Sprengel Lüneburg, KK Wolfsburg-Wittingen | Patrozinium: Gabriel (seit 2003)1 | KO: Lüneburger KO von 1643

Orts- und Kirchengeschichte

Ersterwähnung des Dorfs 1451. Seit 1974 Ortsteil der Stadt Wittingen. Die Parochie Darrigsdorf war die nördlichste der Diözese Halberstadt. Wann Kirche und Pfarre entstanden sind, ist unklar, über die vorref. Verhältnisse liegen sonst keine Angaben vor. Als erster luth. Geistlicher der kercken in Dergestorpwird im Lüneburgischen Pfründenregister 1534 der Wittinger Kaplan Johann Rybbe genannt.2 Von 1657 bis 1669 war Darrigsdorf mit Eutzen pfarramtlich verbunden.

Darrigsdorf, KKR Wittingen *** Local Caption *** Prospekt und Spieltisch (Zustand 1975)

Das um 1400 errichtete gotische KGb wurde im 17. und 18. Jh. mehrfach instandgesetzt. 1657 bat Christian August von dem Knesebeck als Patronatsherr um Zuweisung von Dachsteinen und Tannenholz für eine Renovierung. 1684 wird die Kirche erneut als baufällig bezeichnet. Umfassende Erneuerungsarbeiten fanden 1688 und 1782 (Kollekte im Fsm. Lüneburg) statt. Wegen des geringen Pfründeaufkommens wurde die Pfarre per Dekret vom 18. Oktober 1812 mit Wittingen verbunden3; seit 1. Januar 2008 besteht eine pfarramtliche Verbindung mit Wittingen und Ohrdorf.4 Darrigsdorf ist heute die kleinste Gemeinde im KK Wolfsburg-Wittingen.
2003 erhielt die Kirche im Rahmen der Wiedereinweihung nach einjähriger Sanierung den Namen „St.-Gabriel-Kirche“.

Umfang

Die Dörfer Darrigsdorf und Glüsingen.

Aufsichtsbezirk

Archidiakonat Wittingen der Diözese Halberstadt. – Nach der Reformation (wohl ab 1531) zur Insp. Uelzen und von dort 1800 in die Insp. Hankensbüttel umgegliedert, deren Sitz 1809 nach Wittingen verlegt wurde; Insp. (1924: KK) Wittingen (1. Januar 2013 mit dem KK Wolfsburg zum KK Wolfsburg-Wittingen vereinigt).

Patronat

Der Besitzer des Ritterguts Wittingen I (dingliches Patronat; zuletzt die von dem Knesebeck, noch 1941). Erloschen.

Kirchenbau

Rechteckige, gotische Feldstein-Saalkirche mit polygonalem Chorschluss (Ende 14. Jh.). Die Strebepfeiler aus Backstein wurden nachträglich aufgemauert. Anbau im Westen (1960). Flachgedecktes Schiff, der Chor mit Rippengewölbe. Chor und Schiff sind durch einen weiten Bogen verbunden. Emporen. 1968 und 2002/03 renoviert.

Turm

Westturm mit Pyramidendach (1782). Unterbau aus Feldsteinen mit Zugang zur Empore und Sakristei von 1959/60. Die beiden Fachwerkgeschosse wurden 1996 mit einer Schieferverkleidung versehen.

Ausstattung

Altarretabel im Bauernbarock (1725). Abendmahlsdarstellung und Strahlenkranz wurden 1992 durch den Bildhauer Manfred Gerlach (Wieren) ergänzt. – Barockkanzel. Auf den Kanzelfeldern Christus als Salvator mundi und die vier Evangelisten (1629). – An der Westempore gemalte Passionsszenen (vielleicht 1710). – Farbig gefasste Schnitzfigur des heiligen Gabriel von Manfred Gerlach, Wieren (2003).

Orgel

1971 Neubau durch Rudolf von Beckerath (Hamburg) 6 I/P, mechanische Traktur, Schleifladen.

Geläut

Eine LG in f’’ (Bronze, Gj. um 1300).

Friedhof

Ursprünglich bei der Kirche gelegen. 1926 außerorts an der Straße nach Wollerstorf neu angelegt.5

Landeskirchliches Archiv Hannover

A 1 Nr. 11881-11885 (Pfarroffizialakten); A 6 Nr. 1626 (Pfarrbestallungsakten). – NLA HA, Hann. 74, Nr. 660 (Hauptreparaturen der Kirche zu Darrigsdorf); Hann. 74 Isenhagen, Nr. 664 (Vereinigung der Pfarren in Darrigsdorf und Wittingen); Hann. 180 Lüneburg Acc. 3/094, Nr. 64 u. Nr. 64/1 (Die Angelegenheiten der ev.-luth. KG Darrigsdorf).

Literatur

A: Dehio, Bremen/Niedersachsen, S. 375 f.; Mithoff, Kirchen und Kapellen Lüneburg, S. 369; Rund, Ortsverzeichnis Lkr. Gifhorn, S. 59.


Fußnoten

  1. Das mittelalterliche Patrozinium ist unbekannt, vielleicht Stephanus, vgl. Hennecke/Krumwiede, Kirchen- und Altarpatrozinien II, S. 16. Die Neubenennung erfolgte unter Bezugnahme auf eine ältere Darstellung des Erzengels Gabriel im Chorraum.
  2. Salfeld, Pfründenregister, S. 93.
  3. NLA HA, Hann. 74 Isenhagen, Nr. 664.
  4. KABl. 2007, S. 249 f.
  5. NLA HA, Hann. 180 Lün. Acc. 3/094, Nr. 64.