Sprengel Stade, KK Buxtehude | Patrozinium: Katharina | KO: Keine Kirchenordnung

Orts- und Kirchengeschichte

Die südöstlich von Stade auf dem östlichen Ufer der Aue gelegene Geestgemeinde entstand in fränkischer Zeit. Als Teil der Gft. Stade kam sie als Schenkung des Gf. Hartwig von Stade, Dompropsts zu Magdeburg und später Ebf. von Bremen, in den Besitz der Bremer Kirche. Als die Schenkung durch Heinrich den Löwen angefochten wurde, wurde die Gft. in einem Vergleich von 1236 geteilt und Bliedersdorf endgültig dem Erzstift Bremen übereignet. Das Dorf war Sitz des gleichnamigen, ursprünglich wohl freien Adelsgeschlechts, das bald nach 1200 als Ministerialen der Welfen bzw. der Bremer Ebf. erscheint. Die Familien von Bliedersdorf, von Borch und von Düring bleiben bis zum Dreißigjährigen Krieg alleinige Besitzer des Ortes.

Kirche, Ansicht von Süden, um 1953

Kirche, Ansicht von Süden, um 1953

Die Kirche, die ungeachtet der politischen Zugehörigkeit zum Erzstift Bremen kirchlich dem Bm. Verden unterstand, soll bald nach dem Kreuzzug gegen die Stedinger Bauern (1234) durch Iwan II. von Bliedersdorf als Eigenkirche gegründet worden sein.1 Ab etwa 1350 war die Kirche Filial (Kapelle) von Neukloster. Als Geistliche fungierten Klosterkaplane aus Neukloster. Belegt sind Johannes Fürboter (1560), Johannes Rebinder (1569), Johannes Vogel (1572), Rudolph Bruggmann (1577), Johannes Duurnhoued (1578) und Ulrich Sindorff (1582/83).
Wann die sich die Reformation durchsetzte, ist unklar. Der frühere Benediktinermönch und Klosterkaplan Nikolaus Meyer hielt nach 1610 ev. GD in der Bliedersdorfer Kirche und wird 1611 als apostatas (abtrünnig) bezeichnet. Die Kanzel aus dem Jahr 1622 verweist mit ihrer Inschrift bereits auf das reformatorische Bekenntnis. Die neue Lehre dürfte demnach in den Jahren zwischen 1610 und 1622 in Bliedersdorf Eingang gefunden haben. Als erster gesicherter Geistlicher wird Caspar Schacht (ab 1631/32) genannt, der 1638 durch die Katholiken vertrieben und durch den Ebf. dafür zum zweiten Dompastor ernannt wurde. Erst nach dem Ende des Dreißigjährigen Krieges setzte sich das Bekenntnis endgültig durch. 1660 wird der aus Buxtehude stammende Hinrich Knütel als Pastor genannt. 1672 bis 1688 war die Pfarrstelle durch M. Franz Ludolph Meyer besetzt. Nachdem sich auch Neukloster der Reformation angeschlossen hatte, wurden die beiden Pfarrstellen wieder miteinander vereint. Ab 1705 fanden vierzehntägliche GD in Neukloster statt. 1711 wurde der Pfarrsitz ganz dorthin verlegt und in Bliedersdorf als Filial seither nur noch einmal monatlich GD gehalten. Das Pfarrhaus in Bliedersdorf diente ab 1771 als Gasthaus.
Zu einer deutlichen Aufwertung der Gemeinde kam es erst nach dem Zweiten Weltkrieg. Durch den Zuzug von Heimatvertriebenen stieg die Zahl der Gemeindeglieder in Neukloster/ Bliedersdorf von 2.024 (1925) auf 3.369 (1950). Mit dem 1. Juli 1971 wurde deshalb die pfarramtliche Verbindung mit der KG Neukloster gelöst und Bliedersdorf stattdessen unter Errichtung einer zweiten Pfarrstelle in Bliedersdorf mit der KG Horneburg verbunden.2 Als neues Pfarrhaus wurde 1977 ein ehemaliges Bauernhaus neben der Kirche angekauft (Bj. 1831) und an dessen Stelle ein neues Pfarr- und Gemeindehaus im Fachwerkstil errichtet.
Zur Unterstützung der Gemeindearbeit wurde 2005 die kirchliche Stiftung Feldsteinkirche Bliedersdorf ins Leben gerufen.

Umfang

Bliedersdorf mit den einzelnen Häusern Postmoor, Tösenkamp und Trendelbusch.

Aufsichtsbezirk

Archidiakonat Hollenstedt der Diözese Verden. – Unter schwedischer Herrschaft zur Altländischen Präpositur. Kam im Zuge der Reorganisation der Aufsichtsbezirke im Bereich des Stader Konsistoriums mit dem 1. Januar 1827 zur neu errichteten Insp. Harsefeld bzw. Bargstedt (Sitz in Bargstedt, 1830-1884 Mulsum, 1884-1901 Bargstedt, ab 1901 Apensen). 1924 in die KKV überführt und im Oktober 1934 mit dem Aufsichtsbezirk Buxtehude zum KK Bargstedt-Buxtehude zusammengeführt. 1. Januar 1958 umbenannt in KK Buxtehude.

Patronat

Wahrscheinlich zunächst die Herren von Bliedersdorf als Gründer der Kirche, dann die von Borch. Um 1443 wird Johann von Borch als Patron genannt. Später der Landesherr (bis 1871).

Kirchenbau

Romanische Saalkirche aus Feldsteinen mit eingezogenem, quadratischem Chor und fensterloser, halbrunder Apsis aus dem zweiten Drittel des 12. Jh., teilweise später in Backstein erneuert. Der Chorgiebel aus Fachwerk. Um 1700 Anbau eines Brauthauses aus Fachwerk an der Nordseite (1975 restauriert). Der Innenraum wird seit etwa 1700 von einer flachen bemalten Holzbalkendecke überspannt. Sanierung der Kirche 2014.

Turm

Westlich der Kirche ein schiefergedeckter hölzerner Glockenturm auf einem Fundament aus Feldsteinen (1708).

Kirche, Blick zum Altar, Foto: P. Greve, Jöllenbeck (?), 1982

Kirche, Blick zum Altar, Foto: P. Greve, Jöllenbeck (?), 1982

Ausstattung

Mittelalterlicher Blockaltar. Darauf ein Flügelaltar (dat. 1587, das Gehäuse aber wohl älter), mit einer bäuerlich-naiven Darstellung des Abendmahls (geschaffen durch den Bliedersdorfer Küster und Schullehrer) und das Vaterunser, auf den Flügeln die Einsetzungsworte, in der dreigeteilten Predella die Austeilungsworte des Abendmahls und Ps 111,4. Die ursprünglichen Reliefs des Schreins und der Flügelinnenseiten wurden wohl im Zuge des nachref. Bildersturms beseitigt. – Holzgeschnitzte Kanzel der Spätrenaissance mit den vier Evangelisten auf den Brüstungsfeldern, gestiftet durch Christopher Richers (1622). – Achteckige hölzerne Taufe auf gedrehtem Ständer und drei eisernen Stützen (eventuell wie die Kanzel erste Hälfte 17. Jh., 1696 neu gefasst, 1984 restauriert). – Chorpriechen (1698).

Orgel, nach 1976 (?)

Orgel, nach 1976 (?)

Orgel

1893 Anschaffung eines gebrauchten Harmoniums, für das 1894 in der Kirche eine Empore eingezogen wurde. Die erste Orgel (II/P) wurde 1914 durch die Firma Faber & Greve (Salzhemmendorf), erbaut und Pfingsten 1914 eingeweiht. 1956 Neubau durch Firma E. Kemper (Lübeck), 9 I/P, mechanische Traktur, Schleifladen. Einweihung 12. August 1956, beim Brand der Kirche im April 1975 zerstört. 1976 Neubau durch Firma Hermann Hillebrand (Altwarmbüchen) 9 I/P, mechanische Traktur, Schleifladen.

Geläut

Zwei LG, I: g’ (Friedensglocke, Bronze, Gj. 1625, Hans Nuesel, Hamburg; angeblich durch die Horneburger Adelsfamilie von Düring gestiftet. 1942 zur Rüstungszwecken abgeliefert und 1947 zurückgegeben); II: a’ (Marienglocke, Bronze, Gj, 1444, Gert Klinghe, Bremen; gestiftet durch den Burgmann Johann von Borch aus Horneburg3).

Friedhof

Friedhof, bis 1880 auf dem Kirchhof, dann Anlage eines neuen Friedhofs an der Straße nach Horneburg (1963 erweitert). FKap (Bj. 1971), errichtet durch die politische Gemeinde (Architekt: Erich Schulz, Bliedersdorf).

Landeskirchliches Archiv Hannover

A 6 Nr. 914 (Pfarrbestallungsakten); D 49 (EphA Buxtehude).

Literatur

A: Albrecht, Denkmaltopographie Lkr. Stade, S. 101 f.; Aye/Kronenberg, Taufbecken, S. 77, Nr. 48; Dehio, Bremen/Niedersachsen, S, 231; Diederichs-Gottschalk, Schriftaltäre, S. 296-300; Merz, Generalkirchenvisitation, S. 106-110.
B: Christian Fuhst, Gerhard Burfeind: Bliedersdorf, wie es wurde, was es ist, Bliedersdorf [1988]; Christian Fuhst: St. Katharinen in Bliedersdorf, [Bliedersdorf 2008].


Fußnoten

  1. Fuhst/Burfeind, S. 46.
  2. KABl. 1971, S. 227 f.
  3. Hellwig, Klinghe, S. 170.