Sprengel Lüneburg, KK Lüchow-Dannenberg | KO: Lüneburger KO von 1643
Orts- und Kirchengeschichte
Urkundlich ist der Ort erstmals 1360 im Lüneburger Lehnregister als Schernyn belegt.1 Zernien zählte zum Amt Dannenberg (vormals Gft. Dannenberg, 1303 an die Hzg. zu Braunschweig-Lüneburg gekommen), das zum welfischen Teilfsm. Lüneburg gehörte, seit 1569 zur Herrschaft Dannenberg (die 1636 an das Fsm. Wolfenbüttel kam)2, ab 1671 erneut zum Fsm. Lüneburg und ab 1705 zum Kfsm. Braunschweig-Lüneburg (Kurhannover). In französischer Zeit war Zernien von 1810 bis 1813 Teil des Kgr. Westphalen (Kanton Dannenberg im Distrikt Lüneburg des Departements Niederelbe, ab 1811 im Distrikt Uelzen des Departements Aller).3 Danach zählte das Dorf, nun im Kgr. Hannover, wieder zum Amt Dannenberg. Nach der Annexion des Kgr. Hannover fiel Zernien 1866 an das Kgr. Preußen. Mit Einführung der Kreisverfassung 1885 kam der Ort zum Kr. Dannenberg (1951: Lkr. Lüchow-Dannenberg). 1972 wurden die benachbarten Dörfer Bellahn, Braasche, Breese an der Göhrde, Fließau, Glieneitz, Gülden, Keddien, Klöterhörn, Middefeitz, Mützingen, Prepow, Reddien, Redemoißel, Riebrau, Sellien, Spranz und Timmeitz eingemeindet; im gleichen Jahr trat die Gemeinde Zernien der Samtgemeinde Dannenberg bei (2006: Samtgemeinde Elbtalaue).
Um 1813 lebten knapp 35 Menschen in Zernien, 1905 ebenfalls, 1946 gut 260, 1972 rund 450 und 2004 etwa 860.
Kirchlich gehörte Zernien bis hinein die zweite Hälfte des 20. Jh. zur KG Riebrau, die sich seit der Mitte des 16. Jh. ein gemeinsames Pfarramt mit der KG Gülden teilte. Zum 1. Januar 1974 fusionierten die beiden Gemeinden und gründeten gemeinsam die „Ev.-luth. KG Zernien“; der Sitz des Pfarramtes blieb in Riebrau.4 Die Zahl der Gemeindeglieder in der KG Zernien lag 1980 bei gut 1.480.5 Nach der ersten Visitation der neuen Gemeinde schreib der Dannenberger Sup. 1980, in Gülden und Riebrau habe sich durch den Zusammenschluss nichts verändert: „praktisch wechselte dadurch nur der Name“.6 Erster Pfarrer der KG Zernien war P. Heinrich-Alfred Höfer (amt. 1972–1979, seit 1969 Pfv. in Riebrau), der nebenberuflich „auf dem ererbten Hof“ als Landwirt tätig war.7 Pläne zum Bau eines Gemeindezentrums in Zernien konnten nicht verwirklicht werden, auch ein geplanter kirchlicher Kindergarten in Zernien kam nicht zu Stande.8 Erst in den 1980er Jahren richtete die Gemeinde einen Gemeinderaum in Zernien ein (zunächst ein Raum in der Schule, später im Seniorenpflegezentrum Lebenswärme; seit 2014 ist die KG zudem Partnerin im Dorfgemeinschaftshaus „Alte Schmiede“).
Ab September 2001 war die KG Zernien pfarramtlich mit der KG Breselenz verbunden.9 In den vier Kirchen der beiden Gemeinden fand jeweils etwa alle drei Wochen ein Gottesdienst statt, im Sommer zudem in der Gutskapelle Breese im Bruch.10 Überdies kooperieren die KG Zernien und Breselenz seit 2001 auf regionaler Ebene mit den KG Hitzacker und Neu Darchau (Region Nord im Kirchenkreis Lüchow-Dannenberg; u. a. Regionaldiakon, gemeinsame Glaubenskurse, Kindermusicals und Tauffeste).11 Die Pfarrstelle Breselenz-Zernien ging 2017 über auf das neu eingerichtete Kirchenkreispfarramt des KK Lüchow-Dannenberg.12 Seit Januar 2024 gehören die KG Breselenz und Zernien als Ortskirchengemeinden zur „Ev.-luth. GKG Nord im KK Lüchow-Dannenberg“.13
Umfang
Zernien sowie Braasche, Breese an der Göhrde, Glieneitz, Göhrde, Gülden, Keddien, Kollase, Middefeitz, Prepow, Reddien, Riebrau Sellien, Spranze und Timmeitz.
Aufsichtsbezirk
Mit Gründung der KG 1974 zum KK Dannenberg. Seit 2006 KK Lüchow-Dannenberg.14
Kirchenbau
Kirche in Gülden. – Kirche in Riebrau.
Friedhof
Kirchliche Friedhöfe in Gülden und in Riebrau.
Landeskirchliches Archiv Hannover (LkAH)
S 09 rep Nr. 2324 (Presseausschnittsammlung); S 11a Nr. 7821 (Findbuch PfA).
Literatur
A: Jürries/Wachter, Wendland-Lexikon II, S. 603–604; Manecke, Beschreibungen II, S. 94; Schmitz, Siedlungsnamen, S. 205.
B: Otto Puffahrt & Lars-Oliver Schulz: 650 Jahre Zernien. 1360–2010. Von der Kleinstsiedlung zum Grundzentrum, Zernien 2013, bes. S. 304–322; Sabine Tielker & Michael Gierow: 250 Jahre Kirche Riebrau. Fundstücke aus zweieinhalb Jahrhunderten, zusammengestellt aus Kirchenarchiv, Zeitungsarchiven und anderen Quellen, 2013.
Website der Kirchengemeinde (18.02.2024)
Fußnoten
- Hodenberg, Lüneburger Lehnregister, Nr. 520 [Digitalisat]. Für weitere Belege und zum Ortsnamen vgl. Schmitz, Siedlungsnamen, S. 205. Zur Ortsgeschichte vgl. Puffahrt & Schulz, S. 14 ff.
- Jürries/Wachter, Wendland-Lexikon I, S. 209 f.
- Bei Hassel, Repertorium, ist der Ortsname als „Zermin“ angegeben.
- KABl. 1974, S. 27.
- LkAH, L 5e, unverz., Zernien, Visitation 1980.
- LkAH, L 5e, unverz., Zernien, Visitation 1980.
- LkAH, L 5e, unverz., Zernien, Visitation 1980: „20 Morgen Rüben hat er dies Jahr“. Der Dannenberg Sup. schrieb, er hoffe, dass „sich seine Landwirtschaft gut mit dem Pfarramt vereinbaren läßt. Vor 100 Jahren war es schließlich selbstverständlich, und auch heute noch bewirtschaftet ein Pastor im Lüchower Kirchenkreis einen Hof in der Nachbargemeinde, wohnt sogar dort und ist im Pfarramt tüchtig und angesehen.“
- Puffahrt & Schulz, S. 317 und S. 643; LkAH, L 5e, unverz., Riebrau-Gülden (Zernien), Visitationen 1967 und 1973.
- KABl. 2002, S. 5.
- Tielker & Gierow, S. 37.
- Tielker & Gierow, S. 39.
- Zum Kirchenkreispfarramt: KABl. 2016, S. 140 ff.
- KABl. 2024 [in Vorbereitung].
- KABl. 2006, S. 21 f.