Sprengel Osnabrück, KK Melle-Georgsmarienhütte | Patrozinium: Auferstehung | KO: Keine Kirchenordnung

Karte wird geladen, bitte warten...
Orts- und Kirchengeschichte

Das Kloster Oesede lässt sich erstmals in seinem Gründungsjahr 1170 belegen, als Bf. Philipp von Osnabrück das neue Kloster in seinen Schutz nahm.1 1182 ist der Ort als orientali Osethe (Ost Oesede) nachweisbar.2 Als zusammengehörige Gemeinde Kloster Oesede erscheinen die einzelnen Höfe und Weiler seit 1565.3 Kloster Oesede zählte zum Amt Iburg des Hochstifts Osnabrück. Seit Ende des Dreißigjährigen Krieges wechselten sich hier kath. und luth. Bischöfe in der Regierung ab; letztere stammten jeweils aus dem Haus Braunschweig-Lüneburg.4 Nach den Bestimmungen des Reichsdeputationshauptschlusses von 1803 wurde das Hochstift als Fsm. Osnabrück Teil des Kfsm. Braunschweig-Lüneburg (Hannover). In der Zeit der französischen Herrschaft war Kloster Oesede Teil des Kantons Iburg, der von 1807 bis 1810 zum Distrikt Osnabrück im Departement Weser des Kgr. Westphalen gehörte und von 1811 bis 1813 zum Arrondissement Osnabrück im Departement Obere Ems des Kaiserreichs Frankreich. Danach zählte Kloster Oesede, nun im Kgr. Hannover, wieder zum Amt Iburg. Die Ämterstruktur blieb nach der preußischen Annexion von 1866 zunächst bestehen und 1885 kam Kloster Oesede zum Kr. Iburg (1932 Lkr. Osnabrück). Im Jahr 1970 fusionierte Kloster Oesede mit den Gemeinden Georgsmarienhütte, Harderberg, Holsten-Mündrup, Holzhausen und Oesede zur neuen Gemeinde Georgsmarienhütte, die im gleichen Jahr Stadtrechte erhielt. 1885 lebten in Kloster Oesede 463 Menschen (14 ev., 449 kath.), 1905 gut 520 und 1961 rund 970. Das Gebiet der Kirchengemeinde (Kloster Oesede und Harderberg) zählte 1982 gut 7.800 Einwohner (knapp 6.300 kath., gut. 1.250 ev.).

Kirche, Ansicht von Südwesten, 1980

Kirche, Ansicht von Südwesten, 1980

Nachdem die flächendeckende Einführung der Reformation in Hochstift und Bistum Osnabrück, die Bf. Franz von Waldeck 1543 beabsichtigt hatte, schließlich am Widerstand des Domkapitels gescheitert war, blieben die konfessionellen Verhältnisse bis zum Ende des Dreißigjährigen Krieges in der Schwebe.5 Als Katholiken und Protestanten 1650 in der Capitulatio perpetua Osnabrugensis schließlich regelten, welche Gemeinden und Klöster zu welcher Konfession zählen sollten, wurde Kloster Oesede der kath. Seite zugeschlagen.6
Die wenigen ev. Christen, die bis Ende des Zweiten Weltkriegs in Kloster Oesede und Harderberg lebten, gehörten seit 1873 zur Luther-Gemeinde Georgsmarienhütte (vorher zur KG Iburg. Aufgrund des Zuzugs Geflüchteter wuchs die Zahl der Protestanten seit 1945 stark an. Gottesdienste feierten sie u. a. im Zentral-Kino und in der Schule Harderberg. 1959 kamen die etwa 800 ev. Einwohner von Kloster Oesede und Harderberg zur neugegründeten König-Christus-Gemeinde Oesede.7 Im Oktober 1962 begannen die Arbeiten an der Auferstehungskirche in Kloster Oesede. Die Entwürfe stammten von Werner Johannsen (Osnabrück), der bereits die Kirche in Oesede entworfen hatte. In der anlässlich der Grundsteinlegung verfassten Urkunde heißt es: „Die Glieder der Gemeinde in Kloster Oesede, die den Bau dieser Kirche angestrebt haben und mit ihren Opfern tragen, sind christgläubige Menschen gewesen, die durch viele Trübsale in diesem Erdenleben hindurchgegangen sind, ihre Heimat zum großen Teil durch die Wirren des großen Krieges 1939-45 im Osten des Deutschen Reiches verloren haben und hier in Kloster Oesede eine Heimat gefunden haben.“8
Am 1. Dezember 1963 konnte die Gemeinde die Auferstehungskirche einweihen. Bei der Visitation 1964 zeigten sich Sup. und LSup. beeindruckt von der Spendensumme, die zum Bau der Kirche in der Gemeinde zusammengekommen war. Zur angemessenen Versorgung dieses Gemeindebezirks, urteilte der LSup., sei die Anstellung eines Pfarrvikars notwendig.9 Sie wurde 1969 eingerichtet, jedoch erst 1974 besetzt.10 Zum 1. Januar 1979 schließlich trennten sich Kloster Oesede und Harderberg von ihrer Muttergemeinde Oesede und gründeten die eigenständige „Ev.-luth. Auferstehungs-Kirchengemeinde Kloster Oesede“.11 Erster Gemeindepfarrer war P. Johannes Schiller (amt. 1979-1982), der seit 1974 zweiter Pfarrer der KG Oesede gewesen war. Bis Mitte der 1980er Jahre waren die Pfarrer der Gemeinde auch gleichzeitig Seelsorger im Franziskus-Hospital.
Bei der ersten Visitation der neuen Auferstehungsgemeinde merkte der Sup. des KK Georgsmarienhütte 1982 an, dass die Gemeindeglieder aus dem Stadtteil Harderberg bislang „nur wenige und schwache Kontakte zu ihrer neuen Kirchengemeinde“ hätten. Das kirchliche Leben konzentrierte sich im Ortsteil Kloster Oesede, wo Kirche, Gemeindesaal und Pfarrhaus standen.12 Die Verhältnisse besserten sich im Laufe der 1980er Jahre.13
Zum 1. Januar 2007 wandelte das Landeskirchenamt die Pfarrstelle der Gemeinde von einer vollen in eine halbe Stelle um.14 Seit Januar 2011 sind die KG Kloster Oesede, Oesede und Georgsmarienhütte pfarramtlich verbunden.15

Umfang

Stadtteile Kloster Oesede und Harderberg der Stadt Georgsmarienhütte.

Aufsichtsbezirk

Mit Gründung der KG 1979 zum KK Georgsmarienhütte. Seit Januar 2013 KK Melle-Georgsmarienhütte.16

Kirchenbau

Verklinkerter Rechteckbau mit hohem Walmdach, ausgerichtet nach Süden, erbaut 1962/63 (Architekt: Werner Johannsen, Osnabrück). Sakristeianbau im Nordwesten, Anbau mit kleinem Gemeinderaum im Nordosten, beide Anbauten mit Flachdach verbunden, das zudem den nördlichen Vorplatz der Kirche teilweise überdacht. Nach Westen horizontales Fensterband unterhalb der Dachtraufe, in östlicher Wand des Altarraums bodentiefe Fensterschlitze; Haupteingang nach Norden. Im Innern offener Dachstuhl, Orgelpodest im Norden. 1982 Innenrenovierung. 2008 Kirchenbänke durch Stühle ersetzt.

Fenster

Abstrakte Farbfenster, gestaltet von Glasmaler Heinz Lilienthal, Bremen.

Turm

Westlich an die Sakristei anschließend niedriger Turm mit Sandsteinfassade und hohem, kupfergedeckten Turmhelm in Form einer vierseitigen Spitzpyramide, bekrönt mit Kugel, Kreuz und Hahn; im unteren Teil des Turmhelms horizontale Schallschlitze.

Ausstattung

Schlichter Altar mit Sandsteinmensa auf gemauertem Stipes. – Sandsteintaufe. – Holzrelief an Altarwand (1964, Karl Hemmeter, München): Auferstandener Christus im Kreis der Jünger.

Orgel

Neubau der Firma Matthias Kreienbrink (Osnabrück) von 1965, aufgestellt 1970, 6 I/P, mechanische Traktur, Schleifladen („Serieninstrument“).17

Geläut

Drei LG, I: c’’, Inschrift: „Jesus Christus spricht: Ich bin die Auferstehung und das Leben“; II: d’’, Inschrift: „Der Tod ist verschlungen in den Sieg“; III: f’’, Inschrift: „Freuet Euch in dem Herrn allewege“ (alle Bronze, Gj. 1965, F. Otto, Bremen-Hemelingen), alle Glocken tragen zudem Inschrift „Kloster Oesede – Anno 1965“.

Weitere kirchliche Gebäude

Pfarrhaus (Bj. 1979). – Gemeindehaus (Bj. 1993/94, östlich der Kirche an den kleinen Gemeindesaal anschließend).

Friedhof

Kommunaler Friedhof in Harderberg, angelegt 1936. Kommunaler Friedhof in Kloster Oesede (Waldfriedhof), angelegt 1944.

Landeskirchliches Archiv Hannover (LkAH)

L 5f Nr. 278 (LSuptur. Osnabrück).

Literatur

A: Weichsler, Hdb. Sprengel Osnabrück, S. 136; Wrede, Ortsverzeichnis Fürstbistum Osnabrück I, S. 311-314.
B: Reiner Bretzigheimer: Geschichte der Evangelisch-lutherischen Auferstehungs-Kirchengemeinde Kloster Oesede-Harderberg, in: Georgsmarienhütte. Junge Stadt – Alte Traditionen. Festschrift anläßlich 900 Jahr Kirche in Oesede, 825 Jahre Kloster Oesede, 135 Jahre Georgsmarienhütte, 25 Jahre Stadt Georgsmarienhütte, hrsg. vom Kulturamt der Stadt Georgsmarienhütte (= Beiträge zur Geschichte Georgsmarienhüttes und seiner Stadtteile 2), Georgsmarienhütte 1995, S. 273-275.


Fußnoten

  1. Osnabrücker UB I, Nr. 326. Zum Kloster vgl. Dolle, Klosterbuch III, S. 1119 ff.
  2. Osnabrücker UB I, Nr. 365.
  3. Wrede, Ortsverzeichnis Fürstbistum Osnabrück I, S. 311 f.
  4. Feldkamp, Bedeutung, S. 79 ff.
  5. Sehling, Kirchenordnungen 16. Jh. Bd. 7,1, S. 215 f. und 222 ff.
  6. Fink, Drucke, S. 33. Grundlage der Entscheidung war die konfessionelle Orientierung im ‚Normaljahr‘ 1624.
  7. KABl. 1959, S. 56.
  8. Zit. bei Bretzigheimer, S. 274.
  9. LkAH, L 5f, Nr. 91 (Visitation 1964).
  10. KABl. 1969, S. 16; KABl. 1974, S. 174.
  11. KABl. 1979, S. 8.
  12. LkAH, L 5f, Nr. 278 (Visitation 1982).
  13. LkAH, L 5f, Nr. 278 (Visitation 1988).
  14. KABl. 2006, S. 107 f.
  15. KABl. 2011, S. 65.
  16. KABl. 2012, S. 177 f.
  17. LKA, G 9 B/Kloster Oesede, Bl. 21.