Sprengel Osnabrück, KK Osnabrück | Patrozinium: Timotheus | KO: Osnabrücker KO von 1652

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Orts- und Kirchengeschichte

Der Stadtteil Widukindland, eine Wohnsiedlung mit Ein- und Zweifamilienhäusern im Nordosten Osnabrücks, entstand größtenteils nach 1935. Anfang der 1960er Jahre lebten hier überwiegend Arbeiter und Angestellte, die in der Industrie oder bei der Bahn tätig waren, die Gemeinde sei geprägt „von einer kleinbürgerlichen Mentalität“.1 Im Jahr 1961 wohnten etwa 5.325 Menschen in Widukindland, 2016 gut 4.840.

Kirche, Außenansicht, 1980

Kirche, Außenansicht, 1980

Kirchlich gehörte die Wohnsiedlung Widukindland zunächst zur 1938 gegründeten Paulusgemeinde Schinkel und dort zum Seelsorgebezirk von P. Hans Rapp (amt. 1926-1960). Da der Stadtteil nach Ende des Zweiten Weltkriegs deutlich wuchs, begannen in den 1950er Jahren die Planungen für die Gründung einer eigenständigen KG. Seit Weihnachten 1952 predigte P. Rapp abwechselnd mit anderen Osnabrücker Pfarrern alle drei Wochen in der Schule des Stadtteils. 1956 erhielt die Paulusgemeinde für den Bereich Widukindland eine eigene Pfarrstelle, die P. René Leudesdorff (amt. 1956-1961) übernahm.2 Im gleichen Jahr entstanden Pfarr- und Gemeindehaus am Widukindplatz. Zum 1. August 1957 machte sich die Gemeinde selbständig und gab sich den Namen „Ev.-luth. Timotheus-Kirchengemeinde Osnabrück“.3 Sie zählte etwa 2.800 Gemeindeglieder.4
Die Pläne für die Kirche, entworfen von Max Berling (Osnabrück), entstanden in einer „intensiven Zusammenarbeit zwischen Architekt, Pastor und Kirchenvorstand“. Sie stellten „das Ergebnis von in vielen fruchtbaren Gesprächen abgewogenen theologischen, kirchenbaugeschichtlichen, ästhetischen und gemeindlich-praktischen Gesichtspunkten dar“, wie P. Leudesdorff in der Festschrift zur Einweihung der Kirche formulierte.5 Nach der Grundsteinlegung 1958 konnte Lbf. Hanns Lilje die neue Kirche am ersten Advent 1959 einweihen. Gut einhundert Meter südwestlich war im Jahr zuvor die kath. Bonifatiuskirche geweiht worden.

Grundsteinlegung der Kirche am 22. Juni 1958. Von links nach rechts: Pastor René Leudesdorff, Landessuperintendent Kurt Degener, Pastor Hans Rapp

Grundsteinlegung der Kirche am 22. Juni 1958. Von links nach rechts: Pastor René Leudesdorff, Landessuperintendent Kurt Degener, Pastor Hans Rapp

Bereits 1959 unterhielt die Timotheusgemeinde eine Partnerschaft mit der sächsischen Christophorus-KG in Tannenberg (Erzgebirge). Später kamen Kontakte zur angl. Gemeinde St. Augustine in Derby und zum Osnabrücker Partnerkirchenkreis Umfolozi in Südafrika hinzu. Ende der 1960er Jahre komponierten und texteten Organist Ulrich Schiele und P. Günter Adam (amt. 1961-1971) mehrere geistliche Lieder für den Gemeindegottesdienst, die sie als „Timotheus Lieder“ veröffentlichten.6 Im Jahr 1969 gründete die KG den ev. Timotheus Kindergarten, dessen Trägerschaft der KK Osnabrück übernahm (nach 2014).
Nach der Visitation 1974 charakterisierte der Sup. des KK Osnabrück die Timotheus-KG als „überdurchschnittlich lebendige Gemeinde“ und lobte 1980 die hohe Zahl der Jugendlichen im Gottesdienst – ein Ergebnis der intensiven Jugendarbeit.7 Im Jahr 2006 gründete sich der „Förderverein Timotheus Osnabrück e. V.“ der mit seiner Arbeit sowohl den Timotheus-Kindergarten unterstützen möchte als auch das Gemeindeleben insgesamt. Da die Zahl der Gemeindeglieder mittlerweile zu gering ist für eine volle Pfarrstelle (2017 etwa 1.300), hat die Timotheusgemeinde seit 2014 ein gemeinsames Pfarramt mit der benachbarten Jakobusgemeinde (Gottesdienste im wöchentlichen Wechsel entweder in Timotheus- oder in Jakobuskirche). Zum 1. Januar 2014 trat die KG aus dem Gesamtverband Osnabrück aus.8

Umfang

Der Osnabrücker Stadtteil Widukindland.

Aufsichtsbezirk

Mit Gründung der KG 1957 zum KK Osnabrück.

Kirchenbau
Kirche, Blick zum Altar, 1965, Postkarte

Kirche, Blick zum Altar, 1965, Postkarte

Achteckiger Zentralbau über quadratischem Grundriss mit abgeschrägten Ecken, erbaut 1958/59 (Architekt: Max Berling, Osnabrück), Anbau nach Nordwesten (Jugendraum), Gemeindehausanbau nach Südwesten. Zeltdach, bekrönt mit Kugel und Kreuz; Nordost- und Südostwand aus versetzten Pfeilern und vertikalen Lichtbändern (Glasbausteine); Eingänge im Nord- und Südwesten. Im Innern abgehängte, holzverkleidete Decke, die von den Schmalseiten ausgehenden Deckenpartien bilden ein Strahlenkreuz; Triumphbogen vor Altarwand; Empore entlang der Nordwest-, West- und Südwestwand, tritt mittig kreisbogenförmig vor.

Fenster

Farbiges Betonglasfenster nach Westen (Gerhard Hausmann, Hamburg): „Die Schöpfung“.

Turm

Turm am nordwestlichen Anbau, verkupferter Turmhelm mit rechteckigem Ansatz und schmaler, hoch ausgezogener Spitze, bekrönt mit Kugel und Kreuz, Glockengeschoss mit hochrechteckigen Schallöffnungen.

Ausstattung

Schlichter Altartisch aus Sandstein (Gerhard Schreiter, Bremen). – Hängendes Triumphkreuz. – Kreuzförmiges Mosaik an Altarwand (Gerhard Hausmann, Hamburg): „Das Himmlische Jerusalem“ (Offb 21), Lamm Gottes in der Mitte, umgeben von den zwölf Stadttoren. – Niedrige Holzkanzel links des Altars. – Hölzernes Lesepult rechts des Altars. – Sandsteintaufe (Gerhard Schreiter, Bremen), aufgestellt unter der Empore im Westen.

Kirche, Blick zur Orgel, nach 1962 (1962 Orgelneubau)

Kirche, Blick zur Orgel, nach 1962 (1962 Orgelneubau)

Orgel

Zunächst kleines Positiv im Gemeindehaus (1957). Neue Orgel 1962, erbaut von der Firma Alfred Führer (Wilhelmshaven), 15 II/P, mechanische Traktur, Schleifladen.

Geläut

Sechs LG, I: h’, Domenica, Inschrift: „Christi Geburt“ sowie „Und das Wort ward Fleisch und wohnte unter uns“; II: cis’’, Betglocke, Inschrift: „Christi Kreuzigung“ sowie „Er hat unsere Sünden hinaufgetragen an seinem Leibe auf das Holz“; III: d’’, Sterbeglocke, Inschrift: „Christi Auferstehung“ sowie „Gleichwie Christus ist auferweckt von den Toten durch die Herrlichkeit des Vaters, also sollen auch wir in einem neuen Leben wandeln“; IV: e’’, Trauglocke, Inschrift: „Christi Himmelfahrt“ sowie „Es sind die Reiche dieser Welt unseres Herrn und seines Christus geworden und er wird regieren von Ewigkeit zu Ewigkeit“; V: fis’’, Taufglocke, Inschrift: „Christi Wiederkunft“ und „Alle Geschlechter auf Erden werden sehen kommen des Menschen Sohn in den Wolken des Himmels mit großer Kraft und Herrlichkeit“; (alle Bronze, Gj. 1958, Firma Rincker, Sinn); VI: a’’, Abendmahlsglocke, Inschrift: „Freuet euch!“ sowie „Freuet euch in dem Herrn allewege und abermals sage ich: freuet euch!“ (Bronze, Gj. 1959, Firma Rincker, Sinn), gestiftet von Georg Jager.9

Weitere kirchliche Gebäude

Pfarrhaus (Bj. 1956). – Gemeindehaus (Bj. 1956, Umbau Mitte 1980er Jahre), schließt sich südwestlich an die Kirche an. – Kindergarten (Bj. 1969).

Landeskirchliches Archiv Hannover (LkAH)

E 9 Nr. 741-744 (Amt für Bau- und Kunstpflege); L 5f Nr. 302-303, 941 (LSuptur. Osnabrück).

Literatur

A: Kämmerer, Denkmaltopographie Stadt Osnabrück, S. 156; Poppe-Marquard, Kirchenchronik, S. 246-249; Weichsler, Hdb. Sprengel Osnabrück, S. 29; Wrede, Ortsverzeichnis Fürstbistum Osnabrück II, S. 118.
B: Schinkeler Geschichte(n), hrsg. vom Bürgerverein Osnabrück-Schinkel von 1912 e. V., Osnabrück 1990, bes. S. 355-356; René Leudesdorff: Festschrift zur Einweihung der Evangelisch-lutherischen Timotheus-Kirche Osnabrück am 1. Advent (29. November) 1959, Osnabrück 1959.


Fußnoten

  1. LkAH, L 5f, Nr. 302 (Visitation 1962 und Visitation 1968).
  2. KABl. 1956, S. 74.
  3. KABl. 1957, S. 144.
  4. LkAH, L 5f, Nr. 302 (Visitation 1962).
  5. Leudesdorff, S. 15. Baubeschreibung des Architekten Max Berling: LkAH, B 2 G 9/Osnabrück Timotheus Bd. I, Bl. 5-7; Form des Turms später abgeändert.
  6. LkAH, L 5f, Nr. 941 (Timotheus-Lieder, Heft 1, um 1969).
  7. LkAH, L 5f, Nr. 302 (Visitation 1974) und ebd. Nr. 303 (Visitation 1980).
  8. KABl. 2013, S. 210 f.
  9. Leudesdorff, S. 23.