Sprengel Osnabrück, KK Melle-Georgsmarienhütte | Patrozinium: Paulus | KO: Keine Kirchenordnung

Karte wird geladen, bitte warten...
Orts- und Kirchengeschichte

Der nördliche Teil Melles entstand seit der zweiten Hälfte des 19. Jh. als Industriegebiet in Bahnhofsnähe. Aufgrund der steigenden Bevölkerungszahl der Stadt Melle plante die ev. KG seit Anfang der 1960er Jahre den Bau eines Gemeindezentrums am nordöstlichen Stadtrand (Auf dem Kleft), bestehend aus Gemeindehaus, Pfarrhaus, Glockenturm und Kirche. Das Gemeindehaus konnte im Juni 1965 eingeweiht werden; gleichzeitig kam P. Jürgen Meier (amt. 1965-1985) als vierter Pfarrer nach Melle. Seine Pfarrstelle ging auf die zum 1. Januar 1966 neugegründete „Ev.-luth. Paulus-Kirchengemeinde in Melle“ über.1 Das Gebiet der Gemeinde umfasst zum einen die Meller Neubauviertel nördlich der Bahnlinie und zum anderen mit Bakum und Eicken-Bruche „einige dörfliche Randbezirke“. Laut Einschätzung des Sup. des KK Melle nach der Visitation 1975 waren die Bewohner dieser Bezirke „von der Erweckung geprägt“ und bildeten zum großen Teil den Kern der Gemeinde, zu dem auch „viele ältere Menschen, die aus dem Osten stammen“, gehörten sowie „eine Reihe von Meller Bürgern, die aus der guten alten Tradition von Melle kommen.“ 2

Gemeindezentrum, Rohbau, Ansicht von Nordosten, 1964

Gemeindezentrum, Rohbau, Ansicht von Nordosten, 1964

Bereits vor der Gründung der Paulus-KG ist in den Räumen des Gemeindehauses ein ev. Kindergarten eröffnet worden. Der Pauluskindergarten erhielt 1970 einen Neubau (seitdem mehrfach erweitert, seit 2010 auch Krippe). Seit 2013 unterstützt der „Förderverein Paulus Kindertagesstätte Melle e. V.“ die Einrichtung.
Im Jahr 1967 gründete sich der Kirchenchor der Gemeinde. 1970 folgte der Posaunenchor, als sich die Mitglieder des Meller Posaunenchors auf die KG Paulus und Petrus aufteilten.3 Die Pläne zum Bau einer eigenen Kirche gab die Gemeinde Ende 1970 auf, da er aus finanziellen Gründen in weite Ferne gerückt war. Stattdessen vergrößerte sie 1972 den Gemeindesaal zu einem Kirchenraum. Ein Jahr später ließ sie südlich des Gemeindehauses den Glockenturm errichten und vier Glocken gießen; Turm und Glocken finanzierte sie ohne landeskirchliche Hilfe aus Eigenmitteln und Spenden.4 Den kleinen Kirchenraum beurteilte der Sup. des KK Melle durchaus positiv: Hier könne der Pfarrer „im Gesprächston mit der Gemeinde“ sprechen „wie das in unseren großen alten Kirchen oft nicht möglich ist“.5 Anfang 1982 richtete die KG eine Schwesternstation ein (integriert in die Diakonie-Sozialstation Melle).
Die Paulusgemeinde baute in den 1960er Jahren eine Partnerschaft mit der KG Dorf Wehlen-Mockethal in Sachsen auf. Seit der ersten Hälfte der 1970er Jahre bestehen auch Kontakte nach Südafrika: bis 1983 mit der KG Mpumalanga (übergegangen an Oldendorf), von da an bis 1997 mit der KG Emakhabeleni und seit Anfang der 2000er Jahre mit der KG Kwa Mashu in Durban.6

Umfang

Bakum, Eicken-Bruche, Stadtgebiet Melle (Melle-Mitte) nördlich der Bahnlinie Hannover–Osnabrück.

Aufsichtsbezirk

Bei Gründung der KG 1966 zum KK Buer. Sitz der Suptur. 1973 nach Melle verlegt, seitdem KK Melle.7 Seit Januar 2013 KK Melle-Georgsmarienhütte.8

Kirchenbau

Gemeindezentrum als zweiflügeliger Winkelbau 1964-65 errichtet (Architekt Max Berling, Osnabrück), Nordflügel (Gemeindesaal) 1972 zu Kirchensaal erweitert. Kirchenflügel ist ein Rechteckbau mit asymmetrischem Satteldach und sechs großen Rechteckfenstern nach Westen. Im Innern offener Dachstuhl, Altarraum im Norden.

Fenster

Sechs Metallfenster mit Blei-Buntverglasung an Westseite (1972).

Glockenturm, 1980

Glockenturm, 1980

Turm

Freistehender Glockenturm aus vier Betonpfeilern mit quaderförmiger Glockenstube, bekrönt mit Kreuz, erbaut 1973 (Architekt: Max Berling, Osnabrück).

Ausstattung

Schlichter Altartisch (Stahlgestell mit Holzplatte). – Altarbild „Das himmlische Jerusalem“ aus schwarzem Andenschiefer und Blattgold (1972, Heinz Lilienthal, Bremen). – Schlichte Taufe (sechseckiges Becken auf Metallgestell).

Orgel

Kleinorgel der Firma Gustav Steinmann (Vlotho), 5 I/aP, mechanische Traktur, Schleifladen, erbaut 1965/66; aufgestellt rechts des Altars.

Geläut

Vier LG, I: h’, Inschrift: „Selig sind, die da hungert und dürstet nach Gerechtigkeit“; II: cis’’, Inschrift: „Du bist mein lieber Sohn, an dir habe ich Wohlgefallen“; III: e’’, Inschrift: „Heute wirst du mit mir im Paradiese sein“; IV: fis’’, Inschrift: „Wer an mich glaubt, der hat das ewige Leben“ (alle Bronze, Gj. 1973, Rincker, Sinn).

Weitere kirchliche Gebäude

Pfarrhaus (Bj. 1966). – Kindergarten (Bj, 1970, erweitert 1974 und 1991), 2010 Neubau „Pauluskrippe“ (2014 Erweiterungsbau).

Friedhof

Kommunaler Friedhof im Süden der Stadt Melle.

Landeskirchliches Archiv Hannover (LkAH)

L 5f Nr. 35-36 und 798 (LSuptur. Osnabrück); S 11a Nr. 8143 (Findbuch PfA).

Literatur

A: Weichsler, Hdb. Sprengel Osnabrück, S. 204.
B: Festschrift 25 Jahre. 1965-1990, hrsg. vom Kirchenvorstand der Paulusgemeinde (= Sonderausgabe Kirchenbote), Melle 1990; Festschrift zum 50jährigen Bestehen der ev.-luth. Paulusgemeinde Melle, hrsg. von der ev.-luth. Paulus-Gemeinde Melle, Melle 2015.


Fußnoten

  1. KABl. 1965, S. 15; KABl. 1966, S. 7.
  2. Alle Zitate: LkAH, L 5f, Nr. 35 (Visitation 1975).
  3. Festschrift zum 50 jährigen Bestehen, S. 37 f.
  4. LkAH, L 5f, Nr. 35 (Visitation 1975).
  5. LkAH, L 5f, Nr. 35 (Visitation 1975).
  6. Festschrift 25 Jahre, S. 37 ff.
  7. KABl. 1973, S. 149.
  8. KABl. 2012, S. 177 f.