Sprengel Hildesheim-Göttingen, KK Harzer Land | Patrozinium: Petrus | KO: Calenberger KO von 1569

Orts- und Kirchengeschichte

Düderode ist seit 1974 Ortsteil der Gemeinde Kalefeld. Das Dorf entstand im 10. Jh. als frühe Rodungssiedlung und wird 1055 als Dudiggeroth in der Gründungsurkunde des Stifts Nörten erstmals erwähnt (dem Stift wurden durch die Mainzer Kirche Zehntrechte in Düderode übertragen).1 1245 wurde Hermann von Oltwershusen (Oldershausen) von dem Edelherrn Gottschalk von Plesse mit der Gft. Düderode samt Vogtei und Halsgericht belehnt.2 1360 übertrug das Stift Gandersheim den Zehnten zu Düderode an die von Oldershausen. Als Teil der Gft. bzw. des Amts Westerhof wurde Düderode um 1302 von den von Oldershausen an das Bm. Hildesheim veräußert und als Lehen an die von Oldershausen zurückgegeben. Im Quedlinburger Rezess (1523) fiel das Amt Westerhof an Braunschweig-Wolfenbüttel, 1651 an Calenberg-Göttingen.

Kirche, Ansicht von Südosten, 1950

Kirche, Ansicht von Südosten, 1950

Die Kirche ist vermutlich eine Gründung des Marienklosters in Gandersheim. Ihr Alter bzw. das Jahr der Erhebung zur Parochialkirche ist unbekannt. Als Geistliche werden in einer Schenkungsurkunde der von Oldershausen 1299 Ludolfus rector ecclesie in Dudingerode und sein socius Johannes als Zeugen genannt. Die Reformation wurde 1542 nach der Vertreibung Heinrichs des Jüngeren durch die Truppen des Schmalkaldischen Bundes und nach vorübergehender Rekatholisierung endgültig mit dem Regierungsantritt Hzg. Julius (1568) eingeführt. Zur Zeit der Visitation von 1542 war Herman Mittentorff Pastor verus in Düderode.3
1920 wurde die KG mit der KapG Oldenrode vereinigt und am 1. April 1933 mit der KapG Wiershausen unter dem gemeinsamen Pfarramt in Düderode verbunden.4 In der NS-Zeit waren Gerhard Boes (P. coll., amt. bis 1933), P. Karl Rahn (amt. 1933-1939) und P. Peter Hartig (amt. ab 1939) in der Gemeinde tätig, letzterer vermutlich BK-Mitglied. Volksmission und Bibelstunden bestanden nur bis 1933, Jugendarbeit bis 1944; eine Gemeindeschwester arbeitete noch bis 1946. Die ev. Schule wurde 1942 durch Beschluss des Schulvorstandes in Gemeinschaftsschule umgewandelt. Der Kirchenkampf hat sich in Gemeinde kaum ausgewirkt. 1945 erfolgte die Gründung einer gemeinsam mit den politischen Gemeinden finanzierten Gemeindestation. Seit 1970 gab es Planungen zum Bau eines Gemeindezentrums, die nicht umgesetzt wurden. Das 1816 mit Baumaterial eines kurz nach der Reformationszeit errichteten Vorgängerbaus erbaute Pfarrhaus (zweigeschossiger Fachwerkbau, denkmalgeschützt) wurde 1982 um einen Gemeinderaum erweitert und 1991/94 saniert.5 – Seit der Vereinigung der KG mit der KapG Oldenrode (1920) wurde der (zunächst nicht offizielle) Name Düderode/Oldenrode üblich. Erst 2014 beschloss der KV die Umbenennung in St.-Petri-KG Düderode-Oldenrode.6
Seit 1. November 2013 sind die KG Düderode, Eboldshausen, Echte, Wiershausen und Willershausen unter einem Pfarramt verbunden. Pfarrsitz ist Echte.

Umfang

Die Dörfer Düderode und Oldenrode sowie das Vorwerk Vogelsang und das Wirtshaus Neukrug.

Aufsichtsbezirk

Archidiakonat Nörten (Sedes Hohnstedt7) der Erzdiözese Mainz. – 1569 zur Suptur. Seesen der Generaldiözese Gandersheim; nach dem Übergang an das Fsm. Calenberg 1644 der Insp. Hohnstedt zugelegt. 1. Dezember 1868 wurde aus den Gemeinden des ehemaligen Amts Westerhof eine Insp. Kalefeld mit Sitz in Willershausen gebildet8 und 1874 in Insp. (1924: KK) Willershausen umbenannt. Nach der Aufhebung des KK Willershausen (1. Januar 1951) wurde Düderode in den KK Osterode eingegliedert.9 Seit 1. Januar 2013 zum KK Harzer Land.

Patronat

Vor 1260 (erstmals erwähnt) das Marienkloster in Gandersheim.10 Nach dessen Aufhebung (1568) zunächst das Pädagogium in Gandersheim, ab 1574 in dessen Nachfolge die Universität Helmstedt. Jobst Adam von Oldershausen bemühte sich 1717-19 erfolglos um Tausch des Patronats gegen das von Ellensen.11 Mit Schließung der Universität 1809 fiel es an den Landesherrn. 1819 tauschte Wilhelm Christian Ernst August Frhr. von Oldershausen als Besitzer der Güter Düderode und Vogelsang das Patronat über die Kirche, Pfarre, Opferei und Schule in Heckenbeck gegen das Patronat über Kirche und Pfarre in Düderode und Oldenrode.12 Das Patronat ist mit den Gütern Düderode und Vogelsang verbunden und noch im Besitz der von Oldershausen.

Kirchenbau

Die ältesten Teile der Kirche gehen auf einen romanischen Bruchsteinsaal zurück, der vielleicht im 11. Jh. begonnen und in gotischer Zeit nach Osten erweitert wurde. Der Altarraum ist auf 1578 datiert. Barocker Umbau um 1706/31 mit Vergrößerung der Fenster. Gewölbte Holzdecke, Gliederung des Raums durch eine u-förmige Empore. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Kirche nach Plänen von Ernst Witt erneuert. Letzte Renovierung des Innenraums 2008.

Turm

Der Turm ist im Sockel noch romanisch (vor 1400). Er wurde 1517 und 1578 umgebaut und mit einem ins Achteck überführten Spitzhelm versehen.

Grablege

An der Südseite des Altarraums ist die Grablege des Ludolph von Oldershausen angebaut (jetzt Sakristei), darüber in einem Fachwerkaufbau die Prieche der Familie von Oldershausen (1737).

Ausstattung

Barocker Kanzelaltar mit ornamentalen Schnitzereien (1731), in der Predella ein Abendmahlsrelief nach Leonardo da Vinci aus späterer Zeit. Unter der hölzernen Verkleidung des Altartischs befindet sich ein mehrfach erneuerter steinerner Unterbau. Die Mensa stammt möglicherweise noch aus romanischer Zeit – Schlichte, pokalförmige, achtseitige Taufe. – Grabplatten, u. a. für Catharina von Oldershausen, Domina im Kloster Wiebrechtshausen († 1561); die Kinder Caspar († 1569) und Ludolph Bartolt von Oldershausen († 1570); Ludolph von Oldershausen († 1646). Hinter dem Altar eine barocke Grabplatte für P. Heinrich Julius Frankenfeld († 1741). – Gedenktafeln für die Gefallenen der beiden Weltkriege.

Orgel

Orgel

Orgel

Auf der Westempore. Eine Orgel von 1822 wurde wegen Baumängeln nicht abgenommen. Neubau 1828/29 durch Balthasar Conrad Euler (Gottsbüren), 11 I/P, mechanische Traktur, Schleifladen. 1917 Ausbau der Prospektpfeifen. Laut Meldebogen von 1944 noch mit acht klingenden Reg., drei Schleifen vakant.13 1956 Instandsetzung und klangliche Umgestaltung durch die Orgelbauwerkstatt Paul Ott (Göttingen). 1989/90 Restaurierung und Wiederherstellung des Zustandes von 1829 durch Firma Alfred Führer (Wilhelmshaven), 11 I/P, mechanische Traktur, Schleifladen. Prospekt unter Denkmalschutz.14

Geläut

Drei LG, I: b’ (Bronze, Gj. 1972, Petit & Gebrüder Edelbrock, Gescher); II: des’’ (Bronze, Gj. 1766, J. Didrich Ziegner, Hannover); III: es’’ (Bronze, Gj. 1973, Petit & Gebrüder Edelbrock, Gescher). – Eine SG in g’’ (Bronze, wohl zweite Hälfte 12. Jh.).15 – Früherer Bestand: Von den drei Glocken ist die große 1851 gesprungen und wurde 1852 um- oder neu gegossen. Zwei Glocken wurden im Zweiten Weltkrieg abgeliefert. 1947 wurde die verbliebene Bronzeglocke von 1766 um eine Eisenhartgussglocke in a’ (Firma Weule, Bockenem), 1960 um eine Bronzeglocke in e’’ (Firma Wilhelmshütte, Bockenem) ergänzt. 1972/73 erfolgte die Beschaffung der beiden neuen Bronzeglocken, von denen die große ursprünglich für eine andere KG bestimmt war und dort wegen Dispositionsänderung nicht verwendet wurde.

Friedhöfe

Die KG unterhält zwei in der Nähe der Dörfer Düderode und Oldenrode gelegene Friedhöfe. Der Friedhof am Hoppenberg ersetzte ab 1846 den alten Friedhof auf dem Kirchhof. 1908 Anlage des heutigen Friedhofs auf der Abtbreite. FKap (Bj. 1967).

Landeskirchliches Archiv Hannover

A 1 Nr. 2414-2428 (Pfarroffizialsachen); A 6 Nr. 1852-1863 (Pfarrbestallungsakten); A 8 (CB); A 9 Nr. 489-492 (Visitationen); D 47 (EphA Osterode).

Literatur

A: Gemeindebuch KK Osterode, S. 8-10; Müller, Kalefeld, S. 15-26; Schäfer, Orgelwerke, S. 10; Schild, Denkmal-Orgeln I, S. 273-288.
B: 950 Jahre Düderode, Düderode [2005].


Fußnoten

  1. Mainzer UB I, Nr. 296.
  2. Hartmann, Oldershausen, S. 4.
  3. Kayser, Kirchenvisitationen, S. 204.
  4. KABl. 1933, S. 58.
  5. Müller, Kalefeld, S. 24-26.
  6. LKA, G 1/Düderode-Oldenrode.
  7. Kayser, Registrum II, S. 282.
  8. LkAH, D 45a, Gen. A Har 140.
  9. KABl. 1951, S. 5.
  10. Ahlhaus, Patronat, S. 38.
  11. LkAH, B 2 G 15/Ellensen (Frhr. von Oldershausen an LKA, 17.11.1959).
  12. LkAH, D 47 Spec. Düderode A 101; Hartmann, Oldershausen, S. 3.
  13. LkAH, B 2 G 9 B, Bl. 1.
  14. Schäfer, Klingende Denkmäler, S. 71.
  15. LkAH, B 2 G 9, Bl. 56a (Bericht Hardege, 09.06.1973).