Sprengel Ostfriesland-Ems, KK Norden | Patrozinium: – | KO: Ostfriesische KO von 1716

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Orts- und Kirchengeschichte

Die ostfriesische Insel war vermutlich schon im 14. Jh. besiedelt. Der Name Balteringe erscheint erstmals in einer Urkunde vom 11. September 1398. Im 14. und 15. Jh. unterstand Baltrum der Herrschaft der tom Brok, später der Cirksena und teilte seither das Geschick der Gft. bzw. des Fsm. Ostfriesland. Amt Berum (ab 1869 Amt Norden, 1884 Kr. Norden). Baltrum hatte um 1700 nur 14 Haushaltungen, die überwiegend von Fischfang lebten. Der Aufstieg als Seebad setzte erst ab 1876 ein.

Große Ev. Kirche, Ansicht von Süden, 1949

Große Ev. Kirche, Ansicht von Süden, 1949

Die kirchliche Versorgung erfolgte bis ins 17. Jh. vom Festland aus. Ein eigener Geistlicher wird erstmals um 1660/63 mit Jan Mammen, Schulmeister aus Ostergrode, genannt. Bis 1672 erscheint P. Gerd Janssen in den Akten. Durchgehend war die Pfarre seit 1672 besetzt. Die Prediger nahmen bis Mitte des 18. Jh. auch die Funktion des Inselvogts wahr.1 Wegen der Ostwanderung der Insel musste der Standort der Kirche mehrfach verlegt werden. Die früheren Kirchplätze sind heute zum Teil untergegangen. Nach Aufzeichnungen von P. Christian August Heinsius (amt. 1736–1747) gab es schon vor 1700 eine kleine Kirche, die wohl 200 bis 300 Meter westlich des heutigen Osterhoeks von Norderney lag. Eine zweite Kirche ist in einem Protokoll des Auricher GSup. vom 21. Juli 1700 belegt, in dem sie als neu und in gutem Zustand befindlich bezeichnet wird. Ihr Standort war an der heutigen Wichter Ee. Möglicherweise wurde sie durch die Flut von 1717 beschädigt. Jedenfalls berichtet P. Heinsius, er habe seine Antrittspredigt (1736) wegen des schlechten Zustands der Kirche im Pfarrhaus halten müssen. Erst ab Dezember 1737 wurde wieder in der Kirche gepredigt.
1753/54 entstand unter Verwendung der Steine des früheren, jetzt abgebrochenen Baus, eine neue Kirche östlich des ehemaligen Standorts aber noch westlich der heutigen Insellage. Finanziert wurde sie aus Spendenmitteln von Festlandgemeinden. 1784 musste der Standort erneut nach Osten verlegt werden. 1808/09 wurde auch dieser Bau abgebrochen. Die daneben liegende Pastorei wurde noch bis 1825 als Kirchenraum benutzt und bei der großen Flut vom Februar 1825 zerstört. Im Sommer 1826 wurde das das noch erhaltene Backstein-KGb mit einem hölzernen Glockenträger fertiggestellt. Der Bau war nur für die Inselbewohner konzipiert und bot Platz für 50 Personen. Angesichts der wachsenden Zahl an Touristen nach dem Ersten Weltkrieg wurde es zu klein, weshalb 1929/30 ein weiterer Neubau mit Platz für 300 Personen erstellt (Einweihung 4. Mai 1930) und 1959 durch Um- und Anbauten noch einmal erweitert wurde. Die alte Kirche wird noch für Kasualien und Abendandachten genutzt.
2003 wurde ein Gemeindehaus mit Kurpastorenwohnung neu errichtet. Seit 2004 besteht ein Förderkreis zur Finanzierung der vollen Pfarrstelle.

Umfang

Die Insel Baltrum.

Aufsichtsbezirk

Unterstand zunächst unmittelbar der Aufsicht des 1643 errichteten Konsistorium in Aurich. Nach der Insp.-Ordnung von 1766 zur 3. luth. Insp. in Ostfriesland (Insp., ab 1924 KK Norden).

Patronat

Der Landesherr (bis 1871).

Kirchenbau – Alte Inselkirche

Schlichter, turmloser Backsteinbau mit Krüppelwalmdach (1826).

Turm

Hölzerner Glockenständer neben der Kirche.

Orgel

In der Alten Kirche befindet sich das frühere vierregistrige Positiv der FKap, erbaut 1950 durch Hermann Hillebrand (Altwarmbüchen), ab 1968 in der FKap, 2002 in die Alte Inselkirche überführt und 2004 durch Martin ter Haseborg (Uplengen) überholt.

Geläut

Ehemalige Schiffsglocke von 1768.

Kirchenbau – Große Ev. Kirche

Einschiffiger Backsteinsaalbau unter Walmdach (1929/30). Das Längsschiff mit bleiverglasten spitzbogigen Fenstern. 1959 Anbau eines Querschiffs und Erweiterung des Altarraums.

Turm

Querrechteckiger Westturm mit Satteldach, 1964/65 erhöht. Kleiner Dachreiter über der Vierung.

Ausstattung

Schlichter, holzverkleideter Altartisch ohne Aufsatz; einfache hölzerne Kanzel und Taufe.

Große Ev. Kirche, Blick zum Altar, 1957

Große Ev. Kirche, Blick zum Altar, 1957

Orgel

Bis Ende der 1870er Jahre war kein Instrument vorhanden. P. Fischer bat 1880 um eine Beihilfe für die Anschaffung eines Harmoniums, das noch im gleichen Jahr angekauft wurde.2 1899 erfolgte der Neubau einer Orgel durch Johann Diepenbrock (Norden). Sie wurde 1929/30 in die neue Kirche übernommen. 1959/61 Neubau durch Firma Alfred Führer (Wilhelmshaven), 14 II/P, mechanische Traktur, Schleifladen. 2004 Renovierung durch Martin ter Haseborg (Uplengen).

Geläut

Drei LG, I: as’ (Bronze, Gj. 1930, M. & O. Ohlson, Lübeck); II des’’ (Bronze, Gj. 1965, F. Otto, Bremen-Hemelingen); III: es’’ (Bronze, Gj. 1965, F. Otto, Bremen-Hemelingen). – Früherer Bestand: Die erste Glocke für die damalige Kirche ist am 26. März 1714 belegt. Beim Neubau von 1929/30 wurde eine neue LG beschafft und das Geläut 1959 auf drei LG ergänzt.

Friedhof

Im Ostdorf. Eigentum der KG.

Landeskirchliches Archiv Hannover

A 5 Nr. 688 (Spec. Landeskons.); A 6 Nr. 432–439 (Pfarrbestallungsakten); A 12 d (GSuptur. Aurich); D 82 (EphA Norden).

Literatur

A: Kaufmann, Orgeln Ostfrieslands; Mithoff, Kunstdenkmale VII, S. 34; Müller-Jürgens, Vasa sacra, S. 43.
B: Gerhard Canzler: Baltrum. Die Geschichte der Nordseeinsel, Aurich [1986]; Ludwig Janssen: Die Familien der Insel Baltrum (= Ostfrieslands Ortssippenbücher 3), Aurich 1962.


Fußnoten

  1. Canzler, S. 34.
  2. LkAH, D 82, Fasz. 4, Nr. 12.