Sprengel Hannover, KK Neustadt-Wunstorf | Patrozinium: – | KO: Calenberger KO von 1569

Orts- und Kirchengeschichte

Dedensen wird zwischen 1205 und 1234 in einer nicht datierten Urkunde des Gf. Burchard von Oldenburg erstmals erwähnt.1 Als Teil der Gft. Wunstorf wurde es mit dieser 1446 von Gf. Ludolf III. an Bf. Magnus von Hildesheim verkauft. 1447 kam es unter die Landesherrschaft der Welfen (Amt Blumenau). – Seit 1974 Ortsteil der Stadt Seelze.

Kirche, Ansicht von Südosten, vor 1945

Kirche, Ansicht von Südosten, vor 1945

Der Ort verfügte schon früh über eine Kapelle unbekannten Alters, deren Gründung vielleicht auf die Besitzer des östlich der Kirche gelegenen Gutshofs zurückzuführen ist. Die Versorgung übernahmen vermutlich Geistliche aus dem Stift Wunstorf, vielleicht auch aus dem abgegangenen Kirchdorf Nienstede zwischen Wunstorf und Dedensen. Schriftliche Zeugnisse liegen nicht vor. Das Patrozinium ist unbekannt. Ab 1544 war Dedensen Filial von Groß Munzel. 1606 erhielt es eine eigene Pfarrstelle. Erster Pfarrer war Wilhelm Moldenhauer/Mollenhauer (vor 1621 ermordet).
Von 1938 bis 1951 wurde die Pfarrstelle durch Ruhestandsgeistliche versehen. Das alte Bauerndorf hat sich nach Zweiten Weltkrieg durch die Ausweisung von Neubaugebieten in seiner Struktur stark verändert. Zur alteingesessenen Dorfbevölkerung traten zunehmend Arbeiter und Angestellte der hannoverschen Industriebetriebe. Ganz ähnlich war die Situation in der damals noch zur KG Seelze gehörenden KapG Gümmer: Sie wurde mit dem 1. April 1958 in eine KG umgewandelt und mit der KG Dedensen unter einem Pfarramt verbunden.2
Partnerschaften bestehen mit der KG Crossen an der Mulde (Sachsen) und mit der ev.-luth. Christ-Church-KG von Coimbatore (Südindien).

Umfang

Das Dorf Dedensen.

Aufsichtsbezirk

Archidiakonat Wunstorf der Diözese Minden. – Seit 1589 zur Insp. Wunstorf, ab 1797 zur neu errichteten Insp. Seelze, 1868/69 wieder Insp. (1924: KK) Wunstorf; seit 1. Januar 2001 KK Neustadt-Wunstorf.

Patronat

Der Landesherr (bis 1871).

Kirchenbau
Kirche, Blick zum Altar

Kirche, Blick zum Altar

Die alte, im Ortszentrum (Altes Dorf) gelegene Kirche, deren älteste Teile nach einer Bauaufnahme von Conrad Wilhelm Hase aus dem 12. Jh. stammten, war von einer hölzernen Balkendecke geschlossen und hatte einen gewölbten Chorraum aus dem 15. Jh. Langhaus und Turm wurden im 17. Jh. in barocken Formen umgebaut bzw. (teilweise) neu errichtet. Wegen Baufälligkeit wurde sie 1897 abgerissen. An ihre Stelle trat 1897/98 etwas entfernt am Dorfrand eine neugotische Backsteinkirche mit eingezogenem 5/8-Chorraum nach Plänen von Conrad Wilhelm Hase (Einweihung 3. Juli 1898).

Fenster

Ornamentale Buntglasfenster der Firma Henning & Andres (Hannover) im Chorraum.

Turm

Querrechteckiger Fassadenturm im Westen. Aus dem Satteldach ragt mittig eine achtseitige verschieferte Spitze auf. Der Turm wurde 1945 bei Kriegshandlungen beschädigt. Bei der Wiederherstellung nach dem Zweiten Weltkrieg wurde auf die Rekonstruktion der ursprünglichen Staffelgiebel an den Seiten verzichtet.

Ausstattung

Neugotisches, hölzernes Altarretabel nach Entwurf von Conrad Wilhelm Hase mit Darstellung der Kreuzigung vor einer Tempelanlage im Mittelbild (aus dem Triptychon des Barockaltars übernommen). – Neugotische Kanzel nach Entwurf von Hase; darunter Figur des Mose als ehemaliger Kanzelträger der barocken Kanzel der alten Kirche, der Bildhauerfamilie Hoyer (Hannover) zugeschrieben. – Kelchförmiger, spätgotischer Taufstein aus Kalkstein auf erneuertem Fuß; aus der alten Kirche übernommen. – Kreuzigungsrelief aus Kalkstein in der Turmvorhalle (15. Jh.). – Holzgeschnitzte Figuren eines spätgotischen Altars aus der alten Kirche. – Mehrere Epitaphe, u. a. für die Kinder Jasper und Jost Kokemüller († 1673); Henrich Kokemüller († 1718). Außen an der Kirche Grabsteine für Hans Göing († 1655) und seine Frau Margarete Schlette († 1670) sowie Jobst Heinrich Röttger († 1675).

Kirche, Blick zur Orgel

Kirche, Blick zur Orgel

Orgel

In der alten Kirche ist eine Orgel seit 1714 belegt (Legat des Postmeisters Anthon Johann Hinüber zugunsten eines Organisten für die neu erbaute Orgel). Der Erbauer ist unbekannt. In der neuen Kirche 1898 Neubau durch P. Furtwängler & Hammer (Hannover), 9 II/P, mechanische oder pneumatische Registertraktur, pneumatische Spieltraktur, Kegelladen. Das ursprünglich romantische Klangbild wurde 1965/66 bei einer Überholung durch die Firma Hammer (Hannover) barockisiert. Instandsetzung nach 1992.

Geläut

Zwei LG, I: h’ (Bronze, Gj. 1922, J. J. Radler & Söhne, Hildesheim); II: dis’’ (Bronze, Gj. 1897, J. J. Radler, Hildesheim). – Eine SG in fis’’ (Bronze, Gj. 1862, Firma Georg H. Schulze, Benneckenstein). – Früherer Bestand: Die alte Kirche verfügte über zwei LG, von denen eine schon 1897 geborsten war. Beide wurden für den Neubau durch die Firma Radler & Sohn (Hildesheim) umgegossen und die größere 1917 zu Rüstungszwecken eingeschmolzen. Eine 1922 gegossene Ersatzglocke und die aus der alten Kirche übernommene SG von 1862 wurden 1942 gleichfalls abgeliefert, kehrten jedoch nach Kriegsende unbeschädigt zurück.

Friedhof

In kirchliche Trägerschaft. Der alte Friedhof (seit Anfang des 17. Jh.) befand sich auf dem Kirchhof der abgebrochenen Kirche (Altes Dorf 15). 1925/26 wurde südlich der Ortslage an der Straße nach Ostermunzel ein neuer Begräbnisplatz angelegt. FKap (Bj. 1967).

Landeskirchliches Archiv Hannover

A 1 Nr. 2100-2104 (Pfarroffizialsachen); A 6 Nr. 1664-1669 (Pfarrbestallungsakten); A 9 Nr. 431 (Visitationen); D 42 (EphA Wunstorf).

Literatur

A: Dehio, Bremen/Niedersachsen, S. 379 f.; Hannig, Denkmaltopographie Lkr. Hannover, S. 253; Nöldeke/Karpa, KD Kr. Neustadt, S. 25-28.
B: Maria Auge (Bearb.): 100 Jahre Hase-Kirche. 1898-1998. Geschichten um den Dedenser Kirchturm, Dedensen 1998; Wilfried Sasse: Aus der Geschichte des Dorfes Dedensen, [Seelze-Dedensen] 2002.


Fußnoten

  1. Sasse, S. 24.
  2. KABl. 1958, S. 92.