Sprengel Lüneburg, KK Uelzen | Patrozinium: Maria | KO: Lüneburger KO von 1643

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Orts- und Kirchengeschichte

Ort in der Lüneburger Heide, 1148 erstmals urkundlich erwähnt (Fsm. Lüneburg, Amt Bodenteich). 1972 wurden die Ortschaften Dreilingen, Ellerndorf und Wichtenbeck eingemeindet. Eimke ist Teil der Samtgemeinde Suderburg im Lkr. Uelzen.
Das KGb entstand vermutlich Anfang des 14. Jh. an der Stelle einer älteren, dem Kloster Ebstorf zugehörigen Kapelle.1 Nachrichten über Kirche und Geistliche in Eimke liegen seit der zweiten Hälfte des 14. Jh. vor. Am 9. Februar 1369 erscheint Johann Ostermann als kerkhere to Eymbeke. 1369/70 bezog der rector in Eynbeke Salz von der Lüneburger Saline. 1374 war Hinricus rector ecclesie in Emybeke.2 Hinricus de Verda rectori parochialis Ecclesie in Embeke kaufte 1381 vom Kloster Isenhagen ein halbes Chor Salz in der Saline zu Lüneburg (dimidium chorum salis in salina Luneborgh, auch 1385 und 1386 genannt, dort jeweils unum chorum).3 1391 war Heinrich von Wienhausen Kirchherr (erscheint 1397 als Her Hinrike van Eymbeke, de nu provest is to Wynhusen; noch 1400 genannt). 1429 war der Isenhagener Propst Ludolf Kirchherr.4 1527 führte Ernst der Bekenner die Reformation im Fsm. Lüneburg ein. Als erster luth. Geistlicher wird 1534 Arnoldus Kluß genannt.5 Zwischen 1568 und 1594 erwarb Friedrich von Weyhe (seit 1573 Kanzler des Fsm. Lüneburg, † 1603) u. a. eine Mühle und mehrere Höfe in Eimke und wurde mit dem so entstandenen Rittergut Eimke belehnt.6 Seine Nachkommen üben seither das Patronatsrecht über die Kirche aus.
Das Pfarrhaus brannte 1727 nieder und wurde wenig später neu errichtet (1905 durch einen Neubau nach Plänen von Wilhelm Matthies, Bardowick, ersetzt; April 1945 erneut abgebrannt, danach in alter Form wieder aufgebaut). Friedrich von Weyhe stiftete 1578 dem Pfarrwittum in Eimke eine Kote nebst Garten, Hof und Wiese. Das Pfarrwitwenhaus wurde 1873 durch Brand zerstört und nicht wieder aufgebaut.
Im 19. Jh. hatte die Hermannsburger Erweckungsbewegung großen Einfluss auf die Gemeinde. Die P. Zimmermann (amt. 1824–1823) und Habenicht (amt. 1892–1929) bemühten sich auch um die Hebung der Volksbildung. Zimmermann veröffentlichte ein zweibändiges Werk „Die Volksschule“, Habenicht setzte sich bei der Suptur. für die Einrichtung einer ländlichen Fortbildungsschule in Eimke ein. Das Projekt scheitert allerdings am fehlenden Interesse in der Gemeinde.7
Angesichts zurückgehender Gemeindegliederzahlen (1970: 1.038; 1976: 998; 1982: 964; 1988: 915; 1994: 849) war der Bestand der KG zeitweise gefährdet. Die Pfarrstelle wurde 1979 vakant. Seitens des LKA gab es Bemühungen um eine pfarramtliche Verbindung mit dem benachbarten Gerdau. Sie wurden jedoch nicht umgesetzt und stattdessen in Eimke eine Pfarrstelle mit eingeschränktem Dienstauftrag eingerichtet.

Umfang

Die Dörfer Brambostel, Dreilingen, Eimke, Wichtenbeck und Ellerndorf. Das heute ebenfalls zu Eimke gehörige Landgut Niebeck wird 1823 noch unter der Parochie Gerdau geführt.8 Der Gutsbezirk „Gut Mitte“ wurde mit dem 1. April 1926 aus der KG Eimke in die KG Eschede umgepfarrt.9

Aufsichtsbezirk

Vor 1408 zur Propstei Ebstorf der Diözese Verden.10 – Nach der Reformation (wohl ab 1531) zur Insp. Ebstorf, 1799 zu Uelzen, 1804 wieder zur Insp. (1924: KK) Ebstorf.11 Mit der Aufhebung des KK Ebstorf zum 1. Oktober 1947 in den KK Bevensen-Ebstorf/Bevensen. Seit 1975 KK Uelzen.

Patronat

Die Hzg. von Braunschweig und Lüneburg. Seit 1602 die von Weyhe als Besitzer des Ritterguts Eimke.12

Kirchenbau

Einschiffiger Saalbau aus Feldstein, teilweise Ziegelmauerwerk, mit 5/10-Schluss. Erbaut Anfang 14. Jh., im 19. Jh. an der Südseite erneuert und 1866 mit einer flachen hölzernen Segmenttonne neu eingewölbt. Renovierung 1969/70 unter der Leitung des Architekten Grundmann (AfBuK). Die Patronatsprieche mit Gitterwerk und Schnitzarbeiten wurde unter Wilhelm von Weyhe (1615) eingebaut und 1677 erweitert.

Fenster

Im Chorraum zwei Bildfenster in Grisailletechnik von Renate Strasser aus Bielefeld (Weihnachts- und Osterfenster, 1967).

Turm

Im Westen auf einem Sockelmauerwerk aus Feldsteinen ein verbretterter Fachwerk-Glockenturm mit Pyramidendach (nach 1618).

Grablege

Die Kirche war Erbbegräbnis der Familie von Weyhe.

Ausstattung

Aus Ziegeln gemauerter Blockaltar mit Sandsteinmensa. Darauf ein ehemaliger Reliquienschrein des frühen 14. Jh. mit Resten gemalter Heiligenfiguren (hinter schützenden Holzklappen), der Schrein dient als Predella eines dreiflügeligen Schnitzaltars (Lüneburger Arbeit, um 1420/30). 1900 abgebaut. Im Jahre 1936 restaurierte Friedrich Buhmann (Hannover) die einzelnen Teile und stellte sie mit den alten Altarfiguren und acht Apostelfiguren zu einem Reihenaltar mit Marienkrönung neu zusammen.13 Von 1901 bis 1936 befand sich in der Kirche ein neugotisches Altarretabel, gestiftet von Patron Carl Friedrich Theodor von Weyhe. – Die Kanzel (1615), gestiftet von Wilhelm von Weyhe, wurde 1891/92 auf Veranlassung von Carl von Weyhe grundlegend überarbeitet. – Taufstein, wohl aus dem Fuß einer alten Steinkanzel oder eines Weihwasserbeckens (17. Jh.). – Vesperbild (Pietà), aus Lüneburg, 14. Jh., nach anderen Angaben vielleicht erst Anfang 15. Jh. 1937 renoviert und im alten Gehäuse an der Westwand der Kirche unter der Orgelempore der Kirche angebracht.14 – In den Bögen über den Türen in der Süd- und Nordwand Malereien von Rudolf Schäfer (Rotenburg an der Wümme), um 1934/35, Gleichnis vom Sämann; Prophet Hesekiel.

Orgel

Neubau 1870 durch Firma Folkert Becker (Hannover), 11 (früher 9) I/P, mechanische Traktur, Schleifladen. 1996 Restaurierung durch Firma Rietzsch (Hiddestorf).

Geläut

Eine LG: f’ (Bronze, Gj. 1888, J. J. Radler, Hildesheim). – Eine SG in b’’ (Bonze, um 1900?). – Früherer Bestand: Die älteste LG war wohl 1629 durch den Lüneburger Glockengießer Pawel Vos gegossen worden, ist 1888 zersprungen und wurde noch im gleichen Jahr durch J. J. Radler & Söhne (Hildesheim) umgegossen (jetzt LG I). Eine zweite Bronzeglocke war bereits 1882 ebenfalls bei Radler gegossen worden.15

Friedhof

Ursprünglich auf dem Kirchhof (1878 geschlossen). 1876 Neuanlage am südlichen Ortsrand (Schmarbecker Weg). In Trägerschaft der KG. FKap (Bj. 1968/71, Architekt: Grundmann, AfBuK). – 1958 Anlage eines eigenen Friedhofs in Dreilingen (heute in Trägerschaft der Samtgemeinde Suderburg, FKap 1958).

Landeskirchliches Archiv Hannover

A 1 Nr. 2728–2752 (Pfarroffizialsachen); A 5 Nr. 196 (Spec. Landeskons.); A 6 Nr. 2047–2053 (Pfarrbestallungsakten); D 39 (EphA Bevensen-Ebstorf).

Literatur

A: Brüning/Harnack/Weber, Friedhöfe, S. 69–72; Lucka, Denkmaltopographie Lkr. Uelzen, S. 123; Funke/Fricke, Pastoren KK Uelzen, S. 89–94; Mithoff, Kirchen und Kapellen Lüneburg, S. 373; Poser, Schäfer, S. 194.
B: Rolf Hillmer: Geschichte der Gemeinde Eimke, Uelzen [1993]; Hans Mahrenholtz: Die Familie von Weyhe (Kanzlerfamilie), Hannover 1960 [Typoscript]; Adolf Meyer-Immensen: Das von Weyhesche Kirchenpatronat, in: Der Heidewanderer 78 (2002), S. 101–106; Paul Schäffer: Das mittelalterliche Vesperbild und die zwei noch vorhandenen Werke in Eimke und Ebstorf, in: Heimatkalender für Stadt und Kreis Uelzen 1928, S. 95–100.

Vielen Dank an Carl-Christian von Weyhe für hilfreiche Anmerkungen zu diesem Artikel.


Fußnoten

  1. Zum Kloster Ebstorf vgl. Dolle, Klosterbuch I, S. 351 ff. und http://www.landesgeschichte.uni-goettingen.de/kloester/website/artikel.php?id=188, 25.05.2020.
  2. Lüneburger UB VI, Lüne, Nr. 372.
  3. Lüneburger UB V, Isenhagen, Nr. 332, 352 und 356.
  4. Lüneburger UB V, Isenhagen, Nr. 428.
  5. Kayser, Kirchenvisitationen, S. 569, Anm. 1296.
  6. Mahrenholtz, S. 1.
  7. Hillmer, S. 100 f.
  8. Ubbelohde, Repertorium, IV Abt., S. 16.
  9. KABl. 1926, S. 31.
  10. Hammerstein-Loxten, Bardengau, S. 454.
  11. Funke/Fricke, Pastoren KK Uelzen, S. 13.
  12. 1602 Verleihung des Lehnsbriefs an Friedrich von Weyhe und seinen Sohn Wilhelm. Vgl. Hillmer, S. 232; Meyer-Immensen, S. 101–106.
  13. Schäffer, Schnitzaltäre, S. 27–29.
  14. Schäffer, S. 95–100; Schäffer, Schnitzaltäre, S. 100 f.
  15. Strasser, Glocken Uelzen III, S. 56.