermutlich von einem Vikar versehen. Ab 1544 lehrte er anscheinend als Professor für Medizin an der Universität Rostock.13
Seit 1527 betrieb Hzg. Ernst I., später der Bekenner genannt, die Einführung der Reformation im Fsm. Lüneburg (Landtag in Scharnebeck). Das in diesem Jahr gedruckte Artikelbuch diente dabei, obwohl die Landstände es abgelehnt hatten, als Leitfaden.14 Einzelheiten über den Verlauf der Reformation im Kirchspiel Groß Schwülper sind nicht bekannt. Der Name des möglicherweise ersten ev. Predigers findet sich im Lüneburger Pfründenregister von 1534. Der dortige Eintrag zu Grothen Schwulber lautet: Pastor Her Johan Grothe, Custos Carstianus Stolcke, 1 Capell tho Lageßbuttel hort dar In.15 Die Lagesbütteler Kapelle, die vermutlich St. Peter geweiht war, wurde bis etwa 1670 genutzt. Hier wurde „jährlich einmal, dem alten Herkommen nach um Pfingsten, gepredigt“, wie P. Christoph Wiegeleben (amt. 1681–1735) berichtete; schon seine Vorgänger hätten diese Gottesdienste allerdings aufgegeben, da die Kapelle „gänzlich ruiniert und mehr einem Pferdestall als einem Gotteshaus ähnlich ist.16 Darüber hinaus versorgten die Pastoren des Kirchspiels Groß Schwülper die Kapelle in Walle, die unter dem Patronat des Stifts St. Blasii in Braunschweig stand. Das Stift zahlte ihnen dafür ein jährliches Honorar und trotz einiger Auseinandersetzungen im 18. Jh. hatte die Verbindung Bestand. 1850 gliederte das Ministerium der geistlichen und Unterrichtsangelegenheiten Walle als KapG in das Kirchspiel Groß Schwülper ein.17

Hospital (Armenhaus) mit Kapelle (links vorn), Außenansicht

Hospital (Armenhaus) mit Kapelle (links vorn), Außenansicht

Wenige Jahre vor Beginn des Dreißigjährigen Krieges erhielt die Schwülper Kirche eine neue Kanzel und einen neuen Altar; das alte Inventar verkaufte die Gemeinde zwei Jahre später an die braunschweigische Gemeinde Lamme.18 Im gleichen Jahr ließ die Gemeinde Schwülper das erste Pfarrwitwenhaus errichten (Neubauten 1703/04 und 1819–23).19 Der Patron Gebhard von Marenholtz († 1645) stiftete 1618 ein Armenhaus in Groß Schwülper, das Platz für zehn Arme bot sowie für den Hausvater und dessen Ehefrau.20 Der Ortspastor war für die seelsorgerliche Betreuung der Einrichtung zuständig. Gebhard von Marenholtz ließ das Hospital am Südrand des Dorfes errichten, 1726 erhielt es eine eigene Kapelle. P. Carl Brandt (amt. 1897–1907) schrieb 1912: „Aufnahme im Hospital finden unbescholtene Arme und Alte, auch Ehepaare, ohne Rücksicht auf ihren bisherigen Wohnsitz“.21 In der ersten Hälfte des 19. Jh. lebten hier etwa 30 Menschen, in den 1920er Jahren noch acht; 1970 übernahm die Baptistengemeinde Stiftung und Gebäude.22
Im ersten Jahrzehnt des Dreißigjährigen Krieges zerstörte 1625 ein Feuer einen Teil des Dorfes, auch der Kirchturm brannte dabei „ebenmeßigk ganz mit ab“ und die Glocke wurde beschädigt. Zwei Jahre später plünderten kaiserliche Truppen die Dörfer des Papenteichs, u. a. wurde „ein Kestlein, darein ohngefähr 10 fl. im Vorrath der Kapelle zu Lagesbüttel zustendig, von den Kriegesleuten hinweggeraubet“.23 Erst knapp ein Jahrzehnt nach Ende des Krieges konnte der Schwülper Kirchturm um 1656/57 neu aufgebaut werden.24 Das Kreuzigungsrelief über dem Eingang stammt vermutlich vom Vorgängerbau, denn seine Inschrift nennt die Jahreszahl 1489. In die lange Amtszeit des bereits erwähnten P. Christoph Wiegeleben (amt. 1681–1735), der 1696 eine Pfarrchronik anlegte (Memorabilia Schwülperensia), fiel der Neubau des Kirchenschiffs (ursprünglich war nur eine Erweiterung geplant).25 Schon 1697 unternahm P. Wiegeleben zwei Reisen nach Hamburg und in die Niederlande, um Spenden für das Vorhaben zu sammeln. Der Ertrag war gering und der Pastor verzichtete auf anfänglich vorgesehene dritte Reise.26 Um Baumaterial zu gewinnen erwarb die Gemeinde die verfallene Kapelle in Allenbüttel (KG Wettmershagen).27 Nach der Grundsteinlegung 1709 konnte die Gemeinde 1711 ihre neue Kirche einweihen.
Die Gemeindepastoren in der zweiten Hälfte des 18. und der ersten des 19. Jh., P. Christian Ludwig Krüger (amt. 1776–1822) und P. Johann Friedrich August Lahmann (amt. 1824–1840), waren, wie P. Brandt 1912 schrieb, „Anhänger des damals üblichen ‚Vernunftglaubens‘“, theologisch also als Rationalisten einzuordnen.28 Gleichzeitig fand sich in Lagesbüttel eine kleine Gemeinschaft zusammen, die von der Herrnhuter Brüdergemeine beeinflusst war und sich regelmäßig zu Erbauungsabenden versammelte (Gesang, Gebete, Predigtlesungen, Missionsberichte). Der Kreis bestand bis Ende der 1860er Jahre.29 An der Wende zum 20. Jh. war P. Carl Brandt (amt. 1897–1907) Pfarrer im Kirchspiel Groß Schwülper. Er zählte 1898 zu den Mitinitiatoren einer höheren Privatschule (aufgelöst 1928) und war 1905 auch an der Gründung einer Fortbildungsschule für männliche Jugendliche beteiligt (wohl bis 1914).30 P. Brandt veröffentlichte außerdem eine Chronik der Gemeinde Schwülper.
Während der NS-Zeit hatte P. Franz Gustav Herbert Mehm (amt. 1933–1944, gefallen) das Pfarramt in Groß Schwülper inne. Er stand kirchenpolitisch auf der Seite der Hannoverschen Bekenntnisgemeinschaft, wie sein Nachfolger P. Paul Barg (amt. 1945–1949) im „Fragebogen zur Geschichte der Landeskirche von 1933 bis Kriegsende“ angab.31 Mit dem Zuzug Geflüchteter nach Ende des Zweiten Weltkriegs wuchs die konfessionelle Vielfalt im Kirchspiel: Seit 1946 nutzten die bapt. Gemeinde und die kath. Gemeinde die Hospitalkapelle für ihre Gottesdienste.
Mit Pn. Katharina Werner (amt. 1977–1986) übernahm nach einer über zweijährigen Vakanz erstmals eine Frau das Pfarramt in Groß Schwülper; ihre Arbeit, die dem Gemeindeleben „neue Impulse“ gab, stufte der Sup. des KK Gifhorn 1978 als nicht leicht ein, da „eine langjährige unkirchliche Situation bestand“.32 Mit rund 4.000 Gemeindegliedern zählte Groß Schwülper 2007 zu den größeren KG des KK Gifhorn. Das vielfältige Gemeindeleben wird von zahlreichen Ehrenamtlichen getragen.33

Umfang

Die Dörfer Groß und Klein Schwülper, Rothemühle (mit Hülperode), Lagesbüttel, Eickhorst und Harxbüttel. Seit 1858 auch Walle (vorher mitversorgt, bis 2020 KapG).34

Aufsichtsbezirk

Archidiakonat Leiferde des Bistums Hildesheim.35 – Nach der Reformation zur neu gebildeten Insp. Gifhorn (1924: KK).

Patronat

Ursprünglich die Edelherren von Meinersen.36 1338 verkaufte Burchard von Meinersen Dorf und Kirchlehen an die Hzg. Otto und Wilhelm von Braunschweig-Lüneburg.37 1388/1400 wird Swelber im Verzeichnis der von Hzg. Friedrich I. von Braunschweig-Lüneburg zu verleihenden Pfründen geführt.38 1480 belehnte Heinrich I., Hzg. zu Braunschweig und Lüneburg, Cord von Marenholtz u. a. mit dem Patronat über die Kirche in Groß Schwülper.39 Bei der Präsentation von P. Joachim Mellis im Jahr 1514 tritt jedoch wieder Hzg. Heinrich I. als Patron auf.40 Mitte des 16. Jh. befand sich das Patronat erneut im Besitz der Familie von Marenholtz. Alexander Frhr. von Marenholtz-Nolde verzichtete 1969 im Zusammenhang mit dem Verkauf des Gutes Warxbüttel auf die Patronatsrechte.41

Kirchenbau

Leicht ostsüdöstlich ausgerichteter Rechteckbau mit halbrundem Chor, erbaut 1709–11 (Entwurf: Johann Caspar Völcker, Braunschweig). Satteldach, über dem Chor abgewalmt; Bruchsteinmauerwerk mit Eckquaderung. An den Längsseiten je vier große, rundbogige Fenster und ein zentraler, korbbogiger Eingang; am Chor drei Rundbogenfenster, das mittlere kleiner, darunter ein Rundbogenportal; über dem Südportal Inschriftenstein: „In Dei Gloriam. Hoc novum templum, cuius structura anno MDCCIX, d[ie] XX iunii coepta est, et anno MDCCXI ad finem per Dei gratiam deducta, maxime suis sumptibus fieri curavit perillustris ac generosus dominus, Ascanus Christophorus, liber barode Mahrenholz, existente pastoris, domino Christophoro Wiegeleben, Brunnsvigense. 1. Reg. VIII. v. 29. Oculi Tui, domine sint aperti super domum hanc nocte ac die!“ (Zur Ehre Gottes. Diese neue Kirche, deren Bau im Jahr 1709 am 20. Juni begann ist durch die Gnade Gottes im Jahr 1711 zu Ende geführt worden. Die hauptsächlichen Kosten hat der gnädige und großzügige Herr Ascanius Christophorus Baron von Marenholtz getragen. Zur Zeit des Pastors Christophorus Wiegeleben aus Braunschweig Pastor. 1. Kön 8,29 Halte deine Augen offen über diesem Haus bei Nacht und bei Tag!). Im Innern verputztes, hölzernes Tonnengewölbe, u-förmige Emporenanlage, im Westen zweistöckig. 1903/04 Neuausmalung der Kirche (Entwurf: P. Carl Brandt). 1953 Neuausmalung („geschmacklose und altmodische Malerei“ sowie „störende Sprüche“ neben Kanzelaltar entfernt).42 2001 Neuausmalung Innenraum. 2015 Restaurierung der Kirche.

Fenster

Bunte, ornamental verzierte Jugendstilfenster (1898, 1986 restauriert).

Grablege

Unter der Kirche befinden u. a. drei Erbbegräbnisse der Patronatsfamilie von Marenholtz; darin beigesetzt u. a. Hypolite Agnese von Marenholtz, geb. von Plato zu Grabow († 1746); Georg Wilhelm von Marenholtz, großbritannischer Kammerherr und Senior des Domkapitels zu Magdeburg († 1744); Geheimrat Wilhelm von Marenholtz († 1865); mit Einweihung des Familienfriedhofs im Sandfeld (nördlich von Groß Schwülper) gab die Familie die das letzte Erbbegräbnis 1891 auf. Unter dem Turm Grabstätte der Familie Meyer.

Kirche, Ansicht von Nordwesten

Kirche, Ansicht von Nordwesten

Turm

Quadratischer, spätgotischer Westturm, verschieferter Turmhelm mit rechteckigem Ansatz und sechzehneckiger Spitze, bekrönt mit Kugel und Wetterfahne, Auslegestuhl für Uhrschlagglocke nach Südosten. Bruchsteinmauerwerk mit Eckquaderung, spitzbogiges Westportal, darüber Kreuzigungsrelief mit Inschrift (moderne Kopie): „anno d[omi]ni m cccc lxxxix i[n] die Bonifacii epi[scopi]“ (Im Jahr des Herrn 1489 am Tag des Bf. Bonifatius); einige Schlitzfenster; im Glockengeschoss gekuppelte, spitzbogige Schallfenster nach Norden und Süden; im westlichen Schallfenster Uhrziffernblatt. 1656/57 Turm weitgehend erneuert. 1808 Turmhelm verschiefert. 1903 Turmreparatur. 1951 Erneuerung Turmhelm. 1978/79 Neueindeckung Turmhelm. Turmuhr seit 1597 nachweisbar, neue Turmuhr 1903 (Firma Weule, Bockenem).43

Vorgängerbau

Vermutlich Fachwerkbau.

Kirche, Blick zum Altar, nach 1904, vor 1953

Kirche, Blick zum Altar, nach 1904, vor 1953

Ausstattung

Schlichter, hölzerner Altar. – Barocke Kanzelaltarwand mit seitlichen Durchgängen (um 1711, Johann Chr. Gleibstein, Braunschweig); Mittelteil zweigeschossig mit gesprengtem Segmentbogengiebel, getragen von korinthischen Säulen; geschweifter Kanzelkorb mit Schalldeckel, bekrönt mit Kreuz (1867); in den Feldern neben der Kanzel dreiarmige Wandleuchter; über den seitlichen Durchgängen gesprengte Segmentbogengiebel; Altartwand verziert mit Blumen-, Blatt- und Fruchtornamenten; über den Durchgängen ursprünglich Engelsfiguren, in den Nischen rechts und links der Kanzel ursprünglich Paulus- und Petrusfiguren, als Bekrönung ursprünglich weibliche Figur mit Kelch; Figuren wohl Ende der 1860er Jahre entfernt.44 – Kelchförmiger Taufstein (1898), Inschrift. „Wer da glaubet und getauft wird, der wird selig werden“, gestiftet von Gebhard von Marenholtz. – Figurenreiches Epitaph aus Alabaster (dat. 1613) für Asche von Marenholtz († 1607), dargestellt sind Kreuzigung, Grablegung, Himmelfahrt und Ausgießung des heiligen Geistes sowie Asche von Marenholtz mit Familie. – Grabstein von Joachim Meyer († 1686). – Grabstein von Gastwirt Ebeling Christian Meyer († 1722) und seiner Frau Anna Dorothea Herbst († 1743). – Armenkasten (1686). – Ehemalige Ausstattung: Altar und Kanzel, gestiftet 1614 von den Brüdern von Marenholtz; Kanzel anlässlich des Neubaus der Kirche 1709–11 an das Braunschweiger Stift St. Blasii verkaufte (für die Kapelle in Walle). – Taufengel (um 1711), gestiftet von Müller Bertram aus Rothemühle, 1863 entfernt; 1949 noch auf dem Kirchenboden gelagert, nicht erhalten.45 – Sonnenuhr, um 1850 entfernt.46

Orgel

Erste Hinweise auf eine Orgel finden sich 1574 in den Kirchenrechnungen. 1678/79 Reparatur bzw. Umbau. Nach dem Neubau der Kirche um 1712 wohl Anschaffung einer gebrauchten Orgel, 14 II/aP.47 Vermutlich um 1760 repariert. 1887 Orgelneubau, ausgeführt von P. Furtwängler & Hammer (Hannover), 17 II/P, mechanische Traktur, Kegelladen (Opus 243), eingeweiht am 4. Advent 1887. 1937 Änderung der Disposition (Klangverbesserung), vorgenommen von Emil Hammer (Hannover), 17 II/P mechanische Traktur, Kegelladen. 1985 Instandsetzung, ausgeführt von Siegfried Bürger (Braunschweig).

Geläut

Zwei LG, I: h, Inschrift: „Gott ist unsere Zuversicht und Stärke, Psalm 46,2. Gegossen vom Bochumer Verein in Bochum 1922. Durch Sammlung freiwilliger Gaben in den Ortschaften der Kirchengemeinde Gr. Schwülper angeschafft anno domini 1922. Für die im Weltkrieg geopferte Bronceglocke. Wilhelm Freiherr v. Marenholtz, Patron, Gr. Schwülper, Paul Schwaegermann, Pastor, Rentmeister Müller, Schaper, Werthmann, Kirchenvorsteher Gr. Schwülper, Essmann, Kl. Schwülper, Franke (Walle), Lütge (Lagesbütel) Reinecke (Eickhorst)“; II: dʼ, Inschrift: „Unter dem Druck der drängenden Not war Stahl für Erz der Stunde Gebot. Seid fröhlich in Hoffnung, geduldig in Trübsal, haltet an am Gebet, Röm 12,12“ (beide Stahl, Gj. 1922, Bochumer Verein). Eine SG, g’’ (Bronze, Gj. 1903). – Früherer Bestand: 1575 Glocke in Kirchenrechnungen erwähnt48, beim Brand 1625 beschädigt und wohl 1630/31 von einem Braunschweiger Glockengießer umgegossen. 1657 wiederum Umguss zu einer neuen LG (Bronze, Gj. 1657 Ludolf Siegfried, Braunschweig), 1661 anscheinend erneut umgegossen.49 Zweite, größerer LG angeschafft (Bronze, Gj. 1697, Arendt Grethen, Braunschweig), Inschrift: „Ich locke die leut zur Kirchen, zu hören Gottes Wort; Wer locken lässet sich, o wohl em hier und dort!“ und „Heute, so Ihr des Herrn Stimme höret, so verstocket eure Herzen nicht“, ein Jahr später geborsten und neu gegossen, einige Monate später erneut geborsten. Neue große LG (Bronze), geborsten und neugegossen 1709 und 1711. Große LG (Bronze, Gj. 1722 oder 1727, Johann Heinrich Grove, Celle), Inschrift: „Dies Klocke ist gegossen anno 1722 [1727?] von Johann Heinrich Grove in Celle. Georg Wilhelm Freiher von Marenholtz, Patron; Christophorus Wiegeleben, Pastor“, im Ersten Weltkrieg zu Rüstungszwecken abgegeben. Kleine LG, fʼ (Bronze, Gj. 1822, Johann Heinrich Wicke, Braunschweig), Inschrift: „Freiherr Wilhelm Ernst August Christian von Marenholtz, Patron; Christian Ludwig Krüger, Pastor. Gegossen von J. H. Wicke in Braunschweig 1822“; 1921 im Kirchlichen Amtsblatt zum Verkauf angeboten.50

Weitere kirchliche Gebäude

Pfarr- und Gemeindehaus (Bj. 1845/46, Wirtschaftsräume später zu Gemeinderäumen umgebaut). – Küsterhaus, verkauft in der ersten Hälfte der 1970er Jahre. – Pfarrwitwenhaus, erster Bau errichtet um 1616, 1703/04 und 1818/20 Neubauten, 1905 verkauft.

Friedhof

Ursprünglich bei der Kirche, 1890 eingeebnet. 1855 neuer Friedhof am südöstlichen Dorfrand angelegt, 1876 erweitert, FKap (Bj. 1966). Kirchlicher Friedhof in Walle, FKap (Bj. 1971). Kommunaler Friedhof in Eickhorst (1921). Kommunaler Friedhof in Harxbüttel (1937), FKap (Bj. 1952). Kommunaler Friedhof Rothemühle in Klein Schwülper (1953), FKap (Bj. 1965). Kommunaler Friedhof in Lagesbüttel (1959), FKap (Bj. 1963).

Landeskirchliches Archiv Hannover (LkAH)

A 1 Nr. 10174–10191 (Pfarroffizialsachen); A 6 Nr. 3077–3084 (Pfarrbestellungsakten); A 9 Nr. 2096–2097 (Visitationen); D 40 (EphA Gifhorn); L 5a Nr. 1713 (LSuptur. Calenberg-Hoya); S 09 rep Nr. 1177 (Presseausschnittsammlung); S 11a Nr. 7069 (Findbuch PfA).

Literatur

A: Gemeindebuch KK Gifhorn, S. 25–28; Dehio, Bremen/Niedersachsen, S. 1194–1195; Kiecker/Lütgens, KD Kr. Gifhorn, S. 152–162; Meyer, Pastoren I, S. 373–374; Piper, Orgeln, S. 12–13; Rund, Ortsverzeichnis Lkr. Gifhorn, S. 193–197 (Schwülper, Groß und Schwülper, Klein).
B: Gemeindeleben 2007 der Evangelischen Kirchengemeinde Schwülper, hrsg. von der Evangelischen Kirchengemeinde Schwülper, [Groß Schwülper 2007]; Carl Brandt: Schwülper. Ein Stück niedersächsischer Heimatgeschichte, Hildesheim 1912; Heinz Klose: Geschichtliches aus dem Kirchspiel Groß Schwülper, 2 Bde. (I: Kirchen, Kapellen und Schulen, II: Aus der Vergangenheit der Dörfer und ihrer Bewohner), Gifhorn [1986–1989].

GND

2109452-4, Evangelisch-Lutherische Kirchengemeinde Sankt Nikolaus (Groß Schwülper)


Fußnoten

  1. Hennecke/Krumwiede, Kirchen- und Altarpatrozinien II, S. 56.
  2. Dronke, Trad. Fuld. § 41, 4 und 23; vgl. auch UB Kloster Fulda I,1, Nr. 493; Casemir/Ohainski, Niedersächsische Orte, S. 47.
  3. Asseburger UB, Nr. 180,8. Vgl. Rund, Ortsverzeichnis Lkr. Gifhorn, S. 193 und 196.
  4. UB HS Hildesheim I, Nr. 735. Vgl. auch Brandt, S. 21 ff.
  5. Sudendorf, UB I, Nr. 634. Vgl. auch Przybilla, Edelherren von Meinersen, S. 531.
  6. Brandt, S. 30.
  7. Rund, Ortsverzeichnis Lkr. Gifhorn, S. 195; zum Gut vgl. zudem Sudendorf, UB I, Nr. 675.
  8. Zum Papenteich vgl. knapp: Rund, Ortsverzeichnis Lkr. Gifhorn, S. 172 ff.; zu den welfischen Landesteilung 1267/69 Pischke, Landesteilungen, S. 35 ff. Die Gf. von Wohldenberg besaßen Grafschaftsrechte im Papenteich, die sie 1338 an die Welfenherzöge verkauften und als Lehen zurück erhielten.
  9. Sudendorf, UB VI, Nr. 250.
  10. Sudendorf, UB I, Nr. 634.
  11. Zit. bei Klose I, S. 16; vgl. auch Brandt, S. 28.
  12. Brandt, S. 318 f. (Für Henricus Mauritius ohne Beleg).
  13. Text der Urkunde von 1514 bei Brandt, S. 319. Ein Doctor Ioachimus Mellis Noviomagus medicus Triviri promotus (Dr. med. Joachim Mellis aus Nimwegen, promoviert in Trier) schrieb sich am 08.03.1544 in die Matrikel der Universität Rostock ein (http://purl.uni-rostock.de/matrikel/100016761, 26.03.2020).
  14. Sehling, Kirchenordnungen 16. Jh. Bd. 6,1, S. 484 und 492 ff.
  15. Salfeld, Pfründenregister, S. 98. Zur Kapelle in Lagesbüttel vgl. Klose I, S. 99 ff.
  16. Zit. bei Klose, S. 102. Zum Patrozinium ebd., S. 103 f.: Zur Kapelle gehörte eine „St. Peters Wiesche“ und ein „St. Peters Garten“. Zu Lagesbüttel vgl. auch Brandt, S. 349 ff. und Klose II, S. 415 ff.
  17. Brandt, S. 378. Nach Klose I, S. 66, wurde Walle 1858 zu Groß Schwülper gelegt.
  18. Brandt, S. 244.
  19. Brandt, S. 257 ff. Das Haus wurde bis 1869 genutzt und 1905 verkauft.
  20. Ausführlich: Brandt, S. 99 ff.; Klose I, S. 80 ff.
  21. Brandt, S. 135.
  22. Klose I, S. 91 und 95 f.
  23. Beide Zitate bei Brandt, S. 86 und 89.
  24. Brandt, S. 93.
  25. Zu Wiegeleben vgl. ausführlich Brandt, S. 149 ff.
  26. Reisebericht bei Brandt, S. 161 ff.
  27. Nach Kiecker/Lütgens, KD Kr. Gifhorn, S. 154, wurde auch das Abbruchmaterial der Kapelle in Lagesbüttel beim Bau der neuen Kirche in Schwülper verwendet. Nach Klose I, S. 103, war es bereits 1703/04 beim Bau des neuen Pfarrwitwenhauses verbaut worden.
  28. Brandt, S. 325.
  29. Brandt, S. 182 f.
  30. Klose I, S. 294 ff.
  31. LkAH, S 1 H III, Nr. 515, Bl. 12r.
  32. LkAH, L 5h, unverz., Visitation 1978.
  33. Gemeindeleben, S. 1 f.
  34. KABl. 2019, S. 324.
  35. Kleinau, Neuer Text, S. 98.
  36. Przybilla, Edelherren von Meinersen, S. 398.
  37. Sudendorf, UB I, Nr. 634..
  38. UB HS Halberstadt IV, Nr. 3153a.
  39. Text der Urkunde bei Brandt, S. 29 f.
  40. Text der Urkunde bei Brandt, S. 319; bei Klose I, S. 17, ist „Hinricus die gratia dux in Brunswig et Luneborg, ducis Ottonis piae memoriae filius“ irrtümlich mit „Herzog Heinrich d. Ä. von Braunschweig-Wolfenbüttel“ identifiziert. (siehe auch ebd., S. 25).
  41. Klose I, S. 16.
  42. LkAH, B 2 G 9/Groß Schwülper Bd. 1, Bl. 8 und 37.
  43. Klose I, S. 120; Brandt, S. 143 und 246.
  44. Brandt, S. 245. Die Figuren standen 1949 hinter dem Altar (Petrus und Paulus) bzw. befanden sich auf dem Dachboden des Pfarrhauses (Engel), LkAH, B 2 G 9/ Groß Schwülper Bd. 1, Bl. 9.
  45. Barenscheer, Taufengel, S. 55; LkAH, B 2 G 9/ Groß Schwülper Bd. 1, Bl. 9.
  46. Brandt, S. 143.
  47. Klose I, S. 124; Brandt, S. 247, erwähnt keine Neuanschaffung, sondern eine Reparatur (1711).
  48. Klose, S. 119. Vgl. zu den Glocken Brandt, S. 245 f. und Klose, S. 119 ff. Beide Darstellungen weichen in verschiedenen Punkten voneinander ab, etwa beim Gj. der großen Lg: 1722 (Brandt) oder 1727 (Klose).
  49. Brandt, S. 245.
  50. KABl. 1921, S. 133.