(Godehardikamp)
Sprengel Hildesheim-Göttingen, KK Hildesheim-Sarstedt | Patrozinium: Zwölf Apostel | KO: Calenberger KO von 1569

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Orts- und Kirchengeschichte

Ausgangspunkt der Bebauung des heutigen Gemeindegebiets war das 1884 eröffnete Gasthaus Waldquelle. Zwischen 1923 und 1926 entstanden die Nebenerwerbssiedlungen am Birnhauskamp und am Nonnenkamp, zwischen 1932 und 1934 wurde das Glockenfeld bebaut und 1935 die Straße „Am Neuen Teich“. Weitere Wohnbauprojekte folgten nach Ende des Zweiten Weltkriegs, u. a. ab 1961 die Bebauung des Godehardikamps. Anfang der 1970er war die Zwölf-Apostel-Gemeinde überwiegend mittelständisch geprägt, 1978 formulierte der Visitator, ihr Bereich gehöre „zu den in Hildesheim bevorzugten Wohngebieten“.1

Kirche, Außenansicht, um 1967, Foto: Kurt Hölscher, Hannover, Friedr. W. Reimers, Hildesheim oder Hans Wagner, Hannover

Kirche, Außenansicht, um 1967, Foto: Kurt Hölscher, Hannover, Friedr. W. Reimers, Hildesheim oder Hans Wagner, Hannover

Bereits 1954 erwarb die Christusgemeinde, zu der das Gebiet gehörte, ein Baugrundstück für ein neues Gemeindezentrum. Den Architektenwettbewerb gewann Dieter Oesterlen (1911-1994), Baubeginn war am 1. Juni 1964 und die Grundsteinlegung für die Kirche am 2. Oktober 1965. Das ringförmige Gebäudeensemble liegt auf einer Hügelkuppe und umfasst Küsterhaus, Pfarrhaus, ev. Kindergarten, Kirche und Gemeindehaus. Im Oktober 1967 weihte Landesbischof Hanns Lilje Kirche und Gemeindezentrum ein, die Bauarbeiten waren jedoch erst im Februar 1975 abgeschlossen (Innenausbau Gemeindesaal). Die Zwölf-Apostel-Kirche gehört „zu den letzten Kirchenbauten ihrer Bauzeit […], deren Sakralfunktion noch deutlich baulich dargestellt wurde“.2 Der Altarraum ist so konzipiert, dass Pfarrerin oder Pfarrer bei Gebet und Abendmahlsvorbereitung der Gemeinde nicht den Rücken zukehren, sondern der Gemeinde zugewandt hinter dem Altar stehen. Das gesamte Gemeindezentrum als Gebäudeensemble und auch die Kirche als Einzelbauwerk stehen seit 1999 unter Denkmalschutz.
Kurz nach Einweihung des Gemeindezentrums gründete sich zum 1. Januar 1968 die Zwölf-Apostel-Gemeinde und erhielt eine eigene Pfarrstelle.3 1972 zählte die neue Kirchengemeinde knapp 2.350 Mitglieder, in den Folgejahren nahm diese Zahl nach und nach ab, da sich der Stadtteil nicht wie erwartet vergrößert hatte. 1996 lag die Gemeindegliederzahl bei knapp 1.600 und 2015 bei rund 1.100. Das Landeskirchenamt hatte die Pfarrstelle zum 1. August 1994 in eine halbe umgewandelt und seit dem 1. September 1997 ist die Zwölf-Apostel-Gemeinde pfarramtlich mit der Gemeinde Marienrode verbunden.4 Seit 1996 unterhält die Gemeinde eine Partnerschaft mit der Gemeinde Issuana in Tansania.5 Im Jahre 2003 gründete sich der „Förderverein des ev.-luth. Gemeindeverbundes Marienrode und Zwölf-Apostel e. V.“, der zum einen die Zusammenarbeit zwischen beiden Gemeinden fördern will und zum andern das kirchliche Leben und die Gemeindearbeit unterstützt (u. a. Mitfinanzierung der Stellen für Küster und Pfarrsekretärin). Von 2003 bis 2017 war das Gemeindezentrum auch Sitz der Evangelischen Familienbildungsstätte Hildesheim6 und 2009 gründete sich in Trägerschaft der Gemeinde das „Familienzentrum Zwölf-Apostel“, eine Kooperation zwischen Familienbildungsstätte, Kirchengemeinde und Kindertagesstätte (mittlerweile in Trägerschaft des KK).
In zwei Workshops diskutierte die Gemeinde 2008 und 2016 über die Zukunftsperspektiven des Gemeindezentrums, dessen Größe weit über den Bedarf der kleinen Gemeinde hinaus geht.7

Umfang

Teile des Hildesheimer Ortsteil Moritzberg (Godehardikamp und Waldquelle). Gebiete südlich der Robert-Bosch-Straße sowie Siedlung „Trockener Kamp“ 1979 nach Marienrode umgepfarrt.8

Aufsichtsbezirk

Mit Gründung der Gemeinde zum KK Hildesheim, seit 1. Januar 1999 KK Hildesheim-Sarstedt.9

Kirchenbau
Gemeindezentrum, Grundriss, um 1967 aus: Heft „Zwölf- Apostel-Kirche Hildesheim“, Hildesheim 1967

Gemeindezentrum, Grundriss, um 1967

Die Kirche ist Teil eines seit Dezember 1999 denkmalgeschützten, ringförmig angelegten Ensembles asymmetrisch-polygoner Gebäude, entworfen von Dieter Oesterlen (Hannover), erbaut 1964-67.10 Grundsteinlegung der Kirche Oktober 1965, Einweihung Oktober 1967. Breiter, westlich ausgerichteter Sichtbetonbau, der sich zum Altarraum hin verjüngt; große Fensterwand im Osten, bodentiefe Südfenster im Altarraum, südöstliches hohes Fensterband in Kreuzkapelle (Fenstergestaltung: Helmut Lander, Darmstadt). Im Innern gefaltete Holzdecke, Fußbodenplatten aus Schiefer, Reliefwand mit seitlichem Fensterband im Nordwesten des Altarraums (Helmut Lander, Darmstadt), Empore an Ost- und Südwand, Gestühl mit zwei Seitengängen, Kreuzkapelle im Nordosten. Dachsanierung 1985 (Isolierung). Fassadensanierung 2004/05.

Turm

Ostturm, zweiteilig Betonkonstruktion, verbunden durch Glockengeschoss.

Ausstattung

Schlichter Altar aus Beton (Helmut Lander, Darmstadt). – Wandkreuz (1969, Aluminium, Helmut Lander, Darmstadt). – Achteckiger Taufstein, Taufbecken aus Plexiglas (Odin Greiner, Jugenheim). – Schmiedeeiserner Leuchter über dem Taufbecken (Siegfried Bergström, angeschafft 1978). – Kanzel aus Gußstahl. – Wandbild im Altarraum (1986/87, Michael Schwindt, Hildesheim). – Kruzifix in der Kreuzkapelle (Viktor Hermann). – Zweiflügelige Gußstahltür.

Orgel

1970-71 Neubau durch Ludwig Hoffmann (Betheln), 7 I/P, mechanische Traktur, Schleifladen. Die Planung sah eine in mehreren Bauabschnitten zu errichtende Orgel mit 19 II/P vor. 1975-76 Erweiterung durch Emil Hammer Orgelbau (Arnum) auf 10 II/P (Opus 1716). 1977 Erweiterung durch Emil Hammer Orgelbau (Arnum) um ein Pedalreg. 1992 Reparatur durch Orgelbau-Werkstätten F. Schmidt (Langenhagen). 2002 Erweiterung durch Manfred Gaulke (Hüssessum) auf 13 II/P.

Geläut

Eine LG, ges’, Inschrift: „Mir ist gegeben alle Gewalt im Himmel und auf Erden“, (Bronze, Gj. 1967, Gebrüder Rincker, Sinn). Ursprünglich vierstimmiges Geläut geplant, 1984 empfahl Glockenrevisor wenigstens die „Anschaffung einer zweiten Glocke.“11

Weitere kirchliche Gebäude

Küsterhaus, Pfarrhaus, Kindergarten, Gemeindehaus (Bj. 1965-67, Innenausbau Gemeindehaus 1975, mit Kirche als Gesamtensemble konzipiert, Sichtbeton, zum Innenhof mit Holzverschalung).

Landeskirchliches Archiv Hannover (LkAH)

S 11a Nr. 8184 (Findbuch PfA).

Literatur

A: Pape, Organographia Historica Hildesiensis, S. 310-313; Twachtmann-Schlichter, Stadt Hildesheim, bes. S. 185-186.
B: Die Zwölf-Apostel-Kirche und die Zwölf-Apostel-Gemeinde in Hildesheim. Festschrift zur 50. Wiederkehr der Einweihung der Kirche. 1967-2017, hrsg. von der Ev.-luth. Kirchengemeinde Zwölf-Apostel Hildesheim, Harsum 2017 [auch digital publiziert (20.08.2019)]; Günther Hein u. a. (Red.): 90 Jahre Christuskirche in Hildesheim-Moritzberg. 1904-1994, Hildesheim [1994], bes. S. 87-88; Dietrich Kunze: Die Zwölf-Apostel-Kirche in Hildesheim, Hildesheim 1987; Oskar Söhnken, Gemeindezentrum Zwölf-Apostel-Kirche in Hildesheim (mit einer Erläuterung von Dieter Oesterlen), in: Kunst und Kirche 32 (1969), S. 55-65; Annemarie Voß: Moderne Nachkriegskirchen. Potentiale entdecken. Perspektiven schaffen. Eine Studie am Beispiel der Zwölf-Apostel-Kirche in Hildesheim (Schriftenreihe Bau- und Immobilienmanagement 33), Weimar 2018.

GND

2110185-1, Evangelisch-Lutherische Zwölf-Apostel-Kirchengemeinde (Hildesheim); 1076783627, Zwölf-Apostel-Kirche (Hildesheim).


Fußnoten

  1. LkAH, L 5h, Hildesheim, Zwölf Apostel, Visitation 1978.
  2. Voß, S. 71. Zum Gestaltungskonzept und seiner zeitgenössischen Beurteilung vgl. ebd., S. 75 ff.
  3. KABl. 1968, S. 3.
  4. KABl. 1994, S. 154 und KABl. 1997, S. 255.
  5. Zwölf-Apostel-Kirche, S. 41.
  6. Zwölf-Apostel-Kirche, S. 15 f.
  7. Vgl. ausführlich Voß, S. 89 ff.; knapp: Zwölf-Apostel-Kirche, S. 16 ff.
  8. KABl. 1979, S. 8.
  9. KABl. 1998, S. 211 f.
  10. Voß, S. 81.
  11. LkAH, L 5h, Hildesheim, Zwölf Apostel, Visitation 1972 und Visitation 1984.