Sprengel Hannover, KK Burgwedel-Langenhagen | Patrozinium: Martin [von Tours] | KO: Lüneburger KO von 1643

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Orts- und Kirchengeschichte
Alte Kirche (1848/49 durch den heutigen Neubau ersetzt), Ansicht von Südosten, Gemälde, 1840

Alte Kirche (1848/49 durch den heutigen Neubau ersetzt), Ansicht von Südosten, Gemälde, 1840

Der Ort Brelingen im historischen Loingau wird um 990 erstmals urkundlich erwähnt1, gehörte später zur welfischen Amtsvogtei Bissendorf und entwickelte sich wohl wegen seiner zentralen Lage neben Mellendorf und Bissendorf zu einem der größten Dörfer der Wedemark. Die Kirche erscheint urkundlich im 15. Jh., 1407 wird Hynrik kercher to Bredelaghe genannt.2 Die Reformation wurde 1527 unter Ernst dem Bekenner eingeführt. Erster luth. P. war der 1534 im Lüneburgischen Pfründenregister aufgeführte Johann Tecklenburg/Tekelnborg († 1580).3 Kapellen befanden sich zur Zeit der Visitation von 1576 in Elze, Negenborn, Abbensen und Berkhof. Sie sind wohl erst im späten Mittelalter fundiert worden, werden jedenfalls im Mindener Archidiakonats- und Pfarrregister noch nicht verzeichnet.4
Die KG stand nach 1933 in Opposition zum NS-Regime. P. Steinmetz (amt. 1933–1948) war Mitglied der BK. Die Gründung einer DC-Ortsgruppe scheiterte an seinem Widerstand. 1934 untersagte der NS-Amtswalter den Vertrieb von Flugschriften für die Volksmission. 1938 wurde P. Steinmetz wegen der Verbreitung von Druckschriften von der Gestapo vernommen und 1939 wegen eines Abendmahlsgottesdienstes während einer Hitler-Rede verwarnt. Die ev. Bekenntnisschulen wurden 1942 in Gemeinschaftsschulen umgewandelt.
Der Pfarrsprengel wurde 1975 durch die Abtrennung von Elze-Bennemühlen verkleinert. Seit dem 1. Januar 2011 sind die KG Brelingen und Mellendorf pfarramtlich verbunden.5 Ein gemeinsamer Förderverein unterstützt die Jugendarbeit und die Finanzierung einer Diakonenstelle.

Umfang

Die Dörfer Berkhof, Bestenbostel, Brelingen, Elze (KapG, mit der Elzermühle und der Halbmeisterei), Ibsingen, Meitze, Negenborn (KapG), Oegenbostel, Plumhof und Sprakhof, die Viehbruchmühle und die Höfe Ohlenbostel und Schadehop. Mit dem 1. Oktober 1948 wurde Bennemühlen aus der KG Bissendorf in die KG Brelingen umgepfarrt.6 Mit dem 1. Januar 1975 wurden die Ortschaften Elze (seit 1. Juli 1964 Sitz eines Pfarrvikars), Bennemühlen, Berkhof und Meitze als KG Elze-Bennemühlen verselbständigt.7

Aufsichtsbezirk

Archidiakonat Mandelsloh der Diözese Minden.8 – Nach der Reformation zur Insp. Celle (1531 Errichtung der Suptur.), 1810 zur Insp. Winsen/Aller, 1825 Insp. Schwarmstedt und von dort 1869 zur neu errichteten Insp. (1924: KK) Burgwedel. Seit 1. Januar 2001 KK Burgwedel-Langenhagen.

Patronat

Der Landesherr (bis 1871).

Kirchenbau
Neue Kirche, Ansicht von Nordwesten, um 1900

neue Kirche, Ansicht von Nordwesten, um 1900

Der erste, wohl noch hölzerne Kirchenbau soll um 1190 errichtet worden sein. Um 1483 entstand ein gotischer Neubau mit polygonalem gewölbtem Chor; Anbau einer Sakristei 1717. Vor der Westseite erhob sich ein verbretterter Glockenträger mit zwei Glocken. Die Kirche war „nach der alten Art sehr tief und unförmlich gewölbt, auch sonst in ziemlich schlechten Stande“.9 Trotz starken Widerspruchs, vor allem in den Außendörfern, wurde das KGb 1848/49 durch einen Neubau nach Plänen von Friedrich August Ludwig Hellner ersetzt (Einweihung 16. Dezember 1849). Klassizistischer Saalbau in Ziegelmauerwerk auf einem Sandsteinsockel (1848/49). Horizontale Fassadengliederung durch quaderartig strukturierte Lisenen und Gebäudeecken aus Zementputz; vertikale Gliederung durch zweigeschossigen Aufbau. Rundbogenfenster. Nach Osten abgewalmtes Satteldach. Der Innenraum wird durch eine dreiseitig umlaufende Empore in drei Schiffe gegliedert; im Osten eine Altarwand mit Kanzelaltar. Die ursprünglich offene Empore beiderseits des Altars wurde 1902 geschlossen. Über dem Mittelschiff erhebt sich ein hölzernes Tonnengewölbe, die Seitenschiffe über den Emporen sind flach gedeckt. 1902 Ausmalung des Innenraums durch den Kirchenmaler Herkenhoff (Hannover); bei einer Renovierung 1961/62 übermalt.

Turm

Der ältere Bau wurde 1827 um einen quadratischen Westturm aus (jetzt) verputztem Raseneisenstein ergänzt, der beim Neubau des Schiffs erhalten blieb. Pyramidenhelm.

neue Kirche; Blick zum Altar

Neue Kirche, Blick zum Altar

Ausstattung

Kanzelaltar mit Altarbild der Auferstehung Christi von T. Grenzstein (1899, Stiftung der Familie von Bestenbostel). – Neugotische Taufe. – Zwei Grabsteine von 1590 und 1640 (ursprünglich auf dem Kirchhof; nach 1849 anderweitig verbaut und 1964 in der Kirche angebracht). – Barock-Epitaph für P. Michael Müller († 1711). – Tafel mit den Namen der Gefallenen des Ersten Weltkriegs. Ehrentafel für die Gefallenen des Zweiten Weltkriegs (1964).

neue Kirche, Blick zur Orgel

Neue Kirche, Blick zur Orgel

Orgel

Ein 1695 angeschafftes Positiv war 1720 abgängig und wurde durch einen Orgelneubau mit 20 Reg. ersetzt.10 1771 Neue Orgel auf der Altarempore. 1849 Neubau auf der Westempore durch Firma Altendorf (Hannover), 21 II/P; Prospekt von Friedrich August Ludwig Hellner. 1917 Ausbau der Prospektpfeifen. 1930 Neubau des Werks hinter dem Prospekt von 1849 durch P. Furtwängler & Hammer (Hannover), 25 (davon 4 Transmissionen) II/P, pneumatische Traktur, Taschenladen. Disposition von Wilhelm Drömann. 1995 Restaurierung durch Firma Schmidt (Langenhagen).

Geläut

Zwei LG, I: e’ (Bronze, Gj. 2007, Gebrüder Rincker, Sinn); II: g’ (Bronze, Gj. 1925, Gebrüder Radler, Hildesheim). – Eine SG in a’’ (Bronze, Gj. um 1900). – Früherer Bestand: 1734 verfügte die Kirche über zwei LG, welche „sehr schlecht gerathen und wol auf etliche Meilen nicht elender zu finden sind“.11 Die größere LG wurde 1772 neu gegossen, 1918 zu Rüstungszwecken eingeschmolzen. Die Ersatzglocke von 1925 (Gebrüder Radler, Hildesheim; Gefallenengedächtnisglocke) wurde 1942 gleichfalls eingeschmolzen. An ihrer Stelle beschafft die KG 1949 eine Eisenhartgussglocke in e’ der Firma J. F. Weule (Bockenem), die des schlechten Zustands wegen 2006 stillgelegt wurde. 1925 war auch die beschädigte kleinere LG ersetzt worden.

Friedhof

Ursprünglich auf dem Kirchhof, jetzt am nördlichen Ortsrand. Eigentum der KG.

Landeskirchliches Archiv Hannover

A 1 Nr. 1398–1417 (Pfarroffizialsachen); A 6 Nr. 1130–1139 (Pfarrbestallungsakten); A 8 (CB); A 9 Nr. 303–307 (Visitationen); D 33 (EphA Burgwedel).

Literatur

A: Aust/Benne u. a., Kirchen, Klöster, Kapellen, S. 248 f.; Wolff, KD Kr. Burgdorf und Fallingbostel, S. 16–18; Krumm, Denkmaltopographie Region Hannover, S. 492; Mithoff, Kirchen und Kapellen Lüneburg, S. 367; Müller, Kirchenbauten, S. 126 f.
B: Heide-Gret Koch und Hans-Jürgen Weiß (Red.): 150 Jahre St. Martini Brelingen, [Brelingen 1999]; Richard Brandt: Die Gemeinde Wedemark, das Tor zur Südheide, [Wedemark-Wennebostel] 1980.

GND

7864089-1, Evangelisch-Lutherische Kirchengemeinde Sankt Martini; 7860701-2, Sankt Martini (Brelingen)


Fußnoten

  1. UB HS Hildesheim I, Nr. 35. Vgl. auch Casemir/Ohainski, Niedersächsische Orte, S. 61.
  2. Holscher, Bisthum Minden, S. 248.
  3. Salfeld, Pfründenregister, S. 101.
  4. Kayser, Kirchenvisitationen, S. 494, Anm. 1062.
  5. KABl. 2011, S. 65.
  6. KABl. 1948, S. 91.
  7. KABl. 1975, S. 2.
  8. Abweichend dazu: Bennigsen, Diözesangrenzen, S. 88.
  9. LkAH, A 8/Brelingen (Corpus bonorum 1734).
  10. LkAH, A 8/Brelingen (Corpus bonorum 1734).
  11. LkAH, A 8/Brelingen (Corpus bonorum 1734).