Frühere Gemeinde | KapG der St.-Stephani-KG Ochsendorf | Sprengel Lüneburg, KK Wolfsburg-Wittingen | Patrozinium: Georg1 | KO: Lüneburger KO von 1643

Orts- und Kirchengeschichte

Beienrode am Dorm (seit 1974 Ortsteil von Königslutter am Elm) wurde wohl in der jüngeren Rodeperiode im 9./10. Jh. besiedelt. Es war Teil der Gft. Hasenwinkel (Fsm. Lüneburg, Amt Fallersleben). Aufgrund der Namensgleichheit mit dem unweit gelegenen Kirchdorf Beienrode am Wohld (bei Flechtorf) ist eine sichere Zuordnung der frühen Urkundenbelege nicht möglich. Nach der lokalen Tradition soll Beienrode zeitweilig ein Tempelherrensitz gewesen sein. Den älteren Teil des Dorfs bildet das sogenannte Unterdorf, eine ältere Bauernsiedlung des Ritterguts Beienrode. Das Oberdorf entstand erst Ende des 19. Jh. mit der Aufnahme des Kalibergbaus (1900–1926) und der Anlage eines Kaliwerks als Bergarbeitersiedlung.
Das Gut Beienrode war 1411 im Besitz der von Veltheim, die Dorf und Mühle 1588 dem Kloster Riddagshausen verkauften, dann aber wieder einlösten. 1753 erwarb der Berghauptmann und Geheime Kammerrat Georg Gottfried von Bülow († 1765) das Gut. Ende des 18. Jh. gelangte es wieder in den Besitz der von Veltheim, 1828 an Karl Georg von Garßen, 1840 an Ludwig Thedel Georg von Cramm, dann an den Gutsbesitzer Beienrode Kuntzen und 1860 an die Frhr. von Knigge (bis 1936).

Kapelle, Ansicht von Nordwesten, 1931

Kapelle, Ansicht von Nordwesten, 1931

Nach Ankauf durch das Flüchtlingshilfswerk Beienrode e. V. (1952) richtete der Theologe Hans Joachim Iwand (1899–1960) auf dem Gut ein Heim mit Tagungsstätte für Flüchtlinge aus Ostpreußen ein (Haus der helfenden Hände, jetzt Altenheim).
Die Kapelle in Beienrode wurde 1433 durch die von Veltheim als Gutskapelle erbaut. Im Pfründenregister von 1534 wird sie als Filial von Ochsendorf genannt.2 Georg Gottfried von Bülow ließ das verfallenden KapGb 1762 instand setzen und neu ausstatten. Seine Bemühungen um die Übertragung des Patronats zeitigten keinen Erfolg. Seinem Sohn Johann Julius Carl Franz von Bülow wurde 1767 lediglich das Patronat (Besetzungsrecht) für die Stelle des Schulmeisters an der 1763 gegründeten Schule zugestanden.3 Offenbar fanden seither auch wöchentliche Betstunden in der Kapelle statt. Zudem hielten die Ochsendorfer Pfarrer viermal jährlich einen Abendmahls-GD ab. Da die Bauern von Beienrode nicht zum Unterhalt zweier Sakralbauten und Küsterschulhäuser beitragen wollten, gab es Mitte des 19. Jh. Bestrebungen zur Trennung von der Muttergemeinde Ochsendorf. Beienrode blieb jedoch nach Ochsendorf eingepfarrt. Das Schulamt wurde nach dem Ersten Weltkrieg von der Kapelle getrennt. Mit dem 1. Juli 1976 wurde die KapG aufgehoben.4 Die Muttergemeinde Ochsendorf ging am 1. Januar 2007 in der neu gegründeten KG Hasenwinkel in Königslutter am Elm auf.

Patronat

Nur für die Schullehrerstelle, errichtet 1767 für die von Bülow als Besitzer des Guts Beienrode; später die von Veltheim.5

Kapellenbau

Rechteckiger Saalbau mit einer 1854 angefügten, nahezu halbkreisförmigen Apsis. Instandsetzungen 1762, 1807, 1815 und 1854/55.

Turm

Verschieferter Dachreiter mit Pyramidendach über dem Westgiebel, erbaut 1913.

Kapelle, Blick zum Altar, Foto: Ernst Witt, Hannover, Dezember 1955

Kapelle, Blick zum Altar, Foto: Ernst Witt, Hannover, Dezember 1955

Ausstattung

Altar mit massivem Unterbau und Mensa aus Sandstein; hölzerne Rückwand (Ende 16. Jh.), bekrönt von einem kleinen hölzernen Kruzifix. Im Mittelfeld ein Ölbild auf Holz (Abendmahl/Judas vor dem Tische). – Hölzerne Kanzel mit bemalten Brüstungsfüllungen (Petrus, Johannes, Salvator und zwei unsichere Darstellungen, Ende 16. Jh.). – Gotischer Taufstein mit achtseitiger Kuppa aus Kalkstein, ursprünglich aus der abgebrochenen Kapelle in Uhry, später im Pfarrgarten in Ochsendorf. 1927 in der Kapelle von Beienrode aufgestellt. – Holzfigur einer Mondsichelmadonna (15. Jh.)

Geläut

Eine LG: es’’ (Bronze, Gj. 1739, Johann Peter Grete, Braunschweig). – Früherer Bestand: Eine 1433 gegossene Glocke war gesprungen und wurde unter Eigentumsvorbehalt dem Frhr. von Knigge-Beienrode zur Aufstellung im Gutsgarten überlassen, von wo sie 1922 gestohlen wurde. Die Ersatzglocke (Bronze, Gj. 1913, J. J. Radler, Hildesheim) wurde im Ersten Weltkrieg zu Rüstungszwecken abgegeben. 1923 erhielt die Kapelle leihweise eine der beiden Uhrglocken des Gutes (die heutige).

Landeskirchliches Archiv Hannover (LkAH)

D 64 (EphA Fallersleben-Wolfsburg).

Literatur

A: Dehio, Bremen/Niedersachsen, S. 204; Kiecker/Lütgens, KD Kr. Gifhorn, S. 27–30.


Fußnoten

  1. Hennecke/Krumwiede, Kirchen- und Altarpatrozinien I, S. 61.
  2. Kayser, Kirchenvisitationen, S. 514.
  3. LkAH, D 64, Spec. Beienrode, Rep. A 101.
  4. KABl. 1976, S. 7 f.
  5. LkAH, D 64, Spec. Beienrode, Rep. A 101.