Sprengel Lüneburg, KK Celle | Patrozinium: Georg | KO: Lüneburger KO von 1643

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Orts- und Kirchengeschichte

Die Blumlage ist die älteste Vorstadt von Celle. Das damalige Dorf wird 1308 in einer Urkunde des Klosters Wienhausen erstmals erwähnt1 und nach dem Abbruch des Blumläger (Braunschweiger) Tors um 1530 mit der Stadt Celle vereinigt. Dabei wurden die herzoglichen Hörigen vor dem Altenceller Tor neu angesiedelt und die Bezeichnung Blumlage auf die neue Vorstadt übertragen. Bewohnt war sie später v. a. von Arbeitern, Handwerkern und Kleingewerbetreibenden. 1869 wurde sie gleichfalls nach Celle eingemeindet.
Kirchlich gehörte Blumlage wie die anderen Celler Vorstädte zunächst zur Stadtkirche St. Marien (Celle, Stadtkirche). Am 25. Mai 1392 genehmigte der Hildesheimer Bf. Gerhard von Berg dort die Errichtung des Leprosoriums und Siechenhauses St. Georg.2 Um 1400 wurde die zugehörige Kapelle zur geistlichen Betreuung der Bewohner errichtet.
Gegen Ende des Dreißigjährigen Krieges war die Zahl der zur Stadtkirche eingepfarrten Bürger so weit angestiegen, dass der Platz in der Kirche nicht mehr ausreichte. Hinzu kam, dass das nächtliche Schließen der Stadttore den außerhalb der Festungsmauern wohnenden Gemeindegliedern im Winter das rechtzeitige Erscheinen zu den Morgen-GD erschwerte und Nottaufen und die Verabreichung des heiligen Abendmahls in den Nachtstunden verhinderte. Bürgermeister und Rat stellten daher die Hospitalkapelle auch für regelmäßige luth. GD zur Verfügung. Mit Hilfe von Spenden und Stiftungen wurde das KapGb um 1652 renoviert. Wegen der wachsenden Unkirchlichkeit in den Vorstädten regte der Kanzler des Fsm. Lüneburg, Heinrich Langenbeck, die Gründung einer eigenen Kirche und Schule in Blumlage an. Durch Erlass Hzg. Christian Ludwigs wurde mit dem 1. April 1656 die Trennung der Blumlage und der Masch von der Stadt-KG vollzogen. Zum vorläufigen Prediger wurde der Hannoveraner Esaias Gittel berufen (amt. bis 1657). An die Kapelle des St.-Georgs-Hospitals wurde 1656/58 unter der Bauleitung des Bürgers Andreas Näsemann ein größeres Kirchenschiff angebaut. Die bisherige Kapelle wurde zum Chor der Kirche. Zu Erinnerung an das ehemalige Hospital erhielt die Kirche das St.-Georgs-Patrozinium.
Von 1809 bis 1814 war die KG mater combinata von Altencelle. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde für die stark angewachsene Gemeinde eine zweite Pfarrstelle eingerichtet und das Gemeindegebiet in zwei Pfarrbezirke geteilt (Bezirk I vom Maschplatz bis zur Kirche, Bezirk II von dort bis zur Altenceller Schneede). Die KG umfasste zu diesem Zeitpunkt rund 10.000 Gemeindeglieder, überwiegend Arbeiter und Handwerker, und galt „von jeher wegen der herrschenden politischen und wirtschaftlichen Verhältnisse, die sich auf sozialem und moralischem Gebiet auswirken“ als eine „sehr schwierige Gemeinde“.3 Durch die Erschließung von Neubaugebieten im südlichen Teil des Gemeindebezirks ist die KG nach dem Krieg weiter gewachsen.

Pfarrstellen

I: 1. April 1656. – II: 1. Mai 19514; 1. Oktober 1997 in eine Pfarrstelle mit eingeschränktem Dienst umgewandelt, 1. Februar 2003 aufgehoben.5

Umfang

Die Altenceller Vorstadt vor Celle.

Aufsichtsbezirk

Seit Gründung zur Insp. (1924: KK) Celle.

Patronat

Der Landesherr (bis 1871).

Kirchenbau

Barocke Saalkirche aus Ziegelmauerwerk mit Eckquadern aus Sandstein (1656/58). Polygonaler Chorschluss (aus dem Umbau der alten Kapelle, um 1400). 1660 wurde an der Nordseite der Kirche ein Windfang angebaut und 1883 als Taufkapelle eingerichtet. Später wurde dort die Heizungsanlage untergebracht. 1662 folgte Anbau der Sakristei (1780 erneuert). Der Innenraum wird durch eine verputzte Balkendecke geschlossen. U-förmige Empore. Renovierung der Kirche 1958.

Turm

Der Westturm wurde erst 1892 errichtet, nachdem der alte Glockenturm auf dem Friedhof niedergebrannt war. 1993 erhielt die bisher verschieferte pyramidenförmige Turmspitze eine Kupfereindeckung.

Ausstattung

Altar mit gemauertem Unterbau und einem geschnitzten Aufsatz. Im Mittelteil eine Kreuzigungsgruppe (1658) sowie links Eva mit der Schlange (oben), Abraham und Melchisedek (unten), rechts Moses vor dem brennenden Dornbusch (oben) und Gideon (unten). Die beiden Seitenflügel sind ursprünglich spätgotisch, die Figuren wurden 1883 durch zwölf Apostel nach dem Vorbild des Sebaldusgrabs in Nürnberg ersetzt. In der Predella die Einsetzung des heiligen Abendmahls (Öl auf Holz, 1659). Im Fries über dem Mittelschrein der Sündenfall und die Aufrichtung der ehernen Schlange. Bekrönung des Altars durch ein Ecce-Homo-Bild und den triumphierenden Christus mit der Siegesfahne. Auf den Rückseiten der Altarflügel wurden 1988 zwei spätgotische Tafelmalereien wiederentdeckt (Der Gekreuzigte und Maria als Schmerzensmutter, um 1500; Restaurierung durch Wolfram Kummer). – Barocke Kanzel (von Andreas Gröber, Osterode, 1658), mit Moses als Kanzelträger. An der Außenseite des Aufgangs und auf dem Kanzelkorb holzgeschnitzte Figuren der zwölf Apostel; auf dem Rand des Schalldeckels vier Engelsfiguren mit den Marterwerkzeugen, die ein auf acht Säulen ruhendes Tempelchen umgeben. Bekrönung durch den triumphierenden Christus.6 – Sechseckige Sandsteintaufe (1658), getragen von einem knienden Engelputto. An den Seiten der Kuppa Reliefdarstellungen in Alabaster: Christi Geburt, Darbringung im Tempel und die Brustbilder der vier Evangelisten mit ihren Symbolen. Taufschale aus Messingblech (Anfang 17. Jh.). – Barockes Epitaph für den Generalauditor Johann Anton Döhter († 1710). – Altar, Kanzel, Taufstein und Epitaph wurden 1958 durch Martin Gotta (Hannover) und B. Ehlert (Celle) restauriert.7

Orgel

1659 wurde ein Positiv (unbekannter Orgelbauer, Stiftung des Kanzlers Langenbeck) auf der Nordempore aufgestellt. 1706 Abbau des Positivs und (nach Pape um 1730) Neubau einer einmanualigen Orgel durch unbekannten Orgelbauer. 1781 Reparatur durch Johann Georg Stein (Lüneburg). 1827 Umsetzung auf die Westempore, Reparatur und Erweiterung um ein selbständiges Pedal durch Heinrich Lohstöter (Celle-Blumlage), 12 I/P, mechanische Traktur, Schleifladen. 1843/44 Reparatur und Änderung der Disposition durch E. W. Meyer & Söhne (Hannover). 1892 Einbau einer Barockorgel aus Schlesien (erbaut 1710, Orgelbauer unbekannt, 1884 um ein zweites Manual [Oberwerk] erweitert); Umbau und Aufstellung durch Julius Springs (Strehlen/Schlesien). 1903 Neubau durch P. Furtwängler & Hammer (Hannover), 11 II/P, pneumatische Traktur, Kegelladen. Das bisherige Gehäuse wurde erhalten und an den Seiten erweitert. 1932 Einbau eines elektrischen Gebläses. 1947 Instandsetzung durch E. Palandt & Sohnle (Hildesheim). 1955 Neubau durch Hermann Hillebrand (Hannover), 17 II/P, mechanische Traktur, Schleifladen. 8. Mai 1955 eingeweiht. 1985 Reinigung und Neuintonation durch Gebrüder Hillebrand (Altwarmbüchen). 2005 Renovierung durch die Orgelbauwerkstatt Becker (Kupfermühle). Das Barockgehäuse von 1706/10 dient als RP.

Geläut

Drei LG, I: fis’ (Bronze, Gj. 1927, Gebrüder Radler, Hildesheim); II: a’ (Stahl, Gj. 1949, Bochumer Verein); III: h’ (Bronze, Gj. 1992, Gebrüder Rincker, Sinn) – Früherer Bestand: 1661 wurden zwei LG neu gegossen und 1724 bzw. 1794 umgegossen und beim Brand des Glockenstuhls auf dem Friedhof (1892) zerstört. 1892 erhielt die Kirche zwei neue LG. Je eine wurde in den beiden Weltkriegen abgegeben. Ersatzguss von Radler 1927.

Weitere kirchliche Gebäude

Pfarrhaus I, Blumlage 74, 1668 durch Kanzler Langenbeck angekauft und nach Brandschaden 1762 an gleicher Stelle wieder errichtet. 1883 Umbau. – Pfarrhaus II, Pastor-Kittel-Straße 4 (Bj. 1955/56, verkauft). – Küsterhaus, Blumlage 83, 1819 durch Brand zerstört, 1840 wieder aufgebaut, später verkauft und das Haus Blumlage 78 als Küsterhaus mit Konfirmandensaal eingerichtet. – Gemeindehaus (Bj. 1966).

Friedhof

Der alte Friedhof neben der späteren Blumläger Schule wurde 1849 von der politischen Gemeinde an die Kirche abgetreten und 1866 erweitert. Nach seiner Vollbelegung ließ die Gemeinde 1885 den neuen Friedhofs im St. Georgengarten anlegen. Der alte Friedhof wurde geschlossen und 1955 als Schulhof an die Stadt zurückgegeben. Die FKap, errichtet 1684 in der Nähe des Friedhofs, wurde ab 1772 als Spritzenhaus, ab 1795 Pferdestall, 1809 Schulstube, zuletzt als Tischlerwerkstätte genutzt und ist am 27. Juni 1892 mit samt dem Glockenturm niedergebrannt. 1893 Neubau in Ziegelmauerwerk; nach bedingter Schließung des Friedhofs nur noch als Abstellraum genutzt und 1995 abgebrochen.

Landeskirchliches Archiv Hannover

A 1 Nr. 1711–1725 (Pfarroffizialsachen); A 5 Nr. 154 (Spec. Landeskons.); A 6 Nr. 1452–1467 (Pfarrbestallungsakten); A 9 Nr. 380–383 (Visitationen).

Literatur

A: Aye/Kronenberg, Taufbecken, S. 91 f., Nr. 72; Dehio, Bremen/Niedersachsen, S. 345; Leenders, Entwicklung, S. 14; Mithoff, Kirchen und Kapellen Lüneburg, S. 369; Pape, Orgeln Celle, S. 162–169.
B: Werner von Schulz: Kirche St. Georg zur Blumlage in Celle, [Celle 1958].

GND

1212686594, Kirche Sankt Georg (Celle-Blumlage)


Fußnoten

  1. Lüneburger UB XVII, Celle, Nr. 6.
  2. Lüneburger UB XVII, Celle, Nr. 43.
  3. LKA, G 1/Celle-Blumlage, Bl. 1 (KV Blumlage an LKA, 16. Dezember 1949).
  4. KABl. 1951, S. 47.
  5. KABl. 2003, S. 61.
  6. Meyer, Verzeichnis Gröber, S. 58.
  7. LKA, G 9 B/Celle-Blumlage I, Bl. 6a.