Sprengel Osnabrück, KK Melle-Georgsmarienhütte | Patrozinium: Melanchthon (1992) | KO: Keine Kirchenordnung

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Orts- und Kirchengeschichte

Schriftlich ist Hagen erstmals in einer Urkunde aus dem Jahr 1097 erwähnt.1 Vermutlich im letzten Viertel des 14. Jh. kam das Kirchspiel Hagen zum Amt Iburg des Hochstifts Osnabrück. Seit Ende des Dreißigjährigen Krieges wechselten sich kath. und luth. Bischöfe in der Regierung des Hochstifts ab, letztere stammten stets aus dem Haus Braunschweig-Lüneburg.2 Nach den Bestimmungen des Reichsdeputationshauptschlusses von 1803 wurde das Hochstift als Fsm. Osnabrück Teil des Kfsm. Braunschweig-Lüneburg (Hannover). Während der französischen Herrschaft gehörte Hagen zum Kanton Iburg, der von 1807 bis 1810 zum Distrikt Osnabrück im Departement Weser des Kgr. Westphalen zählte und von 1811 bis 1813 zum Arrondissement Osnabrück im Departement Obere Ems des Kaiserreichs Frankreich. Nach der Niederlage Napoleons wurde die Ämterstruktur wiederhergestellt und Hagen gehörte wieder zum Amt Iburg, zunächst im Kgr. Hannover und nach der Annexion von 1866 im Kgr. Preußen. Bei Einführung der Kreisverfassung kam Hagen 1885 zum Kr. Iburg, der 1932 im Lkr. Osnabrück aufging. Das Kirchdorf Hagen ist in den Amtsregistern des 16. bis 18. Jh. als Teil der Bauerschaft Beckerode verzeichnet. Im 19. Jh. erscheinen beide Orte zunächst getrennt, 1895 dann als Landgemeinde Hagen-Beckerode. Diese änderte ihren Namen 1954 in Hagen am Teutoburger Wald. 1968 wurden Altenhagen und Mentrup eingemeindet, 1972 die Gemeinde Niedermark mit den Ortsteilen Gellenbeck, Natrup-Hagen und Sudenfeld. 1996 lebten etwa 13.500 Menschen in Hagen (davon rund 2.100 ev.).

Kirchenzentrum, 1980

Kirchenzentrum, 1980

Die schriftliche Ersterwähnung Hagens 1097 ist auch gleichzeitig der erste Beleg für das gleichnamige Kirchspiel, die parrochia Hagen.3 Die Reformation konnte sich in Hagen nicht durchsetzen. Zwar hatte Hermann Bonnus 1543 im Auftrag des Osnabrücker Bf. Franz von Waldeck eine Kerckenordnung vor de landkercken des stifts Osenbrugge erarbeitet und einige Gemeinden besucht, um die luth. Lehre einzuführen. Aber 1548 zwang das Domkapitel den Bischof zur Rücknahme der Reformation. Eine vollständige Rekatholisierung gelang jedoch nicht und die konfessionellen Verhältnisse im Osnabrücker Land blieben ungeklärt. Als der Jesuit Albert Lucenius Anfang Dezember 1624 das Kirchspiel Hagen visitierte, betreute P. Konrad Kruse die Gemeinde. Er war in Köln zum Priester geweiht worden und hatte das Pfarramt etwa 1590 von seinem Vater P. Heinrich Kruse übernommen. Die Messe zelebrierte er – abgesehen von deutschsprachigen Liedern – nach kath. Ritus. Das Abendmahl jedoch teilte er nach luth. Brauch in beiderlei Gestalt aus (sub utraque specie more lutherano).4 Als Lutheraner und Katholiken die Kirchspiele des Hochstifts nach Ende des Dreißigjährigen Krieges untereinander aufteilten, wurde Hagen der kath. Seite zugeschlagen (1650, Capitulatio perpetua Osnabrugensis).5
Für die wenigen Evangelischen im kath. Kirchspiel Hagen war zunächst der ev. Schlossprediger in Iburg zuständig. Seit 1873 zählte die Obermark (Hagen, Beckerode, Altenhagen, Mentrup) zur neuen KG Georgsmarienhütte, seit 1954 zur KG Sutthausen. Die Betreuung der Niedermark (Gellenbeck, Natrup-Hagen, Sudenfeld) lag bei der KG Hasbergen. Schon in der zweiten Hälfte der 1960er Jahre wurde erwogen, für das Gebiet Ober- und Niedermark eine eigene ev. KG zu gründen.6 Nachdem die Ortschaften sich 1972 politisch zur Gemeinde Hagen am Teutoburger Wald zusammengeschlossen hatten, folgte die Gründung der „Ev.-luth. Kirchengemeinde Hagen am Teutoburger Wald“ zum 1. Januar 1974.7
Erst gut anderthalb Jahre nach ihrer Gründung erhielt die neue Gemeinde mit P. Horst Gellesch (amt. 1975-1986) ihren ersten Pfarrer. Eine eigene Kirche oder ein Gemeindezentrum besaß die Gemeinde seinerzeit noch nicht. In der Niedermark traf sie sich zum Gottesdienst in einer Grundschule, in der Obermark im kath. Martinusheim. Die Planungen für ein Gemeindezentrum in der Niedermark hatten allerdings bereits Ende der 1960er Jahre begonnen und 1970 hatte sich ein Bauverein gegründet (aufgelöst 1997). Nachdem das Landeskirchenamt 1975 einen Baukredit nicht genehmigt hatte, der die vorhandenen Eigenmittel hätte ergänzen sollen, schrieb der KV: „Überhaupt ist Resignation das Wort, mit dem sich die Stimmung der Gemeinde am besten beschreiben lässt.“8 Allerdings, so heißt es in einem späteren Schreiben, herrsche „noch eine große Bereitschaft bei Gemeindegliedern und Gliedern der kath. Kirchengemeinden, den Bau durch Sachspenden und den Einsatz von Arbeitskraft zu unterstützen“.9 Schließlich konnte die Gemeinde 1975 einen Architekten beauftragen, im November 1976 den Grundstein legen und Ende August 1977 die Einweihung des Kirchzentrums in der Schumacherstraße feiern. Der Bau eines Kirchturms folgte knapp ein Jahrzehnt später.
Nach der Visitation der Gemeinde 1983 bezeichnete der Sup. des KK Georgsmarienhütte die Verklammerung von Obermark und Niedermark als wesentliche Aufgabe der gemeindlichen Arbeit; das Pfarramt dürfe nicht die einzige Verbindung sein.10 Im August 1992 konnte die KG im Ortsteil Obermark mit dem Melanchthonhaus ihr zweites Gemeindezentrum einweihen. Gleichzeitig erhielt sie auch den Namen Melanchthongemeinde. Neben Gemeinderäumen und Kirchsaal beherbergt das Melanchthonhaus auch einen Kindergarten, die integrative „Ev.-luth. Melanchthon-Kindertagesstätte“ (in Trägerschaft der KG, 2018 Erweiterung um Kinderkrippe in Planung). Im Jahr 2007 gründete sich ein Förderverein für die Gemeindearbeit, der von 2009 bis 2016 eine halbe Diakonenstelle finanzierte. Seit 2000 feiert die Melanchthongemeinde alle zwei Jahre ein gemeinsames Gemeindefest mit der kath. KG St. Mariä Himmelfahrt.

Umfang

Hagen am Teutoburger Wald, einschließlich der OT Altenhagen, Gellenbeck, Mentrup-Hagen, Natrup-Hagen und Sudenfeld.

Aufsichtsbezirk

Mit Gründung der KG 1974 zum KK Georgsmarienhütte. Seit Januar 2013 KK Melle-Georgsmarienhütte.11

Kirchenzentrum

Zwei leicht gegeneinander verschobene, rechteckige Baukörper, errichtet 1977, Architekt: Eugen Stamm, Georgsmarienhütte. Pultdächer mit entgegengesetzter Neigung, Außenwände verklinkert. Südöstlicher Gebäudeteil (Kirchraum) mit hochliegendem, horizontalem Fensterband in Südwestwand, hochrechteckigem Betonglasfenster an Südostecke und fast bodentiefer Fensterfläche nach Nordosten. Im Innern offener, holzverschalter Dachstuhl, Falttür zum nordwestlichen Gebäudeteil, Altarraum in Südecke. Nordwestlicher Gebäudeteil mit Haupteingang an Nordostseite, Gemeindesaal und Pfarrbüro. Dachsanierung 1997 (Flachdach des nordwestlichen Gebäudeteils zu Pultdach verändert). Umgestaltung Decke im Kirchraum 2003/04 (zur Verbesserung der Akustik).

Fenster

Farbiges Betonglasfenster im Altarraum; südwestliches, horizontales Fensterband im Jahr 2005 neu gestaltet von Heike Rongstock (Bayreuth), Zug durch das Schilfmeer (2 Mos 14).

Turm

Südöstlich des Gemeindezentrums freistehender Turm mit Satteldach, bekrönt mit Kugel und Kreuz über südwestlicher Giebelseite, erbaut 1986. Beton, teilweise verklinkert, Glockengeschoss mit Holzverkleidung.

Ausstattung

Schlichter Altartisch. – Hölzernes Lesepult. – Hölzerner Taufständer.

Orgel

Elektronische Orgel der Firma Ahlborn, Bj. 1978/80, 8 I/–. 1993 elektronische Orgel der Firma Viscount angeschafft, II/P.

Geläut

Drei LG, I: d’’; II: e’’; III: g’’ (alle Bronze, Gj. 1985, Firma Gebrüder Rincker, Sinn).

Gemeindezentrum

Melanchthonhaus. Mehrteiliger, verklinkerter Bau mit Gottesdienstsaal, Gemeinderäumen und Kindergarten, errichtet 1992, Architekt: Hermann-Josef Kulgemeyer, Hagen am Teutoburger Wald. Gottesdienstsaal mit offenem, holzverschaltem Dachstuhl, Altarnische im Nordnordwesten.

Ausstattung

Altartisch. – Lesepult. – Taufständer.

Orgel

1993 elektronische Orgel der Firma Viscount angeschafft, II/P.

Weitere kirchliche Gebäude

Pfarrhaus (Bj. 1978), erworben 1997.

Friedhof

Kath. Friedhof im OT Niedermark. Kommunale Friedhöfe im OT Obermark (Martinusfriedhof, Waldfriedhof mit Kolumbarium).

Landeskirchliches Archiv Hannover (LkAH)

L 5f Nr. 186, 1088 (LSuptur. Osnabrück); S 11a Nr. 8200 (Findbuch PfA).

Literatur

A: Weichsler, Hdb. Sprengel Osnabrück, S. 129; Wrede, Ortsverzeichnis Fürstbistum Osnabrück I, S. 203-205
B: Rainer Rottmann: Hagen am Teutoburger Wald. Ortschronik, Hagen a.T.W. 1997 (bes. S. 196-214).


Fußnoten

  1. Osnabrücker UB I, Nr. 216. Wrede, Ortsverzeichnis Fürstbistum Osnabrück I, S. 203 nennt einen Beleg von 1088, der nach Rottmann, S. 79 allerdings nicht mit Hagen am Teutoburger Wald zu identifizieren ist.
  2. Feldkamp, Bedeutung, S. 79 ff.
  3. Osnabrücker UB I, Nr. 216. Ausführlich: Rottmann, S. 81 ff.
  4. Bär, Protokoll Albert Lucenius, S. 241 ff. (Zitat S. 242); Pabst, Nebeneinander, S. 17 ff. Zur Visitation des Albert Lucenius vgl. Steinwascher, Wildwuchs, S. 215 ff.
  5. Fink, Drucke, S. 33; Wöbking, Konfessionsstand, S. 142 ff.; ausführlich: Rottmann, S. 199 ff.
  6. LkAH, L 5f, Nr. 271 (Visitation 1967).
  7. KABl. 1974, S. 32 f.
  8. LkAH, B 2 G 9/Hagen a.T.W. Bd. I, Bl. 51.
  9. LkAH, B 2 G 9/Hagen a.T.W. Bd. I, Bl. 55.
  10. LkAH, L 5f, Nr. 286 (Visitation 1983).
  11. KABl. 2012, S. 177 f.