Sprengel Lüneburg, KK Lüneburg | Patrozinium: Petrus und Paulus | KO: Lüneburger KO von 1643

Orts- und Kirchengeschichte
Kirche, Ansicht von Südosten

Kirche, Ansicht von Südosten

Betzendorf lag an einer alten Handels- und Heerstraße von Lüneburg bzw. Winsen/Luhe nach Celle. Eine befestigte Hofanlage (Adelshof) wurde im späten Mittelalter bei einer bewaffneten Auseinandersetzung zwischen den Hzg. und der Stadt Lüneburg zerstört. Ihr gegenüber befand sich wohl eine als Ersatz für einen älteren Holzbau errichtete Wehrkirche. Auf wen die Gründung der Kirche zurückgeht, ist unbekannt. Um 1300 jedenfalls befanden sich Dorf und Kirche im Besitz der Lüneburger Familie von Oedeme. Heinrich von Oedeme schenkte die Kirche 1341 dem Kloster Lüne.1 Der Großzehnte, früher im Besitz der Familien von Schwerin und Grote, stand seit 1345 dem Kloster Scharnebeck zu. Landesherren waren die Hzg. von Braunschweig und Lüneburg (Amt Lüne).
Das massive KGb wird auf die Mitte des 14. Jh. datiert. Die Kirche verfügte in vorref. Zeit über mehrere Nebenaltäre u. a. zu Ehren der heiligen Gertrud. Als Geistliche werden genannt: Bertoldus (rector ecclesiae, 1332); Johannes Fabro (1342); Johannes Harde (1368); Hunderus Bodenstede (1396); Johann Boinemann/Boynemann (Kerckher tho Betzendorpe, 1412), Hinrik Esscherten (um 1450-1465); Bartold Engelken (um 1465-1470); Gerd Rodenborg (vor 1473); Johannes Spreenhorn (1473-1490); Bernd Möller (1507); Hans Edinghe (1507). Die Einführung der Reformation erfolgte 1527 unter Ernst dem Bekenner. 1534 war her Hinrich Pfarrer (Lüneburg. Pfründenregister)2, eventuell identisch mit dem 1543 genannten Hinrichus Heter.
Nach dem Zweiten Weltkrieg kam es zunächst zu einem starken Anstieg der Einwohnerzahl, die durch Wegzug von Gemeindegliedern aber wieder zurückging. 1980 wurde daher die Pfarrstelle auf ein halbe Stelle gekürzt. Zum 1. Januar 2011 wurde die KG Betzendorf mit Embsen pfarramtlich verbunden.3

Umfang

Die Dörfer Betzendorf (mit dem Hof Holtorf), Barnstedt, Glüsingen, Drögennindorf und Oerzen. 1855 wurde die Ortschaft Tellmer aus der KG Hanstedt nach Betzendorf umgepfarrt. Oerzen kam 1863 von Betzendorf zur KG Embsen.

Aufsichtsbezirk

Archidiakonat Modestorp der Diözese Verden. – Nach der Reformation zur Insp. Lüne, ab 1924 KK Lüneburg. KK Lüneburg und KK Bleckede zum 1. Januar 2017 zum neuen KK Lüneburg zusammengelegt.4

Patronat

Ursprünglich die von Oedeme (als Besitzer des Adelshofs in Betzendorf), ab 1341 Propst und Konvent des Klosters Lüne. Nach Aufhebung der Propstei 1529 der Landesherr (bis 1871).

Kirchenbau
Kirche, Grundriss, Lithographie: August Curtze, Hannover, 1877

Kirche, Grundriss, Lithographie: August Curtze, Hannover, 1877

Ursprünglich flach gedeckter, wohl noch romanischer Feldsteinbau mit Altarnische und Rundturm im Westen. Das Kirchenschiff, vermutlich mit einer flachen Balkendecke und Altarnische an der Ostseite, wurde um 1350 errichtet. Die Nordwand ist noch aus dieser Bauphase erhalten. 1450/60 Erneuerung und Einwölbung des Langhauses in vier querrechteckige Joche sowie Anbau eines Chores mit 5/8-Schluss. Die Umfassungsmauern wurden durch Strebepfeiler verstärkt. 1589 Anschaffung der ersten Turmuhr (bis 1904 genutzt). 1879/81 wurde das Schiff stark erneuert, u. a. die Gruft unter dem Altarraum verfüllt und zwei Fachwerkanbauten (Sakristei und Leichenhalle) abgebrochen. Neue Chorfenster. Erweiterung der Empore; Schaffung von zwei Eingangsvorbauten auf der Südseite. Renovierungen u. a. 1928, 1951 und 2002.

Fenster

Fünf farbige Chorfenster mit Schöpfungszyklus und Auferstehung von Siegfried Steege, Schwarmstedt (1985). Im Fenster der Nordwand vier Glasbilder mit den Evangelisten und ihren Symbolen aus der abgerissenen Sakristei (1881 neu eingesetzt).

Grablege

Unter dem Turm befand sich früher das Erbbegräbnis der Familie von Estorff aus Barnstedt (1859 durch die KG angekauft).

Turm

Der zwischen 1200 und 1400 errichtete Turm diente vermutlich auch als Flucht- und Wehrturm. Der Dachstuhl wurde 1598 und 1659 erneuert. Helm in Form einer zehnseitigen Pyramide. Ursprünglich schiefergedeckt; 1965 Eindeckung in Kupferblech. Bekrönung durch Kugel, Wetterfahne und Kreuz (dat. 1907). Die erste Turmuhr wurde 1589 beschafft und war bis 1904 in Betrieb. Neue Uhr von 1907.

Kirche, Blick zum Altar, 1951

Kirche, Blick zum Altar, 1951

Ausstattung

Auf gemauertem Stipes ein Schnitzaltar aus Eichenholz, Volkmer Klovesten aus Lüneburg zugeschrieben (1450/60), im Schrein mittig die Marienkrönung, zu beiden Seiten je zwei Apostel, in den Flügeln je vier weitere Apostel. Predella 1881 ergänzt. 1984 Erneuerung der Mensa und Abbau der Altarschranken. – Die Kanzel wurde im Zuge der Renovierung von 1879/81 durch den Tischlermeister August Ebeling (Lüneburg) neu angefertigt. Verzierung der Kanzeltreppe durch Bildhauer Wilhelm Tester (Bevensen); in den Brüstungsfeldern die vier Evangelisten und Christus als Hirte von Kunstmaler H. Fischbach (Lüneburg). Der Verbleib der alten Kanzel ist unbekannt. – Bronzetaufbecken (1368) auf vier Tragefiguren und Bodenring. Auf der Außenseite Reliefs mit Szenen aus dem Leben Jesu, Maria sowie die Heiligen Petrus und Mauritius. Stiftung der Kirchenjuraten Meyne, Schulte, Godeke und Westfal. – Kruzifix (zweite Hälfte 14. Jh.) an der Südwand der Kirche. – Die übrige Ausstattung stammt weitgehend von 1881. Das Lesepult wurde 1984 von Heinrich Niebuhr (Betzendorf) aus einer alten Kirchenbank gefertigt. Spätgotische Malereien, die 1984 bei Untersuchungen der Gewölbeflächen entdeckt wurden, wurden aus Kostengründen nicht freigelegt. – Grabplatte des P. Joachim Holzmann († 1706). – Schmiedeeiserner Osterleuchter von Schmiedemeister Wilhelm Stolze (1984). Weltkugelleuchter (2002). – Kronleuchter von Siegfried Steege, Schwarmstedt (1992).

Orgel

1881 Neubau durch P. Furtwängler & Söhne (Elze), 16 II/P, mechanische Traktur, Schleifladen, neugotischer Prospekt. 1912 Einbau eines elektrischen Gebläses. 1960 durch Firma Emil Hammer (Hannover) generalüberholt und die Disposition nach barockem Vorbild verändert. 1972 weitere Renovierung durch Firma Emil Hammer (Arnum). 1976 Umdisponierung im Pedal (Tausch des Reg. Nachthorn 2’ gegen eine Posaune 16’ des Ratzeburger Doms). 2015 Restaurierung durch Firma Claus Sebastian (Geesthacht). – Denkmalorgel.

Geläut

Zwei LG, I: f’ (Bronze, Gj. 1956, Gebrüder Rincker, Sinn), Inschrift: „Himmel und Erde werden vergehen, aber meine Worte werden nicht vergehen“ und „Im Ersten Weltkrieg 1917 geopfert, wiedererstanden 1920, im Zweiten Weltkrieg 1942 geopfert, zum dritten Male neu erstanden 1956“; II: g’ (Bronze, Gj. 1920, J. J. Radler & Söhne, Hildesheim). – Früherer Bestand: Eine LG in e’ (Bronze, Gj. 1591, Andreas Heinecke) wurde 1920 eingeschmolzen, da ihr Klang „nicht besonders schön“ war5. Eine zweite LG in as’ (Stunden- und Betglocke, Bronze, Gj. 1789, J. Christoph Hautsch), Inschrift: „Gott allein die Ehre. E. Becker Prediger zu Betzendorf. Im Iahr Anno 1789 I. C. Hauttsch um goss mich“, 1917 zu Rüstungszwecken abgeliefert. Zwei neue LG angeschafft (Bronze, Gj. 1920, J. J. Radler & Söhne, Hildesheim), größere (e’) 1942 beschlagnahmt.

Weitere kirchliche Gebäude

Ehemaliger Zehntscheuer (16. Jh.), 1980 zum Jugendzentrum umgebaut.

Friedhof

Am östlichen Ortsrand (Immhoop). In Trägerschaft der KG. FKap.

Landeskirchliches Archiv Hannover

A 1 Nr. 970-1001 (Pfarroffizialsachen); A 6 Nr. 75-764 (Pfarrbestallungsakten); A 9 Nr. 203-206 (Visitationen).

Literatur

A: Dehio, Bremen/Niedersachsen, S. 219; Weiß, Denkmaltopographie Lkr. Lüneburg S. 52 f.; Mithoff, Kirchen und Kapellen Lüneburg, S. 366; Wrede, Glocken I, S. 31-35.
B: Jürgen Wesenick: St. Peter und Paul in Betzendorf, 2009 (Ms. in Presseauschnittsammlung LkAH); Jürgen Wesenick: Glocken in St. Peter und Paul in Betzendorf, Lüneburg ⁴2014; Jürgen Wesenick (Hg.): Kopialbuch aus dem Archiv der Betzendorfer Pfarre, Lüneburg ⁴2012; Jürgen Wesenick: Informationen über Betzendorf im Landkreis Lüneburg, ¹⁰2014.


Fußnoten

  1. Kayser, Kirchenvisitationen, S. 528, Anm. 1175.
  2. Salfeld, Pfründenregister, S. 88.
  3. KABl. 2011, S. 65 f.
  4. KABl. 2016, S. 168 f.
  5. Wesenick, Glocken, S. 2.