Sprengel Lüneburg, KK Hittfeld | Patrozinium: Paulus (seit 1964) | KO: Lüneburger KO von 1643

Orts- und Kirchengeschichte

Buchholz entstand als Siedlung wohl erst in fränkischer Zeit. Der Ortsname erscheint erstmals zwischen 1260 und 1290. Das zum Fsm. Lüneburg gehörende Dorf war nach Hittfeld eingepfarrt und erhielt 1654 eine eigene Schule (für Buchholz, Steinbeck, Vaensen, Buensen und Eichstüve). Nur unter Protest beteiligten sich die Buchholzer 1728/30 an der Sanierung der Hittfelder Kirche. Die finanziellen Lasten gegenüber der dortigen Kirche wurden erst im 19. Jh. abgelöst. 1829 ersuchten die Einwohner von Buchholz, Steinbeck und Vaensen das Konsistorium um Erlaubnis zur Anlage eines eigenen Friedhofs. Die Genehmigung wurde zwar erteilt, das Vorhaben scheiterte aber an Differenzen um die Kostenverteilung und die Übernahme der Hand- und Spanndienste durch die einzelnen Dörfer. Erst nach der Verlegung des Hittfelder Friedhofs wurde das Projekt wieder aufgenommen und 1864 realisiert.

Kirche, Außenansicht

Kirche, Außenansicht

Der Bau der Bahnstrecken Hamburg–Bremen und Lüneburg–Buchholz machte den Ort zu einem wichtigen Verkehrsknoten und zog Ende des 19. Jh. die Ansiedlung von Industrie nach sich (Rütgerswerke, Kalksandsteinwerk). Die bisher ländlich strukturierte Gemeinde veränderte sich dadurch nachhaltig. Mit steigender Einwohnerzahl kam der Wunsch nach Abhaltung eigener GD in Buchholz auf. Sie fanden zunächst in einem Privathaus, später in der Schule statt. Pläne für den Bau einer Kirche wurden nach einem Brand des Schulhauses (1886) zurückgestellt und zunächst die Schule saniert. Mit dem 1. Mai 1891 wurden die Einwohner der Ortschaften Buchholz, Vaensen und Steinbeck zu einer KapG vereinigt.1 1891/92 erfolgte der Bau der Kirche nach Plänen von Conrad Wilhelm Hase (Einweihung am 18. Dezember 1892). Wegen der hohen Kosten war der Bau auch innerhalb der Gemeinde nicht unumstritten. Am 25. Oktober 1897 wurde P. Karl von Bremen zum P. coll. in Hittfeld ernannt und mit der ständigen Kollaboratur in der KapG Buchholz beauftragt. Als eine umfangreiche Sanierung der Kirche und der Neubau eines Pfarrhauses in Hittfeld anstanden, betrieb die Gemeinde in Buchholz die endgültige Trennung. Mit dem 1. Oktober 1901 wurde die KapG Buchholz in eine selbständige KG umgewandelt.2 1904 erhielt sie eine eigene Pfarrstelle, die mit dem bisherigen P. coll. von Bremen besetzt wurde. Im Gegenzug verzichteten die Buchholzer auf ihre Kirchenstühle und Erbbegräbnisse in Hittfeld.

Kirche, Blick zum Altar, 1953

Kirche, Blick zum Altar, 1953

Kirchenaustritte und sinkende Abendmahlszahlen verweisen auf den Rückgang der Kirchlichkeit nach dem Ersten Weltkrieg. P. Georg Heinrich Hermann Kastendieck (amt. seit 1922, † 1940) bemühte sich, dieser Entwicklung durch eine von ihm ins Leben gerufene Missionskonferenz, die u. a. Evangelisationen durch auswärtige Prediger organisierte, entgegenzuwirken. Seit 1929 bestand in Buchholz eine Gemeindeschwesternstation, die aber 1937 mit dem Wechsel der Diakonisse zur NSV einging.3 Kastendieck war in der NS-Zeit Mitglied der DC.
Die Kirche wurde während des Zweiten Weltkriegs als Lazarett und Lagerraum zweckentfremdet. Nach Umbauarbeiten wurde sie am 24. Januar 1945 durch Lbf. Lilje wieder eingeweiht. Der weitere Bevölkerungszuwachs nach dem Krieg führte 1966 zur Abtrennung des südlichen Stadtbezirks als eigenständige KG (Buchholz, Johannis).
Die KG ist Träger eines KiGa, der 1949 aus dem ehemaligen NSV-KiGa am Veilchenweg hervorging und 1986 ausgebaut wurde. 1970 wurde wieder eine hauptamtliche Gemeindeschwester angestellt. 1981 ging die Schwesternstation in der gemeinsam mit der St.-Johannis-KG betriebenen Sozial- und Diakoniestation auf.
Ein 1968/70 errichtetes Jugendhaus wurde 1990 zum Gemeindehaus erweitert. 2010/12 wurde unmittelbar neben der Kirche das Paulus-Haus als modernes Gemeindezentrum mit Amtsräumen und Räumlichkeiten für die kirchengemeindliche Arbeit errichtet.

Pfarrstellen

I: 1. Juli 1904. – II: 1. August 1954.4 – III: 1. April 19645, 1. Januar 1966 auf die St.-Johannis-KG übergegangen.6 Neuerrichtung 1. Juli 1973.7 – IV: 1. Januar 1987.8

Umfang

Bei Errichtung der KG die politischen Gemeinden Buchholz, Vaensen und Steinbeck. Erweitert wurde der Pfarrsprengel um die luth. Einwohner der Ortschaft Meilsen (1. Januar 1909, aus der KG Hollenstedt) und des Gemeindeteils Buensen der politischen Gemeinde Buchholz (1. April 1959, aus der KG Hittfeld).9

Aufsichtsbezirk

Bei Gründung zur Insp. Harburg, ab 1. September 1922 zur neu errichteten Insp. (1924: KK) Hittfeld.10

Kirchenbau
Kirche, Blick zur Orgel, nach 1953

Kirche, Blick zur Orgel, nach 1953

Vierachsiger gotisierender Backsteinbau mit 5/8-Chorschluss und Anbauten beiderseits des Altarraums (Sakristei und Vorraum zum Keller). Ausrichtung von Süd-West nach Nord-Ost. Das Langhaus wird von einer Flachdecke geschlossen, der Chor ist gewölbt. 1945 wurde das KGb bei der Sprengung der Eisenbahnbrücke beschädigt, 1953 der Innenraum neu gestaltet und u. a. die Buntglasfenster aus dem Altarraum ausgetauscht. Wegen Platzmangels wurden Emporen in den Raum eingezogen.

Turm

Im Süd-Westen auf rechteckigem Grundriss. Hohe spitzbogige Schallöffnungen. Vierseitiger Pyramidenhelm mit Kupfereindeckung.

Ausstattung

Ein älteres Altarretabel war 1953 durch ein geschnitztes Kruzifix ersetzt worden. 2007 wurde der gesamte Altarraum durch den Bremer Künstler Gunther Gerlach neu gestaltet. Die Kirche erhielt einen neuen Altar aus drei variablen Komponenten aus hellem Ahorn- und dunklem Nussbaumholz, der Mittelteil in der Form eines griechischen Tau () als reduziertes Kreuz. Taufe und Kerzenleuchter wurden aus den gleichen Materialien gestaltet. – Kanzel aus der Erbauungszeit der Kirche.

Kirche, Blick zur Orgel, nach 1953, vor 1972

Kirche, Blick zur Orgel, nach 1953, vor 1972

Orgel

Als erste Orgel beschaffte die KG 1896 oder 1899 eine frühere Göttinger Synagogenorgel der Firma P. Furtwängler & Hammer mit 6 I/P. 1951 Neubau durch Firma Paul Ott (Göttingen) unter Verwendung brauchbarer Teile der alten Orgel; später um ein Rückpositiv erweitert. 1977 und 1980 weitere Renovierungs- und Erweiterungsarbeiten auf 20 II/P (HW, RP). 2000 Neubau durch die Orgelbauwerkstatt Peter Plum (Marbach); Intonation durch Hans-Ulrich Erbslöh (Hamburg), 23 II/P (HW, SchwellW). Einweihung 25. Juni 2000.

Geläut

Vier LG, I: a’ (Bronze, Gj. 1956, Friedrich Wilhelm Schilling, Heidelberg); II: h’ (Bronze, Gj. 1949, Friedrich Wilhelm Schilling, Heidelberg); III: d’’ (Bronze, Gj. 1956, Friedrich Wilhelm Schilling, Heidelberg); IV: e’’ (Bronze, Gj. 1964, Friedrich Wilhelm Schilling, Heidelberg); LG III dient zugleich als Betglocke. – Früherer Bestand: Bereits 1889 schenkte der Abbauer Peter Christoph Koch der KG Hittfeld eine Glocke für die Buchholzer Schule. Nach dem Bau der Kirche wurde eine weitere (größere) beschafft, beide von der Firma Radler in Hildesheim. Disposition: h und dis. Die größere Glocke wurde im Ersten Weltkrieg eingeschmolzen. 1923 neue Glocke von Radler, 1926 wegen Beschädigung umgegossen, 1942 wieder abgeliefert. Die kleinere, erhaltene Radler-Glocke wurde 1956 umgegossen.

Friedhof – Alter Friedhof an der Friedhofstraße

1864 eingeweiht, 1903 vergrößert. FKap (Bj. 1928)

Waldfriedhof an der Parkstraße

Angelegt 1951/53 FKap (Bj. 1961, Architekt: Horst Fischer, Hamburg) mit einer LG in fis’’ (Bronze Gj. 1964, Friedrich Wilhelm Schilling, Heidelberg) und Orgelpositiv von Paul Ott, Göttingen (1966). Beide Friedhöfe sind Eigentum der KG.

Landeskirchliches Archiv Hannover

A 5 Nr. 449, 457 und 463 (Spec. Landeskons.); A 6 Nr. 1246-1248 (Pfarrbestellungsakten).

Literatur

B: Kirchenvorstand der Ev.-luth. St.- Paulus-Kirchengemeinde Buchholz (Hg.): St. Paulus im Wandel der Zeit. Festschrift zum 100jährigen Bestehen der St. Paulus-Kirche zu Buchholz 1892-1992, [Buchholz 1992]; Walter Kludas: Ksp. Buchholz und seine Entstehung, in: Heimatglocken (Beilage des Winsener Anzeiger), Nr. 287 und 288 (November 1963); Walter Kludas: Buchholz. Gesicht und Geschichte eines Heide-Ortes, Hamburg [1981].


Fußnoten

  1. KABl. 1891, S. 37.
  2. KABl. 1901, S. 64 f.
  3. Becker, Kirchenkampf, S. 131.
  4. KABl. 1954, S. 85.
  5. KABl. 1964, S. 13.
  6. KABl. 1966, S. 4.
  7. KABl. 1973, S. 109.
  8. KABl. 1987, S. 4.
  9. KABl. 1959, S. 55
  10. KABl. 1922, S. 107.