Frühere Gemeinde | Sprengel Hannover, KK Laatzen-Springe | Patrozinium: Martin1 | KO: Calenberger KO von 1569

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Orts- und Kirchengeschichte

Die Ortschaft Bennigsen (seit 1974 Stadtteil der Stadt Springe) erscheint unter dem Namen Bennucheshusen urkundlich erstmals in der Amtszeit des Bf. Milo von Minden zwischen 969 und 996.2 Vielleicht bestand im 10. Jh. schon eine Kapelle. Der spätere Kirchenbau wird auf Ende des 12. oder Anfang des 13. Jh. datiert. Urkundlich Erscheint das Ksp. Benneken zuerst 1320 im Mindener Lehnsregister. 1463 belehnte Gf. Otto von Holstein und Schaumburg Erasmus I. von Bennigsen „myt dem kercktorn unde myt 3 Hofe [Hufen] und myt 3 Hofe Landes, bynnen unde buthen Beniksen gelegen“.3 1478 gab Gf. Erich von Holstein und Schaumburg eine Erklärung über Gerechtsame der Kerke to Benixen, die die von Bennigsen zu Lehen haben, ab. Als Geistlicher erscheint im 14. Jh. Bartholomäus plebanus in bennexen im Memorienbuch des Kaland zu Pattensen.4

Kirche, Ansicht von Südosten, vor 1905

Kirche, Ansicht von Südosten, vor 1905

Die Einführung der Reformation erfolgte wohl 1541/42 bald nach dem Landtag zu Pattensen (1541). Im April 1543 wurde die Gemeinde visitiert. Der 1545 genannte Pfarrer Lambert war jedenfalls wohl schon ein Anhänger des neuen Bekenntnisses.5 Als erster sicher belegter luth. P. erscheint Heinrich Gos(s)lar (bis 1558, später P. zu Hüpede) 1567 als Zeuge im Testament des Erasmus von Bennigsen.
Zwischen 1554 und 1588 (Erwähnung im Generalvisitationsprotokoll) wurde Bennigsen mit Lüdersen verbunden, das bis Ende des 17. Jh. Pfarrsitz war. 1699 verlegten die von Bennigsen als Patronatsherren den Sitz wieder nach Bennigsen und bemühten sich in der Folgezeit mehrfach (vergeblich) um Lösung der Verbindung. Da zwei Pfarrstellen nicht zu finanzieren waren, intervenierte das Kloster Loccum (als Inhaber des Patronats zu Lüdersen) erfolgreich beim Konsistorium in Hannover, das die Trennung unter dem 16. Januar 1794 ablehnte. 1881 wurde auch ein Antrag des Bennigser Gemeindevorstandes abschlägig beschieden.
Unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg bestand ein als „Finnenhäuser“ bezeichnetes Barackenlager, in dessen Kapelle regelmäßig Karfreitags- und Bußtagsabendmahls-GD stattfanden (bis 1955).6 Das einstige Bauerndorf entwickelte sich zunehmend zur Pendlergemeinde mit steigender Einwohnerzahl. P. Appelkamp regte um 1965 im Neubaugebiet die Schaffung einer kirchlichen Versammlungsstätte und eine parochiale Neuordnung im Bereich der KG Bennigsen, Lüdersen und Gestorf an, die bereits einen regelmäßigen Predigttausch praktizierten.7 Mit dem 1. Januar 1976 wurden die KG in Bennigsen und Lüdersen zur Ev.-luth. KG Bennigsen-Lüdersen zusammengeschlossen und mit der KG Gestorf pfarramtlich verbunden.8

Umfang

Im Mittelalter gehörten zur Parochie auch das Dorf Medefeld (um 1350 untergegangen) und eine Kapelle in Volkermissen westlich von Bennigsen (1566 als „wüste Kirche“ bezeichnet; das Dorf wurde im 17. Jh. aufgegeben). Später nur noch das Dorf Bennigsen.

Aufsichtsbezirk

Archidiakonat Pattensen der Diözese Minden. – 1542 zunächst der LSuptur. für das Fsm. Calenberg unterstellt, ab 1589 zur neu errichteten Insp. Jeinsen, 1799 Insp. (ab 1924: KK) Pattensen (1. Januar 1972 in KK Laatzen-Pattensen umbenannt).

Patronat

Ursprünglich die Gf. von Holstein und Schaumburg, die die Familie von Bennigsen zuletzt 1605 damit belehnten. Allerdings bewilligte bereits am 12. Mai 1554 Gf. Otto von Schaumburg dem Erasmus II. von Bennigsen das Recht, die Pfarrstelle im Falle ihres Freiwerdens selbst zu besetzen. 1680 kam es zu einem Vergleich über die alternierende Pfarrstellenbesetzung durch die von Bennigsen und das Kloster Loccum als Patron von Lüdersen. Noch zu diesem Zeitpunkt ist erkennbar, dass die von Bennigsen das Patronat nur als Lehnträger des Lgf. von Hessen als Erben der Schaumburger Gf. ausübten. Wohl erst seit Anfang des 18. Jh. stand der Familie das unbeschränkte Patronatsrecht für Bennigsen zu.

Kirchenbau
Kirche, Blick zum Altar, um 1960

Kirche, Blick zum Altar, um 1960

Das mittelalterliche KGb ist während der Hildesheimer Stiftsfehde im Herbst 1522 (wohl bis auf die Außenmauern des Kirchturms) niedergebrannt und wurde bis 1554 auf den alten Fundamenten wieder aufgebaut. Der Turm wurde 1710 wegen Baufälligkeit abgebrochen und bis 1721 wieder errichtet. Bereits im 17. Jh. war der Chor vergrößert worden. 1789 wurde der Innenraum neu gestaltet und anstelle der bisherigen Gewölbe mit einer flachen Holzdecke geschlossen. 1851/52 wurden die Kirchenfenster erneuert. Nach einem Blitzschlag brannte die Kirche in der Nacht vom 1./2. Juli 1905 vollständig nieder. 1906/07 errichtete die KG nach Plänen des Architekten Eduard Wendebourg (Hannover) einen historisierenden Neubau auf kreuzförmigem Grundriss (Einweihung am 15. Dezember 1907). Das Quadermauerwerk besteht aus Kalkstein vom benachbarten Limberg bei Gestorf. Ausmalung durch F. Sievers nach Vorgaben des Kirchenmalers Koch. Renovierung 1979/80. Fenster Glasfenster 1907 von Henning & Anders (Hannover).

Grablege

Unter der Kirche befindet sich die Grablege der Familie von Bennigsen.

Ausstattung

Kanzelaltar mit Ölgemälde (Jesus vor Pilatus) von Fiorillo (Göttingen), 1789 angekauft; 1895 das Altarbild durch einen Öldruck nach dem Gemälde „Einsetzung des heiligen Abendmahls“ von Leonardo da Vinci ersetzt. Beim Neubau von 1906/07 wurden Altar und Kanzel durch die Gebrüder Meyer in Bennigsen nach Entwurf von Eduard Wendebourg neu hergestellt. Der Altar erhielt ein Ölgemälde der Kunstmalerin Schüler aus Berlin nach der „Beweinung Christi“ von Anthonis van Dyk (gestiftet durch Silvie, Adelheid, Chlothilde und Hedwig von Bennigsen; 1980 restauriert). – Romanischer Taufstein (Anfang 13. Jh.), 1886 auf dem Kirchplatz wiederentdeckt und 1954 im Vorraum der Kirche aufgestellt. – Grabstein der Magdalena Dorothea von Reden († 1685). – Barocker Prunksarkophag für Jacob Franz von Bennigsen († 1731).

Kirche, Blick zur Orgel

Kirche, Blick zur Orgel

Orgel

Die Kirche verfügte 1823 über ein Instrument mit 11 I/P (Kostenvoranschlag für eine Reparatur durch Orgelbauer W. Meyer, Hannover; Instandsetzung wohl 1825).9 Neubau 1872; wurde 1905 beim Brand der Kirche vernichtet. 1906/07 Neubau hinter neugotische Prospekt durch P. Furtwängler & Hammer (Hannover), 17 II/P (HW, OW), pneumatische Traktur, HW Kegellade, OW und Pedal Taschenladen. 1958/69 von Ernst Palandt (Hildesheim) nach neobarockem Klangideal umdisponiert und sukzessive erweitert auf 24 (davon eine Transmission) II/P. 2001/02 Restaurierung und Wiederherstellung des ursprünglich romantischen Klangbilds durch Jörg Bente (Helsinghausen), jetzt 21 II/P (HW, SchwW), pneumatische Traktur, Kegel- und Taschenladen.

Geläut

Drei LG, I: f’, II: as’, III: b’ (alle Stahl, Gj. 1956, Bochumer Verein). – Früherer Bestand: Die Kirche in Bennigsen verfügte früher über drei Bronzeglocken (Gj. 1606 oder 1616 von Joachim Schrader, sowie 1649 und 1668, beide von Ludolf Siegfried, Hannover), die beim Brand von 1907 zerstört wurden. Das 1907 von Radler & Söhne (Hildesheim) als Ersatz gegossene Geläut in es’, ges’ und b’ wurde im Ersten Weltkrieg zu Kriegszwecken abgeliefert. 1927 wurde bei Radler & Söhne ein weiteres Geläut aus drei Bronzeglocken (Christus-, Luther- und Friedensglocke) beschafft (Disposition: es’, fis’ und b’) Hiervon wurden die große und mittlere Glocke im Zweiten Weltkrieg ebenfalls eingeschmolzen. Die erhalten gebliebene kleine Bronzeglocke (Lutherglocke) wurde beim Neuguss des Geläuts 1956 in Zahlung gegeben.

Weitere kirchliche Gebäude

Pfarrhaus in Fachwerkbauweise (1783). – Gemeindehaus, 1972 eingeweiht.

Friedhof

Ursprünglich bei der Kirche (nur einzelne Grabsteine erhalten). 1874 an den östlichen Ortsausgang verlegt. In Trägerschaft der Stadt Springe.

Landeskirchliches Archiv Hannover

A 1 Nr. 777–792 (Pfarroffizialsachen); A 5 Nr. 737 (Spec. Landeskons.); A 6 Nr. 674–678 (Pfarrbestallungsakten); A 9 Nr. 177 (Visitationen); D 13 (EphA Laatzen-Pattensen).

Literatur

A: Aust/Benne u. a., Kirchen, Klöster, Kapellen, S. 285–288; Dehio, Bremen/Niedersachsen, S. 207; Hannig, Denkmaltopographie Lkr. Hannover, S. 266 f.; Fraatz, Inspektion Pattensen, S. 14–17; Jäger, Orgeln, S. 41–45; Jürgens u. a., KD Kr. Springe, S. 22–24; Pape, Palandt, S. 277–283.
B: Chronik der Ev.-luth. Kirchengemeinde St. Martin in Bennigsen, o. O. [1980]; Matthias Freiknecht, Andreas Langenau und Udo Radtke: Kirchengemeinde Bennigsen, in: 450 Jahre Reformation im Calenberger Land, [Laatzen 1992], S. 79–81; Wilhelm Janker und Wilhelm Sagemann: 1000 Jahre Bennigsen. Aus der Vergangenheit in die Gegenwart, [Bennigsen 1980].


Fußnoten

  1. Der Name St.-Martins-Kirche wurde erst 1939 eingeführt. Ein mittelalterliches Patrozinium ist nicht bekannt; vielleicht Bartholomäus. Vgl. Chronik, S. 18.
  2. Westfälisches UB Suppl., Nr. 478. Vgl. auch Casemir/Ohainski, Niedersächsische Orte, S. 61.
  3. Janker/Sagemann, S. 173.
  4. Janker/Sagemann, S. 178.
  5. Holscher, Bisthum Minden, S. 174.
  6. LkAH, L 5a, Nr. 84 (Bennigsen, Visitation 1955).
  7. LkAH, B 2 G 1/Bennigsen (Vermerk Dezernat 18, 07.04.1965).
  8. KABl. 1976, S. 6.
  9. LkAH, D 13, Nr. 831.