Sprengel Ostfriesland-Ems, KK Harlingerland | Patrozinium: – | KO: Ostfriesische KO von 1716

Orts- und Kirchengeschichte

Die Gemeinden Blomberg und Neuschoo verdanken ihre Entstehung der preußischen Moorkolonisation. Ihre zumeist ostfriesischen Siedler waren überwiegend ärmere Leute aus der Geest, die hier die Möglichkeit zum Erwerb von eigenem Grundbesitz erhielten. Blomberg, Ende des 18. Jh. als Hochmoorkolonie gegründet, hatte 1821 bereits 182 Einwohner (1858: 558 Einwohner, 1900: 613 Einwohner). In dem zur gleichen Zeit entstanden Nachbarort Neuschoo stieg die Einwohnerzahl bis 1925 auf über 1.000. Wichtigster Erwerbszweig war für beide Ortschaften die Landwirtschaft. Mit der Bildung der Ortsvorsteherbezirke Eversmeer, Blomberg und Neuschoo zum 1. Mai 1849 wurde die Grundlage für die verwaltungsrechtliche Eigenständigkeit gelegt. Seit der Gebietsreform von 1972 sind Blomberg und Neuschoo Teil der Samtgemeinde Holtriem.

Kirche, Außenansicht, Postkarte, nach 1954

Kirche, Außenansicht, Postkarte, nach 1954

Die KG Blomberg-Neuschoo wurde 1870 gebildet. Hervorgegangen ist sie aus den Schulgemeinden Blomberg, Negenmeerten und Lüdstede sowie Teilen der KG Westerholt. Die drei keiner Parochie zugeordneten Schulgemeinden wurden gegen Zahlung doppelter Stolgebühren durch das Pfarramt in Ochtersum betreut. Ihr Umfang war in den 1860er Jahren so stark gewachsen, dass die Einwohner die Bildung eines eigenen Ksp. betrieben. Ein erster Schritt zur Verselbständigung war die Anlage eines Friedhofs (1848/49). Dagegen verzögerte sich der Bau einer Kirche durch einen Streit zwischen den Schulgemeinden um den Bauplatz. Im Verlauf dieses Konflikts traten etliche Einwohner von Neuschoo aus der Kirche aus, schlossen sich zu einer ev.-meth. Gemeinde zusammen und errichteten 1869 die ev.-meth. Bethlehemskirche. Die verbliebenen Gemeindeglieder einigten sich schließlich auf einen Kompromiss: Die Kirche wurde auf Blomberger Gemarkung errichtet, das Pfarrhaus in Neuschoo. Das Domänenamt stattete die Pfarre mit 100 Diemat Moorländereien in Blomberg und Neuschoo als Pfarrländereien aus.
Erster P. war Christian Klumker aus Juist (amt. 1870-1880). Unter seinen Nachfolgern machte sich P. Andreas Janssen Müller (amt. 1889-1898) als Ortsschulinspektor besonders um das Schulwesen verdient. In seiner Amtszeit wurden in allen drei Schulgemeinden neue Schulhäuser errichtet. Für die Gemeindearbeit errichtete die KG 1966 einen Gemeindesaal.

Aufsichtsbezirk

Seit Gründung der KG zur 8. luth. Insp. mit Sitz in Westeraccum, später in Esens bzw. zum KK Esens (1. Januar 1974 mit dem KK Wittmund zum KK Harlingerland vereinigt).

Kirchenbau

Vierachsiger, neugotischer Backsteinbau nach Plänen des Auricher Landbauinspektors Leopold (eingeweiht am 19. Juni 1870 durch GSup. Gossel, Aurich). 1963 umgestaltet.

Glockenturm, Postkarte, 1953 (?) bzw. vor 1954

Glockenturm, Postkarte, 1953 (?) bzw. vor 1954

Turm

Der Kirchenbau war zunächst turmlos, die Glocke hing in einem freistehenden Holzgerüst. 1922 bewilligte das Konsistorium in Aurich eine Beckenkollekte für den Bau eines Glockenturms.1 Die Gelder wurden jedoch in der Inflationszeit entwertet, so dass die Pläne erst 1954 umgesetzt werden konnten. Der mit einem Pyramidendach eingedeckte Turm hat ein leicht eingezogenes Glockengeschoss mit doppelten spitzbogigen Schallluken. In der Turmhalle wurde 1964 eine Gedenkstätte für die Gefallenen der Weltkriege eingerichtet.

Ausstattung

Neugotisches Altarretabel mit Altarbild des Gekreuzigten (1870). Die Mensa wurde 1980 neu gestaltet. – Die ursprüngliche Kanzel wurde 1963 gegen die aus der Kirche von Plaggenburg ausgetauscht.

Orgel

1876 Anschaffung eines Harmoniums. 1892/93 Neubau einer Orgel durch Johann Diepenbrock (Norden), 9 I/P, mechanische Traktur, Kegelladen, neugotischer Prospekt. Die Prospektpfeifen wurden im Ersten Weltkrieg ausgebaut und später durch Zinkpfeifen ersetzt. 1977/78 Instandsetzung durch Martin Haspelmath (Walsrode).

Geläut

Zwei LG, I: a’ (Bronze, Gj. 1870, A. van Bergen, Stiekelkamp); II: c’’ (Bronze, Gj. 1996, A. Bachert, Heilbronn).

Friedhof

Ursprünglich an der Nordwestecke des Schulgrundstücks, am 14. Juni 1849 in Benutzung genommen. Der neue Friedhof bei der Kirche wurde mit dieser 1870 angelegt.

Landeskirchliches Archiv Hannover

A 5 Nr. 222 und 225 (Spec. Landeskons.); A 6 Nr. 915-917 (Pfarrbestallungsakten); A 8 (CB); A 12 d (GSuptur. Aurich); D 54 (EphA Esens).

Literatur

A: Müller-Jürgens, Vasa sacra, S. 46.


Fußnoten

  1. KABl. 1922, S. 36.