Sprengel Stade, KK Buxtehude | Patrozinium: – | KO: Keine Kirchenordnung

Orts- und Kirchengeschichte

Das seit 1231 urkundlich belegte Dorf Apensen liegt in der Geestlandschaft westlich von Buxtehude. Seine Entwicklung verdankt es dem nahe gelegenen Kreuzungspunkt zweier bedeutender Fernwege. Gemeinsam mit dem Ksp. Bliedersdorf bildete es das adelige Gericht auf dem Delm mit Sitz in Apensen, das 1852 im Amtsgerichtsbezirk Buxtehude aufging. Gerichtsherren auf dem Delm waren vor 1197 die von Bliedersdorf, ab 1286 die von Borch, 1502 die von Düring und später die von Zesterfleth. Die Landesherrschaft lag beim Erzstift Bremen und ging nach dem Dreißigjährigen Krieg an Schweden, 1712 an Dänemark, 1715 an das Kfsm. Braunschweig und Lüneburg (Kurhannover) über.

Kirche, Ansicht von Südosten, 1948

Kirche, Ansicht von Südosten, 1948

Für den Gerichtsbezirk auf dem Delm entstand in Apensen in der Zeit der kirchlichen Neuordnung durch Karl den Großen wohl zunächst eine hölzerne Taufkirche, die um 1150 durch einen Massivbau (einschiffiger, rechteckiger Feldstein-Saalbau mit eingezogenem Chor und rechteckiger Altarnische) abgelöst wurde. Erst 1329 wird die Kirche mit dem rector ecclesie Heinrich von Verden auch urkundlich erwähnt.1 Sie unterstand von alters her dem Andreasstift in Verden, dessen Kapitel bis in die schwedische Zeit hinein das Kollationsrecht ausübte. Die adeligen Gerichtsherren bemühten sich zeitweilig, Einfluss auf die Pfarrstellenbesetzung zu nehmen.2
Wohl schon vor 1557 war die Gemeinde luth. geworden.3 Nähere Angaben über die Einführung der neuen Lehre liegen nicht vor. 1557 wurde der bisherige Pfarrer von Estebrügge, Johann von Schwoll, nach Apensen berufen.4
Apensen ist heute mit seinen 15 Außendörfern die viertgrößte Gemeinde des KK Buxtehude. 1973 wurde eine zweite Pfarrstelle errichtet, in Beckdorf entstand ein zweites Pfarrhaus mit Gemeindehaus. Apensen blieb jedoch einzige Pfarrstelle. Die Dörfer des Ksp. gehören zu den bevorzugten Wohngebieten im südlichen Umland Hamburgs. Die Ausweisung von Neubaugebieten führte nach dem Zweiten Weltkrieg auch zu einem Rückgang des prozentualen Anteils der Kirchenglieder an der Gesamtbevölkerung der in ihrem bäuerlichen Anteil früher stark von der Hermannsburger Mission geprägten Gemeinde In den stadtnahen Gemeindeteilen, besonders in Ottensen, orientierten sich die neu zugezogenen Einwohner zudem stärker zu der näher gelegenen St.-Paulus-KG in Buxtehude. Die zeitweilig diskutierte Umgliederung von Ottensen, das seit 1972 auch politisch zu Buxtehude gehört, wurde jedoch abgelehnt.5
Partnerschaften bestehen mit den KG Dittmannsdorf (Sachsen) und Ploermel (Frankreich).
Eine 2002 in gemeinsamer Trägerschaft von KG, Samtgemeinde und Schulzentrum eingerichtete Gemeindebücherei entwickelte sich zu einer der größten der Landeskirche.

Pfarrstellen

I: Vorref. – II: 1. Juli 1973.6

Umfang

Die Dörfer Apensen, Beckdorf, Borrel (zwischen 1887 und 1900 als Wohnplatz aufgegeben), Cammerbusch, Goldbeck (mit der Goldbecker Mühle), Grundoldendorf, Nindorf, Nottensdorf, Ottensen, Revenahe, Rischwedel und Wiegersen; der Hof Schragenkamp; ferner die Dörfer Bredenhorn und Sauensiek. Bereits 1776 war Hedendorf, das früher ebenfalls zu Apensen zählte, nach Neukloster umgepfarrt worden, scheint aber nach 1841 wieder bei Apensen gewesen zu sein.7 Nottensdorf wurde 1857 der KG Horneburg zugelegt, Sauensiek war wohl zwischenzeitlich bei Hollenstedt. Mit dem 1. Juli 1906 wurden die luth. Einwohner der Ortschaft Hedendorf erneut aus der KG A. in die KG Neukloster umgepfarrt8, mit dem 1. Januar 1967 die luth. Einwohner der politischen Gemeinde Sauensiek aus der KG Hollenstedt wieder in die KG Apensen.9

Aufsichtsbezirk

Archidiakonat Hollenstedt der Diözese Verden. – Unter schwedischer Herrschaft zur Altländischen Präpositur, am 1. Januar 1827 zur neu gebildeten Insp. Harsefeld bzw. Bargstedt (mit Sitz in Bargstedt, 1830-1884 Mulsum, 1884-1901 Bargstedt, 1901-1934 Apensen). 1924 KK Bargstedt. Im Oktober 1934 wurden die Aufsichtsbezirke Bargstedt und Buxtehude zum KK Bargstedt-Buxtehude zusammengeführt; 1. Januar 1958 umbenannt in KK Buxtehude.

Patronat

Ursprünglich das Kollegiatstift St. Andreas in Verden. In schwedischer Zeit wurde das Patronatsrecht dem Generalgouverneur von Königsmarck († 1663) übertragen und 1665 seinen Erben von der schwedischen Regierung bestätigt.10 Später der Landesherr (bis 1871).

Kirchenbau
Kirche, Blick zum Altar, 1948

Kirche, Blick zum Altar, 1948

Das mittelalterliche KGb wurde wohl im Dreißigjährigen Krieg (vor 1638) durch einen Brand beschädigt. Sicher brannten 1740 das Pfarrhaus und der mittelalterliche Kirchturm nieder. Erst 1752 erhielt die Kirche einen neuen, außen mit Sollingplatten belegten, freistehenden hölzernen Glockenturm. Zur Aufnahme der wachsenden Zahl an Gemeindegliedern wurden im 18. und 19. Jh. an der Nord- und Ostseite des Kirchenschiffs Emporen eingebaut. Der adelige Hof Wiegersen verfügte über eine eigene Prieche in der Kirche. Das Erbbegräbnis der Besitzer von Wiegersen wurde 1818 wegen Einsturzgefahr verfüllt.11 Wegen Baufälligkeit wurden 1909 Kirche und Turm, zunächst gegen den Einspruch der Gemeindemehrheit, abgebrochen. Ein Neubau (dreiachsige Backsteinkirche auf Feldsteinsockel nach Plänen von Eduard Wendebourg, Hannover) wurde am 13. März 1910 eingeweiht. Die äußere Gestaltung vereinigt Elemente von Heimatschutz- und Reformarchitektur. Rechteckiger Chor. Dreiseitig umlaufende Empore. Der mittlere Teil des Saals wird durch eine hölzerne Flachtonne überwölbt; an den Seiten flache Balkendecken. Renovierung 1959/60.

Fenster

Buntglasfenster von 1909 im Chorraum (Chor Fenster: Auferstehung; An der Seite des Chorraums Weihnachten/die Anbetung der Hirten).

Turm

Westturm auf quadratischem Grundriss, mit oktogonalem Glockengeschoss und verschiefertem Helm.

Ausstattung

Marmorverkleideter Blockaltar. Das hölzerne Altarretabel mit einer Kopie des Abendmahls von Leonardo da Vinci wurde für den Neubau von 1910 neu angefertigt; darüber ein Kruzifix, flankiert von Maria und dem Jünger Johannes. – Barocke Kanzel, um 1640 von Johann Tamke, aus der alten Kirche übernommen und 1909 mit Abbildungen der vier Evangelisten versehen. 1960 neu gefasst (Kirchenmaler Droste). – Achteckiger Taufständer mit Deckel aus Eiche (um 1640), 1960 neu gefasst.12 – Epitaph (Ölgemälde) für P. Burchard Christoph Fexer († 1725).

Kirche, Blick zur Orgel, 1948

Kirche, Blick zur Orgel, 1948

Orgel

Eine Orgel war laut CB von 1841 noch nicht vorhanden. Das erste, 1852/53 von P. Furtwängler (Elze) erbaute Instrument, mit 18 II/P (HW, OW), mechanischer Traktur, Schleifladen, wurde beim Neubau der Kirche 1909/10 unter Erweiterung des klassizistischen Prospekts und Änderung der Disposition (u. a. Erweiterung um zwei klingende Stimmen im zweiten Manual und Pedal) übernommen und teilweise auf pneumatischen Laden aufgestellt. 1917 Ablieferung der Prospektpfeifen (1920 durch Zinkpfeifen ersetzt). 1934 Einbau eines elektrischen Gebläses. 1953 Renovierung und Veränderung der Disposition (Barockisierung) durch Firma Emanuel Kemper & Sohn (Lübeck) unter Fachberatung durch Alfred Hoppe (Verden). 1982 erneute Renovierung und Nachintonation, Wiedereinbau von Subbaß 16’ und Oktave 8’ im PW durch Firma Alfred Führer (Wilhelmshaven). 2014/15 Restaurierung und Wiederherstellung des ursprünglich romantischen Klangbildes durch Rowan West (Altenahr), 19 II/P.

Geläut

Drei LG, I: f’ (Bronze, Gj. 1816, Straßburg; II: as’ (Bronze, Gj. 1979, Karlsruher Glocken- und Kunstgießerei); III: b’ (Bronze, Gj. 1979, Karlsruher Glocken- und Kunstgießerei). – Eine SG in as’’ (Bronze, Anfang 20. Jh.). – Früherer Bestand: Eine alte Glocke wurde wohl 1740 beim Brand des Turms zerstört. 1752 Guss von zwei neuen Bronzeglocken durch Johann Andreas Biber (Hamburg). Die größere ist 1836 gesprungen, wurde 1839 durch J. Kovatsay (Walsrode) umgegossen und 1917 zu Kriegszwecken abgeliefert. Die kleinere Glocke wurde 1926 verkauft. 1926 Beschaffung von drei Stahlglocken bei Firma Schilling & Lattermann (Apolda). Glockenweihe am 10. Mai 1926. Wegen starker Rostschäden wurden die Eisenglocken stillgelegt. 1980 erwarb die KG eine 1816 in Straßburg für die Kathedrale in Colmar gegossene Bronzeglocke, die dort bis 1976 als Betglocke diente. Ergänzt wurde sie um zwei weitere Bronzeglocken der Karlsruher Glocken- und Kunstgießerei. Glockenweihe am 13. März 1980. Von den drei Stahlglocken wurde die große nach Überarbeitung der Schule in Wiegersen zur Verfügung gestellt, die mittlere kam auf den Friedhof in Ruschwedel, die kleinere auf den Friedhof in Ottensen.

Weitere kirchliche Gebäude

Pfarrhaus (Bj. 1891). – Gemeinde- und Pfarrhaus (Bj. 1965/66, nach Umbau 2004 neu eingeweiht).

Friedhof

Ursprünglich auf dem Kirchhof; jetzt am westlichen Dorfrand (Auf dem Brink). In Trägerschaft der Samtgemeinde Apensen. Die Außendörfer verfügen teilweise über eigene Friedhöfe.

Landeskirchliches Archiv Hannover

A 2 Nr. 38-46 (Kons. Stade, Pfarroffizialsachen); A 5 Nr. 49 (Spec. Landeskons.); A 6 Nr. 271-276 (Pfarrbestallungsakten); A 8 (CB); A 9 Nr. 2588-2589 (Visitationsakten); B 18 Nr. 133 (Orgelsachverständiger); D 49 (Buxtehude).

Literatur

A: Albrecht, Denkmaltopographie Lkr. Stade, S. 88 f.; Golon/Kröncke, Orgeln, S. 107-109; Merz, Generalkirchenvisitation, S. 103-106.
B: Christian Fuhst: 1910-2010. 100 Jahre Kirche Apensen o. O. [2009]; Walter Jarecki: Pfarrbesetzungen in Apensen (Kreis Stade) im 16. und 17. Jh., in: JbGNK 103 (2005), S. 265-274.


Fußnoten

  1. Lüneburger UB XIII, Scharnebeck, Nr. 246.
  2. Jarecki, S. 268.
  3. Jarecki, S. 268, Anm. 21.
  4. Meyer, Pastoren I, S. 28.
  5. LKA, G 1/Apensen.
  6. KABl. 1973, S. 111.
  7. LkAH, A 8/Apensen (Corpus bonorum 1841).
  8. KABl. 1906, S. 113.
  9. KABl. 1967, S. 19.
  10. Jarecki, Verdener Andreasstift, S. 7.
  11. LkAH, A 8/Apensen (Corpus bonorum 1841).
  12. Mathies, Taufbecken, S. 113.