Sprengel Lüneburg, KK Uelzen | Patrozinium: Mauritius | KO: Lüneburger KO von 1643

Orts- und Kirchengeschichte

Um 1150/60 stiftete Volrad von Bodwede, der erste Gf. von Dannenberg und Lehnsmann Heinrich des Löwen, das Prämonstratenser-Chorherrenstift in Ebstorf, das noch im 12. Jh. nach einem Brand durch Heinrich von Bodwede, einen Sohn des Stifters, mit Benediktinerinnen aus dem Nachbarkloster Walsrode neu besiedelt wurde. 1197 erscheint der Klosterpropst von Ebstorf als Zeuge in der Gründungsurkunde des Altklosters bei Buxtehude (erste urkundliche Erwähnung). Um 1300 entstand im Kloster die berühmte „Ebstorfer Weltkarte“ (1943 verbrannt). Gleichfalls seit etwa 1300 hatten die Welfen die Schutzvogtei über das Kloster inne. Unter Propst Matthias von dem Knesebeck wurde der Konvent ab 1464 im Sinne der Bursfelder Congregation reformiert.
Mit dem Kloster war sicherlich früh schon die Ebstorfer Pfarrkirche verbunden, die durch dendrochronologische Untersuchungen auf die Zeit um 1385/95 datiert werden konnte. Urkundlich erscheint sie – gleichfalls Ende des 14. Jh. – in einem Verzeichnis der Pfarrkirchen der Diözese Verden.1 Sie war in vorref. Zeit auch als Marienwallfahrtsort bekannt.
Als 1525 der letzte Klosterpropst Heino von Werder auf dem Weg zum Landtag in Uelzen gefangen genommen wurde, übernahm ein herzoglicher Verwalter die Aufsicht über die Klostergüter. Nach der Umwandlung des Klosters in ein Damenstift (1529) wurden sie eingezogen. 1531 nahm Urbanus Rhegius eine Visitation vor. In der Gemeindekirche predigten ev. P. (Werner Mylius, 1544/46 Lambertus Gemeranus). Der Konvent widersetzte sich jedoch der Einführung des neuen Bekenntnisses, erwirkte 1544 ein Mandat des Reichskammergerichts und einen kaiserlichen Schutzbrief zu seinen Gunsten und wählte noch 1552 eine altgläubige Domina. Erst mit der Wahl der ev. Domina Barbara von Appel 1565 setzte sich die Reformation endgültig durch.
1534 ist auch ein Schulmeister in Ebstorf erstmals nachgewiesen. Von den P. der nachref. Ära sind besonders zu erwähnen: Johann Justus Oldecop (amt. 1667-1670, vorher Prof. der Rhetorik am Michaelisgymnasium in Lüneburg und später u. a. Sup. in Hoya; veröffentlichte mehrere theologische Schriften), und Johann Andreas Boecler (amt. 1744-1753), vorher P. und Sup. an St. Katharinen in Osnabrück. Von ihm erschienen die Abschiedspredigt in Osnabrück und die Antrittspredigt in Ebstorf im Druck.2

Pfarrstellen

I: Vorref. – II: 1. Mai 1951.3

Umfang

Der Flecken Ebstorf, die Dörfer Altenebstorf, Haarstorf, Linden, Luttmissen, Melzingen, Stadorf, Tatendorf, Wessenstedt und Wittenwater, der Hof Oetzfelde und die Mühle Verhorn.

Aufsichtsbezirk

Nach 1300, vielleicht schon im 13. Jh.4, nahm der Propst des Klosters die archidiakonalen Rechte wahr (Präpositur Ebstorf). Im Zuge der Reformation wurde der Propsteibezirk 1534 überwiegend der Suptur. (Propstei) Uelzen zugelegt, jedoch vor 1568 eine Insp. Ebstorf neu gebildet5 und von ihr 1862 die Insp. Bevensen abgetrennt. Ab 1869 verfügten die Insp. Ebstorf und Bevensen über eine gemeinsame Bezirkssynode. Zum 1. Februar 1870 wurde die Insp. Ebstorf von der Generaldiözese Celle in die Generaldiözese Harburg umgegliedert. Nach 1926 wurde die Suptur. Ebstorf nicht mehr besetzt, sondern von Bevensen aus verwaltet. Mit dem 1. Oktober 1947 wurde der Aufsichtsbezirk aufgehoben und in den KK Bevensen-Ebstorf/Bevensen überführt.6 1975 wurde dieser mit dem KK Uelzen vereinigt.

Patronat

Der Landesherr (bis 1871).

Kirchenbau

In Verwaltung der Klosterkammer. Gotische Backsteinhallenkirche mit fünfjochigem, überwiegend zweigeschossigem Hauptschiff aus der zweiten Hälfte des 14. Jh., im Obergeschoss ein Nonnenchor, niedrigeres Seitenschiff an der Südseite. Der zweijochige Ostchor mit 7/10-Schluss. Gedächtniskapelle für die Gefallenen der Weltkriege im ehemaligen Nordeingang der Kirche. Renovierung der Kirche 1906/07 und 2014.

Fenster

Mittelalterliche Glasfenster im Nonnenchor (Ende 14. Jh.); im Chor der Gemeindekirche fünf Buntglasfenster der Werkstatt Ferdinand Müller (Quedlinburg) aus den Jahren 1908/18: In der Mitte die Kreuzigung, daneben die Anbetung durch die Hirten und Auferstehung; auf den beiden äußeren ornamentale Darstellungen.

Turm

Quadratischer Glockenturm mit Pyramidendach, wohl im 15. Jh. an die Südwestecke des Kirchenschiffs angebaut.

Ausstattung

Barockaltar (gestiftet 1684 vom Klosterhauptmann Bruno von Heimburg). Im Mittelbild die Kreuzigung, darüber die Grablegung und eine Schnitzgruppe der Auferstehung. Die beiden Hauptbilder werden durch die Standbilder der vier Evangelisten flankiert. In der Predella das heilige Abendmahl, die Verklärung Christi (Mt 17,1-6) und das Gebet in Gethsemane. Ein früherer Flügelaltar aus Ebstorf befindet sich jetzt in der St.-Georgs-Kirche in Hanstedt. – Renaissancekanzel (von dem Lüneburger Bildschnitzer Curdt Stein, 1615; Stiftung der Äbtissin Lucia von Appel): Auf den Kanzelbrüstungen weibliche Allegorien (Wahrheit, Hoffnung, Liebe, Glaube und Christus; auf den Brüstungsfeldern des Kanzelaufgangs die vier Evangelisten. – Bronzetaufe auf vier Trägerfiguren (Meister Hermann, Lüneburger Werkstatt, 1310).7 – Epitaph des Klosterhauptmanns Johann Witte († 1613). – Auf dem Nonnenchor geschnitzte Madonnenfiguren des 13. und 14. Jh., Holzstatue des heiligen Mauritius (Ende 13. Jh./um 1300); dreiarmiger Standleuchter aus Messing (um 1400); Tafelbild mit Darstellung der Kreuzigung (um 1500); spätgotisches Triumphkreuz; Epitaphien der Klostervorsteherinnen Lucia von Appel († 1626), Elisabeth von Spörcken († 1633), Dorothea von Meding († 1641), Emerentia Catharina von Estorff († 1667), Barbara von Wittorf († 1685), Sophie Margareta von Dannenberg († 1688) und Catharina von Appel († 1703).

Orgel

Die Anschaffung einer Orgel ist bereits 1582 belegt. Das heutige Instrument mit neugotischem Prospekt wurde 1865/66 vermutlich von Eduard Meyer (Hannover) erbaut. 1957 Instandsetzung und Veränderung der Disposition. 1973 und 1988/89 Instandsetzung durch Gebrüder Hillebrand (Altwarmbüchen), 20 II/P (HW, OW), mechanische Traktur, Schleifladen.

Geläut

Vier LG, I: f’ (Stahl, Gj. 1953, Bochumer Verein)8; II: g’ (Bronze, Gj. 1973, Karlsruher Glockengießerei); III: b’ (Bronze, Gj. 1973, Karlsruher Glockengießerei); IV: d’’ (Bronze, Gj. 1956, Friedrich Wilhelm Schilling, Heidelberg). – Zwei weitere LG (Klosterglocken) befinden sich im Dachreiter, I: b’’; II: as’’ (beide Bronze, um 1500). – Glocke der FKap in a’ (Bronze, Gj. 2004, Kunstgießerei Lauchhammer). – Früherer Bestand: 1719 wurde für eine geborstene LG eine neue angeschafft. Zwei LG in fis’ und a’ (beide Eisenhartguss, Gj. 1950, J. F. Weule, Bockenem)9, wurden 1972 stillgelegt und ersetzt. Die 1956 von Friedrich Wilhelm Schilling gegossene LG ist ein Umguss aus einer älteren c’’-LG von Friedrich Dreyer (Linden/Hannover, Gj. 1863).

Friedhof

Ältester Gemeindefriedhof auf der Südseite der Klosterkirche (Anfang 19. Jh. aufgelassen). 1802 Neuanlage an der Celler Straße, bis 1972 in Trägerschaft der KG, seither der Samtgemeinde Bevensen-Ebstorf FKap (Bj. 1929, Architekt: Wilhelm Matthies, Bardowick; 1958/59 und 1995 erweitert sowie um einen Glockenträger aus Beton ergänzt).

Landeskirchliches Archiv Hannover

A 1 Nr. 2563 (Pfarroffizialsachen); A 5 Nr. 198-199 (Spec. Landeskons.); A 6 Nr. 1949-1960 (Pfarrbestallungsakten); A 9 Nr. 512-516 (Visitationen); D 39 (EphA Bevensen-Ebstorf).

Literatur

A: Brüning/Harnack/Weber, Friedhöfe, S. 59-64; Dehio, Bremen/Niedersachsen, S. 415-418; Funke/Fricke, Pastoren KK Uelzen, S. 73-88; Gmelin, Tafelmalerei, Kat.-Nr. 38; Lucka, Denkmaltopographie Lkr. Uelzen, S. 116 f.; Mithoff, Kirchen und Kapellen Lüneburg, S. 370 f.
B: Sybille Appuhn-Radtke: Kloster Ebstorf, [München, Berlin 2002]; Marianne Elster: „In Treue und Hingabe“. 800 Jahre Kloster Ebstorf, [Ebstorf] 1997; Wilhelm Spangenberg und Sophia Wichelmann: Ebstorf. Aus der Chronik, Uelzen 1982; Sophia Wichelmann: Von der Kirche zu Ebstorf, in: Heimatkalender für Stadt und Kreis Uelzen, Uelzen 1991, S. 107-110.


Fußnoten

  1. Hodenberg, Verden I, S. 87.
  2. Rotermund, Das gelehrte Hannover I, S. 209.
  3. KABl. 1951, S. 47.
  4. Hammerstein-Loxten, Bardengau, S. 454.
  5. Gercke, Propsteien Uelzen und Lüchow, S. 138.
  6. KABl. 1947, S. 50.
  7. Meyer, Taufe und Taufverständnis, S. 9 ff.
  8. Strasser, Glocken Uelzen III, S. 57.
  9. Strasser, Glocken Uelzen III, S. 57.