Frühere Gemeinde | Sprengel Hildesheim-Göttingen, KK Leine-Solling | KO: Lüneburger KO von 1643

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Orts- und Kirchengeschichte

Dassensen wird Mitte des 13. Jh. als Dassenhusen erstmals urkundlich erwähnt.1 Um 1300 errichteten die Herren von Grube, Burgmannen auf dem herzoglichen Schloss zu Grubenhagen, dort einen Burghof, auf dem wohl zunächst eine Kapelle entstand. Aus ihr ging später die Pfarrkirche der selbständigen KG hervor. Geistliche aus vorref. Zeit sind aus Dassensen nicht bekannt.2 Offenbar war die Kirche schon damals als mater combinata mit der Kirche des später untergegangenen Kirchdorfs Rotenkirchen verbunden.

Kirche, Ansicht von Süden, 1953

Kirche, Ansicht von Süden, 1953

Auf Befehl Hzg. Philipps des Älteren von Braunschweig-Grubenhagen wurde am 6. Juli 1544 die Reformation eingeführt. Das Alexanderstift in Einbeck, dem das Kollationsrecht für die Pfarre zustand, berief 1544 als ersten luth. Geistlichen den bisherigen Stiftskaplan Johann Konrad Beck (bis 1549). Sein Nachfolger wurde Johann Redemeyer (Rodemeier; amt. 1549–1579). Die Verbindung mit Rotenkirchen, das als Witwensitz der Hzgn. Clara von Braunschweig-Grubenhagen 1589 wieder eine eigene Kirche erhielt, scheint zwischenzeitlich gelöst worden zu sein, war aber von 1674 bis 1816 erneut mater combinata von Dassensen. Die GD fanden abwechselnd in den beiden Kirchen statt. Erst 1816 wurde die Kirche in Rotenkirchen endgültig geschlossen und letzteres ganz nach Dassensen eingepfarrt. Die wichtigsten Ausstattungsstücke (Kanzel und Altar) kamen in die Kirche von Dassensen. Die Domäne Rotenkirchen war 1816 bis 1866 ein bevorzugter Aufenthaltsort der königlichen Familie, die dann die GD in Dassensen besuchte. Kg. Georg V. stiftet der Kirche in Dassensen 1850 eine Orgel.
Wohl schon vor der Reformation war Dassensen auch mit Wellersen verbunden worden. 1618 kam es zu einem Prozess zwischen Gut und Dorf Wellersen einerseits und Dassensen andererseits um die Verselbständigung von Wellersen und Ausstattung mit einer eigenen Pfarrstelle. Das Amt Rotenkirchen entschied zugunsten einer Beibehaltung der pfarramtlichen Verbindung, doch wurde Wellersen 1650 doch noch von Dassensen abgetrennt, 1670 ihm wieder zugelegt. Von 1704 bis 1718 war Wellersen mater combinata von Markoldendorf. Seit 1718 ist es dauerhaft mit Dassensen verbunden. Mit einer einmaligen Ablösung kauften sich die Einwohner von Wellersen jedoch von den Baulasten frei.
Das KGb wurde vor 1598 neu aufgeführt und 1598 um einen Turm ergänzt. Ob es durch die Plünderungen der kaiserlichen Truppen 1626 in Mitleidenschaft bezogen wurde, ist unklar. Jedenfalls wurde der Bau wohl um 1697 wegen Baufälligkeit erneuert, 1797/98 ganz abgebrochen und durch einen klassizistischen Neubau ersetzt.
Bemerkenswert unter den P. in Dassensen ist Christian Gottlieb Meyer (amt. 1783–1789), ein Sohn des aus Posen stammenden jüdischen Gelehrten Abraham Jakob Meyer, der nach seiner Taufe in den geistlichen Stand trat.
P. Hanke (amt. ab 1934) sympathisierte zeitweilig mit den DC, brach mit ihnen aber nach dem Anschluss an die Thüringer DC. Aus dem KV schieden 1936 zwei NS-Mitglieder auf Betreiben der Partei aus. Der Kirchenkampf spielte im Übrigen in der Gemeinde keine Rolle. Die Jungmädchenarbeit wurde durchgehend geführt; Männer- und Frauenarbeit begannen 1935, die Männerarbeit wurde jedoch nach Kriegsausbruch wieder eingestellt. Gegen den Willen der Schulvorstände wurde die ev. Bekenntnisschule 1941 in eine Gemeinschaftsschule umgewandelt.
Durch Zuzug von Flüchtlingen kamen nach dem Zweiten Weltkrieg auch Katholiken nach Dassensen, denen für ihre GD zeitweilig die ev. Kirche zur Mitbenutzung eingeräumt wurde. Für die Gemeindearbeit wurde schon 1935 die ehemalige Pfarrscheune zum Gemeindesaal umgebaut und später auch für den Konfirmandenunterricht und als Winterkirche genutzt (weiterer Umbau 1981).
Die Zahl der Gemeindeglieder belief sich 1987 noch auf 784 (1994: 684). Mit dem 1. Februar 1998 wurden die KG Dassensen und Wellersen durch das Pfarramt St. Nicolai Einbeck mit der Ev.-luth. St.-Nicolai-KG Einbeck (Einbeck, Nicolai) verbunden.3 Zum 1. Januar 2009 wurden die KG Dassensen und Wellersen zur KG Dassensen-Wellersen vereinigt4 und unter dem gleichen Datum dem Ev.-luth. KG-Verband Einbeck angeschlossen.5

Umfang

Das Dorf Dassensen und die Domäne Rotenkirchen (jetzt Ortsteile der Stadt Einbeck).

Aufsichtsbezirk

Archidiakonat Nörten der Erzdiözese Mainz. – Nach der Reformation (1543) zur Insp. (1924: KK) Einbeck (1. Januar 2001 im KK Leine-Solling aufgegangen).

Patronat

Die Herren von Grube, nach deren Aussterben das Stift St. Alexandri in Einbeck.6 Um 1611 die von Wobermann; ab 1639 die von Dassel-Hoppensen. Nach 1741 lag das Patronatsrecht beim Landesherrn (bis 1871).

Kirchenbau

Fünfachsige, klassizistische Saalkirche mit im Osten abgewalmtem Dach. Im Innern wurde 1816 nach der Aufgabe der Kirche von Rotenkirchen eine dreiseitige Emporenanlage eingebaut. Der etwas erhöhte Chorraum wurde erst im Zuge einer grundlegenden Renovierung von 1956 angefügt. Dabei wurde auch der Eingang von der Süd- an die Westseite der Kirche verlegt. Eindeckung ursprünglich mit Sollingplatten, seit 1986/90 Ziegeldeckung.

Turm

Vierseitiger Dachreiter mit Schieferbehang im Westen. Bekrönung durch Kugel und Wetterfahne mit Kreuz.

Ausstattung

Blockaltar. Retabel aus der ehemaligen Schlosskapelle in Rotenkirchen, gestiftet 1725 durch den damaligen Amtmann Johann Philipp Dieterichs und seine Frau Anna Elisabeth, geb. Riepenhausen. 1816 abgebaut und in Dassensen zum Kanzelaltar umgestaltet. Altarbild mit Darstellung des heiligen Abendmahls. Als Bekrönung Christus mit der Siegesfahne. – Barocke Kanzel mit Schnitzfiguren, ebenfalls aus der Kapelle in Rotenkirchen. 1956 vom Kanzelaltar getrennt und frei im Raum aufgestellt. – Taufschale aus Zinn (1718), dazu ein achtseitiger Taufständer mit schlankem Schaft und flacher Kuppa (1935). – Grabstein des P. Johann Eimbeck (1617–1676) an der Westwand der Kirche.

Orgel

1850/51 Neubau durch Carl Giesecke (Göttingen), 7 I/P. 1911/12 Neubau des Werks, 8 I/P. 1952/54 Neubau des Werks durch Paul Ott (Göttingen), 14 II/P (HW, RP), mechanische Traktur, Schleifladen; neues Gehäuse für das RP, Pfeifenmaterial teilweise von 1911 (Faber & Greve, Salzhemmendorf). 1992 Instandsetzung und Neuintonation durch Martin Haspelmath (Walsrode). Der klassizistische HW-Prospekt des HW von Giesecke ist erhalten.

Geläut

Zwei LG, I: h’ (Bronze, Gj. 1878, J. J. Radler, Hildesheim); II: d’’ (Bronze, Gj. 1961, Gebrüder Rincker, Sinn). – Früherer Bestand: Beim Neubau der Kirche 1798 wurden zwei ältere LG von 1567 (kleinere Glocke, gegossen von Henrik Reuße7) und 1787 (unbekannter Gießer) übernommen. 1878 wurden beide durch neue LG von J. J. Radler ersetzt, von denen die größere im Ersten Weltkrieg eingeschmolzen wurde. Eine Ersatzglocke von 1935 wurde 1942 gleichfalls abgeliefert.

Friedhof

Eigener Friedhof ab 1841. Ursprünglich südlich der Kirche, Ende des 19. Jh. an den nordwestlichen Dorfrand (Am Anger) verlegt und 1926 erweitert. Eigentum der KG. FKap (Bj. 1965). – In Rotenkirchen befindet sich ein eigener Friedhof in Trägerschaft der Stadt Einbeck.

Landeskirchliches Archiv Hannover

A 1 Nr. 2087–2095 (Pfarroffizialsachen); A 6 Nr. 1646–1652 (Pfarrbestallungsakten); A 9 Nr. 427–430 (Visitationen); D 45b (EphA Einbeck); S 1 H III Nr. 411 (Kirchenkampfdokumentation).

Literatur

A: Dehio, Bremen/Niedersachsen, S. 377; Niklaus, KK Einbeck, S. 45–48; Wedekind, Inspektion Einbeck, S. 47–55.
B: 200 Jahre Kirche Dassensen 1798–1998, [Dassensen 1998].


Fußnoten

  1. Das gelegentlich angeführte Diseldashusen in den Corveyer Traditionen (Mönchslisten I, § 261; Mönchslisten II, S. 218) bezieht sich auf Delligsen, Lkr. Holzminden. Vgl. Casemir/Menzel/Ohainski, Ortsnamen Lkr. Northeim, S. 89.
  2. Meyer, Pastoren I, S. 184.
  3. KABl. 1998, S. 11.
  4. KABl. 2009, S. 91.
  5. KABl. 2009, S. 124.
  6. Nach Niklaus, KK Einbeck, S. 47.
  7. Wedekind, Inspektion Einbeck, S. 50.