Sprengel Lüneburg, KK Lüneburg | Patrozinium: Katharina | KO: Lüneburger KO von 1643

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Orts- und Kirchengeschichte

Embsen erscheint wohl erstmals Mitte des 13. Jh. in einem Lehnsverzeichnis der Familie von Oedeme und unterstand von alters her der Landesherrschaft der Hzg. von Braunschweig und Lüneburg (Amt Lüne). Die Kirche wurde 1280 durch Maneke von Estorff und seine Gemahlin Adelheid, geb. von Bülow, zu Ehren der heiligen Katharina gestiftet, nachdem ihr einziger Sohn in Italien bei Kriegshandlungen ums Leben gekommen war. Als erster Geistlicher wird unter dem 6. Juni 1345 Johannes rector ecclesie in Emessen erwähnt.1 1380 ist Johannes Crogher rector ecclesie parochialis in Emsen Zeuge einer Medinger Urkunde.2 1397 erscheint her Johannes, Kerckher tho Empsen. Die Einführung der Reformation erfolgte wohl durch den Patronatsherrn Otto VII. von Estorff (1500-1558), Herr auf Barnstedt, Veerßen und Teyendorf, Großvogt von Celle sowie Hauptmann zu Winden und Bleckede, der in enger Beziehung zu Ernst dem Bekenner stand und als erster seiner Familie das luth. Bekenntnis annahm. Erster luth. Geistlicher war vermutlich Dominicus Mentzer (genannt 1534). 1543 amtierte Johannes Frölich.3 1658 wurde das Pfarrwittum eingerichtet. Eine Küsterschule ist in Embsen seit 1668 belegt und bestand bis zur Trennung von Schul- und Küsteramt 1929.
Von den P. war Ludwig Gottsleben (amt. 1891-1934) auch als Chronist der Gemeinde von Bedeutung. P. Erich Thräde, der ihm 1934 nachfolgte und bis 1965 im Amt war, stand in der Zeit des Kirchenkampfs den gemäßigteren DC nahe.4 Die Gemeinde war kirchlich von der Tradition der Lüneburger Heide geprägt. Nachhaltige Veränderungen der sozialen Strukturen brachte nach 1937/39 der Bau der Salpetersäurefabrik der Wirtschaftlichen Forschungsgesellschaft zwischen Embsen und Melbeck (nach 1945 Norddeutsche Chemische Werke). Durch die Industrieansiedlung wuchs besonders die Einwohnerzahl von Melbeck stark an, das bis Ende der 1950er Jahre zur größten Gemeinde innerhalb des Ksp. (Melbeck: 1280 Gemeindeglieder, Embsen: 800, Oerzen: 417) und im Zuge der Gebietsreform auch Sitz der Samtgemeinde Ilmenau wurde.
Als problematisch erwies sich die große Ausdehnung des Pfarrsprengels. Schon 1975 bezeichnete der Visitator die Errichtung einer zweiten Pfarrstelle als dringend notwendig. Überlegungen, die politisch zu Lüneburg gehörigen Ortsteile Rettmer und Häcklingen in die dortige Kreuzkirche umzupfarren, wurde nicht umgesetzt. Stattdessen wurde in Melbeck, dem am stärksten wachsenden Gemeindeteil, eine Diakonenstelle errichtet. 1992 entstand Am Osterberg, in einem Neubaugebiet in Melbeck, ein eigenes Gemeindehaus. 1993 wurde eine zweite Pfarrstelle errichtet. Eine enge Zusammenarbeit bestand seit längerem mit dem Pfarramt im benachbarten Betzendorf, das am 1. Januar 2011 mit Embsen pfarramtlich verbunden wurde.5
Zur KG Embsen gehört seit 1854 auch das alte von Estorffsche Stammgut Barnstedt (seit dem 12. Jh. in Familienbesitz). Die Brüder Heinrich, Carl und Luleff von Estorff beschlossen 1576 den Bau einer Gutskapelle, der jedoch erst 1593 unter Ludolph von Estorff zustande kam. Sie war einer der ersten nachref. Kirchenbauten in der Region. Während das Gut selbst im Dreißigjährigen Krieg zerstört wurde, blieb die Kapelle erhalten und wurde auf Veranlassung des Rittmeisters Ludolph Otto von Estorff bzw. seiner Frau Eleonore de Farcy de St.-Laurent 1731 an den heutigen Standort versetzt, renoviert und um einen Dachreiter ergänzt. Schon seit der zweiten Hälfte des 17. Jh. wurden zu den GD auch die Geistlichen der Patronatskirche in Embsen herangezogen. Die Zugehörigkeit zu Embsen oder Betzendorf war infolgedessen lange strittig und wurde erst 1843 durch das Konsistorium zugunsten von Embsen entschieden. 1854 wurde das gesamte Rittergut endgültig zu Embsen gelegt. GD fanden bis 1846 noch sechsmal, dann dreimal und ab 1864 nur noch zweimal jährlich statt.
Zwischen 1848 und 1852 wurde die Kapelle durch Friedrich August Ludwig Hellner einer grundlegenden Erneuerung unterzogen. Dennoch wurden wegen des schlechten Zustandes im Dezember 1882 die GD zunächst ganz eingestellt. Der Bau wurde 1883 in ein Petroleumlager umfunktioniert, unter dem Kammerherrn Albrecht von Estorff aber 1893 saniert (Wiedereinweihung am 12. November 1893). Den Kantoren- und Organistendienst in Barnstedt versahen bis 1914 die Lehrer von Kolkhagen. Ein „Musischer Förderverein“ organisiert seit 1986 Konzerte und Lesungen in der Kapelle.

Pfarrstellen

I: Vorref. – II: 1. Dezember 1993.6

Umfang

Die Dörfer Embsen, Häcklingen, Heinsen, Kolkhagen, Melbeck und Rettmar; das Rittergut Barnstedt (seit 1854) und das Dorf Barnstedt (teilweise).

Aufsichtsbezirk

Archidiakonat Modestorp der Diözese Verden. – Nach der Reformation zur Insp. Lüne (seit 1924 KK Lüneburg). KK Lüneburg und KK Bleckede zum 1. Januar 2017 zum neuen KK Lüneburg zusammengelegt.7

Patronat

Das Patronatsrecht liegt seit Gründung der Kirche bei den von Estorff (ursprünglich Familienpatronat), früher in Barnstedt, später in Veerßen ansässig. 1406 wurde es durch Bf. Conrad von Verden für die Brüder Ludolf und Mangold von Estorff erneuert. Im Zuge der Allodifizierung des Lehnsguts Barnstedt im 19. Jh. wurde das Patronatslehen als Teil des Gutslehens behandelt und entsprechend in ein mit dem Gut verbundenes Realpatronat umgewandelt.8 Das Patronat besteht fort und blieb auch nach der pfarramtlichen Verbindung der KG Embsen mit Betzendorf erhalten.

Kirchenbau – Katharinenkirche in Embsen

Als Gotteshaus diente ursprünglich wohl eine schlichte Holzkirche, die um 1380 einem einschiffigen, spätgotischen Backsteinbau zu drei Jochen Platz machte. 5/10-Schluss im Osten, 3/6-Schluss im Westen. An der Südseite wurde 1765 die steinerne „Vorkirche“ durch einen Fachwerkbau ersetzt. Sakristei an der Nordseite. 1848/52 nahm Friedrich August Ludwig Hellner umfassende Renovierungs- und Umbauarbeiten vor, bei denen Vorkirche und Sakristei abgebrochen, sowie neue Rundbogenfenster und im Innern Seitenpriechen eingebaut wurden. Weitere Renovierung 1955.

Fenster

Die fünf Buntglasfenster im Chorraum (Weihnachten, Taufe Christi, Kreuzigung, Auferstehung und Pfingsten) wurden 1955 von Hans Matschinski (Braunschweig) geschaffen und durch den Patron, die Gemeinden des Ksp. und das Chemiewerk Embsen gestiftet.

Turm

Westlich der Kirche ein freistehender, hölzerner Glockenturm (Mitte 17. Jh.).

Ausstattung

Bei der Renovierung durch Hellner wurde der Innenraum grundlegend neu gestaltet. Der frühere Schnitzaltar kam in die Kirche von Veerßen und wurde durch einen Kanzelaltar ersetzt. Beim Umbau von 1955 wurden der Kanzelaltar und die Priechen wieder entfernt. Jetzt ein schlichter, gemauerter Blockaltar. – Eine mittelalterliche Bronzetaufe wurde bei der Renovierung 1849 entfernt, 1855 als Altmetall verkauft und befindet sich jetzt im Musée de Cluny in Paris. – Außen an der Südseite der Kirche eine Sonnenuhr (1595).

Orgel

1867 Bau der ersten Orgel durch F. Marbs (Lüneburg), vermutlich unter Verwendung von Teilen der Orgel der abgebrochenen Lambertikirche in Lüneburg, 15 II/P, mechanische Traktur, Schleifladen. 1944 waren zwei Reg. stumm. In den 1950er Jahren wurde das Werk durch die Firma Emanuel Kemper & Sohn (Lübeck) instandgesetzt und die Disposition nach barockem Klangideal verändert. 1977 Renovierung und Umbau zu 14 II/P durch Firma Alfred Führer (Wilhelmshaven). 2000/01 Renovierung durch Michael Becker (Kupfermühle).

Geläut

Zwei LG, I: f’’ (Bronze, romanisch, Gj. um 1200); II: fis’’ (Bronze, Gj. 1440, J. Schnitker, Lüneburg). Beide wurden 1967 oder kurz zuvor neu montiert. – Eine SG in d’’’ (Bronze, um 1950). – Früherer Bestand: Eine 1597 durch Andreas Heinecke (Lüneburg) gegossene Glocke ist 1750 gesprungen und wurde durch den Stück- und Glockengießer Johann Diedrich Ziegener (Lüneburg) umgegossen. Nach erneuter Beschädigung wurde sie 1791 an den Althändler Isaak Abraham Ahrons in Lüneburg verkauft, von dem die Gemeinde auch die beiden heutigen Glocken gebraucht erwarb. Die größere stammt wohl aus der abgebrochenen Cyriakuskirche in Lüneburg; die kleinere war Uhrglocke im Pforthaus des Michaelisklosters.

Kapellenbau – Gutskapelle in Barnstedt

Rechteckiger Fachwerkbau mit polygonalem Ostschluss (1593). Verzierte Balken und Knaggen. Der Bau wurde mehrfach verändert, u. a. 1893 der Eingang von der Nordseite in einen neuen Vorbau an der Westseite verlegt. Die dabei eingebaute, reich mit Schnitzwerk versehene Tür wurde aus der später abgebrochenen Lambertikirche in Lüneburg erworben. 1956, 1968/69 und 1985 gründliche Renovierung/Restaurierung (u. a. Freilegung der Grisaille-Deckenbemalung und des Fachwerks an der Giebelseite).

Fenster

Nachträglich eingefügte Kabinettscheiben (Wappen und Porträtmedaillons) aus einer Sammlung des Gutes.

Turm

Mittig auf dem Giebel ein vierseitiger Dachreiter (1731).

Ausstattung

Kanzelaltar (1731, die Kanzel wohl von 1593). Auf den Brüstungsfeldern der Kanzel Szenen aus dem Leben Jesu (Mariae Verkündigung, Christi Geburt, Kreuzigung, Auferstehung und Himmelfahrt. Zu beiden Seiten Bilder der vier Evangelisten (1968 freigelegt), auf der Kanzeltür Jakobs Kampf mit dem Engel. – Sechseckiger Taufständer mit Säulenaufbau (1680), früher in Veerßen, 1959 als Blumenständer in das Gutshaus in Barnstorf verbracht, 1985 in die Gutskapelle. Auf dem Unterbau Szenen aus dem Alten und Neuen Testament. – Grabplatten des Manegold von Estorff und der Adelheid von Bülow sowie des Hans Julius von Estorff († 1704) und der Sophia Catharina von Ompteda.

Geläut

Eine LG in cis’’ (Bronze, Gj. um 1390; kam 1731 nach Barnstedt, Herkunft unbekannt).

Friedhof

Ursprünglich bei der Kirche. Nach 1935 Anlage eines neuen Friedhofs im südlichen Bereich des Dorfes (in Trägerschaft der Samtgemeinde Ilmenau). Eigene, ebenfalls kommunale Friedhöfe haben Barnstedt, Kolkhagen (seit 1933) und Melbeck (nach 1935).

Landeskirchliches Archiv Hannover

A 1 Nr. 3168-3182 (Pfarroffizialsachen); A 6 Nr. 2257-2260 (Pfarrbestallungsakten); A 9 Nr. 642-646 (Visitationen); B 18 Nr. 162 (Orgelsachverständiger).

Literatur

A: Aye/Kronenberg, Taufbecken, S. 67, Nr. 28; Dehio, Bremen/Niedersachsen, S. 190 (Barnstedt) und 442 f. (Embsen); Weiß, Denkmaltopographie Lkr. Lüneburg, S. 50 f. und 80 f.; Mithoff, Kirchen und Kapellen Lüneburg, S. 373 f.; Wrede, Glocken I, S. 29-31 (Barnstedt) und 37-44 (Embsen).
B: 700 Jahre St. Katharinenkirche Embsen, o. O. [1980]; Ludwig Gottsleben: Aus der Vergangenheit des Kirchspiels Embsen, Lüneburg 1936.


Fußnoten

  1. Lüneburger UB VI, Lüne, Nr. 276.
  2. Lüneburger UB X, Medingen, Nr. 374.
  3. Kayser, Kirchenvisitationen, S. 530.
  4. LkAH, L 5e, unverz., Embsen, Visitation 1957.
  5. KABl. 2011, S. 65 f.
  6. KABl. 1993, S. 167 f.
  7. KABl. 2016, S. 168 f.
  8. LKA, G 15/Embsen.