Sprengel Lüneburg, KK Celle | Patrozinium: – | KO: Lüneburger KO von 1643

Orts- und Kirchengeschichte
Orgel

Orgel

1710 wurde in der Westerceller Vorstadt als Vorläufer der heutigen Justizvollzugsanstalt ein Zucht- und Irrenhaus für die welfischen Fsm. Lüneburg, Calenberg, Grubenhagen und die Gft. Hoya eingerichtet. Das Strafanstaltsgebäude auf der Trift wurde unter der Leitung des Oberbaumeisters Johann Caspar Borchmann 1713 bis 1732 erbaut, die Anstaltskapelle am 19. Juni 1721 vom damaligen GSup. Leyser eingeweiht. 1731 erhielt die Strafanstalt eine eigene Pfarrstelle.1 Unter den Stelleninhabern erlangte P. Adolf Goeschen (amt. 1831–1842) als Vertreter der Erweckungsbewegung und Mitgründer des Celler Missionsvereins (1831) Bedeutung. 1864 wurde die Parochie des Zuchthauses als Lokalparochie aufgehoben und der Bezirk der Stadtkirche zugelegt. Der beim Zuchthaus angestellte Prediger bildete mit den luth. Anstaltsinsassen eine Personalgemeinde. Die Gefängnisseelsorge erfolgt heute durch Pfarrer der Landeskirche. Der Status als Anstaltsgemeinde im kirchenrechtlichen Sinn wurde durch Verfügung des LKA vom 9. Oktober 1970 ausdrücklich bestätigt. Nach Fertigstellung der JVA Celle II in Salinenmoor (1977) wurde eine zweite Pfarrstelle geschaffen.

Pfarrstellen

I: 1721. – II: 1. Juli 1979.

Umfang

Die Strafgefangenen und Sicherungsverwahrten der JVA Celle I mit der Hauptanstalt, Abteilung Mühlenstraße, den Landwirtschaftsbetrieb Salinenmoor und der Außenarbeitsstelle Lichtenmoor sowie die Anstalt Celle II in Salinenmoor (1977).

Aufsichtsbezirk

Seit Gründung zur Insp. (1924: KK) Celle.

Patronat

Bis 18262 abwechselnd die Lüneburgische, Calenberg-Grubenhagensche und Hoyaische Landschaft; dann das Ministerium im Einvernehmen mit der Kirchenbehörde.

Kirchenbau

Der schlichte, viereckige Raum der Anstaltskapelle liegt im Mittelbau der Anlage.

Orgel

1825/26 Neubau als Brüstungsorgel auf der Empore durch Christian Bethmann (Linden/Hannover). 1911/12 Neubau durch P. Furtwängler & Hammer (Hannover), 9 I/P, pneumatische Traktur, Taschenladen. Das historische Gehäuse und die Prospektpfeifen von 1825/26 wurden wieder verwendet. 1959 Instandsetzung und Einbau eines neuen elektrischen Gebläses durch die Hildesheimer Orgelbauwerkstatt. 1971 Überholung und Umbau durch die Hildesheimer Orgelbauwerkstatt (Kollibay), 9 I/P, Reg.-Traktur elektropneumatisch, Spieltraktur elektrisch. 1998/99 Restaurierung durch die Orgelbau-Werkstätten F. Schmidt (Langenhagen).

Geläut

Zwei LG, I: es’’ (Bronze, Gj. 1733, M. Lorentz Oehmann, Lüneburg); II: f’’ (Eisen, Gj. 1915, J. F. Weule, Bockenem).

Liste der Pastoren (bis 1940)

17..–1723 Nicolaus Heinrich Wietzenhausen. – 1723–1729 Gottlieb Cruse. – 1730–1737 Balthasar Lüdemann Lüders. – 1737–1738 Johannes Justus Mars. – 1738–1752 Johann Eberhard Spange. – 1752–1753 Otto Benjamin Lasius. – 1753–1762 Ferdinand Valentin Essener. – 1762–1764 Johann Cölestin Weiß. – 1765–1769 Johann August Brandes. – 1769–7776 Friedrich Wilhelm Krohne. – 1776–1783 Johann Erich Bollmann. – 1783–1790 Friedrich Karl Eichhorn. – 1790–1798 Johann Georg Jacobshagen. – 1798–1804 Philipp Wilhelm Heinrich Niemann. – 1804–1812 Karl Justus Titius. – 1812–1822 Ludwig Gottfried Pfotenhauer. – 1822–1824 August Wilhelm Knauer. – 1824–1825 Johann Christian Wilhelm Froböse. – 1825–1831 Heinrich Christian Gelpke. – 1831–1842 Adolf Göschen. – 1842–1853 Heinrich Ernst Ludwig Klener. – 1853–1861 Heinrich Ludwig Albrecht. – 1861–1873 Eduard Theodor Ludwig Schaumann. – 1874–1879 Christian Heinrich Otto Jahns. – 1879–1888 Heinrich Hermann Wilhelm Deicke. – 1889–1906 Friedrich Christian Hermann Haase. – 1906–1927 Reinhold Hermann Theodor Beckmann. – 1927–1930 Friedrich Wilhelm Eduard Alwin Paulini. – 1932– Tido Gerhard Janssen.
Angaben nach: Meyer, Pastoren I, S. 165–166

Landeskirchliches Archiv Hannover

A 6 Nr. 1434–1451 (Pfarrbestallungsakten); A 9 Nr. 388 (Visitationen).

Literatur

A: Leenders, Entwicklung, S. 38 f.; Pape, Palandt, S. 300–302; Pape, Orgeln Celle, S. 36 f. und 78–81.


Fußnoten

  1. Meyer, Pastoren I, S. 165.
  2. Leenders, Entwicklung, S. 38: bis 1833.