Sprengel Lüneburg, KK Lüneburg | Patrozinium: Hippolyt | KO: Lüneburger KO von 1643.

Orts- und Kirchengeschichte

Ort im alten Bardengau, 1293 erstmals urkundlich erwähnt. Amelinghausen war Besitz des Verdener Bf. Amelung und wurde nach dessen Tod (962) durch seinen Bruder Hermann Billung eingezogen. 1137 kam es mit dem Hzm. Sachsen an die Welfen, 1235 an Hzg. Otto. Sitz der Vogtei Amelinghausen (1450 erstmals belegt), nachher zum Amt Winsen a. d. Luhe.

Kirche, Ansicht von Süden, 1940

Kirche, Ansicht von Süden, 1940

Ein erster hölzerner Kirchenbau entstand vielleicht schon im 9. Jh. durch fränkische Siedler. Ein in hebräischer Schrift auf 1170 datierter Feldstein im Fundament gilt als Indiz für die Erbauungszeit der ersten Feldsteinkirche. Sicher bestand im 10. Jh. eine Mönchsniederlassung mit einem Ordenshaus, in dem der Verdener Bf. Amelung vor seiner Berufung als Abt wohnte. Ein Teil seiner Güter wurde wahrscheinlich nach seiner Erhebung zum Bf. zur Fundierung der Pfarre verwendet. Die urkundliche Ersterwähnung der Kirche liegt allerdings erst am 18. November 1322 vor, als die Kirchenjuraten zu Amelchusen von Ludolf von Putenhusen ein Fuder Salz für ihre Pfarrkirche St. Hippolyt erwarben. Die Mönchsniederlassung wurde 1396 aufgegeben. Ihr Besitz ging auf die Kirchspielleute über. Die Kirche besaß die Grundherrschaft über vier Meierhöfe (zwei in Ehlbeck, je eine in Drögen-Nindorf und Salzhausen) sowie eine Kote in Sottorf.
An Geistlichen sind in vorref. Zeit erwähnt: der aus einem Lüneburger Burgmannengeschlecht stammende Thidericus de Monte (Dietrich von dem Berge) als rector parrochialis ecclesie in Ameliechusen (genannt 1346 bis 1349, zugleich Kaplan am Marienaltar an der Pfarrkirche in Lüchow, später Domherr und Dompropst in Verden)1; Heinrich Stocvish (1399 bereits als verstorben bezeichnet); Heinrich Meinke (plebanus, 1501 und 1511 und Johann Grove (kerckhere tho Amelunckhusen, 1521). Letzter altgläubiger Pfarrer war Bartold Göming, der die KG 1529 verließ, als auf Befehl des Landesfürsten alle Kirchen im Amt Winsen mit ev. Predigern besetzt werden sollten. Als Ersatz wurde der ev. Prediger Johann Korfken (Corbicula) aus Salzwedel angestellt, der am 29. Juli 1529 seine Antrittspredigt hielt († 1. Oktober 1579). Als er 1535 einen Ruf nach Salzwedel erhielt, versuchte die Gemeinde, ihn (mit Erfolg) zu halten, indem sie ihm die Übernahme der Kosten für das Studium seines Sohnes und der Aussteuer der Tochter zusagte.2 In seine Amtszeit fallen die Anschaffung einer neuen Orgel (1550) und der Bau des Pfarrwitwenhauses (1568). Erwähnenswert ist unter den luth. Pfarrern außerdem Johannes Dannemann/Damann (amt. 1611-1651), der zuvor Hofprediger am Schloss zu Winsen a. d. Luhe, dem Witwensitz der Hzgn. Dorothea, war. Er starb 1651 und wurde in der Kirche von Amelinghausen beigesetzt.

Kirche, Blick zum Altar, um 1900/1910

Kirche, Blick zum Altar, um 1900/1910

1539 bestanden im Ort fünf Gilden, die 1539 auf Befehl Ernst des Bekenners zu einer einzigen verschmolzen wurden. Als sie 1801 aufgelöst wurde, fielen sämtliche Einnahmen an die Kirche. Das Gildeholz wurde zur Küsterstelle geschlagen. Der Schuldienst wurde ursprünglich durch den Geistlichen selbst gehalten und erst 1614 dem Küster übertragen. Rehlingen, Ehlbeck und Oldendorf bekamen später eigene Schulen.
1878 gründete sich im Gemeindeteil Sottorf eine freikirchliche Gemeinde (Pella-Gemeinde, jetzt zur SELK). Insgesamt war die KG noch bis nach dem Zweiten Weltkrieg durch die Hermannsburger Missionsbewegung geprägt. Amelinghausen galt 1946 „als die Gemeinde der besten Kirchlichkeit“ im KK.3 Mit dem Rückgang der in der Landwirtschaft tätigen Gemeindeglieder und dem Aufkommen des Tourismus setzte allerdings ein struktureller Wandel ein, der auch die KG vor neue Aufgaben stellte (Camping-Seelsorge).

Umfang

Amelinghausen, Dehnsen, Diersbüttel, Etzen, Marxen am Berge, Oldendorf a. d. Luhe, Osterehlbeck, Rehlingen, Sottorf, Westerehlbeck (Rehrhof), Wohlenbüttel; Bockum.

Aufsichtsbezirk

Archidiakonat Salzhausen der Diözese Verden. – Nach der Reformation zur Insp. Bardowick, 1737 an die neu errichtete Insp. Pattensen bei Winsen, deren Sitz 1801 nach Salzhausen, 1822 wieder nach Pattensen bei Winsen verlegt wurde. Da der Ort in verkehrlicher Hinsicht ganz auf Lüneburg ausgerichtet war, wurde die KG 1868 in die Insp. Lüne (1924: KK Lüneburg) umgegliedert.4 KK Lüneburg und KK Bleckede zum 1. Januar 2017 zum neuen KK Lüneburg zusammengelegt.5

Patronat

Verbunden mit dem Besitz des adeligen Guts Amelinghausen (dingliches Patronat). Seit Ende des 14. Jh. die von Berfelde, die das Gut 1398 als Lehen der Gf. von Schaumburg erhalten hatten. Ab 1532 die von Dageförde. Nach deren Erlöschen wurde das Patronat auf die Witwe des Kanzlers Johann Sinold, geb. Schütz übertragen. Der Geheime Rat Freiherr von Schütz gab das Patronatsrecht 1707 im Tausch gegen das Patronat über die Kirche in Kirchwahlingen an den Landesherrn zurück (bis 1871).6

Kirchenbau

An der mittelalterlichen, gewölbten Feldsteinkirche im Ortszentrum fanden 1688 und 1694 Sicherungsmaßnahmen statt. Dennoch musste sie 1749/50 wegen Baufälligkeit abgebrochen werden. An ihrer Stelle entstand eine frühklassizistische Fachwerksaalkirche nach Plänen des Oberlandbaumeisters O. H. von Bonn. Am 7. Juni 1818 wurden Kirche und Pfarrhaus bei einem Dorfbrand zerstört. Die Kirche wurde unter Verwendung von Teilen des Außenmauerwerks (Nordwand) in Ziegelmauerwerk neu aufgeführt: Klassizistischer Saalbau auf rechteckigem Grundriss mit mittigen Eingangsrisaliten an den Längsseiten. Im Osten abgewalmtes Dach. Der schlichte Innenraum wird durch die Stützen der umlaufenden Emporenanlage in drei, in der Mitte durch ein Tonnengewölbe geschlossene Schiffe gegliedert. Renovierung 1969.

Fenster

An der Nordseite Buntglasfenster mit Motiven aus Bibel und Volksfrömmigkeit (1937).

Turm

Die mittelalterliche Kirche erhielt 1501 einen Rundturm aus Feldsteinen zur Aufnahme der Glocken, der Uhr und des Bälgewerks der Orgel. Er wurde noch 1742 renoviert und blieb trotz Brand und Neubau des Kirchenschiffs 1818 zunächst erhalten. 1827/31 wurde er bis auf die Fundamente abgebrochen und durch den Lüneburger Stadtbaumeister Kampf 1895 in gotisierenden Formen neu errichtet. Achtseitiger kupferverkleideter Helm mit Filialtürmchen über den Ecken.

Ausstattung

Die heutige Inneneinrichtung mit klassizistischer Kanzelaltarwand nach dem Brand von 1818, Kanzel von 1820. Der Altar wurde bei der Renovierung 1969 neu gestaltet (Altarblock aus Beton, Stufen und Mensa aus Wesersandstein). – Achteckige, neuromanische Sandsteintaufe (1820). – Frühbarockes Kreuz (ehemaliges Sarg- oder Vortragekreuz, um 1700) mit Spuren des Brandes von 1818. – Figur des heiligen Hippolit aus Lindenholz (ehemalige Linde im Pfarrgarten) von Manuel Donato Diez (2001).

Kirche, Blick zur Orgel, nach 1961 (?)

Kirche, Blick zur Orgel, nach 1961 (?)

Orgel

Eine Renovierung ist 1495 belegt. Neubau 1550. Instandsetzungen 1594 und 1617. Nach Schäden durch den Dreißigjährigen Krieg 1658 weiterer Neubau. 1818 Brandzerstörung. 1840 Neubau einer romantischen Orgel durch die Firma Altendorf & Bergemann (Hannover), 17 II/P (HW, BW), mechanische Traktur, Schleifladen (nach der Aufzeichnung der Disposition von 1960).7 1961 Umbau im Sinne der Orgelbewegung. 2001 renoviert und auf 21 Reg. erweitert.

Geläut

Drei LG, I: es’; II: f’; III: h’ (alle Gussstahl, Gj. 1895, Bochumer Verein). – Früherer Bestand: Die alte Kirche hatte zwei LG, von denen die größere 1507 und 1639 (durch Paul Voß, Lüneburg) umgegossen wurde. 1516 erfolgte der Guss der kleinen LG in Lüneburg zu Ehren des heiligen Hippolyt. Das heutige Gussstahlgeläut kam im Zuge des Turmneubaus 1895 nach Amelinghausen.

Weitere kirchliche Gebäude

Pfarrhaus, neu erbaut 1580 und 1741. Beim Brand von 1818 zerstört; noch im gleichen Jahr Neubau (Fachwerkbau im niedersächsischen Stil). 1990 Sanierung und Umbau zum Pfarr- und Gemeindehaus. – Pfarrscheune (Bj. 1818), später zum Geschäftshaus umgebaut, 1978 abgebrochen. – Pfarrwitwenhaus (Bj. 1568, ebenfalls 1818 zerstört und erst 1860 wieder errichtet. Ab 1898 dauerhaft vermietet).

Friedhof

Ursprünglich bei der Kirche. Der Ende des 18. Jh. an der Soltauer Straße neu angelegte Begräbnisplatz (Alter Friedhof) war zunächst wohl für Etzen, Dehnsen, Ehlbeck und Rehrhof bestimmt, nach dem Ende der Beisetzungen auf dem Kirchhof für die gesamte Gemeinde. In den 1930er Jahre wurde der der Neue Friedhof im Lopautal südöstlich des Dorfs (an der Uelzener Straße) angelegt. FKap.

Landeskirchliches Archiv Hannover

A 1 Nr. 274-294 (Pfarroffizialsachen); A 6 Nr. 239-249 (Pfarrbestallungsakten); A 9 Nr. 56-59 (Visitationen).

Literatur

A: Dehio, Bremen/Niedersachsen, S. 131; Weiß, Denkmaltopographie Lkr. Lüneburg, S. 42 f.; Wrede, Glocken I, S. 5-8.
B: Brigitte Hense: Chronik Amelinghausen 1293-1993, Amelinghausen [1992]; Ernst Rüther: Alte Nachrichten über die Kirche und die Gilder zu Amelinghausen, in: Der Heidewanderer 14 (1929), S. 308-310.


Fußnoten

  1. UB Verden II, Nr. 656 und passim.
  2. Kayser, Kirchenvisitationen, S. 523, Anm. 1159.
  3. LkAH, L 5e, unverz., Amelinghausen, Visitation 1946.
  4. Vierteljährliche Nachrichten 1869, S. 44.
  5. KABl. 2016, S. 168 f.
  6. LkAH, B 2 G 15/Kirchwahlingen.
  7. LkAH, L 5e, unverz., Amelinghausen, Visitation 1960.