KapG der KG Nienstedt | Sprengel Hildesheim-Göttingen, KK Hildesheimer Land-Alfeld, Amtsbereich Elze | Patrozinium: Martin | KO: Calenberger KO von 1569

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Orts- und Kirchengeschichte

Ersterwähnung um 996 als Ekihem in einer Urkunde des Bf. Bernward von Hildesheim.1 Grundbesitzer war u. a. das Michaeliskloster in Hildesheim. 1201 erwarb das Kloster Marienrode 100 Morgen, eine Hofstelle, eine Mühle sowie den Zehnten und die Vogtei über den Grundbesitz in Eitzum, der durch Schenkungen der Brüder Eberhard und Gunzelin von Gerzen (1240), des Ritters Rudolf von Dahlum (1260) und anderer noch erweitert wurde. 1289 kaufte das Kloster Lamspringe von Ritter Heinrich von Barienrode drei Hufen in Eitzum. Der Zehnte und das Meierding standen dem Hildesheimer Domdechanten zu. Die Lehnshoheit fiel 1131 mit der Gft. Winzenburg an das Hochstift Hildesheim. Im Quedlinburger Rezess wurde das nunmehrige Amt Winzenburg an die Hzg. von Braunschweig und Lüneburg abgetreten, 1643 an Hildesheim zurückgegeben und nachher dem Amt Gronau zugeordnet. Im Zuge der Gebietsreform von 1974 ging Eitzum in der Gemeinde Despetal auf.
Die am Ostrand des Dorfes auf einem gegen die Straße hin offenen Platz gelegene St.-Martini-Kapelle wurde um 1400/50 wohl an der Stelle eines hölzernen Vorgängerbaus errichtet. Sie wird schon im Winzenburger Erbregister von 1578 als Filial von Nienstedt geführt.2 Im Dreißigjährigen Krieg wurde sie zerstört. Eine Inschriftentafel verweist auf die Wiederherstellung im Jahre 1686. Der heutige Bauzustand geht auf eine weitere Renovierung im Jahr 1739 zurück.
1724 bemühte sich der Hildesheimer Domdechant um die Trennung von Nienstedt und Verselbständigung der Pfarre.3 1727 wurde in der Gemeinde eine Schule eingerichtet, zunächst nur als sogenannte Fibelschule (Vorschule), die 1817 in eine reguläre Volksschule umgewandelt wurde. Ein 1837 neu errichtetes Schulhaus neben der Kirche ging 1841 in das Eigentum der politischen Gemeinde über. Die Kapelle blieb der KG Nienstedt zugeordnet.

Kapellenbau

Verputzter, einschiffiger, spätgotischer Bruchsteinbau zu zwei Achsen mit geradem Ostschluss. Innen durch eine hölzerne Flachtonne geschlossen. Empore aus dem 16. Jh./um 1600. Renovierungen 1686, 1739, 1884 (Umgestaltung des Altarraums und des Gestühls) sowie 1983/84 (Innenrenovierung) und 1988 (Außenrenovierung).

Turm

Westturm mit Ende des 18. Jh. aufgesetztem verschiefertem Glockengeschoss in Fachwerk. Ins Achteck überführter, spitzer Turmhelm (19. Jh.).

Ausstattung

Barockaltar mit zweigeschossigem Aufbau, im Zentrum zwischen gedrehten Säulen mit korinthischen Kapitellen ein Kreuzigungsgemälde aus der ersten Hälfte des 17. Jh., darüber die Auferstehung (1700). Unterbau gemauert, Mensa aus Sandstein ohne Weihekreuze und Reliquiengrube (16. Jh.) – Hölzerne Kanzel (wohl 1584). – Schlichte, pokalförmige Sandsteintaufe mit achteckiger Kuppa (1611), dazu ein balusterbekrönter Holzdeckel aus der Zeit um 1690.4 – Messingkronleuchter (1752).

Orgel

1959 Neubau durch Alfred Führer (Wilhelmshaven), ursprünglich für die KG Gronau. 1960 erworben und nach Hönze versetzt, 1973 nach Eitzum. 1989 Instandsetzung durch F. Schmidt, 3 I/P, mechanische Traktur, Schleifladen.

Geläut

Zwei LG, I: fis’ (Eisenhartguss, Gj. 1946, J. F. Weule, Bockenem); II: gis’ (Eisenhartguss, Gj. 1946, J. F. Weule, Bockenem); III: cis’’, Inschrift: „Heil uns. Napoleon der Tirann ist 1815 besiegt. Dank dem Herrn. Das Jahr der Theurung – 1816 – ist überstanden. Preis und Ehre dem Allmächtigen, der die evangelische Kirche bis zum dritten Jubelfeste 1817 gnädig erhielt“ (Bronze, Gj. 1817, Christoph August Becker & Heinrich Ludwig Damm, Hildesheim). – Eine SG in cis’’’ (Bronze, Gj. 1784, Christoph August Becker, Hildesheim). – Früherer Bestand: Die Kirche verfügte früher nur über zwei LG, von denen eine vor März 1818, die größere nach einem Sprung 1854 umgegossen wurde.5 Bei der Erfassung der Glocken für die Rüstungsindustrie 1917 wurden zwei LG der Firma Radler (Hildesheim) registriert. Ebenfalls waren 1938 zwei Radler-Glocken vorhanden, wurden dann aber im Zweiten Weltkrieg beschlagnahmt.

Friedhof

Am südlichen Ortsausgang. In Trägerschaft der Samtgemeinde Gronau (Leine).

Landeskirchliches Archiv Hannover

A 1 Nr. 8633–8638 (Pfarroffizialsachen); D 22b (EphA Elze). – NLA HA, Hild. Br. 12 Nr. 504; Cal. Br. 21 Nr. 2070.

Literatur

A: Dehio, Bremen/Niedersachsen, S. 435 f.; Jürgens u. a., KD Kr. Alfeld II, S. 63–65.
B: Albert Rehse: Eitzum. Geschichte und Historie aus einem 1000jährigen Dorf, Despetal [1996].


Fußnoten

  1. UB HS Hildesheim I, Nr. 38. Vgl. auch Casemir/Ohainski, Niedersächsische Orte, S. 69.
  2. LkAH, D 22b, Spec. Eitzum A 110.
  3. NLA HA, Hild. Br. 12 Nr. 504.
  4. Mathies, Taufbecken, S. 121.
  5. LkAH, D 22b, Spec. Eitzum A 51301.