Frühere Gemeinde | Sprengel Hildesheim-Göttingen, KK Leine-Solling | Patrozinium: Valentin | KO: Calenberger KO von 1569

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Orts- und Kirchengeschichte

Der Ort an der Rhume, seit 1974 Ortsteil von Katlenburg-Lindau, erscheint als Alfrideshusen erstmals 1105 in der (gefälschten) Urkunde über die Gründung des Klosters Katlenburg.1 Ein früherer Beleg (Alwardeshusen, 1082) ist in der Zuordnung umstritten. 1171 schenkte Heinrich der Löwe dem Blasiuskloster in Northeim drei Hofstellen in Elvershausen. Ein nach Elvershausen benanntes Adelsgeschlecht ist im 13. und 14. Jh. urkundlich nachweisbar. Lippold von Elverdishus wurde 1357 Dekan des Alexanderstifts in Einbeck. Das Dorf gelangte schon früh in welfischen Besitz (Amt Brunstein des Fsm. Göttingen).
Die Stiftung der Kirche ist urkundlich nicht belegt, sie hat jedenfalls um 1200 schon bestanden. 1208 erscheint Helmwicus Presbiter in Elverdishusen als Zeuge.2 1317 war Ernestus plebanus in Elverdeshusen zugleich Erzpriester der Sedes Berka des Archidiakonats Nörten.3 1444 war Herwig Rode rector ecclesie. 1474 präsentierte der Knappe Hermann von Kegel den Johann Wolmershusen zum Pfarrherrn in Elvershausen.4 Vermutlich waren die von Kegel die Erben des erloschen Geschlechts von Elvershausen/Elverdishusen und übten als solche das Patronatsrecht für die Pfarre aus.
Die Einführung der Reformation erfolgte unter Elisabeth von Calenberg (Visitation des Amts Brunstein im Dezember 1542)5, endgültig unter Hzg. Julius von Braunschweig-Wolfenbüttel (1568). Als erster luth. P. wird Zacharias Mahler (amt. wohl bis 1583) genannt, ein ehemaliger Tischler. Ihm folgte der aus Weißenfels stammende Johannes Erdmann, zuvor Präzeptor bei dem Drosten von Rheden auf Brunstein (amt. 1583–1595). In seine Amtszeit fällt die Generalvisitation von 1588. Da das Pfarrhaus im Dreißigjährigen Krieg zerstört wurde, wurde die Pfarre von 1637 bis 1640 von Hammenstedt aus versehen.
Die Zahl der Gemeindeglieder sank nach dem Zweiten Weltkrieg auf unter 1.000 (1974: 985, 1980: 925, 1989: 813). Mit dem 1. Januar 2000 wurde daher Elvershausen mit den KG Berka und Hammenstedt unter einem gemeinsamen Pfarramt verbunden.6 Für Berka bestand zuvor schon ein Mitversehungsauftrag. Zum 1. Januar 2009 erfolgte die Vereinigung der drei KG zur Ev.-luth. Michaelis-KG Im Rhumetal in Katlenburg-Lindau.7 Die KapG Marke wurde aufgehoben.

Umfang

Die Dörfer Elvershausen und Marke (KapG).

Aufsichtsbezirk

Archidiakonat Nörten (Sedes Berka8) der Erzdiözese Mainz. – 1588 zur neu gebildeten Insp. (1924: KK) Hohnstedt (1925: Hohnstedt-Northeim, 1. Oktober 1958 umbenannt in KK Northeim). Seit 1. Januar 2001 KK Leine-Solling.

Patronat

Der Besitzer der Gutsländereien in Elvershausen (dingliches Patronat): Vielleicht ursprünglich die von Elverdishusen, später die von Kegel; um 1588 die von Rauschenplat, 1620-1864 die von Hedemann (Frhr. von Hedemann) in Dorste. 1852 wurde das Gut allodifiziert. Durch Kauf kam es 1864 „mit allen Rechten und Gerechtigkeiten“ ungeteilt in den Besitz der Realgemeinde, die seither auch das Patronatsrecht ausübte. Das LKA erklärte das Patronat 1948 für erloschen, wogegen die Realgemeinde erfolgreich Einspruch erhob. Die Präsentation erfolgte durch Mehrheitsbeschluss der Vollversammlung der der Kirche angehörenden Mitglieder der Realgemeinde. Das Patronatsrecht ruht seit 2001 für die Dauer der pfarramtlichen Verbindung. Rechte und Pflichten von KG und Realgemeinde wurden durch Vertrag vom 5. Juni 2000 neu festgesetzt.9

Kirchenbau

Das heutige KGb wurde 1512–19 an der Stelle des Vorgängerbaus errichtet. Der mit Zementputz überzogene, einschiffige, ursprünglich gotische Feldsteinsaal mit polygonalem Ostchor wurde 1705 grundlegend umgestaltet und mit einer flachen Holzdecke geschlossen. Sakristeianbau im Osten. U-förmige Empore. Renovierungen 1848/49, 1884 und 1962.

Turm

Achtseitiger, verschieferter Giebelreiter mit geschweifter Haube.

Ausstattung

Barocker Kanzelaltar mit Sandstein-Mensa auf gemauertem Unterbau. Die von einer Christusfigur bekrönte Kanzel wurde wohl 1710 gestiftet, die Predella 1962 neu angefertigt. – Gotische Sandsteintaufe, vor dem Ersten Weltkrieg auf dem Pfarrhof wiederentdeckt und 1936 wieder in der Kirche aufgestellt. – Barocke Kreuzigungsgruppe an der Nordwand.

Orgel

1780 Neubau, 1845 repariert.10 1861 Neubau durch Firma Carl Heyder (Heiligenstadt). 1962/63 Neubau mit historisierendem Gehäuse von J. Himstedt (Hildesheim) durch die Hildesheimer Orgelbauwerkstatt, 6 (9) I/aP, mechanische Traktur, Schleifladen. Das Pfeifenmaterial von Heyder wurde teilweise wieder verwendet. 1964 Erweiterung um ein Pedal auf 9 I/P. 2005 Instandsetzung durch Firma Noeske (Rotenburg/Fulda).

Geläut

Drei LG: I: c’’ (Gefallenengedächtnis-Glocke, Bronze, Gj. 1956, Gebrüder Rincker, Sinn); II: d’’ (Martin-Luther-Glocke, Bronze, Gj. 1920, Radler & Söhne, Hildesheim); III: f’’ (Vermisstenglocke/Taufglocke, Gj. 1956, Bronze, Gebrüder Rincker, Sinn). – Im Glockenhaus im Unterdorf (errichtet im 19. Jh.): Eine LG in e’’ (Gussstahl, Gj. 1863, Bochumer Verein). – Früherer Bestand: 1725 wird die damals einzige Glocke als „sehr stark geborsten“ bezeichnet.11 Eine weitere größere LG in h’ (Bronze Gj. 1810, Firma Bock, Einbeck) wurde wegen des schlechten Klangs 1956 eingeschmolzen; eine ältere mittlere Glocke (Gj. 1903, J. J. Radler & Söhne, Hildesheim; Umguss aus einer gesprungenen älteren Glocke12) 1917 zu Rüstungszwecken abgeliefert.

Friedhof

Eigentum der KG. Ursprünglich auf dem Kirchhof, 1910 in das Traupental verlegt13 und am 13. Dezember 1910 eingeweiht. FKap (Bj. 1973).

Landeskirchliches Archiv Hannover

A 1 Nr. 3114–3138 (Pfarroffizialsachen); A 6 Nr. 2222–2228 (Pfarrbestallungsakten); A 8 (CB); A 9 Nr. 630–633 (Visitationen); D 45 c (EphA Hohnstedt-Northeim).

Literatur

A: Dehio, Bremen/Niedersachsen, S. 440; Kämmerer/Lufen, Denkmaltopographie Lkr. Northeim, S. 133; Weigand, Heimat-Buch, S. 197–202.
B: Birgit Schlegel: Neue urkundliche Ersterwähnungen von Suterode und Elvershausen, in: Northeimer Jahrbuch 71 (2006), S. 23–26; Margarethe Tinappel-Becker: Elvershausen 1082 bis 1982. Geschichte und Geschichten, [Bad Pyrmont um 1982].


Fußnoten

  1. Mainzer UB I, Nr. 424. Dort als Allershausen (?), Kr. Uslar identifiziert. Vgl. aber auch Casemir/Menzel/Ohainski, Ortsnamen Lkr. Northeim, S. 123; Schlegel, S. 23–26.
  2. Schlegel, S. 25.
  3. Bruns, Archidiakonat Nörten, S. 46.
  4. Max, Grubenhagen II, S. 112.
  5. Kayser, Kirchenvisitationen, S. 249, Anm. 503.
  6. KABl. 2000, S. 39 f.
  7. KABl. 2009, S. 89–91.
  8. Kayser, Registrum II, S. 274.
  9. LKA, G 15/Im Rhumetal.
  10. LkAH, D 45c, Spec. Elvershausen, Nr. 513.1
  11. LkAH, D 45c, Spec. Elvershausen, Nr. 513.01.
  12. LkAH, D 45c, Spec. Elvershausen, Nr. 513.01.
  13. LkAH, D 45c, Spec. Elvershausen, Nr. 145 (Visitation 1910).