Sprengel Lüneburg, KK Lüneburg | Patrozinium: Jacobus | KO: Lüneburger KO von 1643

Orts- und Kirchengeschichte

Der Ort Bleckede wurde 1209 durch Hzg. Wilhelm von Lüneburg († 1213), einen Sohn Heinrichs des Löwen, an der Stelle zweier älterer Siedlungen (deutsch und wendisch) planmäßig gegründet und im selben Jahr auch erstmals urkundlich erwähnt. Eine noch im 13. Jh. errichtete Burg diente zum Schutz des Elbübergangs und Elbzolls. Als Grenzfestung war Bleckede im Mittelalter häufig Streitobjekt zwischen den Hzg. von Lüneburg und Sachsen-Lauenburg. 1229 fiel es an Albrecht von Sachsen (bestätigt durch Vergleich vom 28. Februar 1258), dann an Brandenburg, 1308 durch Rückkauf wieder an Lüneburg.1 Bleckede erhielt 1293 Münz- und 1310 Stadtrecht. 1322 ist ein herzoglicher Vogt belegt. 1373 verpfändete Hzg. Magnus von Braunschweig und Lüneburg die Stadt mit Zoll, Vogtei, Gericht und allem Zubehör an seinen Neffen Erich von Sachsen-Lauenburg, der das Schloss ein Jahr später an die Hzg. von Sachsen-Wittenberg abtrat. Vom Ende des 14. Jh. bis 1561 waren Schloss und Vogtei in Pfandbesitz der Stadt Lüneburg. Nach der Einlösung des Pfands wurde Bleckede durch einen herzoglichen Hauptmann verwaltet.2 Seit 1560 war es Mittelpunkt des Amts Bleckede, das den nördlichen Teil des altsächsischen Bardengaus (Hausvogtei, Marschvogtei, Vogtei Dahlenburg/Wiebeck und Barskamper Vogtei) umfasste. 1885 ging aus der Vereinigung der Ämter Bleckede und Neuhaus der Kreis Bleckede hervor (1932 in den Kreis Lüneburg eingegliedert).

Kirche, Ansicht von Südwesten, Teilansicht, 1940

Kirche, Ansicht von Südwesten, Teilansicht, 1940

Die St.-Jacobi-Kirche wird 1272 im Zuge der Erwerbung des Patronats durch Hzg. Johann von Lüneburg erstmals erwähnt.3 1326 erscheint der Pleban Hermann in Bleckede als Zeuge.4 Unter Ernst dem Bekenner als Landesherrn hielt ab 1527 die Reformation im Fsm. Lüneburg Einzug. Als erster ev. Pfarrer in Bleckede wird im Lüneburgischen Pfründenregister 1534 Carsten Eickenrodt (Eykenroth) genannt5, der bereits April 1517 eine Wiese im Wietzenbruch verpfändete und somit schon in vorref. Zeit im Amt war.6 Neben der Pfarrstelle bestanden damals noch zwei Vikarien, von denen eine der Dannenberger Propst Joachim Ruwe, die andere Johannes von Mandelsloh besaß.7 1543 war Andreas Ekenrodt Inhaber der Pfarrstelle. Mit Johann Heltberg (amt. 1554-1588) und seinem Sohn Michael Heldtberg (amt. 1589-1602) beginnt die fortlaufende Series Pastorum.8 Unter den Pfarrern jüngerer Zeit ist P. Carl Wilhelm Koering herauszuheben (amt. 1802-1810), der mehrere philosophische und pädagogische Schriften veröffentlichte.9
Zu den mit der Kirche verbundenen Institutionen gehörte das wohl in der Regierungszeit des Hzg. Wilhelm von Lüneburg (1330-1369) durch den Flecken Bleckede gemeinsam mit den Gutsbesitzern auf Neetze (von Estorf) und Horndorf (von Wittorf) errichtete Hospital St. Georg in Vorbleckede.10 Die Einrichtung für Arme und Kranke war der Aufsicht des Amtmanns unterstellt, jedoch hatte die Kirche ein Mitspracherecht. Vor Mitte des 17. Jh. fiel die Geschäftsführung über die milde Stiftung an die Kirchenkommissarien respektive den KKV und den Sup. Diakonische Aufgaben in der Gemeinde übernahm ab 1892 zusätzliche eine Gemeindeschwester des Clementinenhauses, die überwiegend in der Krankenpflege tätig war.
Die Gemeinde stand in der NS-Zeit der BK nahe. Sup. Jacobi (amt. ab 1926) war Gründungsmitglied des Pfarrernotbundes und der BK. In der Kirche fanden bis 1938 regelmäßige BK-GD statt, 1934 auch mit Lbf. Marahrens. Die Predigten wurden durch die Polizei überwacht.
Mit der Errichtung der zweiten Pfarrstelle (1953) wurde die KG in zwei Seelsorgebezirke eingeteilt. Der nördlich der Lüneburger Straße gelegene Teil einschließlich der Marschdörfer wurde durch den Sup. betreut, der südliche Teil mit Breetze und Nindorf durch den zweiten Pastor. Die KG ist Träger eines ev. KiGa. In der Gemeindearbeit besteht eine enge Kooperation mit den benachbarten KG Garlstorf und Barskamp (u. a. Herausgabe eines gemeinsamen Gemeindebriefs). Die St.-Jacobi-Kirche ist Radwegekirche am Elberadweg.

Pfarrstellen

I: Vorref. – II: 1. Oktober 1953 (vorher Pfarrkollaboratur).11

Umfang

Der Flecken Bleckede (mit Kleinburg und Vorbleckede), die Dörfer Cartze, Garze, Niendorf, Vogelsang, Wendisch Bleckede, Alt- und Neu-Wendischthun, das Forsthaus Sandbergen und die einzelnen Häuser Bleckederholz und Heisterbusch. Mit dem 1. Januar 1975 wurden die in den Ortsteil Bretze und Rosenthal wohnhaften Gemeindeglieder der KG Neetze und Lüdersburg nach Bleckede umgepfarrt12, so dass 2013 die Orte Bleckede, Nindorf, Breetze, Bleckeder Moor, Karze, Garze, Rosenthal und Vogelsang zum Ksp. von St. Jacobi gehören.

Aufsichtsbezirk

Archidiakonat Modestorp der Diözese Verden. – Nach der Reformation (im 16. Jh.) zur Insp. Lüne. 1810 wurde Bleckede Sitz einer eigenen Insp. für die Gemeinden des gleichnamigen Amts. Nach der Eingliederung der ehemaligen lauenburgischen Ksp. auf dem linken Elbufer und des Amts Neuhaus an das Kgr. Hannover (1815) wurde die Insp. um die dortigen Kirchen erweitert. Die Insp. umfasste (1895) die KG Barskamp, Bleckede, Dahlenburg, Garlstorf, Lüdersburg, Nahrendorf, Neetze, Neuhaus i. L., Radegast und Stapel.13 1924 KK Bleckede. Zum 1. Juli 1966 wurden die KG Artlenburg (mit der KapG Schnakenbeck), St. Dionys (mit der KapG Brietlingen), Echem, Hittbergen, Reinstorf und Wendhausen (mit der KapG Vastorf), Scharnebeck sowie Thomasburg aus dem KK Lüneburg in den KK Bleckede umgegliedert.14 Die KG Neuhaus, Stapel und Tripkau wurden nach dem Zweiten Weltkrieg dem Konsistorialbezirk Ilfeld zugeschlagen und aus diesem in die mecklenburgische Landeskirche umgegliedert. Sie kehrten mit dem 1. Januar 1992 zur hannoverschen Landeskirche und zum KK Bleckede zurück. Der heutige Bestand des KK umfasst die KG Artlenburg/Hohnstorf, Barskamp, Bleckede, Dahlenburg, St. Dionys, Garlstorf, Hittbergen/Lüdersburg/Echem, Nahrendorf, Neetze, Neuhaus, Reinstorf, Scharnebeck, Stapelburg, Thomasburg und Tripkau. KK Bleckede und KK Lüneburg zum 1. Januar 2017 zum neuen KK Lüneburg vereinigt.15

Patronat

Ursprünglich Abt und Konvent des Klosters Oldenstadt. 1272 im Tausch gegen das Patronat über die Kirche in Molzen an Hzg. Johann von Braunschweig und Lüneburg16; seither der Landesherr (bis 1871).

Kirchenbau

Über den mittelalterlichen Kirchenbau ist wenig bekannt. Wegen Baufälligkeit wurde er 1765 abgerissen. Neubau 1766/67 als schlichter, spätbarocker, rechteckiger Backsteinsaal nach Entwürfen des Oberlandbaumeisters O. H. von Bonn (Einweihung 23. November 176717). Neugotischer Sakristeianbau am Chor. Innen durch Emporenstützen in drei Schiffe gegliedert, über dem mittleren ein hölzernes Tonnengewölbe. Die Kirche wurde im April 1945 durch Kriegseinwirkung stark beschädigt und 1956, 1960/64 sowie 1989 renoviert. 1989 wurde u. a. die ursprüngliche Bemalung von 1765 an den Emporenbrüstungen und Treppenaufgängen freigelegt und wiederhergestellt.

Fenster

An der Ostseite des Altarraums Fenster mit der Darstellung der Weihnachtsgeschichte (1907), gestiftet durch den Kirchenvorsteher Minnrich aus Karze, hergestellt durch die Glasmaler Henning & Andres (Hannover); an der Westseite die Auferstehung. Weitere Buntglasfenster von Hans-Georg Losert, Halberstadt (1991/92), an der Nordwand die Apostel Jakobus und Johannes, darunter ein Motiv zur Grenzöffnung 1989. In der Sakristei befand sich früher ein Fenster mit der Darstellung des Kirchenpatrons Jakobus (um 1880), das 1969 durch ein neues Fenster (Taube) von Helge Michael Breig (Hannover) ersetzt wurde.18

Turm

Der mittelalterliche Westturm aus Ziegelmauerwerk blieb beim Abbruch des Schiffs erhalten, wurde 1956 saniert und erhielt eine neue Ummauerung. Erneute Renovierung 1999/2000. Gefallenenehrung in der Turmhalle (1965).

Grablege

Bei Renovierungsarbeiten wurden 1953 die Gräber des Königlich und kurfürstlichen Elbzöllners Friedrich Bartels († 1738) und seiner Frau Elisabeth, geb. Semann, sowie des Elbzöllners Anton Ulrich von Haerem († 1760) aufgefunden und beseitigt.

Ausstattung

Kanzelaltar, wohl 1776 unter Verwendung einer reich verzierten Renaissance-Kanzel des frühen 17. Jh. (mit Darstellung von Szenen aus dem Leben Jesu), die Kanzel gestiftet durch den Bleckeder Burghauptmann Fritz von dem Berge und seiner Frau Hanne. Unter der Kanzel Darstellung des heiligen Abendmahls. – Kelchförmige Sandsteintaufe im Renaissancestil (1607), gestiftet durch Fritz von dem Berge und Leveke Hane.19 – Holzplastiken des Johannes und der Maria als Teil einer spätgotischen Kreuzigungsgruppe (Lüneburger Werkstatt, Ende 15. Jh.; 1959 restauriert). – Pietà, möglicherweise aus derselben Lüneburger Werkstatt. – Weltkugelleuchter, hergestellt in der Metallbauwerkstatt des Jugenddorfs Celle des Christlichen Jugenddorfwerks (1999).

Orgel

Orgel

Orgel

1717 Neubau durch Anthon Heinrich Gansen (Salzwedel), 20 II/P (HW, BW), mechanische Traktur, Schleifladen. Der Prospekt (um 1700) und ältere Reg. wurden übernommen. 1783 Instandsetzung durch den Orgelbauer Stein (Lüneburg). 1818 durch Peter Tappe (Verden) repariert.20 1887 Neubau des Werks hinter dem barocken Prospekt durch P. Furtwängler & Hammer, II/P, mechanische Traktur, Kegelladen. 1970/75/77 Neubau in drei Bauabschnitten durch Firma Emil Hammer (Hannover/Arnum) hinter dem barocken Prospekt und nach dem Vorbild der Barockorgel von 1717. Teile der alten Orgel wurden übernommen; 26 II/P (HW, BW), mechanische Traktur, Schleiflade. Denkmalsprospekt.

Geläut

Drei LG, I: f’ (Bronze, Gj. 1962, Gebrüder Rincker, Sinn); II: g’ (Bronze, Gj. 1612, Pawel Voß, Lüneburg, gestiftet durch den Bleckeder Burghauptmann Fritz von dem Berge, im Zweiten Weltkrieg beschlagnahmt, 1946 an die KG zurückgegeben); III: a’ (Bronze, Gj. 1927, F. Schilling, Apolda). – Früherer Bestand zwei SG in a’’ und h’’ (beide Eisen) wurden 1977 aus Sicherheitsgründen stillgelegt.

Weitere kirchliche Gebäude

Bei einem Brand des Fleckens waren 1666 Pfarrhaus, Pfarrwitwenhaus und Schulhaus zerstört worden. Das Pfarrhaus wurde 1740/42 erneuert und 1968 abgebrochen. Als Ersatzbau wurde an gleicher Stelle ein neues Suptur.-Gebäude errichtet. Das nach 1934 zunächst fremdvermietete Küsterhaus wurde ab 1953 als zweites Pfarrhaus genutzt. 1963 entstand in der Gartenstraße ein Gemeindehaus mit Pastorenwohnung (1996/97 erweitert). 1974 wurden die 1740 errichteten Fachwerkgebäude des ehemaligen Stifts St. Georg abgerissen und auf dem erbverpachteten Grundstück durch die Stadt Bleckede Altenwohnungen errichtet. Die Stiftung „Hospital St. Georg“ blieb erhalten und wird heute durch den Sup. verwaltet.

Friedhof

Ursprünglich auf dem Kirchhof. 1797 verlegt; jetzt am westlichen Ortsausgang (Lauenburger Straße). Eigentum der KG. FKap (Neubau 1972, Architekt: Manfred Fischer, Bleckede). Das St.-Georgs-Stift verfügte über einen eigenen Friedhof, der wohl 1852 zuletzt belegt und 1860 endgültig aufgegeben wurde.

Landeskirchliches Archiv Hannover

A 1 Nr. 1135-1178 (Pfarroffizialsachen), A 5 Nr. 74 und 83 (Spec. Landeskons.); A 6 Nr. 868-890 (Pfarrbestallungsakten); A 6 Nr. 828-837 (Pfarrbestallungsakten); A 8 (CB); A 9 Nr. 237-241 (Visitationen); B 18 Nr. 142 (Orgelsachverständiger); D 78 (EphA Bleckede).

Literatur

A: Dehio, Bremen/Niedersachsen, S. 227; Weiß, Denkmaltopographie Lkr. Lüneburg, S. 54 f.
B: Gleisberg: Vom Kirchen- und Schulwesen, in: 750 Jahre Bleckede, hg. vom Festausschuss der Stadt Bleckede, 1959, S. 39-44; Hessing: Kunstschätze in der Bleckeder Kirche, in: Der Heidebote, 13. Dezember 1951; Die Orgel der St. Jacobi-Kirche in Bleckede, Bleckede o. J.; Schötteldreyer, Ute: Bleckeder Heimatbuch. Aus der Geschichte der Stadt Bleckede und ihrer Ortsteile, Bleckede 1983.


Fußnoten

  1. Sudendorf, UB I, Nr. 204.
  2. Krieg, Amtsbezirke Fsm. Lüneburg, S. 44 f.
  3. Sudendorf, UB I, Nr. 75.
  4. Knesebeck, Urkunden II, Nr. 82.
  5. Salfeld, Pfründenregister, S. 99.
  6. Lüneburger UB XVII, Celle, Nr. 488
  7. Kayser, Kirchenvisitationen, S. 555, Anm. 1255.
  8. Meyer, Pastoren I, S. 100.
  9. Rotermund, Das gelehrte Hannover II, S. 599 f.
  10. LkAH, B 1 A, Nr. 9299 ff.
  11. KABl. 1953, S. 136 f.
  12. KABl. 1974, S. 276.
  13. Übersicht Besetzung 88 (1895), S. 45.
  14. KABl. 1966, S. 109.
  15. KABl. 2016, S. 142 ff. und 168 f.
  16. Hennecke, Patronate, S. 153.
  17. Manecke, Beschreibungen I, S. 354.
  18. LkAH, B 2 G 9/Bleckede III, Bl. 108 (KG Bleckede an LKA, 12.09.1969).
  19. Mathies, Taufbecken, S. 115.
  20. Topp/Pape, Tappe, S. 34.