Sprengel Lüneburg, KK Uelzen | Patrozinium: Michael (seit 1957) | KO: Lüneburger KO von 1643

Orts- und Kirchengeschichte
Kirche, Blick zum Altar, 1955

Kirche, Blick zum Altar, 1955

Die 1307 erstmals erwähnte1 Kirche in Bienenbüttel wurde wohl im 12. oder 13. Jh. vom Lüneburger Michaeliskloster gestiftet, das 1238 auch die Vogtei über die dortigen Güter erwarb und das Patronatsrecht besaß. Ende des 14. Jh. erscheint sie in einem Verzeichnis der Parochien der Diözese Verden.2 1288 war dominus nicolaus plebanus in binebutle.3 Weitere vorref. Geistliche: Volrad Lassan (1384), Heinrich (1418, 1423), Heidekinus (rector, 1423). – Kapellen bestanden in Rieste (1238 erwähnt; vor 1534 abgebrochen) und Grünhagen (erbaut um 1350 unter Ulrich I., Abt des Michaelisklosters; 1710 abgebrochen). Einführung der Reformation 1525. Im Pfründenverzeichnis von 1534 wird der P. Christoferus als erster luth. Geistlicher genannt; 1543 Anthonius Reuter. Von den späteren Geistlichen ist August Christoph Bernhard Einhof (amt. 1803-1808) zu erwähnen (vorher Lehrer an der Ritterakademie in Lüneburg).4.
Zur besseren Aufteilung der Pfarrbezirke und Entlastung des Pfarrstelleninhabers von Bienenbüttel wurde mit dem 1. Januar 1974 die KG Wichmannsburg in die KG Bienenbüttel eingegliedert. Am 1. April 1992 wurden die beiden Gemeinden wieder getrennt.

Umfang

Die Dörfer Beverbeck, Bienenbüttel (mit Findorfsmühle), Eitzen, Grünewald, Rieste, Steddorf, Hohenbostel, Niendorf (mit dem Wirtshaus Diecksbeck), Wulffstorf und Grünhagen sowie der Hof Bardenhagen.

Aufsichtsbezirk

Archidiakonat Bevensen der Diözese Verden. – Nach der Reformation zur Insp. Lüne. 1868 in die Insp. Bevensen umgegliedert, ab 1947 KK Bevensen-Ebstorf/Bevensen. 1975 Vereinigung des KK Bevensen mit dem KK Uelzen zum KK Uelzen.

Patronat

Das Michaeliskloster in Lüneburg vor 1310 bis 1850. Durch Reskript vom 6. August 1850 ging die Verwaltung des Patronatsrechts auf den Allgemeinen Klosterfonds über und wurde durch das Konsistorium ausgeübt.5

Kirchenbau
Kirche, Blick zum Altar, 1955

Kirche, Blick zum Altar, 1955

Die mittelalterliche Feldsteinkirche wurde schon 1543 als baufällig bezeichnet und 1564 erneuert, möglicherweise auch erweitert. Wegen Baufälligkeit wurde sie 1837/38 abgebrochen und durch einen klassizistischen Neubau nach Plänen von Friedrich August Ludwig Hellner ersetzt (Einweihung wohl im Spätsommer 1838). Dabei wurde die ursprüngliche West-Ost-Ausrichtung aufgegeben und das Schiff in Nord-Süd-Richtung errichtet. Rechteckige Saalkirche aus Ziegelmauerwerk zu fünf Achsen an den Längsseiten. Walmdach. Innenraum mit einer kassettierten Flachdecke. Renovierungen und teilweise Umgestaltung um 1907 (Ausmalung im historische Stil, 1954 wieder entfernt), 1971 und 2010/11.

Fenster

In der Ostwand drei halbkreisförmige Buntglasfenster mit dem segnenden Christus (Mitte), Pelikan und Lamm (außen), 1924/28 von Ferdinand Müller (Quedlinburg).

Turm

Der erst 1701/02 an der Stelle eines älteren, verbretterten Holzbalkenturms erbaute Feldsteinturm des Vorgängerbaus blieb zunächst erhalten. 1907 erhielt die Kirche einen neuen hohen Backsteinturm nach einem Entwurf von Wilhelm Matthies (Bardowick). Über der Glockenstube vier Seitengiebel mit angedeutetem Walmdach, aus deren Mitte sich ein vierseitiger Aufsatz mit Pyramidenhelm erhebt.

Ausstattung

Klassizistische Kanzelaltarwand (1840). Der Kanzelkorb wurde 1960 herausgenommen und seitlich vom Altar aufgestellt. – Weiß gefasster, hölzerner Taufständer (1837). – Grabplatte des P. Philipp Julius Toppius (innen an der Westseite). – Über dem Nordeingang außen ein Wappenstein des Lüneburger Abts Eberhard von Holle.

Kirche, Blick zur Orgel (mit Bänken im Kirchenschiff)

Kirche, Blick zur Orgel (mit Bänken im Kirchenschiff)

Orgel

1857 Neubau durch P. Furtwängler (Elze). 1943 und 1973 Reparatur und Änderung der Disposition durch Firma Emil Hammer. Weitere Instandsetzung 1998, 21 II/P, mechanische Traktur, Schleifladen. Denkmalorgel.

Geläut

Drei LG, I: f’ (Freudenglocke, Stahl, Gj. 1957, Bochumer Verein)6; II: as’ (Lutherglocke, Bronze, Gj. 1934, Firma Radler, Hildesheim); III: e’’’ (Bronze, Gj. 1524, Cord von der Heide, Lüneburg; ursprünglich aus der Grünhagener Kapelle und nach deren Abbruch 1702 nach Bienenbüttel7). – Zwei SG, I: a’’ (Eisen, um 1920); II: c’’’ (Eisen, um 1920). – Eine weitere LG in Wichmannsburg: f’ (Bronze, Gj. 1512, Hinrich von Kampen). – Früherer Bestand: 1818 eine in Hamburg gegossene Glocke. 1907 Neuguss der Christusglocke (1942 abgeliefert).

Weitere kirchliche Gebäude

Ein KiGa wurde 1967 eingeweiht (im früheren Küsterschulhaus; Neubau 1991/92) Für die Gemeindearbeit wird das ehemalige Pfarrhaus genutzt. Der Neubau der Pfarrwohnung mit Wirtschaftsteil ist für das Jahr 1623 nachgewiesen (1728 und 1786 von Grund auf erneuert). 1962 wurde im ehemaligen Wirtschaftsteil ein Gemeindesaal eingerichtet, 2000 das gesamte Gebäude zum Gemeindehaus umgebaut. Als Pfarrwohnung dient jetzt das frühere Küsterschulhaus.

Friedhof

Ursprünglich bei der Kirche. 1810 Neuanlage am westlichen Dorfrand (später aufgegeben). 1926/27 Verlegung an den Eitzer Kirchstieg. Neugotische FKap (Bj. 1928, Architekt: Hans Haentzsche, Lichtenhorst), 1965 um einen Anbau erweitert.

Landeskirchliches Archiv Hannover

A 1 Nr. 1040-1051 (Pfarroffizialsachen); A 6 Nr. 810-817 (Pfarrbestallungsakten); A 9 Nr. 215 (Visitationen); D 39 (EphA Bevensen-Ebstorf).

Literatur

A: Aye/Kronenberg, Taufbecken, S. 74, Nr. 41; Brüning/Harnack/Weber, Friedhöfe, S. 39-42; Dehio, Bremen/Niedersachsen, S. 222; Lucka, Denkmaltopographie Lkr. Uelzen, S. 107; Funke/Fricke, Pastoren KK Uelzen, S. 55-62; Mithoff, Kirchen und Kapellen Lüneburg, S. 366 f.; Müller, Kirchenbauten, S. 98 f.
B: Hans-Cord Sarnighausen: 700 Jahre Kirchenbau in Bienenbüttel bei Lüneburg, in: JbGNK 104 (2006), S. 309-318.


Fußnoten

  1. Lüneburger UB VII, St. Michaelis, Nr. 186.
  2. Hodenberg, Verden I, S. 87.
  3. Lüneburger UB VII, St. Michaelis, Nr. 133.
  4. Rotermund, Das gelehrte Hannover I, S. 536.
  5. Vierteljährliche Nachrichten 1852, S. 50 f.
  6. Strasser, Glocken Uelzen III, S. 58, Nr. 44.
  7. Strasser, Glocken Uelzen III, S. 54, Nr. 8.