Sprengel Stade, KK Wesermünde | Patrozinium: Ansgar | KO: Keine Kirchenordnung
Orts- und Kirchengeschichte
Die politische Gemeinde Lunestedt entstand 1968 aus dem Zusammenschluss der Orte Freschluneberg und Westerbeverstedt. Sie liegt im Lkr. Cuxhaven und gehörte bis 2011 zur Samtgemeinde Beverstedt. 2011 wurde Lunestedt in die neue Einheitsgemeinde Beverstedt eingemeindet. Im Jahr 1910 lebten etwa 700 Menschen in Freschluneberg und Westerbeverstedt, 1970 waren es in Lunestedt knapp 1.950 und 2023 rund 2.560.
Kirchlich gehörten Freschluneberg und Westerbeverstedt bzw. Lunestedt bis ins dritte Viertel des 20. Jh. zum Kirchspiel Beverstedt. Seit Anfang der 1960er Jahre plante die KG Beverstedt für Freschluneberg und Westerbeverstedt den Bau eines Gemeindezentrums; später wurden auch Heise und Hollen, die noch zur KG Bramstedt zählte, in die Planung einbezogen.1 Am 1. Mai wurde in Freschluneberg der Grundstein für den Komplex gelegt, der Kirche, Glockenturm, Gemeindesaal und Pfarrhaus umfasste. Im Sommer 1966 konnte der Gemeindesaal mit einem Missionsfest eingeweiht werden und am 17. Dezember 1966 feierte die Gemeinde zusammen mit Lbf. Hanns Lilje (amt. 1947–1971) den ersten Gottesdienst in der neuen Kirche. Sie erhielt den Namen Ansgari-Kirche: Während der Amtszeit des Bremer Bf. Ansgar (amt. 848–865), der 1.100 Jahre vor der Grundsteinlegung der Freschluneberger Kirche gestorben war, soll die blinde Thiatgardis aus Westristan-beverigisti (Westerbeverstedt) zum Grab Bf. Willehads (amt. 787–789) gepilgert sein und ihr Augenlicht zurückerlangt haben. Dies berichtet Bf. Ansgar in den Miracula s. Willehadi.2
Die neue Kirche war Zentrum des zweiten Pfarrbezirks der KG Beverstedt. Erster Pfarrer war P Ulrich Haar (amt. 1966–1976), der bereits seit 1964 als P. coll. in der Gemeinde tätig war. 1974 übernahm die KG Beverstedt die Trägerschaft des neuen Kindergartens in Lunestedt, 1981 des Spielkreises in Hollen.3 Seit 1984 besteht ein Posaunenchor in Lunestedt.
Zum 1. Oktober 1987 löste sich der Pfarrbezirk Lunestedt aus dem Kirchspiel Beverstedt und das LKA Hannover errichtete die eigenständige „Ev.-luth. St.-Ansgari-KG Lunestedt“.4 Von ihrer Muttergemeinde übernahm die St.-Ansgarigemeinde die zweite Pfarrstelle sowie die Trägerschaften des Kindergartens Lunestedt und des Kinderspielkreises Hollen. Zentral in der Diskussion um die Trennung war das Argument, „kirchliche Arbeit sei in kleinen, überschaubaren Einheiten besser zu leisten als in großen, unüberschaubar gewordenen“.5 In seinem Bescheid zur Visitation 1990 schrieb der Stader LSup., die Verselbständigung sei „eine sinnvolle und dem Gemeindeaufbau dienende Maßnahme“ gewesen.6 Die Zahl der Gemeindeglieder lag 1990 bei gut 2.610.
Im Rahmen der Partnerschaft zwischen der hannoverschen und der sächsischen Landeskirche unterhielt die KG Lunestedt zusammen mit Beverstedt Kontakte zur Kirchgemeinde Niederzwönitz im Erzgebirge.7 Im Jahr 2010 zählte die KG Lunestedt zu den Gründerinnen des „Ev.-luth. Kindertagesstättenverbandes Wesermünde-Süd“ (2014: „Ev.-luth. Kindertagesstättenverband Wesermünde“); seither ist der Verband Träger des ev. Kinderspielkreises und des ev. Kindergartens (2015 zwei Kindertagesstätten; 2017 drei Kindertagesstätten: Kita zum Lunebogen Lunestedter Schmetterlinge, Hollener Schmetterlinge).8
Gemeinsam mit den KG Altluneberg und Beverstedt gründete die St.-Ansgari-KG Lunestedt zum 1. Januar 2024 die „Ev.-luth. Dreieinigkeits-Gesamtkirchengemeinde Altluneberg-Beverstedt-Lunestedt“.9
Umfang
Lunestedt (Freschluneberg und Westerbeverstedt) sowie Heise und Hollen.
Aufsichtsbezirk
Mit Gründung der KG 1987 zum KK Wesermünde-Süd. Seit 1. Januar 2013 KK Wesermünde.10
Kirchenbau
Moderner Bau mit L-förmigem Grundriss, ausgerichtet leicht ostnordöstlich, erbaut 1965/66 (Architekt: Wolfgang Westphal, Bremerhaven). An der Südseite schließt sich ein Gemeindehaustrakt an. Asymmetrisches Satteldach über dem Schiff, westliche Dachfläche tief herabgezogen; Satteldach über dem Anbau an der Nordseite des Chors. Außenwände verklinkert. An der Nordseite wandhohe Fensterschlitze, an der Südseite des Altarraums Betonglasfenster, Westwand mit wandfüllenden Betonwabenfenstern (vierseitig mit runder Fensteröffnung), in der Mitte Hauptportal; am Choranbau kleine Rechteckfenster und Nebeneingang nach Westen. Im Innern verklinkerte Wände, offener Dachstuhl, freistehende Holzstützen, holzverschalte Deckenflächen; im Seitenflügel links des Altarraums Orgel und Sakristei; Westteil abgetrennt durch bewegliche Glaswand. 2005/06 Umbau, u. a. Teil des Kirchenschiffs als Gemeindesaal abgetrennt (bewegliche Glaswand), Mittelgang angelegt.11
Fenster
Im Altarraum farbiges Betonglasfenster nach Süden (1965/66, Hagen Westphal, Bremerhaven); violett, orange, weiß.
Turm
Westlich der Kirche freistehender Glockenturm, erbaut 1965/66. Offene Betonkonstruktion mit Flachdach und geschlossener Glockenstube mit schmalen, horizontalen Schallschlitzen nach Westen und Osten.
Ausstattung
Altartisch mit T-förmigem Querschnitt (1965/66, G. Schreiter). – Hängendes Kreuz über dem Altar. – Ebenerdige Kanzel mit massiver Brüstung (1965/66). – Taufe (1965/66, G. Schreiter), Becken vierseitig mit abgerundeten Ecken, nach unten verjüngt; kurzer, runder Schaft.
Orgel
1972/73 Orgelbau, ausgeführt von Hermann Hillebrand (Altwarmbüchen), 11 (davon drei Transmissionen) I/P, mechanische Traktur, Schleifladen, Instrument aufgestellt links des Altarraums.
Geläut
Vier LG, I: fis’, Ansgarglocke, Inschrift: „Jesus Christus, gestern, heute und derselbe auch in Ewigkeit“, Bild: Siegel mit Darstellung eines Bischofs und der Umschrift „St. Ansgari Freschluneberg“; II: a’, Gedenkglocke, Inschrift: „Den Toten der Weltkriege 1914–1918 und 1939–1945“, Bild: Kreuz mit Umschrift „spes unica“ (unsere einzige Hoffnung); III: e’’, Trauglocke, Inschrift: „Dienet dem Herrn mit Freuden!“; IV: gis’’, Taufglocke, Inschrift: „Wer da glaubet und getauft wird, der wird selig werden“ (alle Bronze, Gj. 1966, Firma Rincker, Sinn).
Weitere kirchliche Gebäude
Pfarrhaus (Bj. 1967/68). – Gemeindehaustrakt (Bj. 1965/66)
Friedhof
Kommunale Friedhöfe in Hollen, Lunestedt-Freschluneberg und Lunestedt-Westerbeverstedt.
Landeskirchliches Archiv Hannover (LkAH)
L 5g Nr. 952, 988 (LSuptur. Stade); S 09 rep Nr. 1703 (Presseausschnittsammlung).
Literatur
A: 50 Jahre KK Wesermünde-Süd, S. 96–97.
B: Ulrich Haar & Hagen Westphal: Ansgarikirche Freschluneberg, Bremen [1966]; Heinrich E. Hansen: Lunestedt. Ein Dorf im Landkreis Cuxhaven (= Neue Reihe der Sonderveröffentlichungen der Männer vom Morgenstern 14), Bremerhaven 1985, bes. S. 125–126; Arnold Plesse: Lunestedter Chronik. Freschluneberg und Westerbeverstedt. Ein Dorf mit Zukunft, Lunestedt 2009, bes. S. 239–244.
GND
1213821363, Evangelische Ansgarikirche (Freschluneberg)
Website der Gesamtkirchengemeinde (03.07.2025)
Fußnoten
- Plesse, S. 239 f.; Haar & Westphal, [S. 8 ff.].
- MGH SS 2, S. 388 [Digitalisat], siehe auch geschichtsquellen.de/werk/493. Vgl. auch Haar & Westphal, [S. 7 ff.], Hansen, S. 125.
- Plesse, S. 231 ff.; LkAH, L 5g, unverz., Lunestedt, Visitation 1996.
- KABl. 1987, S. 124 f.
- 50 Jahre KK Wesermünde-Süd, S. 97.
- LkAH, L 5g, unverz., Lunestedt, Visitation 1990.
- LkAH, L 5g, unverz., Lunestedt, Visitation 1990; Plesse, S. 243. Allgemein: Cordes, Gemeindepartnerschaften, S. 38 ff.
- KABl. 2010, S. 5 ff.; KABl. 2015, S. 87 f.; KABl. 2019, S. 325.
- KABl. [in Vorbereitung].
- KABl. 2012, S. 311 f.
- Plesse, S. 241.