Sprengel Hannover, KK Laatzen-Springe | Patrozinium: Alexander | KO: Calenberger KO von 1569

Orts- und Kirchengeschichte

Eldagsen (seit 1974 Stadtteil der Stadt Springe) ist Ende des 11. Jh. in der Fundatio ecclesie Hildensemensis erstmals sicher belegt. Die Nennung im Zuge der Einsetzung des Bf. Gunthar durch Karl den Großen (796) gilt als ebenso zweifelhaft wie die in den Corveyer Traditionen 826/876.1 Bedeutung erlangte Eldagsen als Herrschaftszentrum der Gf. von Hallermunt, die dem Ort schon im 13. Jh. mit Stadt- und Marktrecht ausstatteten. 1255 werden die Einwohner als cives bezeichnet. 1282 erscheint Eldagsen als villa, 1315 als oppidum. Für das Jahr 1302 ist eine Ratsverfassung überliefert. 1366 kam die Stadt durch Kauf in welfischen Besitz (Amt Calenberg).
Wenngleich Eldagsen nachweislich schon im 8. Jh. über einen Sakralbau verfügte, wurde die Parochie wohl erst kurz vor 1068 von der Mutterkirche in Elze losgelöst.2 Auffällig ist das seltene (aber erst 1479 nachgewiesene) Alexanderpatrozinium. Reliquien des heiligen Alexander wurden 851 von Rom nach Wildeshausen bei Oldenburg überführt. Die um 1200 als Vögte des Alexanderstifts Wildeshausen amtierenden Gf. von Oldenburg gehörten zu den Erben der Gf. von Hallermunt. Spätestens durch diese wurde das Alexanderpatrozinium der Kirche in Eldagsen verliehen.3
1324 wurde die Kirche durch den Hildesheimer Bf. Otto II. im Tausch gegen das Patronatsrecht der Kirche in Nordstemmen dem Kloster Wülfinghausen inkorporiert.4 1410 schenkt Gf. Otto von Hallermunt Propst und Konvent des Klosters Wülfinghausen sowie dem Katharinenaltar in der Kirche zu Eldagsen sieben Hufen Land, drei Höfe und drei Wiesen mit allem Zubehör in Dierssen.5 Friedrich von Jeinsen richtete 1427 mit Zustimmung des Klosters Wülfinghausen eine Vikarie in der Kirche ein, deren Patronat den von Jeinsen zustand.6 Vorref. Geistliche waren: Johannes (sacerdos, um 1240)7; Heinrich (plebanus, 1250/51)8; Nikolaus (sacerdos, 1251)9; Heinrich (sacerdos, 1264); Henricus (plebanus, 1277)10; Theodolf (viceplebanus, 1297)11; Henricus (plebanus, 1289)12; Siegfried (plebanus/rector ecclesiae, 1302), Lippold von Steinberg (1324; verzichtet 1332 und bittet Volrad von Dreileben als Archidiakon, dem Propst von Wülfinghausen die Seelsorge zu übertragen); Albert Hesse (ab 1332)13; Heinrich Folseke (kerchere to Eldaghessen)14; Johannes Koppernagel (Priester, 25. November 1455, überlässt mit seiner Schwester Grete dem Rat der Stadt Eldagsen ihr Haus15); Diedrich Kothen (Vikar, um 1470/72)16; Diepmar Schumacher (kerchere)17 Henning Wegener, Sohn des Henning, Priester in Eldagsen (1497).18
Die Reformation wurde im Zuge der Generalvisitation des Anton Corvinus im Fsm. Calenberg 1542/43 eingeführt. Als erster luth. Prediger erscheint Bernhard Lange, zuvor Sazellan an der Aegidienkirche in Hannover, der von Anton Corvinus 1543 nach Eldagsen berufen, später aber wieder vertrieben wurde, als er sich weigerte, das Interim zu unterschreiben. Er war danach P. in Kirchrode. Auch sein Nachfolger Johannes Varenholz (amt. 1547-1550) musste wegen Nichtanerkennung des Interims die Pfarre verlassen. Die Pfarrbesoldung wird im Visitationsbescheid als „gering“ bezeichnet. Der Vikar des St.-Katharinen-Lehens sollte dem P. zur Seite stehen und nach dem Tod des amtierenden Vikars die Vikarie in eine Kaplanei umgewandelt werden.19 Die Maria-Magdalenen-Vikarie, 1543 mit dem Vikar Bernhard Münch besetzt, der das luth. Bekenntnis annahm und heiratete, wurde nach seinem Tod aufgehoben und das Vermögen zu Schule und Küsterei gelegt.
Während die Stadt durch die Hildesheimer Stiftsfehde verschont blieb, wurde sie im Dreißigjährigen Krieg 1626 fast vollständig niedergebrannt. Auch Kirche und Pfarrhaus wurden zerstört. Die Primariatpfarre wurde 1642 wieder aufgebaut (Neubau 1816/17). 1643 überließ Hzg. Christian Ludwig dem Rat der Stadt das zweite Pfarrhaus.
Eldagsen war Standort des 1437 durch den Wittenburger Prior Rembert gegründeten Augustinerinnenklosters Marienthal, das 1647 säkularisiert wurde. Die Klostergebäude wurden der Stadt übereignet, zuletzt als Schule genutzt und 1821 zugunsten eines Schulneubaus abgebrochen. Die ehemalige Priesterwohnung des Klosters diente im Dreißigjährigen Krieg zeitweilig als Pfarrhaus.
Nach dem Zweiten Weltkrieg vergrößerte sich die Gemeinde durch den Zuzug von Ostvertriebenen, die 1946 einen eigenen Vertreter im KV erhielten. 1953 umfasste die Gemeinde 3.670 Gemeindeglieder (gegenüber 370 Katholiken).20 Eine kath. Gemeinde bildet sich 1947 und nutzte die St.-Alexandri-Kirche bis zum Bau eines eigenen Gotteshauses (Allerheiligenkirche, 1959) mit. 1976 wurde das Pfarrhaus der Unterpfarre verkauft. Im Wirtschaftsgebäude auf dem Pfarrgrundstück wurde im gleichen Jahr ein Jugendraum eingerichtet.

Pfarrstellen


I: Vorref.: – II: 1583 erstmals erwähnt, seit 1597 mater combinata von Alferde.21 Die zweite Pfarrstelle war, ab 1920 unbesetzt und wurde ab 1925 durch den Inhaber der ersten Pfarrstelle mitversehen (besteht nicht mehr).

Umfang

Die Stadt Eldagsen (mit der Nonnenmühle), die Dörfer Holtensen (KapG) und Alferde (mit der Unterpfarre verbunden) sowie die Holzmühle im Hallerbruch. Mit dem 1. April 1932 wurde die KapG Holtensen aus der KG Eldagsen (Oberpfarre) in die KG Wülfinghausen umgepfarrt.22

Aufsichtsbezirk

Eldagsen war ab etwa 1075 Mittelpunkt eines Archidiakonats, dessen Bann nur die Pfarrei Eldagsen mit den zugehörigen Außendörfern Alferde, Holtensen und Wülfinghausen sowie die später abgegangenen Dörfer Dißerßen, Everdagsen, Harboldessen, Hoyssen, Kovingen, Lotbergen, Quickborn und Remmesen umfasste. – Nach der Reformation war Eldagsen zunächst der LSuptur. des Fsm. Calenberg unter Antonius Corvinus unterstellt (ab 1542). Im Zuge der Neuorganisation der kirchlichen Aufsichtsbezirke im Fsm. Calenberg kam es 1589 zur Insp. (1924: KK) Jeinsen. Nach Aufhebung des KK Jeinsen zum 1. Oktober 1926 in den KK Pattensen eingegliedert (1. Januar 1972 in KK Laatzen-Pattensen, 1. Januar 2001 in KK Laatzen-Springe umbenannt).

Patronat

Ursprünglich der Dompropst zu Hildesheim, ab 1324 das Kloster Wülfinghausen (für die erste Pfarrstelle, für die zweite Pfarrstelle später das Kloster Wülfinghausen gemeinsam mit den von Eldagsen, seit 1583 belegt). 1889 wurden die Patronatsrechte des Klosters bzw. der Klosterkammer aufgehoben.

Kirchenbau

Durch archäologische Grabungen in den 1960er Jahren konnte ein erster Kirchenbau (hölzerne Pfostenkirche) auf die Zeit um 775 datiert werden. Die Edelherren von Völksen-Heusen ließen um 1180 eine dreischiffige, flachgedeckte, romanische Querhausbasilika errichten. Um 1350 wurde für eine Verbreiterung des Kirchenraums das gesamte südliche Seitenschiff einschließlich der bereits vorhandenen Seitenkapellen neu errichtet und die Kirche eingewölbt, 1479-88 die bisherige Hauptapsis um den Ostchor mit Rippengewölbe und 5/8-Schluss erweitert, um Raum für den Marienaltar zu schaffen. Eine noch vor dem Umbau von 1350 angebaute Katharinenkapelle in der südlichen Nebenapsis wurde nach der Reformation zur Sakristei umgestaltet. Nach einem Brandschaden (1626) wurde die Kirche zunächst nur notdürftig repariert. Das Langhaus wurde 1698/99 als barocker Saalbau aus verputztem Bruchsteinmauerwerk unter Satteldach erneuert. Vom gotischen KGb blieben nur der Chor und die Sakristei erhalten. Die Längswände des Schiffs werden durch je vier rundbogige Sprossenfenster und dazwischenliegende Strebepfeiler gegliedert. Den Innenraum teilt eine doppelgeschossige Emporenanlage in drei Schiffe. Über dem Mittelschiff erhebt sich ein hölzernes Tonnengewölbe. Die Seitenschiffe sind flachgedeckt. Ein 1921 angebrachtes neoklassizistisches Gefallenenehrenmal in der Kirche wurde zwischen 1963 und 1966 entfernt. Innenrenovierung 1838 und 1963-66.

Turm

Massiver Westturm auf quadratischem Grundriss mit eingezogener, kupferverkleideter Glockenstube (1673 nach der Brandzerstörung von 1626 wiedererrichtet) und ins Achteck überführtem, pyramidenförmigem Helm (1678). Bekrönung durch Kugel und Hahn.

Grablege

Die Kirche war Erbbegräbnis der Edelherren von Völksen-Heusen, später auch der Familien von Jeinsen und von Wedemeyer (seit 1603 bzw. 1679). Die zweigeschossige Wedemeyersche Gruft und Prieche wurden im Zuge des Wiederaufbaus des Schiffs 1704 eingebaut.

Ausstattung

Gemauerter Stipes mit Sandsteindeckplatte. Reliquiengrube. Spätgotischer Marienaltar (Flügelaltar, um 1480, in den 1860er Jahren durch den Bildhauer Dopmeyer restauriert). In Schrein und Flügeln Reliefs der Jugendgeschichte Christi, der Passion und der Mariengeschichte. Im Zentrum die Kreuzigung. Innerhalb der Predella eine Nische mit plastischer Abendmahlsgruppe von Daniel Bartels (Hildesheim, 1689). Vor der Wiederaufstellung des Flügelaltars in den 1860er Jahren hatte die Kirche einen barocken Kanzelaltar von Bartels (1689). – Neugotische Kanzel nach Entwurf von Conrad Wilhelm Hase (1864) mit barocken Halbfiguren Christi und der vier Evangelisten in den Kanzelfeldern (von Daniel Bartels, Hildesheim). – Achteckige, pokalförmige Sandsteintaufe. Auf der Kuppa Fruchtgehänge und Engelsköpfe (1651), darin eine Messingschale von 1652 (Stiftung des Bürgermeisters Reinhardt Plate). Ein mittelalterlicher Taufstein, der wohl nach dem Brand 1626 beseitigt worden war, wurde nach Rückgabe an die KG 2014 in der Turmhalle aufgestellt. – Sakramentshäuschen an der südöstlichen Chorschräge (dat. 1488, im 19. Jh. restauriert und ergänzt).23 – Romanischer Opferstock (um 1100). – Wedemeyersches Epitaph (zweite Hälfte 16. Jh.); Epitaph für Johann von Jeinsen († 1602). – Mehrere Grabsteine, u. a. für Ludolph von Jeinsen († 1564 oder 1565), Braunschweig-Lüneburgischer Hofmarschall; Ludwig von Jeinsen († 1616); P. Johannes Hermanni († 1690); P. Bruno Meier († 1712) [1941].

Orgel

Eine Orgel von Heinrich Quedenbaum wird 1636 in den Akten der Suptur. erwähnt. Nach Abbruch und Verkauf des alten Werks (Verbleib unbekannt) 1748 Neubau. 1806 Instandsetzung durch Ernst Gottlieb Henke (Fischbecker Landwehr), 16 II/P (HW, BW), mechanische Traktur, Schleifladen.24 1853/54 Neubau durch P. Furtwängler (Elze), 22 II/P, mechanische Traktur, Schleifladen. Ab 1953 Restaurierung. 1967 von Hermann Hillebrand (Altwarmbüchen) erneuert. 22 II/P, mechanische Traktur, Schleifladen.

Geläut

Drei LG, I: cis’ (Bronze, Gj. 1644, Heinrich Quenstaedt, Hildesheim); II: gis’ (Bronze, Gj. 1620, Diderich Mende, Hildesheim; ursprünglich in Hastenbeck, 1628 durch Hzg. Friedrich Ulrich von Braunschweig-Wolfenbüttel der Gemeinde in Eldagsen geschenkt); III: h’ (Bronze, Gj. 1926, Franz Schilling, Apolda). – Zwei SG, I: gis’’ (Eisen, Gj. 1878, Firma Bartels, Hildesheim); II: cis’’’ (um 1200/13. Jh.). – Früherer Bestand: Bei der Zerstörung der Stadt durch die Truppen der kath. Liga wurden die vorhandenen Glocken beschädigt. 1628 schenkt Hzg. Friedrich Ulrich von Calenberg der Gemeinde eine Glocke (heute LG II). 1644 Neuguss von zwei Glocken durch Heinrich Quenstaedt (Hildesheim) aus einem Teil der 1626 geschmolzenen Glocken. Die kleinere der beiden Glocken von 1644 wurde 1917 zu Rüstungszwecken abgeliefert. 1936 Neuguss einer Bronzeglocke durch die Firma Schilling & Söhne (ApoldaFriedhof

Ursprünglich auf dem Kirchplatz. Nach Vollbelegung des alten Begräbnisplatzes legte der Magistrat 1826 an der Kleinen Wolfskuhle im Süden der Stadt einen neuen Friedhof an, der 1847 erweitert wurde. Auf Betreiben einer Interessengemeinschaft für die Anlage von Erbbegräbnissen kaufte die KG 1905 ein Grundstück für eine erneute Erweiterung. Der gesamte Friedhof wurde nach 1977 an die KG übereignet. Die FKap wurde durch die Stadt Eldagsen errichtet und steht jetzt in Trägerschaft der Stadt Springe.

Landeskirchliches Archiv Hannover

A 1 Nr. 2915-2965 (Pfarroffizialsachen); A 5 Nr. 548 (Spec. Landeskons.); A 6 Nr. 2143-2154 (Pfarrbestellungsakten); A 9 Nr. 602-604 (Visitationen); D 13 (EphA Laatzen-Pattensen).

Literatur

A: Aust/Benne u. a., Kirchen, Klöster Kapellen, S. 205 f.; Aye/Kronenberg, Taufbecken, S. 103, Nr. 92; Dehio, Bremen/Niedersachsen, S. 436 f.; Hannig, Denkmaltopographie Lkr. Hannover, S. 269; Jäger, Orgeln, S. 51-58; Jürgens u. a., KD Kr. Springe, S. 44-56; Sommer, Anfänge Kirchenbau, S. 68-74.
B: S. Agostinetto, Tobias Poremba und Friedrich-Wilhelm Wulf: Die archäologische Untersuchung an der St. Alexandri Kirche in Eldagsen im Jahre 2013, in: Springer Jahrbuch 2014, S. 17-26; Aus der Geschichte der Stadt Eldagsen, [Springe 1984]; Friedrich-Wilhelm Wiegmann: Aus der Geschichte und dem Leben der Alexandri-Kirche zu Eldagsen, in: 450 Jahre Reformation im Calenberger Land, [Laatzen 1992], S. 89 f; Friedrich-Wilhelm Wiegmann: 1200 Jahre St. Alexandri zu Eldagsen und St. Nicolai zu Alferde, [Eldagsen 1996].


Fußnoten

  1. Agostinetto u. a., S. 18.
  2. Huck, Archidiakonat Elze, S. 9.
  3. Wiegmann, Geschichte, S. 89.
  4. Cal. UB XI, Wülfinghausen I, Nr. 92.
  5. Cal. UB XI, Wülfinghausen II, Nr. 385.
  6. Cal. UB XI, Wülfinghausen II, Nr. 450.
  7. UB HS Hildesheim II, Nr. 609; Cal. UB XI, Wülfinghausen I, Nr. 10.
  8. UB HS Hildesheim II, Nr. 857.
  9. UB HS Hildesheim II, Nr. 857.
  10. Cal. UB XI, Wülfinghausen I, Nr. 51.
  11. Cal. UB XI, Wülfinghausen I, Nr. 61.
  12. Lüntzel, Ältere Diöcese Hildesheim, S. 244.
  13. Cal. UB XI, Wülfinghausen I, Nr. 117.
  14. Cal. UB XI, Wülfinghausen II, Nr. 393.
  15. Cal. UB XI, Wülfinghausen II, Nr. 523.
  16. Ohainski, Lehnregister, S. 103.
  17. Cal. UB XI, Wülfinghausen II, Nr. 646 u. 657.
  18. UB Wittenburg, Nr. 173.
  19. Kayser, Kirchenvisitationen, S. 597.
  20. LkAH, L 5a, Nr. 89 (Eldagsen, Visitation 1953).
  21. Meyer, Pastoren I, S. 246.
  22. KABl. 1932, S. 85.
  23. Müller, Sakramentsnischen, E 82.
  24. LkAH, D 13, Nr. 982.