Sprengel Osnabrück, KK Melle-Georgsmarienhütte | Patrozinium: Apostel | KO: Keine Kirchenordnung

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Orts- und Kirchengeschichte

Urkundlich lässt sich der Ort erstmals 1243 belegen: Johannes de Suthusen erscheint in der Zeugenliste einer Urkunde Bf. Engelberts von Osnabrück.1 Aus einer um 1280 von Ritter Eberhard von Varendorf errichteten Burg ging das Gut Sutthausen hervor (durch Erbteilung und Verkauf im 15. Jh. aufgeteilt, seitdem zwei Güter Sutthausen).2 Zusammen mit dem benachbarten Gut Wulften gehörte Sutthausen seit 1885 zur Landgemeinde Holzhausen und wurde 1970 in die Stadt Osnabrück eingemeindet (Stadtteil Sutthausen). Die Aufsiedelung der beiden Güter Sutthausen sowie des Gutes Wulften und damit die Entwicklung hin zu einem Wohngebiet der Stadt Osnabrück begann in der ersten Hälfte des 20. Jh. Der Ortspfarrer charakterisierte Sutthausen 1973 als „Stadtrandgemeinde“ und „Schlafstadt“ von Osnabrück.3 1961 lebten knapp 3.200 Menschen in Sutthausen, 2014 gut 4.600. Die ebenfalls zur KG gehörende Ortschaft Holzhausen (2007: knapp 5.000 Einwohner) zählt politisch zur Stadt Georgsmarienhütte.

Kirche, Ansicht von Nordosten, 1980

Kirche, Ansicht von Nordosten, 1980

Eberhard von Varendorf, gleichnamiger Sohn des Burggründers, hatte 1333 außerhalb der Sutthauser Burg eine Kapelle errichten lassen, die sich jedoch nicht zur eigenständigen Pfarrkirche entwickelte.4 Ende des 19. Jh. waren die kath. Pfarrei St. Johann Osnabrück und die ev. KG Georgsmarienhütte für die Einwohner Sutthausens zuständig. Die Aufsiedelung der Güter führte schließlich zur Gründung eigenständiger Kirchengemeinden in Sutthausen. Auf die Einrichtung einer kath. Pfarrvikarie 1936 folgte 1956 die Grundsteinlegung für die Kirche St. Maria Regina Pacis (Maria Königin des Friedens) und 1958 die Errichtung einer Kuratie.
Die Planungen für ein ev. Gotteshaus in Sutthausen begannen in den frühen 1950er Jahren. 1951 stellte die Amerikanische Sektion des Lutherischen Weltbundes eine Spende für den Bau einer Diasporakapelle des Architekten Otto Bartning in Aussicht. Der KV Georgsmarienhütte plädierte jedoch für einen Wettbewerb mehrerer Architekten, da ihm eine Bartningsche Diasporakapelle „vor den Toren Osnabrücks mit seinem Bischofssitz und angesichts der alten, schönen Guts-Schloßkapelle Wulften (kath.) und angesichts der geplanten neuen kath. Kirche in Sutthausen“ ungeeignet erschien. Er erreichte schließlich, dass er die Spende für die Ausführung des von Werner Johannsen (Osnabrück) entworfenen Kirchenbaus verwenden durfte.5 Auch die Georgsmarienhüttenwerke AG spendete für das Bauvorhaben; die Grundsteinlegung erfolgte am „nassen, kalten 7. Oktober 1952“6 und am 30. August 1953 konnte Lbf. Hanns Lilje die neue Apostelkirche einweihen. Die ev.-luth. KG Sutthausen gründete sich schließlich zum 1. Oktober 1954 und umfasste die Ortschaften Holzhausen, Sutthausen, Altenhagen, Hagen und Mentrup-Hagen (alle bislang KG Georgsmarienhütte).7 Erster Gemeindepfarrer war P. Klaus Pape (amt. 1954-1955), der seit 1951 Pfarrvikar in Georgsmarienhütte gewesen war.
Gottesdienste feierte die Gemeinde nicht nur in der neuen Kirche in Sutthausen, sondern alle zwei Wochen auch in Hagen (seit 1967 im Pfarrheim der kath. Gemeinde).8 In den 1960er Jahren plante die KG den Bau weiterer Gemeindezentren in Holzhausen und Hagen, da die „Arbeit in der weitverzweigten Gemeinde […] die Bildung von Schwerpunkten“ erfordere, wie der Ortspastor formulierte.9 In Sutthausen lebten 1967 etwa 1.200 Gemeindeglieder, in Holzhausen knapp 500 und in Hagen (mit Altenhagen und Mentrup) gut 600.10 Die Pläne konnten jedoch nicht verwirklicht werden. Stattdessen kamen die Ortschaften Altenhagen, Hagen und Mentrup-Hagen 1974 zur neuen KG Hagen am Teutoburger Wald.11 Der Sup. des KK Georgsmarienhütte zog am Ende der ersten Visitation nach dieser Neustrukturierung eine positive Bilanz: Die „flächen- und zahlenmäßige Verkleinerung hat eine Intensivierung der pfarramtlichen Arbeit wie auch der Tätigkeit der Mitarbeiter ermöglicht. Dabei ist eine deutliche Konzentration auf den Gottesdienst als organisierende Mitte des Gemeindelebens hervorzuheben.“12 Allerdings konzentrierte sich das kirchliche Leben Mitte der 1980er Jahre weiterhin stark auf Sutthausen, die etwa 700 bis 800 Gemeindeglieder in Holzhausen hatten wenig Kontakt zu den Gemeindekreisen.13 Ende der 1980er Jahre erwarb die KG schließlich ein Gebäude in Holzhausen, baute es zu einem Gemeindehaus um und stellte 1989 einen Diakon an (halbe Stelle).
1972 richtete die KG einen ev. Kindergarten ein, der sich mittlerweile als „Ev.-luth. Apostel Kindertagesstätte“ in Trägerschaft des KK Osnabrück befindet (vormals Kita „Kleine Freunde – Große Freunde“).

Umfang

Holzhausen und Sutthausen. Bis 1974 auch Altenhagen, Hagen und Mentrup-Hagen, dann zur neuen KG Hagen am Teutoburger Wald.14 Seit 1974 OT Westrup der Stadt Georgsmarienhütte (vorher KG Hasbergen).15

Aufsichtsbezirk

Mit Gründung der KG 1954 zum KK Georgsmarienhütte. Seit Januar 2013 KK Melle-Georgsmarienhütte.16

Kirchenbau

Rechteckiger Ziegelbau, ausgerichtet etwa westsüdwestlich, mit angebautem Gemeindesaal an Nordwestecke, erbaut 1952/53, Architekt: Werner Johannsen, Osnabrück. Satteldach; Ostgiebel mit Bruchsteinen verblendet, übrige Wände verputzt; Rechteckfenster, Rundfenster im Ostgiebel über Eingang; Kugel und Kreuz über Ostgiebel. Im Innern offener, holzverschalter Dachstuhl; Altarwand mit Quadersteinen verkleidet; Ostempore. Renovierung 1974 (Gittermauerwerk mit stilisiertem Kreuz vor Altarnische gesetzt). Sanierung und Neugestaltung Innenraum 1992/93 (Altarwand mit Naturstein verkleidet; Decke erneuert, zuvor mit weißen Hartfaserplatten trapezförmig verkleidet).

Fenster

Farbig gestaltetes Rundfenster in Ostwand, zwölfstrahliger Stern mit Kreuz und Krone im Zentrum (Christus und zwölf Apostel).

Turm

Freistehender Turm südöstlich vor der Kirche, erbaut 1959. Stahlbeton auf natursteinverkleidetem Sockel; Schallfenster direkt unter Dachtraufe, flaches Pyramidendach, bekrönt mit Wetterhahn. Saniert 1989/90. Vor Bau des Turms offener Holzglockenstuhl auf Steinsockel (gleichzeitig Trafostation).

Ausstattung

Schlichter Altartisch. – Dunkles Holzkreuz an Altarwand. – Niedrige Holzkanzel. – Geschmiedetes Taufbecken, vier Engel tragen Ring mit Taufbecken, darüber stilisierte Halbkugel aus vier Eisenbändern, bekrönt mit Taube, Geschenk eines Gemeindeglieds.

Orgel

Neubau 1959 von Alfred Führer (Wilhelmshaven), 8 I/P, mechanische Traktur, Schleifladen, Manualregister geteilt in Baß und Diskant.

Geläut

Zwei LG, I: a’, Christusglocke, Inschrift: „Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben“, Bild: Apostelkreuz; II: c’’, Taufglocke, Inschrift: „Christus spricht: Ich bin bei euch alle Tage“, Bild: Taufsymbole Kreuz, Wasser, Fisch (beide Bronze, Gj. 1978, Glockengießerei Karlsruhe). – Früherer Bestand: Zwei LG, I: a’; II: c’’ (beide Stahl, Gj. 1923, Bochumer Verein), zuvor in KG Kirchdorf (bei Sulingen), dann von KG Georgsmarienhütte für Kapelle Sutthausen erworben; Glockenrevisor urteilte 1967: „Bei diesem Geläut sind praktisch alle schlechten Klangeigenschaften, die man sich denken kann, vorhanden“ und empfahl, „der Kirche endlich ein würdiges Geläut zu geben“.17 1978 durch heutige Glocken ersetzt.

Weitere kirchliche Gebäude

Pfarrhaus (Bj. 1953, erbaut von Sozialer Wohnungsbau-Genossenschaft, 1959 umgebaut, 1964 durch Anbau erweitert). – Gemeindehaus (Bj. 1968, erweitert Anfang 1990er Jahre). – Gemeindezentrum Holzhausen (Bj. 1850, Umbauten 1961, 1974, 1993), erworben Ende 1980er Jahre.

Friedhof

Kein kirchlicher Friedhof.

Landeskirchliches Archiv Hannover (LkAH)

L 5f Nr. 271-272, 899 (LSuptur. Osnabrück); S 11a Nr. 8073 (Findbuch PfA).

Literatur

A: Bruch, Rittersitze, S. 80-89; Weichsler, Hdb. Sprengel Osnabrück, S. 140; Wrede, Ortsverzeichnis Fürstbistum Osnabrück II, S. 224-225.
B: Günter Rink: Aus der Geschichte der Ev.-luth. Kirchengemeinde Sutthausen, in: Chronik der Katholischen Kirche und Gemeinde St. Marien Sutthausen, Sutthausen 1967, S. 36-37.

GND

5210202-6, Evangelisch-Lutherische Kirchengemeinde (Sutthausen-Holzhausen; Hagen)


Fußnoten

  1. Osnabrücker UB II, Nr. 438.
  2. Bruch, Rittersitze, S. 80 ff.
  3. LkAH, L 5f, Nr. 271 (Visitation 1973).
  4. Eine knappe Beschreibung des Gebäudes findet sich im Visitationsbericht des Jesuiten Albert Lucenius 1624/25: Bär, Protokoll Albert Lucenius, S. 243 f.; Pabst, Nebeneinander, S. 21 f. Die Messfeiern in der Kapelle hielten seinerzeit Dominikaner aus Nortrup. Zur Visitation des Albert Lucenius vgl. Steinwascher, Wildwuchs, S. 215 ff.
  5. LkAH, B 2 G 9/Sutthausen Bd. I, bes. Bl. 4 und 11.
  6. LkAH, B 2 G 9/Sutthausen Bd. I, Bl. 53.
  7. KABl. 1954, S. 121.
  8. LkAH, L 5f, Nr. 271 (Visitation 1961 und Visitation 1967).
  9. Rink, S. 37; LkAH, L 5f, Nr. 271 (Visitation 1961).
  10. LkAH, L 5f, Nr. 271 (Visitation 1967).
  11. KABl. 1974, S. 32 f.
  12. LkAH, L 5f, Nr. 273 (Visitation 1979).
  13. LkAH, L 5f, Nr. 273 (Visitation 1986).
  14. KABl. 1974, S. 32 f.
  15. KABl. 1974, S. 207.
  16. KABl. 2012, S. 177 f.
  17. LkAH, L 5f, Nr. 271 (Visitation 1967).