Sprengel Hildesheim-Göttingen, KK Göttingen | Patrozinium: Pankratius | KO: Calenberger KO von 1569

Orts- und Kirchengeschichte

Seit 1973 Ortsteil der Gemeinde Adelebsen. – Die Ortschaft Barterode dürfte erst nach 800 entstanden sein und wird 1093 als Bertolderoth in einer Urkunde des Mainzer Ebf. Ruthard für das Kloster Bursfelde (verunechtete Urkunde des 12. Jh.) erstmals genannt.1 Im 12. Jh. bestand bereits eine geschlossene Besiedlung. Ein Kloster hat in Barterode entgegen früherer Annahme nicht bestanden. Hingegen gab es im Ort einige Klostermeierhöfe, die spätestens seit 1414 im Besitz des Klosters Bursfelde waren, 1274 an das Kloster Hilwartshausen und nach 1390 an das Kloster Fredelsloh übertragen wurden. Zwischen 1246 und 1426 ist das Geschlecht de Bertolderode nachgewiesen, insbesondere bei Beurkundungen der Klöster Hilwartshausen, Mariengarten und Kaufungen. Angehörige der Familie waren Vögte und Kastellane in Hilwartshausen und Hann. Münden. Barterode gehörte mit den Dörfern Güntersen, Eberhausern und den heute wüsten Dorfstellen Bernsen und Thüdinghausen zum Gericht to deme assche, mit dem Hzg. Ernst von Braunschweig 1347 den Ritter Bodo und den Knappen Bertold von Adelebsen (wohl als Erben der von Bertolderode/Barterode) belehnte. Aus dem Gerichtsbezirk des Fsm. Göttingen ging 1852 das Amt Adelebsen hervor. 1446 (in der Soester Fehde) und 1497 wurde Barterode durch Brände verwüstet, 1646/47 durch schwedische Truppen geplündert. Das Dorf umfasste Ende des 16. Jh. 55 Hofstellen.

Kirche, Ansicht von Südosten, 1971

Kirche, Ansicht von Südosten, 1971

Die Pankratiuskirche ist wohl eine Mainzer Gründung. Als erster Geistlicher erscheint 1282 Wasmodus plebanus in Bertholderode als Urkundenzeuge2, 1321/59 Ernestus plebanus in Bertolderode.3 1339 überlässt Gertrud von Rusteberg Bodo und Bertold von Adelebsen zusammen mit der kemenade to Bertolderode auch das kercklene mit der vordermolen.
Wann sich das luth. Bekenntnis durchsetzte, ist unbekannt. Die von Adelebsen als Inhaber des Patronats verhielten sich der neuen Lehre gegenüber zunächst reserviert.4 Doch führt Meyer schon 1540, mithin vor der Durchsetzung der Reformation im Fsm. Göttingen durch Elisabeth von Calenberg den Geistlichen Andreas Kerßenbach als ersten luth. Prediger in Barterode. Sicher dürfte Franziskus Buchmann (um 1559) Anhänger des luth. Bekenntnisses gewesen sein. Ihm folgte 1560 Adrian von Adelebsen († nach 1566), früher Mönch des Michaelisklosters in Lüneburg, und von 1565 bis 1609 Alardus Mattenclot, ehemaliger Kanoniker im Stift Geseke. Unter den späteren Pfarrern ist besonders P. August Wilhelm Theodor Golmart (amt. 1806-1849) zu nennen, von dem Veröffentlichungen auf dem Gebiet der Katechetik vorliegen (Kurze Erklärung der biblischen Beweissprüche des Hannoverschen Catechismus besonders für Landschullehrer, 1824).
P. Curt Holscher (bis 1940) und P. Werner Grote (ab 1942) waren Mitglied der BK. Die DC fanden in der Gemeinde keinen Nährboden. Dagegen fanden regelmäßig BK-Veranstaltungen mit gutem Zuspruch statt. Beim Kirchenjubiläum sprach 1934 Lbf. Marahrens unter starker Beteiligung von auswärtigen BK-Anhängern (Studenten aus Göttingen). Die ev. Schulen wurden durch Gemeinderatsbeschluss in Gemeinschaftsschulen umgewandelt. Insgesamt wirkte sich der Kirchenkampf in Barterode ungünstig auf das Gemeindeleben aus. Der Krieg brachte durch die Abwesenheit des Pfarrers das Gemeindeleben fast gänzlich zum Erliegen.
Die Nachkriegszeit brachte 1954/55 u. a. die Einrichtung eines kirchlichen KiGa im ehemaligen Schulhaus. Im diakonischen Bereich entwickelte sich eine enge Zusammenarbeit mit den KG Adelebsen und Erbsen, die sich 1977 mit Barterode zu einer Arbeitsgemeinschaft in Verbandsform zusammenschlossen.

Umfang

Die Dörfer Barterode, Ossenfeld (KapG) und Eberhausen (KapG). Zum 1. Oktober 1912 wurde die KapG Ossenfeld (ursprünglich zu Dransfeld, seit dem Dreißigjährigen Krieg zu Barterode) von Barterode wieder in die KG Dransfeld umgepfarrt.5 Mit dem 1. Januar 1972 wurde die KG Güntersen aufgehoben und gemeinsam mit der aufgehobenen KapG Eberhausen in die KG Barterode eingegliedert.6

Aufsichtsbezirk

Archidiakonat Nörten (Sedes Dransfeld7) der Erzdiözese Mainz. – 1588 zur neu gebildeten Insp. Hardegsen, 1647/48 Insp. Göttingen, 1802 Insp. Göttingen I (mit Sitz an St. Johannis), 1842 Insp. (1924: KK) Dransfeld. Mit Aufhebung des KK Dransfeld zum 1. Januar 1929 in den KK Münden8, 1. Oktober 1929 in den KK Göttingen II umgegliedert.9 1. April 1937 KK Göttingen-Nord.10 Seit 1. Januar 2001 KK Göttingen.

Patronat

Die Herren, ab 1903 Frhr. von Adelebsen (wohl seit Anfang des 16. Jh. in Verbindung mit dem Lehnsauftrag der von Adelebsenschen Güter an die Hzg. von Braunschweig und Lüneburg; bestätigt 1594 durch Heinrich Julius zu Braunschweig und Lüneburg für Crain und Bodo von Adelebsen). Das Patronat ist mit dem Tod des letzten Namensträgers 1957 erloschen. Abschließende Regelung durch Vertrag des KV zu Adelebsen mit der Erbengemeinschaft Stiftung Burg Adelebsen vom 28. Mai 1966.

Kirchenbau
Kirche, Blick zum Altar, 1971

Kirche, Blick zum Altar, 1971

Das KGb, noch 1483 – möglicherweise nach den Zerstörungen während der Soester Fehde – wieder aufgebaut oder umgebaut (inschriftlich dat.), wurde 1730/34 abgebrochen und unter Beibehaltung des mittelalterlichen Turms neu errichtet. Rechteckiger verputzter Saalbau mit dreiseitigem Chorschluss. Bei einer Grundsanierung (1975/76) wurde die Westhälfte des Schiffs zum Gemeindezentrum ausgebaut und der verbliebene Teil zum Oktogon umgestaltet.

Turm

Fünfgeschossiger Westturm aus Bruchsteinen mit Eckquaderung, im Kern wohl aus der Zeit des Wiederaufbaus/Umbaus von 1483. Verschieferte Haube.

Ausstattung

Barocker Kanzelaltar auf einer Mensa aus vorref. Zeit, wohl um 1730 durch die Patronatsherren gestiftet. – Schlichte, achteckige Sandsteintaufe (1740). – Grabplatten von P. Mattencloed († 1609) und P. Küsel († 1656).

Orgel

1825 Neubau der Firma Euler und Kuhlmann (Gottsbüren), 15 I/P, mechanische Traktur, Schleifladen. Die Prospektpfeifen wurden 1917 ausgebaut und 1923 durch die Orgelbauanstalt Kiessling & Sohn (Bleicherode) durch einen Zinkprospekt ersetzt. 1931 Reinigung und Einbau eines elektrischen Gebläses durch Paul Ott (Göttingen). 1933 Erweiterung um ein RP auf 20 II/P durch denselben.11 1977/80 Restaurierung durch Martin Haspelmath (Walsrode). Das RP wurde wieder entfernt und 1982 nach Umbau als selbständiges Positiv in der St.-Nicolai-Kirche in Herzberg aufgestellt.

Geläut

Vier LG, I: fis’; II: a’; III: h’ (alle Bronze, Gj. 1977, Gebrüder Rincker, Sinn); IV: d’’ (Bronze, Gj. 1736, J. Arnold Geyer, Nordhausen, ehemalig Uhrschlagglocke). – Früherer Bestand. Nach den Kriegsablieferungen beschaffte die KG 1948 ein Stahlgeläut des Bochumer Vereins mit den Schlagtönen fis’, a’, h’ (1977 ersetzt).12

Seit 1972 weitere Kirchen in Eberhausen und Güntersen.

Weitere kirchliche Gebäude

Pfarrhaus an der Göttinger Straße (Bj. 1784).

Friedhof

Am nördlichen Ortsausgang (Adelebser Weg). Ursprünglich in kirchlicher Trägerschaft, 1972 an die politische Gemeinde übereignet (jetzt in Trägerschaft des Fleckens Adelebsen). FKap (Bj. 1972).

Landeskirchliches Archiv Hannover

A 1 Nr. 601-603 (Pfarroffizialsachen); A 6 Nr. 561-566 (Pfarrbestallungsakten); A 9 Nr. 143-144 (Visitationen); B 18 Nr. 138 (Orgelsachverständiger).

Literatur

A: Aye/Kronenberg, Taufbecken, S. 70, Nr. 32; Dehio, Bremen/Niedersachsen, S. 195; Lufen, Denkmaltopographie Altkr. Münden, S. 83 f; Pape, Haspelmath, S. 133 f.
B: Cord Alphei: Geschichte Adelebsens und Lödigsens, Göttingen 1990; Kirchenzentrum St. Pankratius (Hg.): Festschrift zum 10-jährigen Bestehen des Kirchenzentrums St. Pankratius Barterode, Barterode 1986; Girke, Christoph (Hg.): Gedenkschrift zum 250-jährigen Bestehen der Kirchen in Barterode und Güntersen, Barterode 1984; Joachim Jünemann: Neue Untersuchungen zur älteren Geschichte von Barterode, [Dransfeld] 1994.


Fußnoten

  1. Mainzer UB I, Nr. 385.
  2. UB Mariengarten, Nr. 51.
  3. UB Hilwartshausen, Nr. 156 und 157.
  4. Alphei, S. 48.
  5. KABl. 1912, S. 85.
  6. KABl. 1972, S. 4.
  7. Kayser, Registrum II, S. 278.
  8. KABl. 1929, S. 1.
  9. KABl. 1929, S. 70.
  10. KABl. 1937, S. 135.
  11. Pape, Ott, S. 278.
  12. Hardege, Glockenneuerwerbungen, S. 48.