Frühere Gemeinde | Sprengel Hildesheim-Göttingen, KK Holzminden-Bodenwerder | Patrozinium: Urban | KO: Calenberger KO von 1569

Orts- und Kirchengeschichte
Kirche, Ansicht von Nordosten, 1936

Kirche, Ansicht von Nordosten, 1936

Im oberen Wesertal. Brevörde war alter Besitz der Gf. von Everstein, kam 1408 an die Welfen und durch den Erbvertrag von 1495 an das Fsm. Calenberg (Amt Polle). – Ab 1973 zur Samtgemeinde Polle, seit 2010 Samtgemeinde Bodenwerder-Polle.
Wann Brevörde Pfarrort wurde, ist unklar. Das KGb datiert in seinen ältesten Teilen auf die Zeit um 1200 und wurde in der zweiten Hälfte des 18. Jh. erneuert. In vorref. Zeit hatte die Gemeinde einen eigenen Geistlichen. 1263 wird der Priester Sifridus de Bredenuorde genannt, 1298/1319 Arnoldus plebanus de Bredenvorde. Brevörde war ursprünglich Mutterkirche von Polle. Seit dem 16. Jh. werden die beiden Gemeinden als mater combinata mit Pfarrsitz in Polle geführt. Mit dem 1. Juli 2015 wurden die KG Brevörde und Polle zur KG Polle-Brevörde vereinigt.1

Umfang

Das Dorf Brevörde mit dem Hof Brille und der Glessemühle.

Aufsichtsbezirk

Archidiakonat Ohsen der Diözese Minden. – 1588 zur Insp. Münder, 1664 zur neu errichteten Insp. (1924: KK) Börry. Der KK Börry wurde am 1. April 1947 mit dem KK Eschershausen zum KK Bodenwerder vereinigt (seit 1. Januar 1999 KK Holzminden-Bodenwerder).

Patronat

Der Besitzer der Gft. Pyrmont (zuletzt das Haus Waldeck, bis 1920). Die Präsentation erfolgte seit 1740 alternierend durch den Patronatsinhaber von Polle (der Landesherr) und Brevörde.2

Kirchenbau
Kirche, Grundriss, 1936

Kirche, Grundriss, 1936

Rechteckige, vierachsige barocke Saalkirche aus verputztem Bruchsteinmauerwerk unter einem im Osten abgewalmten Satteldach mit Sollingplatteneindeckung (1768). Vom mittelalterlichen Vorgängerbau sind außer dem Turm Ansätze für die Nord- und Südwand des Langhauses erhalten. Segmentbogige Fensteröffnungen. Geputzte Flachdecke. U-förmige Empore auf schlanken Holzsäulen. Sanierung 2014/15.

Turm

Quadratischer Westturm (um 1200).

Grablege

Nördlich der Kirche befand sich das 1968 abgebrochene Mausoleum des Ernst Christian Kuken.

Ausstattung

Barocker Kanzelaltar (18. Jh., 1967/68 renoviert); am Kanzelkorb ein Kruzifix aus der Zeit um 1700. – Taufe als Holzständer mit bronzenem Deckelbecken. Taufschale aus Zinn von Meister Johann Daniel Jüttinge (1768). – Grabplatte der Anna Margareta Wichmann († 1703), Ehefrau des Amtmanns Joachim Niemeyer zu Polle

Kirche, Blick zur Orgel

Kirche, Blick zur Orgel

Orgel

Aus dem 17. Jh. (Pape: nach 1675). Möglicherweise handelt es sich um das Hauptwerk der früheren Orgel der Franziskanerkirche (jetzt: ev. Marienkirche) in Höxter und wäre Johann Gottfried Bader zuzuschreiben, mit späterem Umbau durch Andreas Schweimb (Halberstadt).3 Nach Ihlemann war dagegen vermutlich Schweimb der Erbauer der Orgel4; 9 (10) I/aP, mechanische Traktur, Schleifladen (Zustand 1862). Das Werk wurde 1815 angekauft, von Balthasar Conrad Euler in Brevörde aufgestellt und umgebaut (Austausch der doppelten Springlade durch eine Schleiflade).5 1862 Instandsetzung und Erweiterung um ein Pedal mit drei klingenden Stimmen durch Friedrich Wilhelm Euler (Gottsbüren), 13 I/P, mechanische Traktur, Schleifladen. 1941 Reparatur und Änderung der Disposition durch Emil Hammer (Hannover). 1985/86 Restaurierung und Rekonstruktion des Pedals durch Martin Haspelmath (Walsrode). Denkmalorgel.6

Geläut

Zwei LG, I: fis’ (Bronze, Gj. 1952, Friedrich Wilhelm Schilling, Heidelberg); II: a’ (Bronze, Gj. 1466).

Friedhof

Der alte Friedhof wurde vor 1990 aufgelassen und als Park an die politische Gemeinde verpachtet. Der jetzige Friedhof befindet sich in Trägerschaft der Samtgemeinde Bodenwerder-Polle. FKap, 1969 gemeinsam durch KG und politischer Gemeinde errichtet.

Landeskirchliches Archiv Hannover

A 5 Nr. 87 (Spec. Landeskons.); B 18 Nr. 144 (Orgelsachverständiger); D 25 (EphA Bodenwerder).

Literatur

A: Holscher, Bisthum Minden, S. 61 f.; Bühring, KD Lkr. Hameln-Pyrmont I, S. 122-124; Pape, Haspelmath, S. 184.
B: Gerhard Aumüler, Mads Kjersgaard und Wolfgang Wagner: Überlegungen zur Herkunft der Orgel in Brevörde, in: Ars Organi 4/2006, S. 217-227; Wolfgang Wagner: Mittelalterliche Textfragmente in der Orgel der St.-Urban-Kirche zu Brevörde. Vorbericht über den bisherigen Stand der Ergebnisse, in: Jahrbuch für den Landkreis Holzminden 1987/88, S. 55-70.


Fußnoten

  1. KABl. 2015, S. 96 f.
  2. Meyer, Pastoren II, S. 278.
  3. Aumüler/Kjersgaard/Wagner.
  4. Ihlemann, Orgelbauer Einbeck, S. 104.
  5. LkAH, D 25 Spec. Brevörde 5131.
  6. KABl. 1952, S. 160; LkAH, B 1 A, Nr. 4587 (Verzeichnis der Denkmalsorgeln der Ev.-luth. Landeskirche Hannovers, Stand 01.10.1958).