Sprengel Hannover, KK Burgwedel-Langenhagen | Patrozinium: Martin | KO: Calenberger KO von 1569

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Orts- und Kirchengeschichte

Die Geschichte von Engelbostel reicht möglicherweise bis in karolingische Zeit zurück. Urkundlich wird der Ort aber erst 1033 als Helingaburstalla in der Bestätigungsurkunde Konrads II. für das Martinsstift in Minden1 erwähnt. 1248 kam die Go Engelbostel unter die Herrschaft der Welfen (Fsm. und Großvogtei Calenberg, Amtsvogtei/Amt Langenhagen, ab 1859 Amt Hannover). – Seit 1974 Ortsteil von Langenhagen.
Engelbostel war wohl schon im 9. Jh. Standort eines kleinen Sakralbaus (Kapelle, Klus), der im Bereich Schulstraße/Klusmoor archäologisch nachgewiesen wurde. Wann er aufgegeben wurde, ist unklar. Schriftliche Belege zur Geschichte der Kirche liegen erst seit Ende des 12. Jh. vor: Sie erscheint 1196 anlässlich der Gründung des Klosters Marienwerder, dem Gf. Konrad I. von Roden neben anderen Besitzungen ecclesiam quoque in hendelingeburstelle überließ.2 Als erster bekannter Geistlicher wird 1266 dominus tidericus de endeligeorstolde […] sacerdos genannt.3 1353 war Hermannus […] rector ecclesie in Enghelingeborstolde.4 Die Reformation wurde unter Elisabeth von Calenberg 1542 eingeführt. Angaben über die landesherrliche Visitation liegen nicht vor. Vom ersten luth. Geistlichen ist nur der Vorname Jürgen überliefert. Bis 1576 war Johann Borchers P., danach Sebastian Lütke (amt. 1576–1625, vorher Kaplan in Neustadt a. Rbge.).
In der NS-Zeit geriet P. Friedrich Voigts (BK-Mitglied) wegen einer Sammlung für die Innere Mission und Abhaltung von Bibelstunden in Konflikt mit der Gestapo. Kirchenkampf und Krieg brachten insgesamt aber keine spürbare Veränderung des Gemeindelebens. Einschneidendere Folgen hatte nach dem Zweiten Weltkrieg der Ausbau der Industrie entlang des Mittellandkanals im Norden von Hannover (Continental, VW Nutzfahrzeuge) und das damit verbundene Wachstum des Außendorfs Berenbostel (zunächst eigene Sonntags-GD in der Schule, 1969 Abtrennung der Stephanus-KG Berenbostel). Für die Gemeindearbeit wurde im Wirtschaftsteil des Pfarrhauses ein Gemeinderaum eingerichtet. In Einer Baracke nahm 1951 ein KiGa den Betrieb auf, der 1965 nach entsprechendem Umbau ebenfalls in den Wirtschaftsteil des Pfarrhauses verlegt wurde. 1972 errichtete die KG ein neues Gemeindehaus.

Pfarrstellen

I: Vorref. – II: 1. Mai 1951; 1. November 1955 auf die neu gebildete Stephanus-KG Berenbostel übergegangen5; 1. Januar 1967 neu errichtet6; 1. Januar 1976 an die neu errichtete KG Resse.7

Umfang

Zum Ksp. gehörte die gesamte Region nördlich der Leine in der Region Hannover. Erst im 13. Jh. wurden die Marktkirche in Hannover (Hannover, Marktkirche SS. Georgii et Jacobii), die Parochien Langenhagen und Kloster Marienwerder abgetrennt. Brink und Altenhorst wurden 1650, Kaltenweide 1757 und Wagenzelle 1768 nach Langenhagen umgegliedert. 1823 umfasste die KG noch die Dörfer Engelbostel (mit Bruns im Moore und Cananohe), Berenbostel, Godshorn (KapG), Heitlingen und Resse (seit 1971 KapG8), Schulenburg, Stelingen und Vinnhorst sowie die Höfe Evershorst. Ausgegliedert wurden zum 1. Januar 1939 die KG Vinnhorst, zum 1. Januar 1955 die Stephanus-KG Berenbostel9 und zum 1. Oktober 1956 die zur KG erhobene frühere KapG Godshorn.10 Mit dem 1. Dezember 1961 wurde der Wohnplatz Evershorst aus der KG Engelbostel in die Elisabeth-KG in Langenhagen und der Wohnplatz Hasenheide aus der KG Godshorn in die KG Engelbostel umgepfarrt.11 Am 1. Januar 1976 wechselten die im Ortsteil Stelingen der Stadt Garbsen wohnhaften Glieder der KG Engelbostel in die Silvanus-KG Berenbostel und die im Ortsteil Heitlingen der Stadt Garbsen wohnhaften Glieder der Kapernaum-KapG Resse in der KG Engelbostel in die KG Osterwald. Die Kapernaum-KapG Resse wurde verselbständigt und als KG in den KK Burgwedel umgegliedert.12 Heute (2016) umfasst die KG nur noch die Ortsteile Engelbostel und Schulenburg der Stadt Langenhagen.

Aufsichtsbezirk

Archidiakonat Pattensen der Diözese Minden. – 1589 Insp. Ronnenberg; zwischen 1779 und 1790 in die Insp. Neustadt Hannover umgegliedert und nach deren Aufhebung 1848 zur Insp. Hainholz (ab 1859 Insp. Limmer), 1909 zur Insp. (1924: KK) Hannover III (ab 1. Mai 1963 KK Hannover Nord-West), 1. Januar 1976 in den KK Hannover-Nord umgegliedert13, 1. Juli 1999 in den Burgwedel.14 Seit 1. Januar 2001 KK Burgwedel-Langenhagen.

Patronat

Ursprünglich wohl die Gf. von Roden, ab 1196 das Kloster Marienwerder. 1329 tauscht Gf. Johann von Roden und Wunstorf das Patronatsrecht über die Kirche in Linden gegen das über die Kirche zu Engelbostel ein.15 Seither der Landesherr (bis 1871), doch erklärten noch 1353 die Brüder Ludolf und Ludwig Gf. von Wunstorf, dass sie bei einer Vakanz irrigerweise das Präsentationsrecht ausgeübt hätten, das eigentlich dem Hzg. Wilhelm von Braunschweig und Lüneburg zustehe.

Kirchenbau

Kirche und Kirchhof wurden in der Mandelsloher Fehde 1385 durch Truppen von Hzg. Albrecht von Sachsen niedergebrannt16 und anschließend im spätgotischen Stil wieder aufgebaut. Das Kirchenschiff wurde 1787/88 abgebrochen und durch einen Neubau nach Entwurf von C. Büttner ersetzt. Barocker Saalbau aus verputztem Bruchsteinmauerwerk auf Sandsteinfundament. Die Gebäudekanten sind durch eine Eckquaderung aus Sandstein betont, die Längsseiten durch hohe Segmentbogenfenster in fünf Achsen gegliedert. Im Osten abgewalmtes Satteldach. Den Innenraum teilt eine allseitig umlaufende Empore in drei Schiffe, von denen das mittlere von einem hölzernen Tonnengewölbe überspannt wird. Die Seitenschiffe sind über den Emporen flachgedeckt. 1894 erhielt der Raum eine ornamentale Ausmalung im Geschmack der Zeit, die bei einer Innenrenovierung 1952 beseitigt und 1959 durch eine Neuausmalung von Ferdy Horrmeyer ersetzt wurde. 1993 wurde die Fassung von 1894 durch Horst Wulfers (Springe) restauriert.

Turm

Querrechteckiger Westturm aus Bruch- und Raseneisenstein, vielleicht noch aus dem 12. Jh., nach neueren Forschungen wohl eher aus der Zeit des Wiederaufbaus der Kirche 1385. Stützpfeiler an den Ecken von 1788; aus gleicher Zeit stammt auch der ins Achteck überführte, verschieferte Helm. Umfassende Turmsanierung 1988/89.

Ausstattung

Einheitliche barocke Ausstattung vom Ende des 18. Jh. mit einem Kanzelaltar des Bildhauers Matern (1788). – Ein älterer Taufstein, der zwischenzeitlich u. a. als Viehtränke und Regenwasserbehälter gedient hatte, wurde 1942 auf dem Kirchplatz aufgestellt. – Kronleuchter von Schmiedemeister Richard Finke (Engelbostel).

Orgel

Die heutige Orgel von Engelbostel wurde 1648/49 durch Adolf Compenius begonnen und 1660 von Adolf Funcke vollendet und war ursprünglich in der Aegidienkirche in Hannover aufgestellt; 25 II/P (HW, RP), mechanische Traktur, Schleifladen. 1819 und 1827/28 wurde sie durch Wilhelm Heinrich Bäthmann (Linden/Hannover) umgebaut und u. a. um ein wohl in den 1590er Jahren als Chororgel erbautes Brustwerk ergänzt zu 34 III/P (HW, OW, BW). Das frühere RP wurde zum Oberwerk. Neugotischer Prospekt von Georg Ludwig Friedrich Laves. 1879 wurde die Orgel für die KG Engelbostel erworben und 1880 durch P. Furtwängler & Söhne (Elze) dort mit verkürztem Prospekt aufgebaut (29 III/P). 1917 Ablieferung der Prospektpfeifen (1934 durch Zinkpfeifen ersetzt). 1951 Teilrestaurierung, Verminderung des Winddrucks und Änderung der Disposition durch die Orgelbauwerkstatt Hammer (Hannover). 1977/78 Restaurierung und Ergänzung fehlender Reg. durch Firma Hermann Hillebrand (Altwarmbüchen); 34 III/P (HW, HintW, BW), mechanische Traktur, Schleifladen. – Seit 1926 unter Denkmalschutz.17

Geläut

Drei LG, I: fis’ (Bronze, Gj. 1651, Ludolf Siegfriedt, Hannover); II: a’ (Sterbeglocke, Bronze, Gj. 1959, Heinrich Kurtz, Stuttgart); III: cis’’ (Taufglocke, Bronze, Gj. 1959, Heinrich Kurtz, Stuttgart). – Eine SG in c’’’ (Bronze, um 1300). – Früherer Bestand: Zwei ältere LG von 1726 und 1782 wurden im Ersten Weltkrieg abgegeben.

Weitere kirchliche Gebäude

Pfarrhaus, Kirchstr. 58, zweigeschossiger Fachwerkbau mit Walmdach (Bj. 1727, 1995 renoviert). – Ehemalige Küsterschule, Kirchstr. 75 (Bj. 1873).

Friedhof

Eigentum der KG. Ursprünglich auf dem Kirchhof (1841 geschlossen). 1840/41 wurde vor dem sogenannten Misttor an der Straße Alt-Engelbostel ein neuer Begräbnisplatz angelegt und 1875 und 1877 erweitert. FKap (Bj. 1956/57; 1991 Umbau und Erweiterung nach Entwurf des Architekten Rainer Godorr, Godshorn). – Godshorn erhielt 1841 einen eigenen Friedhof (jetzt in Trägerschaft der Stadt Langenhagen).

Landeskirchliches Archiv Hannover

A 1 Nr. 3183–3193 (Pfarroffizialsachen); A 6 Nr. 2267–2276 (Pfarrbestallungsakten); A 8 (CB); A 9 Nr. 647–650 (Visitationen); B 18 Nr. 163 u. 371 (Orgelsachverständiger).

Literatur

A: Aust/Benne u. a., Kirchen, Klöster, Kapellen, S. 297–300; Holscher, Bisthum Minden, S. 198 f.; Krumm, Denkmaltopographie Region Hannover, S. 268.
B: Rolf Finke: Historische Entwicklung des Friedhofs Engelbostel, Engelbostel 2005; Holger Kiesé (Hg.): Martinskirche im Wandel der Zeit, Engelbostel 1996; Wiedereinweihung der Orgel der Martinikirche zu Engelbostel, [1978].

GND

1164095765, Ev.-luth. Martinskirchengemeinde Engelbostel-Schulenburg


Fußnoten

  1. MGH DD K II 192.
  2. Cal. UB VI, Marienwerder, Nr. 1.
  3. Cal. UB IX, Wunstorf, Nr. 14 b.
  4. Holscher, Bisthum Minden, S. 6.
  5. KABl. 1955, S. 112.
  6. KABl. 1967, S. 21.
  7. KABl. 1976, S. 5.
  8. KABl. 1971, S. 10 f.
  9. KABl. 1955, S. 112.
  10. KABl. 1956, S. 142.
  11. KABl. 1961, S. 195 f.
  12. KABl. 1976, S. 5.
  13. KABl. 1976, S. 5.
  14. KABl. 1999, S. 174.
  15. Cal. UB VI, Marienwerder, Nr. 123.
  16. Sudendorf, UB VI, Nr. 117.
  17. KABl. 1952, S. 160; LkAH, B 1 A, Nr. 4587 (Verzeichnis der Denkmalsorgeln der Ev.-luth. Landeskirche Hannovers, Stand 01.10.1958).