Sprengel Hildesheim-Göttingen, KK Harzer Land | Patrozinium: Martin | KO: Calenberger KO von 1569

Orts- und Kirchengeschichte

Urkundlich lässt sich das Haufendorf erstmals 1139 mit Bruniggus de Sibechteshusen belegen.1 Das Dorf selbst ist 1145 nachgewiesen: villa, que dicitur Sibethse.2 Sebexen war Teil der Gft. Westerhof, welche die Bf. von Hildesheim in der ersten Hälfte des 14. Jh. schrittweise erwarben: einen ersten Anteil um 1294/1306 von Hermann, Bertold und Heinrich von Oldershausen, den zweiten 1323 von den Hzg. Ernst, Wilhelm und Johann zu Braunschweig-Grubenhagen.3 Nach der Hildesheimer Stiftsfehde (1519–1523) fiel die Landesherrschaft über die Dörfer des nunmehrigen Amtes Westerhof an das Fsm. Braunschweig-Wolfenbüttel (Quedlinburger Rezess 1523). Zudem nahmen in der zweiten Hälfte des 16. Jh. die Grubenhagener Welfen Einfluss auf das Amt Westerhof, da Hzg. Heinrich der Jüngere die Hälfte des Amtes (nicht nach Orten geteilt) seiner Tochter Clara († 1595) als Mitgift übergeben hatte, als sie 1560 Hzg. Philipp II. von Grubenhagen († 1596) heiratete.4 1649/51 kam das Amt an das Fsm. Calenberg-Göttingen (1692: Kfsm. Braunschweig-Lüneburg bzw. Kurhannover).5 Die Grenze zwischen dem braunschweigischen Amt Gandersheim im Norden und dem hannoverschen Amt Westerhof im Süden teilte Sebexen im 18. Jh. in einen kleinen Nord- und einen größeren Südteil.6 In französischer Zeit zählte Sebexen von 1807 bis 1813/14 zum Kanton Westerhof im Distrikt Einbeck des Leinedepartements im Kgr. Westphalen. Danach gehörte das Dorf, nun im Kgr. Hannover, zunächst wieder zum Amt Westerhof (auch „Altes Amt“ genannt, 1852 als „Amt Echte“ bezeichnet), das 1859 im Amt Osterode aufging. Mit der Annexion des Kgr. Hannover fiel Sebexen 1866 an das Kgr. Preußen. Seit Einführung der Kreisverfassung 1885 zählte der Ort zum Kr. Osterode am Harz (seit 1939 Lkr.), seit 1977 zum Lkr. Northeim. 1974 wurde Sebexen nach Kalefeld eingemeindet. Zur Sozialstruktur der Gemeinde heißt es 1936: „Die Gemeinde besteht abgesehen von den Handwerkern aus Bauern und Industriearbeitern. Letztere sind ausserhalb des Ortes beschäftigt (Weberei, Holzindustrie).“7 Und 1974: „Sebexen ist nach wie vor eine weitgehend durch ländliche Strukturen bestimmte Gemeinde, obgleich sich die Zahl der Pendler nach auswärts vermehrt hat.“8 Um 1810 lebten knapp 430 Menschen in Sebexen, 2021 fast 850.

Kirche, Ansicht von Südwesten, Teilansicht, 1961

Kirche, Ansicht von Südwesten, Teilansicht, 1961

Eine Urkunde des Mainzer Ebf. Heinrich (amt. 1142–1153) aus dem Jahr 1145 steht am Anfang der örtlichen Kirchengeschichte.9 Die Urkunde bestätigt, dass der Erzbischof die neu errichtete Kapelle in Sebexen geweiht und zur Pfarrkirche erhoben hat, nachdem ihn Udalhild, Äbtissin von Gandersheim, sowie Friedrich, Reinhard, Lothar und andere im Dorf begüterte (aliorum iamdicte ville possessorum) darum gebeten hatten. Bislang hatte Sebexen zum Kirchspiel Weißenwasser gehört. Zur neuen Parochie Sebexen zählte auch das später wüst gefallene Dorf Barolveshusun. Das Patrozinium St. Martin ist erstmals in einem Einnahmenverzeichnis von 1734 genannt.10
Im Jahr 1352 verzichteten die Brüder Friedrich und Günzel von Sebexen auf ihre Rechte „an deme kerklene to Sebechtessen“; fortan lag das Patronat bei der Äbtissin des Klosters St. Marien vor Gandersheim.11 Die Inhaber der Sebexer Pfarrpfründe, die aus vorref. Zeit bekannt sind, besaßen in der Regel weitere Pfründen und ließen den eigentlichen Pfarrdienst in Sebexen vermutlich meistens von Vikaren versehen. Überliefert sind folgende Namen: Mag. Werner von Ludolfshausen (1356, wohl Vikar des Reichsstifts Gandersheim)12, Jan von Scheden (1425, u. a. Kanoniker des Reichsstifts Gandersheim)13, Gerhard Stengel (bis Dezember 1434, u. a. Kanoniker des Reichsstifts Gandersheim)14, Hermann Junge (ab 1434, u. a. Vikar des Heilig-Blutaltars in der Stiftskirche Gandersheim, kaiserlicher Notar)15, Heinrich Regenhart (1474)16 und Henning Sothoff (1499, u. a. wohl Vikar im Kloster St. Marien vor Gandersheim und im Reichsstift Gandersheim).17 Während der Reformationsjahrzehnte sind Heinrich Rymmerodt (1535–1552, Vikar des Klosters St. Marien Gandersheim)18 und Joachim Hentis (1566–1569, wohl Vikar im Kloster St. Marien Gandersheim) als Pfarrer in Sebexen belegt.19
Sebexen und die übrigen Dörfer des Amtes Westerhof gehörten seit 1523 zum Fsm. Braunschweig-Wolfenbüttel. Mit Hzg. Heinrich dem Jüngeren regierte hier ein Gegner der Reformation. Nachdem Truppen des Schmalkaldischen Bundes 1542 den kath. Herzog vertrieben hatten, beriefen Lgf. Philipp von Hessen († 1567) und Kfs. Johann Friedrich von Sachsen († 1554) eine Statthalterregierung für das besetzte Fsm., die 1542 eine Visitation der Gemeinden und Geistlichen anordnete, 1543 die Christlike kerken-ordening im lande Brunschwig, Wulffenbüttels deles erließ, und 1544 erneut Visitatoren aussandte.20 1547 konnte der kath. Hzg. Heinrich der Jüngere nach Wolfenbüttel zurückkehren und begann mit der Rekatholisierung seines Fsm. Heinrichs Sohn und Nachfolger Hzg. Julius, der 1568 die Regierung übernahm, führte allerdings erneut die luth. Lehre ein, ordnete wiederum eine Visitation an und erließ 1569 die später sogenannte Calenberger Kirchenordnung.21 Die Grubenhager Ansprüche im Amt Westerhof verkomplizierten die Lage.22 In den Protokollen der Visitation 1568 wird P. Hentis als Greis (senex) beschrieben, der wegen schlechter Zähne (propter defectum dentium) schwer zu verstehen sei und der die Messe nach kath. Ritus feiere (celebravit). Er wurde 1569 als ungeeignet entlassen.23 Erster luth. Prediger der Gemeinde war möglicherweise P. Anton Goldschmidt (Aurifabrum, amt. bis 1592).
Während des Dreißigjährigen Krieges (1618–1648) zerstörte 1627 ein Feuer Kirche und Pfarrhaus in Sebexen; 1632 wird das Dorf als überwiegend abgebrannt und verlassen bezeichnet.24 Der Sebexer P. Bernwardus Schriddenius (amt. 1626–1627/28) hatte das Konsistorium schon bereits 1627 um eine andere Pfarrstelle gebeten. 1628 war Justus Hase (amt. 1626–1629), Pastor der benachbarten Weißenwasserkirche, für Sebexen zuständig. Nachdem Weißenwasser vermutlich im späten Mittelalter wüst gefallen war, war die dortige Pfarre nach Kalefeld verlegt worden. Seit spätestens 1641 waren die Gemeinden Sebexen und Kalefeld-Weißenwasser unter einem Pfarramt verbunden: P. Gerhard Schäffer (amt. 1641–1691) bezeichnete sich 1647 als „Pastor zu Calefeld und Sebbechsen“.25 In der ersten Hälfte des 18. Jh. hatte Sebexen zeitweise wieder einen eigenen Pastor, denn als Hilfspfarrer nahm P. adj. Johannes Friederich Hartung (amt. 1720–1732) seinem Vater P. Johannes Petrus Hartung (amt. 1704–1738) die Versorgung des Dorfes ab und lebte auch in Sebexen.26 Da Sebexen unbeschadet der pfarramtlichen Verbindung mit Kalefeld-Weißenwasser weiterhin den Status einer Mutterkirche (mater) hatte, fand hier jeden Sonntag ein Gottesdienst statt (1729: „Die Kirche zu Sebechsen ist auch eine Mater, welche vor alten Zeiten einen eigenen Prediger gehabt, an diesem ohrt muß der Prediger alle Sonntage predigen“).27

Kirche, Ansicht von Südwesten, Teilansicht, 1950

Kirche, Ansicht von Südwesten, Teilansicht, 1950

Im Jahre 1824 beschrieb P. Anton Martin Friedrich Klingsoehr (amt. 1824–1856) das Sebexer Gotteshaus als eine „sehr dunkle und zu kleine Kirche“.28 Eine geplante Verlängerung des Gebäudes nach Osten kam nicht zur Ausführung, ebenso wenig die Umbaupläne aus den 1880er Jahren. Verwirklicht wurden schließlich die Entwürfe, die Konsistorialbaumeister Conrad Wilhelm Hase (1818–1902) 1893 vorgelegt hatte. Die Arbeiten begannen Ende März 1894; im Februar 1895 konnte die Gemeinde ihre erneuerte und querhausartig erweiterte Kirche einweihen. Während der Bauzeit diente die Schule als Predigtstätte. Bemühungen um die Wiederbegründung einer eigene Pfarrstelle in Sebexen blieben im 19. Jh. erfolglos.29 Erst im Jahr 1901 richtete das Königliche Konsistorium eine ständige Pfarrkollaboratur mit Sitz in Sebexen ein, die als erster P. coll. Karl Theodor Schmidt (amt. 1901–1902) übernahm.30 Ab 1923 blieb die Stelle unbesetzt und der jeweilige Pastor von Kalefeld übernahm erneut die Versorgung von Sebexen; das 1909/10 erbaut Pfarrhaus wurde vermietet.31
Während der NS-Zeit war das gemeinsame Pfarramt Kalefeld-Sebexen zunächst vakant bis 1935 P. Otto Hermann die Stelle übernahm, zunächst als Hilfspfarrer, dann als Pfarrer (amt. 1937–1953, 1942–1948 in Kriegsdienst bzw. gefangenschaft). Er stand kirchenpolitisch aufseiten der Hannoverschen Bekenntnisgemeinschaft. Über den 1933 neugewählten KV heißt es im „Fragebogen zur Geschichte der Landeskirche von 1933 bis Kriegsende“ rückblickend: „Parteimitgliedschaft nicht mehr festzustellen. Er hat sich kirchlich in keiner Weise bewährt.“32 Im Bericht über die Visitation der Gemeinde 1936 heißt es, an gewöhnlichen Sonntagen kämen „im Durchschnitt 13 Erwachsene und zwar sämtlich Frauen“ zum Gottesdienst.33
Mit dem Zuzug Geflüchteter in der Nachkriegszeit wuchs die Zahl der Gemeindeglieder von gut 630 im Jahr 1933 auf rund 1.100 im Jahr 1951. Kurzzeitig versah der Ostpfarrer Friedrich Rink (amt. 1949–1951) die Kollaboratur in Sebexen, bevor Mitte der 1950er Jahre Pfarrdiakon Friedrich Rudolph (amt. 1956–1967) in die Gemeinde kam. Nach der Visitation 1957 zog der Sup. des KK Osterode ein positives Fazit; es sei offensichtlich, dass die KG Sebexen „seit einigen Jahren wieder zu einer rechten Gemeinde zusammenzuwachsen beginnt“. Die Jugend- und Männerarbeit habe wieder angefangen und auch ein Bibelkreis habe sich zusammengefunden.34 Regelmäßige Frauenarbeit kam in den 1960er Jahren hinzu.35 Zum 1. April 1958 hob das LKA Hannover die pfarramtliche Verbindung von Sebexen und Kalefeld auf und wandelte die ständige Kollaboratur in eine Pfarrstelle um, die weiterhin Pfarrdiakon Rudolph versah.36
Als erste Pastorin im Ehrenamt übernahm in der zweiten Hälfte der 1990er Jahre Pn. Margit Beubler (amt. 1996–2000) die Sebexer Pfarrstelle. Seit November 2013 sind die Gemeinden Sebexen und Kalefeld-Weißenwasser wieder unter einem Pfarramt verbunden; Pfarrsitz ist Kalefeld. Die beiden Gemeinden gehören zur Region Altes Amt im KK Osterode. Gemeinsam geben die Gemeinden des Alten Amtes das monatliche Gemeindeblatt „Kirchenbote“ heraus (erstmals 1919 bis 1937, wieder seit 1956).

Umfang

Sebexen

Aufsichtsbezirk

Archidiakonat Nörten (sedes Hohnstedt) der Erzdiözese Mainz.37 – 1569 zur Suptur. Seesen der Generaldiözese Gandersheim.38 Im Zuges des Übergangs des Amtes Westerhof an das Fsm. Calenberg 1649/51 zur Insp. Hohnstedt. 1868 Insp. Kalefeld (Sitz in Willershausen), 1874 umbenannt in Insp. Willershausen (1924: KK). Mit Aufhebung des KK Willershausen am 1. Januar 1951 zum KK Osterode.39 Seit 1. Januar 2013 KK Harzer Land.40

Patronat

Die Familie von Sebexen verzichtete 1352 zu Gunsten der Äbtissin des Benediktinerinnenklosters St. Marien vor Gandersheim auf ihre Patronatsrechte an der Kirche in Sebexen.41 Mit Aufhebung des Klosters 1568/70 kam das Patronat mit dem übrigen Klostergut an das neue Pädagogium in Gandersheim, und in dessen Nachfolge 1574 an die Universität Helmstedt.42 Das Patronat lag später beim Landesherrn (nachweislich 1729).43

Kirchenbau
Kirche, Ansicht von Südosten, Teilansicht, 1950

Kirche, Ansicht von Südosten, Teilansicht, 1950

Kreuzförmiger Bau mit Sakristeianbau im Südosten, umgebaut und erneuert 1894 (Architekt: Conrad Wilhelm Hase, Hannover), im Kern mittelalterlich (ältester Teil ist vermutlich die Ostwand mit dem Fenster aus dem 14. Jh.).44 Satteldach, Querhausarme mit je zwei Querdächern und Zwerchgiebeln. Bruch- und Hausteinmauerwerk, Eckquaderung im Osten. Strebepfeiler an den Querhäusern; Fenster mit Dreipassbögen an Chor und Querhausarmen, in den Zwerchgiebeln Rundfenster; Piscina in Ostwand. Im Innern flache Balkendecke im Schiff, Kreuzgewölbe mit Rankenmalerei im Chor; runder Triumphbogen zwischen Chor und Schiff mit Inschrift: „Herr ich habe lieb die Stätte deines Hauses“ (seit 1980; ursprünglich: „Heilig, Heilig, Heilig ist Gott der Herr Zebaoth Jes 6,3“, wohl 1954 übertüncht); Westempore unterhalb des Turms. Wohl 1627 Kirchenbrand, etwa bis 1660 Schäden nach und nach repariert.45 1660 steinernes Dach (Sandsteinplatten aus dem Solling). 1776–79 Mauerwerkssanierung. 1894/95 Umbau nach Plänen Conrad Wilhelm Hases (Hannover), ausgeführt von Adolf Siburg (Gandersheim), durch Bau der Querhausarme Umwandlung der einschiffigen Saalkirche in eine Kreuzkirche, Bau der Sakristei; Neuausstattung Innenraum.46 1954 Renovierung. 1978–81 Renovierung (u. a. neue Dachdeckung, Fenster erneuert, nach dem Zweiten Weltkrieg vermauertes Ostfenster wieder geöffnet). 1990 Sanierung.

Fenster

Ornamentale Buntglasfenster im Chor (1894/95). Figürliches Buntglasfenster mit Christusantlitz (1894/95), ursprünglich im Ostfenster, seit 1980/81 in der Sakristei.

Turm

Rechteckiger Westturm, erbaut wohl um 1500.47 Verputztes Bruchsteinmauerwerk, Strebepfeiler an den Ostecken; verschieferter, barocker Aufsatz mit achteckigem Glockengeschoss, Laterne und geschwungener, bleigedeckter Haube, bekrönt mit Kugel und Wetterfahne. Im Glockengeschoss je zwei rundbogige Schallöffnungen nach Norden, Süden, Osten und Westen; im Erdgeschoss große Rundbogenfenster nach Norden und Süden, Hauptportal nach Westen, Konsolensturz, Tympanon mit Radkreuz, darüber Rundfenster. 1709/10 Instandsetzung (wohl Aufsatz und Turmhaube errichtet; Turmhalle zum Schiff geöffnet). Zwischen 1729 und 1746 Turmuhr angeschafft. 1864 neue Turmuhr (J. F. Weule, Bockenem). 1891 Turmsanierung (Westportal angelegt). 1928 neue Turmuhr (J. F. Weule, Bockenem). 2009 Sanierung.

Vorgängerbau

Neue Kapelle 1145 geweiht und zur Pfarrkirche erhoben. Keine baulichen Reste erhalten.

Kirche, Blick zum Altar, 1988

Kirche, Blick zum Altar, 1988

Ausstattung

Blockaltar mit neugotischem Holzretabel (1894/95), schmales Mittelfeld mit Wimperg und zwei Fialen, hohes Kruzifix als Bekrönung, im Mittelfeld Christusmonogramm und Inschrift „Hallelviah“. – Hohe Holzkanzel (1894), polygoner Kanzelkorb mit Ecksäulchen, an den Wandungen und am Kanzelaufgang Blendnischen mit Dreipassbögen. – Achtseitige Sandsteintaufe (1669), am Becken Inschrift: „Iulius Westphal hat diesen Taufstein verehrt 1669. 1894 renov[iert]“; diente zeitweise als Kanzelfuß, seit 1894 wieder Taufstein.48 – Außen (eingelassen in die Nordwand): Grabstein für P. adj. Johannes Friederich Hartung (amt. 1720–1732), Inschrift (Übersetzung): „Herr Johannes Friedrich Hartung, Pastor von Kalefeld und Sebexen, geboren in Gimte bei Hann. Münden am 1. April 1692, 1720 als Pastor berufen und seinem Vater als Hilfsprediger zugeteilt, gestorben in Sebexen am 26. Sept. 1732 im Alter von etwas über 40 Jahren, 12 Jahre im Amt und 7 Jahre verheiratet, begraben unter diesem Erdhügel, hat nach Arbeit Ruhe findend, seine Seele nach oben gegeben“.49

Orgel

1734 keine Orgel vorhanden.50 Erste Orgel wohl 1846 erworben. 1894 Orgelneubau, P. Furtwängler & Hammer (Hannover), 13 II/P, mechanische Traktur, Kegelladen (Opus 320) romantisches Klangbild.51 Prospektpfeifen im Ersten Weltkrieg zu Rüstungszwecken abgegeben, 1951 noch nicht ersetzt. 1952 Instandsetzung und Änderung der Disposition, ausgeführt von Friedrich Weißenborn (Braunschweig) 13 II/P, mechanische Traktur, Kegelladen, neobarockes Klangbild.52

Geläut

Drei LG, I: a’ (Bronze, Gj. 1929, Firma Radler, Hildesheim), Inschrift; „Niemand hat grössere Liebe denn die, daß er sein Leben lässet für seine Freude“ und „Von der Gemeinde Sebexen dem Gedenken ihrer im Weltkrieg 1914–1918 gefallenen Söhne gewidmet“, Bilder: Eisernes Kreuz und Kreuzigungsszene; II: c’’, Inschrift: „Kommt, denn es ist alles bereit. Dem Gedenken der Gefallenen 1939–1945“; III: d’’, Inschrift: „Wir haben hier keine bleibende Stadt. Dem Gedenken der Heimat“ (beide Bronze, Gj. 1962, Wilhelmshütte, Bockenem). Eine SG, c’’’ (Eisen, wohl Gj. 1864), ohne Inschrift, hing bis 1962 außen am Turm, seitdem in der Laterne. – Früherer Bestand: 1643 Glocke belegt.53 1693 zweite Glocke angeschafft. Kleine Glocke umgegossen zu einer neuen LG (Bronze, Gj. 1756, Heinrich Conrad Michaelis, Braunschweig), Inschriften: „Soli Deo Gloria [Allein Gott die Ehre] Herr Christian Henrich Schilling, Superintendent. Herr Johann Henrich von Uslar. Amtmann. Herr Johann Conrad Tacken. Pastor. Arend Hasen, Hans Hening Dörries, Altaristen.“, „Da pacem Domine [Gib Frieden, Herr] Hans Jürgen Eickmeier, Hans Crusen, Vorsteher. Johann Boden, Friderich Eickmeier, Bauermeister. Die Gemeinde zu Sebechsen hat mich giessen lassen“ und „Heinrich Conrad Michaelis goss mich in Braunschweig Anno 1756.“ Große Glocke umgegossen zu einer neuen LG (Bronze, Gj. 1806, H. A. Bock, Einbeck), Inschrift: „Die Gemeinde Sebexen hat mich gießen lassen durch H. A. Bock in Einbeck 1806“. Große Glocke im Ersten Weltkrieg zu Rüstungszwecken abgegeben. Kleine Glocke von 1756 bei Anschaffung eines neuen Zweiergeläuts 1929 eingeschmolzen.54 Zwei neue Glocken angeschafft, f’ und a’ (Bronze, Gj. 1929, Firma Radler, Hildesheim), größere im Zweiten Weltkrieg zu Rüstungszwecken abgegeben (1942), kleinere erhalten (heute LG I).

Weitere kirchliche Gebäude

Pfarrhaus mit Gemeinderäumen (Bj. 1909/10), teilweise vermietet.

Friedhof

Ursprünglich kirchlicher Friedhof rund um die Kirche. Neuer kirchlicher Friedhof am nordwestlichen Ortsrand, erste Beerdigung 1883, FKap (Bj. 1966/67).

Liste der Pastoren (bis 1940)

1542 Heinrich Remrodt. – 1568 Joachim Hentis. – 15..–1592 Anton Goldschmidt. – 1592–1616 David Achtermann. – 1616–1620 Magister Joachim Oppermann. – 1620–162. Caspar Hardenberg. – 1626–1628 (?) Bernwardus Schriddenius.
Hilfsgeistliche: 1901–1902 Karl Theodor Schmidt. – 1902–1904 Hermann Karl August Robert Walbaum. – 1904–1908 Paul Hermann Karl Sievers. – 1908–1912 Albert Hermann Witte. – 1912–1920 Karl Alexander Ernst Renner. – 1920–1921 August Heinrich Wilfried Wolters. – 1921–1923 Karl Louis Albert Vespermann.
Angaben nach: Meyer, Pastoren II, S. 363

Landeskirchliches Archiv Hannover

A 1 Nr. 10192–10198 (Pfarroffizialsachen); A 5 Nr. 916 (Spec. Landeskons.); A 6 Nr. 4323d (Pfarrbestallungsakten); A 8 Nr. 212, 394 (CB); A 9 Nr. 1255Digitalisat, 1256Digitalisat, 1257Digitalisat, 1258Digitalisat, 1259Digitalisat, 2098Digitalisat (Visitationen); B 18 Nr. 80 (Orgelsachverständiger); D a7 (EphA Osterode); S 09 rep Nr. 2010 (Presseausschnittsammlung); S 11a Nr. 7620 (Findbuch PfA).

Kirchenbücher

Taufen: ab 1641
Trauungen: ab 1641
Begräbnisse: ab 1641 (unvollständig: 1737)
Kommunikanten: ab 1857 (Lücken: 1943, 1944, 1946–1951; Zahlenregister: 1946–1951)
Konfirmationen: ab 1825

Literatur & Links

A: Gemeindebuch KK Osterode, S. 43–45; Aye/Kronenberg, Taufbecken, S. 196, Nr. 264; Casemir/Menzel/Ohainski, Ortsnamen Lkr. Northeim, S. 341–342; Dehio, Bremen/Niedersachsen, S. 1195; Kämmerer/Kellmann/Lufen, Denkmaltopographie Lkr. Northeim, S. 628–630; Meyer, Pastoren II, S. 363; Müller, Kalefeld, S. 55–59; Schäfer, Orgelwerke, S. 32.
B: Heiko Jäckel & Ulrich Fuchs: St. Martin in Sebexen. 850 Jahre Pfarrkirche, 100 Jahre Kirchengebäude, Kalefeld 1995.
Internet: Bildindex der Kunst & Architektur: Glocke von 1756.

GND

1213920639, Evangelische Kirche Sankt Martin (Sebexen)


Fußnoten

  1. Mainzer UB II, Nr. 8. Vgl. Insgesamt: Casemir/Menzel/Ohainski, Ortsnamen Lkr. Northeim, S. 341.
  2. Mainzer UB II, Nr. 78.
  3. 1294/1306: Sudendorf, UB I, Nr. 168–170; UB HS Hildesheim III, Nr. 1367 und 1408; zur Datierung: Müller, in: Jäckel, Diesner & Hillebrecht, Willershausen, S. 129, Nr. 21 mit Anm. und ebd., S. 103 f. 1323: UB HS Hildesheim IV, Nr. 718; Müller, in: Jäckel, Diesner & Hillebrecht, Willershausen, S. 132, Nr. 36. Zur Gft. Westerhof: Max, Grubenhagen I, S. 41 ff.
  4. Max, Grubenhagen I, S. 387 und S. 390; Kayser, Kirchenvisitationen, S. 202 f., Anm. 389.
  5. Selchow, Magazin I, S. 66 und 93; Jäckel, Diesner & Hillebrecht, Willershausen, S. 451.
  6. Jäckel & Fuchs, S. 30.
  7. LkAH, L 5c, unverz., Kalefeld, Visitation 1936.
  8. LkAH, L 5c, unverz., Sebexen, Visitation 1974.
  9. Mainzer UB II, Nr. 78. Zum Folgenden: Jäckel & Fuchs, S. 7 ff.
  10. Jäkel & Fuchs, S. 13.
  11. NLA WO 14 Urk Nr. 48, 08.12.2021. Zum Kloster: Dolle, Klosterbuch I, S. 450 ff.
  12. Goetting, Bistum Hildesheim 1, S. 489. Vgl. insgesamt auch die Übersicht bei Jäckel & Fuchs, S. 24 f.
  13. Goetting, Bistum Hildesheim 1, S. 411.
  14. Goetting, Bistum Hildesheim 2, S. 150 f.
  15. Goetting, Bistum Hildesheim 1, S. 493; Goetting, Bistum Hildesheim 2, S. 154.
  16. Wolf, Commentatio II, Diplomata, S. 70, Nr. 55.
  17. Goetting, Bistum Hildesheim 1, S. 496; Goetting, Bistum Hildesheim 2, S. 164.
  18. Goetting, Bistum Hildesheim 2, S. 165; Kayser, Kirchenvisitationen, S. 203.
  19. Goetting, Bistum Hildesheim 2, S. 165; Spanuth, Quellen, S. 278.
  20. Sehling, Kirchenordnungen 16. Jh. Bd. 6,1, S. 4 und 22 ff.; Butt, Herrschaft, S. 42 ff.
  21. Sehling, Kirchenordnungen 16. Jh. Bd. 6,1, S. 5 und 83 ff.; Butt, Herrschaft, S. 58 ff.
  22. Max, Grubenhagen I, S. 390; Kayser, Kirchenvisitationen, S. 202 f., Anm. 389.
  23. Spanuth, Quellen, S. 278; Jäckel & Fuchs, S. 25.
  24. Jäckel & Fuchs, S. 21 und S. 33.
  25. LkAH, A 8, Nr. 394, Bl. 1.
  26. Jäckel & Fuchs, S. 26.
  27. LkAH, A 8, Nr. 212, Bl. 1r.
  28. Zit, bei Jäckel & Fuchs, S. 36. Zum Umbau insgesamt vgl. ebd.
  29. Jäckel & Fuchs, S. 22.
  30. KABl. 1901, S. 63.
  31. LkAH, L 5c, unverz., Kalefeld, Visitation 1936.
  32. LkAH, S 1 H III Nr. 420, Bl. 24; vgl. auch LkAH, L 5c, unverz., Kalefeld, Visitation 1936: Die Sitzungen des KV „werden nicht mehr mit Gebet eröffnet, da die Kirchenvorsteher daran Anstoss nahmen“. Allgemein zu Fragebogen: Kück, Ausgefüllt, S. 341 ff.
  33. LkAH, L 5c, unverz., Kalefeld, Visitation 1936.
  34. LkAH, L 5c, unverz., Sebexen, Visitation 1957.
  35. LkAH, L 5c, unverz., Sebexen, Visitation 1968.
  36. KABl. 1958, S. 96.
  37. Kayser, Registrum II, S. 282.
  38. Reller, Kirchenverfassung, S. 221.
  39. KABl. 1951, S. 5.
  40. KABl. 2012, S. 344 f. Vgl. auch 800 Jahre, S. 61.
  41. NLA WO 14 Urk Nr. 48, 08.12.2021. Zum Kloster: Dolle, Klosterbuch I, S. 450 ff.
  42. Im Nachrichtungß-Buch von allen Pfarren in Fürstenthumb Braunschweig, angelegt wohl in den 1590er Jahren, ist die Universität Helmstedt („Julius Universität“) als Patronatsinhaberin genannt (S. 30).
  43. LkAH, A 8, Nr. 212, Bl. 19.
  44. Müller, Kalefeld, S. 55. Nach Jäckel & Fuchs, S. 32: 15. Jh. Siehe auch https://glass-portal.homepage.t-online.de/cwhase/s-z/sebexen_kirche.htm, 29.04.2022.
  45. Jäckel & Fuchs, S. 34.
  46. Jäckel & Fuchs, S. 36 ff.
  47. Müller, Kalefeld, S. 56. Jäckel & Fuchs, S. 32: „vermutlich aus dem 17. Jh. oder sogar aus dem Spätmittelalter“.
  48. Aye/Kronenberg, Taufbecken, S. 196, Nr. 264; Jäckel & Fuchs, S. 37.
  49. Jäckel & Fuchs, S. 52.
  50. Zum Folgenden: Jäckel & Fuchs, S. 44.
  51. Pape/Schloetmann, Hammer, S. 104.
  52. Zur alten und neuen Disposition: LKA, G 9 B/Sebexen Bd. 1, Bl. 4 und 14.
  53. Zum Folgenden: Jäckel & Fuchs, S. 41 ff.
  54. Abb.: Bildindex der Kunst & Architektur.