Sprengel Ostfriesland-Ems, KK Rhauderfehn | Patrozinium: Petrus und Paulus | KO: Ostfriesische KO von 1716

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Orts- und Kirchengeschichte

Der früheste schriftliche Beleg für den Ort findet sich als Volnhursti in einem Urbar der Abtei Werden, das sich auf das 10. Jh. datieren lässt.1 Im Jahr 1177 ist das Dorf im Süden Ostfrieslands als Vollen nachgewiesen.2 Es lag im Grenzbereich zum Hochstift Münster, dem weltlichen Herrschaftsgebiet des Münsteraner Bischofs. Die heutige Ortschaft Völlen wuchs zusammen aus den beiden Siedlungen Völlen und Latter.3 Im Hochmittelalter zählte Völlen zur ostfriesischen Landesgemeinde Overledingerland. Nachdem Ks. Friedrich III. im Jahr 1464 Ulrich I. Cirksena zum Reichsgrafen von Ostfriesland erhoben hatte (Reichsfürsten seit 1654/62), bildete sich in der zweiten Hälfte des 15. Jh. die Ämterstruktur der Gft. Ostfriesland heraus.4 Völlen gehörte zum Amt Leerort, dessen Sitz 1611 nach Leer verlegt wurde. 1744 kam die Gft. Ostfriesland an Preußen. In französischer Zeit zählte Völlen ab 1807 zum Kgr. Holland und von 1810 bis 1813 zum Kaiserreich Frankreich (Département Ems-Oriental, Arrondissement Emden, Kanton Leer). Danach gehörte Völlen wieder zum Amt Leer, ab 1815 im Kgr. Hannover und nach der preußischen Annexion von 1866 erneut im Kgr. Preußen. Bei Einführung der Kreisverfassung kam das Dorf zum Lkr. Leer. Seit 1973 bildet Völlen mit Völlenerfehn (erste Moorsiedler im 16. Jh.) und Völlenerkönigsfehn (erste Siedler 1777) einen Ortsteil der neuen Gemeinde Westoverledingen. Im 20. Jh. entwickelte sich „Papenburg mit seinen vielen Arbeitsplätzen der Industrie, wo schon 1914 über 300 Männer aus unserer Parochie ihr Brot suchten und fanden“ zum wichtigsten Pendelziel der erwerbstätigen Bevölkerung der KG Völlen: 1965 gab der Ortspastor an, dass der „größte Teil der Gemeindeglieder“ in Papenburg arbeite.5 Im Jahre 1821 lebten knapp 740 Menschen in Völlen, 1905 etwa 2.350, 1946 knapp 3.000, 1970 rund 4.130 und 2001 gut. 5.240.

Glockenturm, Ansicht von Südosten, nach 1949

Glockenturm, Ansicht von Südosten, nach 1949

Ältestes Zeugnis der örtlichen Kirchengeschichte ist die Glocke aus dem Jahr 1330; möglicherweise ist der in der Inschrift genannte her hewe als Pfarrer des Dorfes anzusehen.6 Völlen war eine der wenigen ostfriesischen Gemeinden, die kirchlich zum Bistum Osnabrück gehörten.7 Ein wohl um die Mitte des 13. Jh. am südlichen Ortsrand errichtetes Gotteshaus (Südender oder Badenkamp Kirche) trug die Gemeinde Mitte des 16. Jh. ab. Das Abbruchmaterial diente zum Bau eines Kirchturms an der vermutlich in der ersten Hälfte des 15. Jh. weiter nördlich errichteten Peter-und-Paul-Kirche (auch Latter Kirche).8
Die Reformation breitete sich in Ostfriesland mindestens unter Duldung des Landesherrn Gf. Edzard I. († 1528) aus, aber ohne seine Lenkung.9 Es entwickelte sich ein Nebeneinander verschiedener prot. Richtungen. Versuche Gf. Ennos II. († 1540), die kirchlichen Verhältnisse einheitlich und eher luth. zu gestalten, scheiterten (u. a. 1529 „Bremer KO“ von Johann Timann und Johann Pelt, 1535 „Lüneburger KO“ von Martin Undermarck und Matthäus Ginderich). Ebenso erfolglos blieb letztlich das Bemühen Gfn. Annas († 1575), die ostfriesische Kirche zusammen zu halten und ihr eine eher ref. Form zu geben (u. a. 1542 Johannes a Lasco als Sup. berufen, 1544 Coetus begründet). Während der gemeinsamen Regierungszeit ihrer Söhne, des ref. Gf. Johann II. († 1591) und des luth. Gf. Edzard II. († 1599), die vom Ringen um jeweils alleinige Herrschaft geprägt war, verfestigte sich das Nebeneinander ref. und luth. Gemeinden. Die Konkordate von 1599, geschlossen zwischen den Landständen und dem Landesherrn, garantierten den Konfessionsstand der einzelnen ostfriesischen Gemeinden.
In Völlen etablierte sich das neue Bekenntnis während der Amtszeit des P. Bolardus Jeltkes (amt. 1521–1554).10 Sein Nachfolger war P. Johann von Groningen (amt. 1554–1556), dessen Bestallungsurkunde sich erhalten hat.11 „Wir“, schrieb Gfn. Anna darin, „haben ihn über unserer Kirche und unser Kirchspiel zu Völlen bestellt, geordnet und gesetzt“. Die Gemeinde hatte also, anders als bei späteren Besetzungen der Pfarrstelle, an der Wahl des Geistlichen anscheinend nicht mitgewirkt. In der Urkunde heißt es überdies, der neue Pastor sollen so lehren, „wie es unsere Predikanten in unserer Stadt Emden nach unserer Ordnung“ tun. Die Gemeinde feierte den Gottesdienst seinerzeit also vermutlich eher in ref. denn in luth. Form. Der Prozess um die Nachfolge von P. Gerhard Vietor (amt. 1602–1652) zeigt, dass die Gemeinde konfessionell nicht homogen war: Die Mehrheit wählte einen luth. Prediger, die Minderheit einen ref. Der juristische Streit zog sich bis 1657 hin und endete im Sinne der Lutheraner.12 Die Gemeinde blieb konfessionell gemischt und P. Johann Aden (amt. 1914–1961) nannte die Reformierten 1948 „meine treusten Kirchgänger“.13
Ursprünglich gehörten auch die emsländischen Dörfer Bokel, Hofe und die wenigen Häuser bei der Papenburg zum Kirchspiel Völlen. Nicht zuletzt die erfolgreiche Rekatholisierung im Emsland führte im Laufe des 17. Jh. zur Abtrennung dieser Ortschaften, die mit der Einweihung der kath. Kirche in Papenburg im Jahr 1674 vollendet war.14 Die südlich der Gemeinde verlaufende Grenze zwischen Ostfriesland und Emsland (Niederstift Münster) war nun auch eine konfessionelle Grenze.
Die intensivierte Kultivierung und Besiedelung der Moorgebiete im 18. und 19. Jh. ließ die Gemeinde Völlen wachsen (Völlenerfehn, Völlenerkönigsfehn) und führt schließlich 1905 zur Gründung der Tochtergemeinde Völlenerkönigsfehn; die neue KG blieb noch bis 1957 pfarramtlich mit Völlen verbunden.15 Vor dem Ersten Weltkrieg betreute der pietistische geprägte P. Albrecht Oepke (amt. 1909–1914) die KG Völlen, später Kondirektor der Leipziger Mission und außerordentlicher Professor u. a. für Neutestamentliche Wissenschaft an der dortigen Universität.16
Während der NS-Zeit hatte P. Johann Aden (amt. 1914–1961) das Pfarramt in Völlen inne. Er gehörte seit etwa 1935 zur Hannoverschen Bekenntnisgemeinschaft und gab in den Unterlagen zur Visitation 1941 an: „Heute ist unsere Gemeinde eine Hochburg der NSDAP, wo Sturmführer u. a. ihren Sitz haben“.17 Im „Fragebogen zur Geschichte der Landeskirche von 1933 bis Kriegsende“ schrieb er im August 1947 über seine eigene politische Haltung: „ablehnend gegen totalen Staat daher Gefängnis“.18 Bei der Neuwahl des KV 1933 habe die „NSDAP auf Seiten des Pastors“ gestanden und alle gewählten Kirchenvorsteher seien „100% kirchlich und dem Pastor treu verbunden“ gewesen.19 Schon 1941 hatte der Sup des KK Leer ein positives Fazit gezogen: durch „die gemeinsamen Kämpfe für die kirchliche Sache in den vergangenen Jahren“ seien Gemeinde, KV und Pastor „zu einer, auf starkem gegenseitigen Vertrauen sich gründenden kampferprobten Gemeinschaft zusammengewachsen“.20 Mit Blick auf das Verhältnis zur kath. Kirche richtete er ein mahnendes Wort an den KV, „da sich auch im Kirchenvorstand angesichts des tapferen Widerstandes der katholischen Kirche gegen antichristliche Bestrebungen […] und des Ernstes im treuen Bekenntnis zur Kirche […] un zur christlichen Kindererziehung […] starke Sympathien [sic] für Rom zeigten. Demgegenüber wurde bei aller Anerkennung obiger Tatsachen doch auch auf die Schattenseiten der katholischen Frömmigkeit hingewiesen und auf unsere Verantwortung gegenüber dem reformatorischen Erbe der Väter“.21
Aufgrund seiner Erfahrungen während des „Dritten Reiches“ sah P. Aden nationalsozialistische Überzeugungen als gefährlicher für die Kirche an als marxistische. Schon 1941 hatte er in den Visitationsunterlagen festgehalten: „Wo der Marxismus Trumpf war (dank Papenburgs Einfluß) da bedeutete das natürlich weithin den ‚Reif in der Frühlingsnacht‘, ohne daß auch nur ein einziger Arbeiter ausgetreten wäre bis auf diesen Tag. Austritte setzten erst ein nach 1933, allerdings sichtlich unter Zwang.“22 Anlässlich der ersten Nachkriegsvisitation antwortete er auf die Frage nach kirchenfeindlichen Bestrebungen innerhalb der Kg mit einem „Nein!“ und fuhr fort: „früher konnte es allerdings vorkommen, daß der hiesige sozialistische Partei-Sekretär dem P. Aden sagte: ‚Kommen Sie jede Woche als Freund zu mir, aber lassen Sie Ihren Pastor zu Hause.‘ […] Allerdings haben die alten P[artei]g[enossen] des verflossenen 12jährigen 1000 Jahrreichs, um das bekannte Wort von Metternich zu gebrauchen ‚nichts gelernt und nichts vergessen‘. Man täusche sich nicht. Trotz mancher Kirchen-Eintritte. Und dieser Feind ist schlimmer. Discite Moniti!“23
Nach 1933 übernahm die NSV die bislang kirchliche Gemeindeschwesternstation. Sie ging nach 1945 wieder über in die Trägerschaft der KG und ist seit 1977 Teil der Diakoniestation Westoverledingerland. Im Jahr 1949 gründete sich die freikirchliche ev. Immanuelgemeinde in Völlenerfehn, die zum Mühlheimer Verband gehört.24
P. Hellmut Aden (amt. 1962–1972), eine Neffe von P. Johann Aden, richtete 1963 den ersten Männerkreis in der KG ein. Ein Jahr später schuf sich die Gemeinde ein zweites Zentrum und weihte das Martin-Luther-Haus in Völlenerfehn ein, dem mittlerweile größten Ort im Gemeindegebiet (1965 hatte Völlen etwa 800 Einwohner, Völlenerfehn etwa 1.400)

Umfang

Die Ortschaften Völlen, Völlenerfehn (1518 erwähnt) und Völlener Wehrdeich (1556 erwähnt). Bis etwa zur zweiten Hälfte des 17. Jh. auch Bokel, Hofe und Papenburg. Bis 1905 auch Völlenerkönigsfehn (um 1800 gegründet).

Aufsichtsbezirk

Archidiakonat Friesland der Diözese Osnabrück (Sendkirche Aschendorf). – 1631 bis 1643 Coetus in Aurich für die Ämter Aurich, Stickhausen, Friedeburg, Pewsum und Leerort. 1643 aufgehoben. 1643 Konsistorium Aurich. 1766 der 5. luth. Insp. in Ostfriesland zugeordnet (später 6. Insp., 1924: KK Leer).25 Seit 1. September 1974 KK Rhauderfehn.26 Seit 1. Januar 2013 KK Emden-Leer.27

Patronat

Genossenschaftspatronat der Gemeinde, nach Mitte des 17. Jh. nicht auf Interessenten beschränkt, sondern auch auf Neusiedler ausgedehnt; aufgehoben 1943.28

Kirchenbau – Peter und Paul Kirche

Rechteckiger Backsteinbau mit dreiseitigem Chorschluss, ostsüdöstlich ausgerichtet, erbaut vermutlich in der ersten Hälfte des 15. Jh.29 Satteldach, über dem Chor abgewalmt; Strebepfeiler an Schiff und Chor; große, rundbogige Sprossenfenster. Im Innern flach gewölbte, holzverschalte Decke im Schiff; Kreuzrippengewölbe im Chor, leicht spitzbogiger Triumphbogen zwischen Chor und Schiff mit Inschrift: „Fürchte dich nicht! Ich bin der Erste und der Letzte und der Lebendige. Ich war tot und siehe, ich bin lebendig von Ewigkeit zu Ewigkeit und habe die Schlüssel der Hölle und des Todes“ (Off 1, 17–18); L-förmige Empore. Renovierung 1975/78. Renovierung 2005.

Fenster

Im Norden kleines bemaltes Glasfenster mit Wappen der Familie von Dincklage und Innschrift: „Die Freiherren Dincklage-Campe, eingepfarrt in Völlen 1725–1810“.

Turm

Mächtiger Westturm aus Backsteinmauerwerk, erbaut 1559. Satteldach, bekrönt mit Kugel und Schwan; große, spitzbogige Schallöffnungen nach Norden, Westen und Süden; Inschriftentafel über Westportal: „Anno 1559 Doen mackede die van Volle dese Torre met Hvlpe des Ionker Ergheric te Grimersim Drooste oppen Noort ond Herman Hemmen Bowmester tom Toren west“ (Im Jahr 1559 machten die Leute von Völlen diesen Turm mit Hilfe des Junkers Eggerik [Beninga] Drost in Leerort und Harmen Hemmen ist der Baumeister des Turms gewesen); darüber Inschriftenstein mit fragmentarischer Inschrift: „Fruwe Wiarts midt Nona hoer Svster vnd Aleric Scriver tho Vre [Bol Wiart van Vollen]“.30 Der Turm besaß bis 1949 einen offenen Dachreiter (1903), der bei einem Sturm herabgestürzt.31

Ausstattung

Altar aus gemauertem Stipes und Sandsteinmensa, mit seitlichen Schranken. – Hölzerner, dreiflügeliger Altaraufsatz mit Baldachin (etwa 1450/1500), daran angebracht protestantische Altarbilder (vielleicht 1676), im Mittelfeld Abendmahlsbild, auf den Flügeln Szenen aus der Kindheit Jesu: Mariä Verkündigung (Inschrift: „Der Engel hoch von Himmelsthron verkündigt Christum Gottes Sohn“), Christi Geburt (Inschrift: „In Armut groß auff dieser Welt Christ ward gebohren der starcke Held“), Beschneidung Christi (Inschrift: „Fuer uns du Christ Bluts Tröpffelein vergeust in der Beschneidung dein“) und die Heiligen Drei Könige (Inschrift: „Die Weisen zeugen mit gaben drei das er Godt Mensch undt König sei“), im Baldachin Christus mit Siegesfahne, über dem Baldachin Christus mit Weltkugel; in der Predella die vier Evangelisten; auf der Rückseite des Altars sind zahlreiche Namen, Hauszeichen und stilisierte Schiffe eingeritzt.32 – Kanzel mit Schalldeckel (17. Jh.), am Kanzelkorb Halbreliefs der vier Evangelisten in Rundbögen; vor den Ecken kannelierte Säulchen. – Sandsteintaufe; achtseitiges, kelchförmiges Becken und quadratischer Fuß (wohl 16. Jh.). – Trapezförmiger Sarkophagdeckel aus Sandstein (12. oder 13. Jh.), lag bis 1975 vor dem Turmeingang, jetzt im Innern der Kirche aufgestellt.

Orgel

Gebrauchtes Orgelpositiv 1752 erworben, repariert von Heinrich Wilhelm Eckmann (Quakenbrück) und vermutlich auf Empore über dem Altar aufgestellt. Orgelneubau 1822/23, ausgeführt von Wilhelm Eberhard Schmid (Leer), 6 oder 7 I/aP, mechanische Traktur, Schleifladen, seitenspielig (Orgelpositiv von Schmid in Zahlung genommen). Instrument umgebaut und erweitert 1869/70 von Gerd Sieben Janssen (Aurich), 10 I/P, mechanische Traktur, Schleifladen, vorderspielig. Instandsetzung und Änderung der Disposition 1950 und nach 1965, ausgeführt von Alfred Führer (Wilhelmshaven).33

Geläut

Zwei LG, I: fis’ (Bronze, Gj. 1330, vermutlich Hermann von Münster), Inschrift: „signum dono coro fleo funera festa decoro. anno d[omi]ni m ccc xxx“ (Ich gebe das Zeichen zum Gottesdienst, die Toten beklage ich, die Feste schmücke ich. Im Jahre des Herrn 1330), „her hewe kman seihart geltike wihart sibe“ und „vocor maria“ (Ich werde Maria genannt); Bilder: Brustbild eines Bischofs (bartloser Mann mit Mitra); 2006 restauriert (Firma Lachenmeyer, Nördlingen)34; II: a’ (Bronze, Gj. 1973, Firma Rincker, Sinn), Inschrift: „O Land, Land, Land höre des Herrn Wort“. – Früherer Bestand: 1680 drei Glocken vorhanden.35 Eine LG (Bronze, Gj. 1521, Johannes Schonenborch), vormals in der Großen Kirche in Emden, zwischen 1663 und 1735 an die KG Völlen verkauft, Inschrift: „Anno Virginei Partus MDXXI mense Julio Tempore nobilis ac generosi Edzardi Phrisie Orientalis Comitis, Popii Maninga doctoris v[troque] i[uris] ecclesiae emedensis pastoris, Wkonis proconsulis, Brunoldi Kremers, Johannis Karstens et Gerhardi Bolardes, advocatorum eiusdem. Campana Sancti Petri et Pauli ff. Joh. Schoneborg me fecit“ (Im Jahre der jungfräulichen Geburt 1520, im Monat Juli, zur Zeit des edlen und hochherzigen Edzard, Grafen von Ostfriesland, des Poppo Manninga, Doktor beider Rechte und Pfarrer der Kirche zu Emden, des Bürgermeisters Uko [Hessena genannt Goldtsmit], und dessen Advokaten Brunold Cramer, Johannes Kerstens und Gerhard Bolardus. Eine Glocke der Heiligen Petrus und Paulus. Johannes Scholenborg hat mich gemacht), wohl umgegossen zu einer LG (Bronze, Gj. 1802), diese wiederum umgegossen zu einer LG (Bronze, Gj. 1856, Andreas van Bergen, Stiekelkamp), Inschrift: „Gegoßen 1802. Repariert durch Andreas van Bergen im Jahre 1856“; im Zweiten Weltkrieg zu Rüstungszwecken abgegeben, ein Bruchstück erhalten.36 Kleine LG, e’’ (Bronze, Gj. 1749, Cyprianus Crans, Amsterdam), Inschrift: „Me fecit Ciprianus Crans Iansz. Amstelodami Anno 1749“ und „Poppe Kohlers Pastoor, Behrend Wilkens, Behrende Luitiens Kerckvoogden, Iakob Conrad Hukenius“, Bilder: Rankenfries mit Adlern und Einhorn, Akanthusfries; im Zweiten Weltkrieg zu Rüstungszwecken abgegeben, nicht eingeschmolzen; seit 1964 im Glockenträger des Martin-Luther-Hauses Völlenerfehn.37

Kirchenbau – Martin-Luther-Haus Völlenerfehn

Langgestreckter, eingeschossiger Rechteckbau mit Satteldach, Eingangsbereich als Querbau mit Säulenhalle an der südsüdwestlichen Längsseite, erbaut 1963/64 (Architekt Bernd Hillrichs, Loga). Ziegelmauerwerk, Rechteckfenster. Im Innern offener Dachstuhl mit holzvertäfelten Deckenflächen. KGb 1992/93 um Anbau erweitert.

Turm

Offener, freistehender Turm aus Stahlträgern, erbaut 1966. Zeltdach, bekrönt mit Kugel und Schwan; holzverschalte Glockenstube.

Ausstattung

Hölzerner Tischaltar (1964). – Taufe aus Eichenholz und Eisen (1976). – Niedrige Holzkanzel (1964).

Orgel

1997 elektronische Orgel angeschafft (Firma Johannus Orgelbouw, Ede), II/P; aufgestellt neben dem Altartisch.

Geläut

Zwei LG, I: cis’’ (Bronze, Gj. 1967, Firma Rincker, Sinn); II: e’’ (Bronze, Gj. 1749, Cyprianus Crans, Amsterdam), Inschrift: „Me fecit Ciprianus Crans Iansz. Amstelodami Anno 1749“ und „Poppe Kohlers Pastoor, Behrend Wilkens, Behrende Luitiens Kerckvoogden, Iakob Conrad Hukenius“, Bilder: Rankenfries mit Adlern und Einhorn, Akanthusfries; bis 1964 in der Kirche Völlen.38

Weitere kirchliche Gebäude

Pfarrhaus (Bj. 1887) mit Gemeindehausanbau (Bj. 1970/71).

Friedhof

Ehemaliger kirchlicher Friedhof am südlichen Dorfrand (Barrenkamp, Standort der Südender Kirche). In Völlen kirchlicher Friedhof bei der Kirche. In Völlenerfehn kirchlicher Friedhof schräg gegenüber des Martin-Luther-Hauses, eingeweiht 1915.

Landeskirchliches Archiv Hannover (LkAH)

A 5 Nr. 560–561 (Spec. Landeskons.); A 6 Nr. 8305–8307 (Pfarrbestallungsakten); A 8/Völlen (CB); A 12d Nr. 427/1–2, 476, 626/1, 648 (GSuptur. Aurich); B 18 Nr. 248, 368 (Orgelsachverständiger); D 81 (EphA Leer); L 5i Nr. 78, 354–355, 622, 755 (LSuptur. Aurich); S 9 Nr. 2189 (Presseausschnittsammlung); S 11a Nr. 7810 (Findbuch PfA).

Literatur

A: Dehio, Bremen/Niedersachsen, S. 1315; Fastenau, Bau- und Kunstdenkmäler I, S. 169–175; Kaufmann, Orgeln Ostfrieslands, S. 234–235; Meinz, Sakralbau Ostfriesland, S. 156; Meyer, Pastoren II, S. 467–468; Otte/Rohde, Ostfriesland II, S. 571–573; Reershemius, Predigerdenkmal, S. 311–314; Reershemius, Predigerdenkmal Nachtrag, S. 54.
B: Völlen, in: Historische Ortsdatenbank für Ostfriesland, 09.01.2020 [Artikel unfertig]; Hans Joachim Albers: Im Zeitenstrom. Ostfriesische Geschichte. Völlen | Völlenerfehn | Völlenerkönigsfehn. Gemeinde Westoverledingen, Kreis Leer, Ostfriesland, Bunde-Wymeer 2006; Georg Becher: Die Kirchengemeinde Völlen, in: Unser Ostfriesland (Beilage zur Ostfriesen-Zeitung) 8/1973, [S. 1–2]; Johann Beerens: Pastorenstreit spaltete das Kirchspiel Völlen, in: Unser Ostfriesland (Beilage zur Ostfriesen-Zeitung) 9/1972 [S. 4]; Enno Janshen: Die Familien der Kirchengemeinde Völlen (1677–1900) (= Ostfrieslands Ortssippenbücher 57), Aurich 2000; Wilhelm Korte: Zur älteren Völlener Glockengeschichte, in: Unser Ostfriesland (Beilage zur Ostfriesen-Zeitung) 10/1973 [S. 3].


Fußnoten

  1. Ostfriesisches UB II, Anhang A, I, 5; Albers, S. 166. Bei Casemir/Ohainski, Niedersächsische Orte, S. 127, ist Uolnhursti unter den nicht genau zu lokalisierenden Orten in Ostfriesland aufgeführt. Zur Ortsgeschichte vgl. ausführlich Albers.
  2. Ostfriesisches UB III, Nr. 11.
  3. Albers, S. 190.
  4. König, Verwaltungsgeschichte, S. 158 ff.
  5. LkAH, L 5i, Nr. 79 (Visitation 1948) und ebd. Nr. 355 (Visitation 1965).
  6. Meyer, Pastoren II, S. 467.
  7. Smid, Ostfriesische Kirchengeschichte, S. 27.
  8. Albers, S. 236 ff. und 245 ff.; Smid, Ostfriesische Kirchengeschichte, S. 190 f.
  9. Zur Reformation in Ostfriesland vgl. knapp Sehling, Kirchenordnungen 16. Jh. Bd. 7,1, S. 312 ff.; ausführlich: Smid, Ostfriesische Kirchengeschichte, S. 114 ff.
  10. Albers, S. 337.
  11. Smid, Ostfriesische Kirchengeschichte, S. 186; die folgenden Zitate ebd.
  12. Smid, Ostfriesische Kirchengeschichte, S. 305 ff.; Reershemius, Predigerdenkmal, S. 311 ff. Vgl. auch Behre/Lengen, Ostfriesland, S. 211: „Im Süden Ostfrieslands blieben Völlen und Steenfelde lutherisch, weil sie durch Lutheraner, die nach der Rekatholisierung des Emslandes nach dort flohen, bestimmt wurden.“
  13. LkAH, L 5i, Nr. 78 (Visitation 1948).
  14. Albers, S. 372 ff.; Krumwiede, Kirchengeschichte I, S. 173.
  15. KABl. 1905, S. 71; KABl. 1957, S. 86.
  16. BLO III, S. 328 f.; Art: Albrecht Ubbo Paulus Anton Oepke, in: Professorenkatalog der Universität Leipzig, https://research.uni-leipzig.de/catalogus-professorum-lipsiensium/leipzig/Oepke_285, 13.01.2020.
  17. LkAH, L 5i, Nr. 79 (Visitation 1941).
  18. LkAH, S 1 H III Nr. 1015, Bl. 40; Delbanco, Kirchenkampf, S. 106. P. Aden war im Oktober 1941 für zwei Wochen inhaftiert.
  19. LkAH, S 1 H III Nr. 1015, Bl. 40.
  20. LkAH, L 5i, Nr. 79 (Visitation 1941).
  21. LkAH, L 5i, Nr. 79 (Visitation 1941).
  22. LkAH, L 5i, Nr. 79 (Visitation 1941).
  23. LkAH, L 5i, Nr. 79 (Visitation 1948), Hervorhebungen im Original; die deutsche Übersetzung der lateinischen Floskel lautet „Lernt, ihr Ermahnten!“
  24. Albers, S. 649; LkAH, L 5i, Nr. 355 (Visitation 1965).
  25. Smid, Ostfriesische Kirchengeschichte, S. 684.
  26. KABl. 1974, S. 253.
  27. KABl. 2013, S. 31.
  28. Smid, Ostfriesische Kirchengeschichte, S. 299 und 604.
  29. Meinz, Sakralbau Ostfriesland, S. 156; Dehio, Bremen/Niedersachsen, S. 1315. Anders Albers, S. 255: zwischen 1450 und 1500.
  30. Albers, S. 316, ergänzt nach Fastenau, Bau- und Kunstdenkmäler I, S. 169.
  31. LkAH, B 2 G 9/Völlen, Bd. 1, Bl. 3.
  32. Albers, S. 257 f. und 344 ff. Datierung nach Dehio, Bremen/Niedersachsen, S. 1315.
  33. Kaufmann, Orgeln Ostfrieslands, S. 234 f.; http://www.nomine.net/voellen-ev-luth-kirche, 09.01.2020.
  34. Rauchheld, Glockenkunde, S.74 ff.; Albers, S. 238 f.
  35. Korte, [S. 3].
  36. Rauchheld, Glockenkunde, S. 58 und S. 148 f.; Albers, S. 251 ff.
  37. Rauchheld, Glockenkunde, S. 197.
  38. Rauchheld, Glockenkunde, S. 197.