Sprengel Hildesheim-Göttingen, KK Harzer Land | Patrozinium: Petrus | KO: Lüneburger KO von 1643

Orts- und Kirchengeschichte

Barbis wird 1384 (curias videlicet Berves et Karecto) erstmals genannt1, ist im Übrigen aber im Mittelalter nicht belegt und erscheint erst wieder 1580/81. Die Identifizierung mit der als Standort einer Kirche oder Kapelle nachgewiesenen Wüstung Berengoze ist fraglich.2 Der Ort gehörte zur Gft. Hohnstein und kam nach dem Aussterben der Gf. 1593 an das Fsm. Grubenhagen und damit 1596 an das Fsm. Braunschweig-Wolfenbüttel, 1617 an Lüneburg, 1665 an Calenberg (Amt Scharzfeld, 1859 Amt Herzberg). Seit 1972 ist Barbis Stadtteil von Bad Lauterberg.

Kirche, Ansicht von Norden, um 1951

Kirche, Ansicht von Norden, um 1951

Für die frühe Geschichte von Kirche und Pfarre liegen keine Quellen vor. Auf ein hohes Alter verweisen das Petrus-Patrozinium, der mittelalterliche Altarstipes und der vielleicht in das 11. Jh. zu datierende Taufstein.3 Die Einführung der Reformation in der Gft. Hohnstein erfolgte nach dem Tod des kath. Gf. Ernst von Hohnstein († 1552). In Barbis predigte P. Johannes Koningius (amt. wohl 1552-1598) bereits 1552 luth. Eine von dem Gf. Volkmar mit Zustimmung seiner Brüder Eberwin und Ernst auf den 27. März 1556 nach Walkenried einberufene Predigerversammlung beschloss in Gegenwart der Ritterschaft die Einführung des Augsburger Bekenntnisses.4 Damit ist Barbis eine der ältesten luth. Gemeinden des heutigen KK. Während Koiningius’ Amtszeit wurde nach dem Erlöschen des gräflichen Hauses die Eingliederung in das welfische Territorium vollzogen.5 Seine Nachfolger waren P. Johannes Regius (möglicherweise sein Sohn, † 1614) sowie der frühere Rektor in Lauterberg, P. Alexander Gerdung († 1647). Die finanzielle Ausstattung der Pfarre war bescheiden. Bei der Visitation von 1617 wurde bemerkt, „pfar- und schulgebeude“ seien „alt und gefehrlich, weil aber die kirche keine eigenen guter hat, soll deswegen an frl. consistorium suppliciret werden.“6 Der Geistliche von Barbis predigte in der ersten Hälfte des 18. Jh. auch alle 14 Tage in der Burgkapelle der (1761 zerstörten) Burg Scharzfels, die damals als hannoversches Staatsgefängnis genutzt wurde.7

Blick zum Altar, um 1948

Blick zum Altar, um 1948

Der bis 1934 amtierende P. Bernhard Visbeck war Mitglied der DC. Die Jugendarbeit in der KG wurde 1934 in HJ und BDM überführt, der Frauenkreis in die NS-Frauenschaft. Die grenznahe Lage führte nach dem Zweiten Weltkrieg durch Flüchtlingszuzug zu einem starken Ansteigen der Gemeindegliederzahlen. In dieser Zeit wurde Barbis auch zu einem wichtigen westdeutschen Zentrum der Leipziger Mission. Der frühere Leipziger Missionar Karl-Heinz Tomczak (amt. 1947-1954) begründete 1947 als Pfarrer in Barbis die Barbiser Missionskonferenz, die bis 1972 regelmäßig in der Gemeinde tagte. Ein kirchlicher KiGa wurde 1971 eingeweiht. Zur Förderung der kirchengemeindlichen Arbeit besteht seit 2007 die Stiftung „Licht in St. Petri“.

Umfang

Das Dorf Barbis, das Vorwerk Neuhof, der Zoll Neuenfelde, das Forsthaus Oderfeld, das Amt Scharzfels und die Ziegelhütte.

Aufsichtsbezirk

Archidiakonat Nörten (Sedes Berka) oder Archidiakonat Jechaburg (Sedes Bleicherode) der Erzdiözese Mainz. – Unterstand nach Einführung der Reformation der Suptur./GSuptur. des Fsm. Grubenhagen und kam bei der Reorganisation der kirchlichen Strukturen 1708 zur Insp. Osterode, 1735 zur Insp. Clausthal und 1795 zur neu gebildeten8 Insp. (1924: KK) Herzberg (1. Januar 2013 im KK Harzer Land aufgegangen).

Patronat

Der Landesherr (bis 1871).

Kirchenbau

Der älteste Kirchenbau war aus Holz. Baurechnungen verweisen auf einen Neubau (oder Umbau) von 1680. 1752/53 wurde das heutige spätbarocke Kirchenschiff aus Bruchsteinmauerwerk an den älteren Turm angebaut und am 4. November 1753 eingeweiht. Innen durch eine Emporenanlage gegliedert. 1952/53 gründlich renoviert.

Fenster

Im Chorraum zwei Buntglasfenster von Hans Matschinski (Braunschweig): Links die Symbole der vier Evangelisten und Szenen aus dem NT (Berufung des Matthäus nach Mt 9,9-13; Segnung der Kinder nach Mk 10,13-16; Gleichnis vom Verlorenen Sohn, Lk 15,11-32; Taufe Jesu durch Johannes, Joh 1,29-34); links: Petrusfenster mit Szenen aus dem Leben Petri.

Turm

Westturm (1656/57) mit einem barocken Dachreiter auf dem Pyramidendach.

Ausstattung

Barocker Kanzelaltar mit Stipes aus vorref. Zeit. Bekrönung durch ein Triumphkreuz. – Runder Taufstein (vermutlich 11. Jh.) mit neuerem handgetriebenen Kupferdeckel. – Weihwasserbecken aus vorref. Zeit, 1953 im Mauerwerk gefunden. – Osterleuchter (1980).

Blick zur Orgel

Blick zur Orgel

Orgel

Der erste Orgelbau ist für 1679/80 belegt; 10 I/P, Springladen. Neubau 1753 durch den Orgelbauer Tobias Hansen (Nörten), unter Verwendung von Reg. aus dem Vorgängerinstrument des 17. Jh., 14 I/P, mechanische Traktur, Schleifladen. 1833 Erweiterung des Werks um ein zweites Manual (OW) mit fünf klingenden Stimmen durch Johann Andreas Engelhardt (Herzberg). 1953/54 Umbau durch Paul Ott (Göttingen). 1992/93 Restaurierung und Rekonstruktion der Disposition von 1778 sowie des Engelhardtschen Oberwerks durch Rudolf Janke (Bovenden), 19 II/P. Seit 1952 unter Denkmalschutz.9

Geläut

Drei LG, I: h’; II: d’’ (beide Bronze, Gj. 1968, Gebrüder Bachert, Karlsruhe); III: fis’’ (Bronze, um 1300; ehemalige SG). – Eine SG in a’’ (Bronze, Gj. 1964, Gebrüder Bachert, Karlsruhe). – Früherer Bestand: 1677/78 werden eine große und eine kleine Glocke erwähnt; die kleine 1706 instand gesetzt. Das CB von 1735 führt drei Glocken unbestimmten Alters auf, deren kleinste (später SG, jetzt LG III) noch aus dem Mittelalter, angeblich von der Burg Scharzfeld, stammt. 1737/38 wurde eine Glocke durch den Stück- und Glockengießer Johann Heinrich Brauhoff (Nordhausen) umgegossen. 1765 waren zwei Glocken geborsten. Mit der Reparatur wurde der Glockengießer Johannes Kehl aus Tabarz (Sachsen-Gotha) beauftragt. Um 1860 befanden sich im Turm drei LG aus Bronze, davon zwei 1849 durch den Glockengießer Stutzer aus Benneckenstein gegossen, eine 1826 durch den Glockengießer Bock aus Einbeck. Die beiden kleineren wurden im Ersten Weltkrieg zu Rüstungszwecken abgeliefert. 1926 Neuguss von zwei Eisenhartgussglocken durch die Firma Weule & Ulrich (Bockenem-Apolda). Die erhaltene Bronzeglocke wurde in Zahlung gegeben.10 1962 Anschaffung einer elektrischen Läutemaschine. Die ehemalige SG wurde 1964 als LG aufgehängt. 1968 wurden die beiden Eisenhartgussglocken durch zwei Bronzeglocken der Gebrüder Bachert ersetzt. Die beiden Eisenglocken wurden vor der Kirche aufgestellt.

Friedhof

Am südlichen Ortsrand (Silkeroder Straße). In kirchlicher Trägerschaft. FKap (erster Bau 1948; Neubau 1978).

Landeskirchliches Archiv Hannover

A 1 Nr. 472-485 (Pfarroffizialsachen); A 6 Nr. 451-458 (Pfarrbestallungsakten); A 8 (CB); A 9 Nr. 112-116 (Visitationen); D 98 (EphA Herzberg); S 1 H III Nr. 416 (Kirchenkampfdokumentation).

Literatur

A: Funk, Orgellandschaft, S. 131; Gemeindebuch KK Herzberg, S. 21 f.; Mithoff, Kunstdenkmale II, S. 8.
B: Bernhard Dammermann: Zur Geschichte der Glocken in Barbis, in: Rund um den Hausberg 1/1969; Alfons Kanefke: Die Glockengeschichte von St. Petri in Barbis, in: Unter dem Harze, Nr. 825 vom 1. Februar 1969; St. Petri Barbis. 450jähriges Kirchenjubiläum 1552-2002, [Barbis 2002]; Friedrich Spanuth: Die ersten evangelischen Pastoren von Barbis, in: Rund um den Hausberg 22/1956; Friedrich Spanuth: Barbis, Berengoze, Nibitzi. Sind Berengoze und Nibitzi Wüstungen?, in: Heimatblätter für den süd-westlichen Harzrand 22 (1967), S. 1-12.


Fußnoten

  1. UB Walkenried II, Nr. 1200. Vgl. Ohainski/Udolph, Ortsnamen Lkr. Osterode, S. 15.
  2. Kühlhorn, Wüstungen I, S. 163; Spanuth, Barbis, Berengoze, Nibitzi.
  3. Spanuth, Barbis, Berengoze, Nibitzi, S. 6.
  4. Max, Grubenhagen II, S. 231.
  5. Spanuth, Barbis.
  6. Spanuth, Generalvisitation, S. 53.
  7. Kanefke.
  8. LkAH, D 98 Gen A 140.
  9. KABl. 1952, S. 160; LkAH, B 1 A, Nr. 4587 (Verzeichnis der Denkmalsorgeln der Ev.-luth. Landeskirche Hannovers, Stand 01.10.1958).
  10. Dammermann.