Sprengel Stade, KK Wesermünde | Patrozinium: Unser Lieben Frauen | KO: Keine Kirchenordnung

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Orts- und Kirchengeschichte

Elmlohe geht auf eine um 1300 als Stützpunkt für Fehde- und Beutezüge gegründete Dammsiedlung der Herren von Elmlohe und der ihnen verwandten Herren von Bederkesa zurück. 1312 verpfändete der Knappe Hinrich von Elmelo seinen Hof in Drangstedt an das Kloster Neuenwalde (Ersterwähnung). 1321 trugen die Herren von Bederkesa die Burg zu Elmlohe. Hzg. Erich von Sachsen zu Lehen auf. Nach der Elmloher Fehde gelangten Burg und Dorf 1386 in stadtbremischen Besitz und wurden den früheren Besitzer als bremisches Lehen zurückgegeben. Die Burg wurde 1485 zerstört und nicht wieder aufgebaut. An die Stelle der im gleichen Jahr erloschenen Familie von Elmlohe traten die mit ihnen verschwägerten von der Lieth als Lehnsnehmer, die schon vor 1346 Teil der Burgmannschaft geworden waren.1 Im Stader Vergleich von 1654 kam Elmlohe unter schwedische Herrschaft, 1712 an Dänemark, 1715 an Kurhannover (Amt Bederkesa). – Die früher selbständige Gemeinde ist seit 1. Januar 2015 Ortsteil der Stadt Geestland.
Kirchlich unterstand Elmlohe zunächst der Sendkirche in Debstedt. Der weite Weg zur Mutterkirche und Übergriffe der feindlichen Wurster Friesen waren Anlass für den Bau eines eigenen KGb nördlich der alten Burgstelle und die Dotierung der Pfarre durch die vier Burgmänner zu Bederkesa sowie die Ritter Lüder von der Lieth und Johann von Elme (1346).2 Zur neu gebildeten Parochie gehörten später neben dem Kirchort Elmlohe die Ortschaften Klein Elm, Egevelt (wüst), Eeckhude (wüst), Drangstedt, Brockesmöhlen (wüst) und das 1770 abgerissene Fährhaus Koggenburg. Als jüngere Siedlung kam nach 1500 Marschkamp hinzu.
Elmlohe war die erste Kirche im Amt Bederkesa, in der das ev. Bekenntnis eingeführt wurde. Erster ev. Prediger war Marten Stucke († 1571), der 1517 durch Melchior von der Lieth als Patron auf die Pfarrstelle berufen worden war und später das luth. Bekenntnis annahm. Um die Pfarrstellenbesetzung kam es später zu einem anhaltenden Konflikt zwischen den von der Lieth als Inhabern des Patronatsrechts und dem (ref.) Rat der Stadt Bremen, der für sich die Oberaufsicht über die Kirchen im Amt Bederkesa in Anspruch nahm. Als P. Gerhard Müller (amt. 1585–1633) die Teilnahme an der ref. Synode in Bremen verweigerte, forderte der Rat seine Entlassung. Auf Intervention der Patronatsherren konnte er jedoch im Amt bleiben. Während die übrigen Gemeinden im Amt Bederkesa in Anlehnung an die Entwicklung in Bremen Anfang des 17. Jh. überwiegend zum ref. Bekenntnis übergingen, blieb Elmlohe luth.3
Unter den P. in Elmlohe ist besonders Carl Georg Hieronymus Biedenweg hervorzuheben (amt. 1777–1796, nachher P. in Sandstedt), der – auch an Landwirtschaft interessiert – neben theologischen Schriften mehrere Abhandlungen aus dem landwirtschaftlichen Bereich hinterließ (darunter: Von der Vertheilung großer Ackerhöfe, 1774; Vom Spergel, einem in der Oekonomie merkwürdigen Futterkraute, 1775). Eine unrühmliche Rolle spielte P. Gerhard Hahn (amt. 1928–1933), schon in den 1930er Jahren Gauredner der NSDAP und ab 1932 Mitglied des Preußischen Landtags, der 1931 zu den maßgeblichen Gründern der niedersächsischen Gruppe des NS-Lehrerbundes gehörte und später auch Mitbegründer und Landesleiter der DC (und in dieser Funktion einer der wichtigsten Gegner von Lbf. Marahrens) war. Im Mai 1933 wurde er mit der „Säuberung und Neuregelung“ des Volksschulwesens in den Regierungsbezirken Lüneburg und Stade beauftragt. Am 25. Juni 1933 wurde er zum Unterbevollmächtigten des Staatskommissars August Jäger für Hannover, schließlich zum geistlichen Vizepräsidenten im LKA ernannt. Am 18. Juli wurden ihm die Befugnisse des Kirchensenats und des Landeskirchenausschusses übertragen. Nach den Kirchenwahlen vom 21. Juli 1933 übernahm er auch den Vorsitz der Landessynode.4 Auch auf die KG Elmlohe hatte Hahn erheblichen Einfluss. Der KV erklärte am 6. August 1933 geschlossen den Beitritt zur Glaubensbewegung DC. Allerdings wurde Hahn am 6. November 1934 von Lbf. Marahrens beurlaubt, schied aus der hannoverschen Landeskirche aus, wechselte nach Thüringen und starb 1943 in sowjetischer Kriegsgefangenschaft.
Waren die Dörfer des Gemeindebezirks noch bis nach dem Zweiten Weltkrieg eher bäuerlich geprägt, so wandelte sich vor allem Drangstedt zunehmend zu einer Wohn- und Pendlergemeinde für die nahegelegene Großstadt Bremerhaven. Ab 1979 fand dort deshalb jeden zweiten Sonntag ein zusätzlicher GD statt, anfangs in der FKap, später im ev. Gemeindehaus „Regenbogenhaus“ (1987 durch die KG erworben, 2005 renoviert).

Umfang

Die Dörfer Drangstedt, Elmlohe und Marschkamp mit dem Hof Neumühlen.

Aufsichtsbezirk

Archidiakonat Hadeln-Wursten der Erzdiözese Bremen. – Die Aufsicht (Visitationen) wurde nach der Reformation durch stadtbremische Sup. wahrgenommen. Unter schwedischer Herrschaft kam Elmlohe 1651 zur Präpositur Bederkesa, mit der Neuordnung der Aufsichtsbezirke in den Hzm. Bremen und Verden am 1. Januar 1827 zur Insp. Bederkesa und bei deren Aufhebung 1853 in die Insp. (1924: KK) Lehe umgegliedert. Bei der Neuordnung der Aufsichtsbezirke im Bereich Wesermünde am 1. April 1940 zum KK Wesermünde-Nord. Seit 1. Januar 2013 KK Wesermünde.

Patronat

Ursprünglich gemeinschaftliches Patronat der Besitzer der Burg Elmlohe; mit dem Erlöschen der von Elmelo 1492 nur noch die von der Lieth. Später bestand ein Kompatronat eines Kollegiums der Besitzer der von der Liethschen Güter einerseits und des Besitzers des Gutes Valenbrook in Fickmühlen andererseits. Nach Übergang der Landesherrschaft an Schweden wurde das adelige Patronat 1652 vertraglich garantiert. Als 1784 auch die Elmloher Linie der Familie von der Lieth ausstarb und ihre Güter in fiskalischen Besitz übergingen, fiel der von der Liethsche Anteil an den Landesherrn. – Für Valenbrook/Fickmühlen übten 1823 die von Best, von Bremer, von Wenkstern und von Zesterfleth das Patronatsrecht aus. 1840 wurde das Gut allodifiziert. Nach mehreren Besitzwechseln wurde es 1900 durch den Brauereibesitzer Lambert Leisewitz († 1909) aus Bremen übernommen. Das Patronat ist nach dem Verzicht des Gutsbesitzers Carl-Lambert Leisewitz auf seine anteiligen Rechte als Patron (1977) erloschen.

Kirchenbau

Einschiffige Backsteinkirche auf rechteckigem Grundriss, vermutlich noch mit Mauerwerk des 14. Jh. Veränderungen an den Außenmauern im 17. und 18. Jh. 1967/68 Renovierung des Kirchenschiffs. 1986–88 erhielt die Kirche ein neues Außenmauerwerk aus Rotsteinen. Der Saal wird von einer Balkendecke geschlossen. Dreiseitig umlaufende Empore (dat. 1643 und 1672).

Turm

Freistehender Glockenträger aus verschaltem Holzfachwerk vor dem Westgiebel, ursprünglich erste Hälfte 18. Jh., 1965 abgebrochen und neu erstellt.

Ausstattung

Gemauerter Blockaltar mit einem hölzernen, barocken Altaraufsatz (1645). Kleines, von Bibelworten gerahmtes Abendmahlsbild im Zentrum; Bekrönung durch drei Vollfiguren (Johannes der Täufer, Moses und Christus als Triumphator). Die Figuren stammen wohl von Jürgen Heitmann aus Otterndorf. – Sechsseitige Kanzel (Mitte 17. Jh.), mit drei Evangelistenfiguren, vermutlich ebenfalls von Jürgen Heitmann dem Jüngeren – Taufstein mit achteckigem Sandsteinbecken auf hölzernem Sockel und Schaft; farbig gefasst (vor 1794). – Opferstock (1671).

Orgel

Neubau von Johann Georg Wilhelmy (Stade, 1842), 18 II/P, ursprünglich für die Kirche in Neuenkirchen, Amt Blumenthal, bestimmt, dort aber nicht aufgestellt, sondern erst nach Bederkesa, dann nach Elmlohe verkauft (dort seit 1862 in der Kirche).5 1902 Umbau durch Heinrich Röver (Stade). 1931/32 Renovierung und Einbau eines elektrischen Gebläses durch P. Furtwängler & Hammer (Hannover). 1954 Renovierung und teilweisen Umbau durch Paul Ott (Göttingen), 16 II/P, mechanische Traktur, Schleifladen. Die Veränderungen im Sinne der Orgelbewegung geschahen auf Anregung von KMD Alfred Hoppe. 1964 weiterer Umbau durch die Firma Ott. 2002/03 Restaurierung und teilweise Neudisponierung durch die Orgelbauwerkstatt Martin ter Haseborg (Südgeorgsfehn), 16 II/P (HW, NW), mechanische Traktur, Schleifladen. – Seit 1954 unter Denkmalschutz.

Geläut

Zwei LG, I: b’ (Bronze, Gj. 1953, Gebrüder Rincker, Sinn); II: des’’ (Bronze, Gj. 1733, Lorenz Oehmann, Otterndorf).

Friedhof

Eigentum der KG. Ursprünglich bei der Kirche, jetzt am nordöstlichen Ortsrand (Friedhofstraße).

Landeskirchliches Archiv Hannover

A 2 Nr. 442–454 (Kons. Stade, Pfarroffizialsachen); A 6 Nr. 2187–2192 (Pfarrbestallungsakten); A 8 (CB); A 9 Nr. 2626–2627 (Visitationen); D 63 (EphA Wesermünde-Nord).

Literatur

A: 50 Jahre KK Wesermünde-Nord, S. 31–33; Aye/Kronenberg, Taufbecken, S. 103 f., Nr. 93; Böker, Denkmaltopographie Lkr. Cuxhaven, S. 189 f.; Diederichs-Gottschalk, Schriftaltäre, S. 247–251; Kiecker/Lehe, KD Kr. Lehe, S. 91–95.
B: Johannes Göhler: Die Gründung der Liebfrauenkirche zu Elmlohe, Elmlohe 1996; Johannes Göhler: Die konfessionelle Machtprobe zwischen dem Bremer Rat und den Kirchenpatronen zu Elmlohe, in: JbGNK 105 (2007), S. 83–94; Raymond Sander: Elmlohe. Geschichte einer Grundherrschaft, Elmlohe 1981.

GND

5023618-0, Evangelische Kirchengemeinde (Elmlohe); 1213842581, Liebfrauenkirche (Elmlohe)


Fußnoten

  1. Düring, Adelssitze Kr. Wesermünde, S. 206 f.
  2. Rüther, Hadler Chronik, Nr. 151.
  3. Göhler, Wege, S. 239.
  4. Goldbach, Protagonisten.
  5. LkAH, L 5g, Nr. 161 (Visitation 1953, Alfred Hoppe, Orgelbericht, 24.02.1953).