Sprengel Hildesheim-Göttingen, KK Hameln-Pyrmont | Patrozinium: Martin | KO: Calenberger KO von 1569

Orts- und Kirchengeschichte

Seit 1973 Ortsteil von Bad Münder. Ersterwähnung 1185/87 in einer Urkunde des Bf. Dietmar von Minden. Es war Teil des Amts Lauenau, das als ursprünglich welfischer Besitz im 14. Jh. pfandweise in den Besitz der Gf. von Schaumburg kam und nach deren Erlöschen 1640 wieder den Welfen zufiel (Fsm. Calenberg).
Die Kirche entstand wohl bald nach 1033. Als Geistliche sind in vorref. Zeit belegt: Ludolphus (parrochianus in Emichhusen, 1286)1, Burchard (um 1337) und Heinrich Sasse (um 1440). Arent Tappe (um 1400) war nach dem ältesten in der Kirche erhaltenen Grabstein wohl ebenfalls dort Pfarrer Gf. Otto IV. führte 1559 die Reformation in der Gft. Schaumburg ein. Als erster bekannter luth. Geistlicher wird in Eimbeckhausen der frühere Mönch Heinrich Sweling (amt. 1556-1578, Epitaph in der Kirche) geführt, der die Pfarre noch als kath. Priester übernommen hatte und mit der Gemeinde das luth. Bekenntnis annahm († als P. am 14. März 1578). – P. Johann Friedrich Gerken (amt. 1719-1735) war Pietist und stand in Kontakt mit August Hermann Francke.2

Umfang

Das Dorf Eimbeckhausen mit den Gütern Milliehausen und Waltershagen.

Aufsichtsbezirk

Archidiakonat Apelern des Bm. Minden. – Unterstand nach Einführung der Reformation dem Sup. der Gft. Schaumburg, kam aber wohl schon um 1635/36 (und endgültig mit Teilung der Gft. 1640/47) zur calenbergischen Insp. Münder, deren Sitz 1889 nach Springe verlegt wurde. 1924 KK Springe; bei dessen Aufhebung mit dem 1. Januar 2001 in den KK Hameln-Pyrmont umgegliedert.3

Patronat

Die Besitzer des Rittergutes Eimbeckhausen (dingliches Patronat), wohl ab etwa 1200 die von Emminghusen (1401 erloschen). Gut und Patronat wurden noch während des Bestehens des Geschlechts durch die Familie von Haus erworben. Bf. Wulbrand von Minden bestätigte 1416 im Lehnsgericht dem Ludwig von Haus den Besitz von Eimbeckhausen gegenüber Herbord Büsche, der 1401 mit dem halben Zehnten und dem früheren Besitz der von Emminghusen zu Eimbeckhausen belehnt worden war. Letzter Patronatsherr aus der Familie war der Staatsminister Friedrich Ludewig von Haus († 1746). Durch die Ehe seiner Tochter Caroline Auguste von Haus mit Benedix Frhr. Bremer (1756) kam das Patronat an die Familie Bremer. Georg Friedrich August von Bremer verkaufte das Gut 1870 an den Bremer Baumeister Lüder Rutenberg, der es seinerseits 1883 an den Geheimen Konsistorialrat Gustav Stölting aus Kassel veräußerte. Das Patronat ist durch Verzicht des Forstassessors Georg Stölting vom 2. Juli 1969 erloschen.4

Kirchenbau

Ursprünglich einschiffiger, romanischer Saalbau aus Großquadermauerwerk, um 1200 zu einer kreuzförmigen Anlage erweitert. Ältester erhaltener Teil ist das romanische Querhaus. Spätgotischer 3/8-Chor und Sakristei, wohl Anfang 16. Jh. Innen wurde bei einer gründlichen Renovierung 1956/57 die Empore mit dem Patronatssitz entfernt.

Turm

Westturm aus Bruchsteinmauerwerk mit Eckquaderung. Die gewölbte Turmhalle stammt noch aus der romanischen Bauperiode. Aufbau 1499 erneuert. Pyramidenhelm mit aufgesetzter offener Laterne. Im Turmeingang Gedenkhalle für die Toten beider Weltkriege (mit Gedenktafel des Bildhauers Heinrich Benze für die Gefallenen des Ersten Weltkriegs).

Grablege

Grabgewölbe mit mehreren Särgen unter dem westlichen Schiff. Beigesetzt wurden u. a. Angehörige der Familie von Haus und Baron Georg Friedrich Wilhelm Hans Bremer († 1857, letzte Beisetzung).

Ausstattung

Reliefs eines spätgotischen Flügelaltars mit Szenen aus der Passionsgeschichte (erstes Drittel des 16. Jh.) in einem neugotischen Schreinaufbau des 19. Jh. Bemalung von 1929. – Oktogonale barocke Holzkanzel (1671, Bemalung 1956 an den Altar angepasst). – Gemälde der Grablegung Christi (Mitte 19. Jh., bis 1929 Altarbild). – Sandstein-Epitaph für den Reformator Heinrich Sweling († 1578); Epitaphe für die P. Vincentius Nagers (amt. 1580-1611) und Christian Koken (amt. 1611-1668) an der äußeren Kirchenmauer; Grabplatten v. a. von Angehörigen der Familie von Haus.

Orgel

1892 Neubau einer einmanualigen Orgel mit mechanischer Traktur und Schleifladen durch Heinrich Faber (Salzhemmendorf). 1929 Neubau an der Nordwand des nördlichen Querhauses durch Firma Lothar Wetzel (Hannover), wohl unter Verwendung älteren Pfeifenmaterials, 9 II/P, pneumatische Traktur.5 1956/57 Abbruch und Neubau durch Hermann Hillebrand (Altwarmbüchen), 13 II/P, mechanische Traktur, Schleifladen. 1973 und 1988 Instandsetzung durch Gebrüder Hillebrand. 1998 Instandsetzung und Umbau durch Gebrüder Hillebrand.

Geläut

Drei LG, I: fis’ (Stahl, Gj. 1953, Bochumer Verein); II: a’ (Bronze, Gj. 1776, Johann Friedrich Altenburg, Sachsenhagen); III: h’ (Bronze, Gj. 1953, Gebrüder Rincker, Sinn). – Zwei SG, I: e’’ (Bronze, Ende 15. Jh.); II: h’’ (Bronze, Gj. 1977, Gebrüder Rincker, Sinn). – Früherer Bestand: Eine SG in c’’’ (Gusseisen, Gj. 1917) wurde aus Sicherheitsgründen durch die jetzige SG II ausgetauscht.

Weitere kirchliche Gebäude

Pfarrhaus (Bj. 1890), Gemeindehaus (Bj. 1965/66).

Friedhof

Ursprünglich auf dem Kirchhof, jetzt südlich vor dem Ort (Fünfhausenstraße). In Trägerschaft der Stadt Bad Münder.

Landeskirchliches Archiv Hannover

A 1 Nr. 2680-2694 (Pfarroffizialsachen); A 6 Nr. 2031-2036 (Pfarrbestallungsakten); A 8 (CB); A 9 Nr. 544-546 (Visitationen); D 29 (EphA Springe).

Literatur

A: Dehio, Bremen/Niedersachsen, S. 426 f.; Jäger, Orgeln, S. 47-49; Jürgens u. a., KD Kr. Springe, S. 34-40; Warnecke, Inspektion Springe, S. 31-36.
B: Udo Mierau: 1033-1983. 950 Jahre Hemschehausen-Eimbeckhausen, Eimbeckhausen 1983.


Fußnoten

  1. Cal. UB XI, Wülfinghausen I, Nr. 55.
  2. Wotschke, Pietistisches, S. 140 f.
  3. KABl. 2000, S. 141.
  4. LKA, G 15/Eimbeckhausen.
  5. Jäger, Mahrenholz, S. 316.